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Die Gegenwart · 1869-12-01 · 23 (1.12.1869) · p. Seite 234

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
23 (1.12.1869)
Date
1869-12-01
Page
Seite 234 (sequence 8)
Language
German
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234 - Den (beim Spinka) durch den Verein „Chanuka" (Die Tem, Pejweise) -statt. Der Eintritt ist nur den Mitgliedern des Vereines und den Spendern so wie geladenen Güsten gestattet, von denen die Eintrittskarte abverlangl wird. V1- Afike Irhuda. Dieser Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthumö bcgannäin vcrflosieueu Säb- , bath seine erste Wirksamkeit. Herr Prof. Dr. Kampf inaugurirte dieselbe mit einem Vortrag über das große Sanhedriutn in Jer usalem, (zur Zeit des 2. Tempels) der durch seinen geistreichen Inhalt und die populäre Darstellung die Aufmerksamkeit deö Auditoriums durch fast anderthalb Stunden fesselte. *** Sterbefall. Am IG. v. M. wurde der als Arzt und Mensch gleich geachtete Joscfstüdt.Bezirksarzt Hr.Dr. Alexander Kalmus zu Grabe getragen. Im israelitischen Badhofc, woselbst sich der ehemalige Bürgermeister Herr Dr. Klaudy, mehrere Stadträthc mu Magistratöbcamte, UniverfitätSprofessvren cingefundcu haben, um dem Verstorbenen das letzte Geleite zu geben, hielt der Rabbiner und Prediger der KlauSsynagogc Herr Kohn eine geistvolle Rede, in welcher er die Humanität, Wissenschaft und Religion zur Grundlage nahm und mit dem Vcbot des Dahingeschicdcnen in ^Verbindung brachte. Hinter dem (ckränzten Gallaleichcnwa- °^gen, auf dem die UniversitütSinsignien lagen, schritten der Pedell im Ornate, hierauf der einzige Bruder des Verstorbenen ruvtl. Dr. Jakob Kalmus, der Doktorendekan mit der goldenen Kette so wie eine große Anzahl Trauergästc. Ter Vo»sitzende der pragcr EultuS Gemeinde Repräsentanz Herr Dr. TcdcSlo glänzte, wie gewöhnlich bei solchen Anlässen, durch seine Abwesenheit. *** Vorsichtsmaßregeln. DaS Eomitc, das sich mit dem Dane des neuen isr. Tempels beschäftigt hat, hat zur Bequemlichkeit des ^iibliruinö zwei große Thorausgänge zur rechten und linken Seite anbringcn lassen. Run ereignet cS sich fast jedesmal bei Trauungen, daß sich daS Publikum nach vollzogenem Trauungsalt hinausdrängcn urquetschen muß, um so erschöpft auf die Gasse zu gelangen. Sicht man davon ab, daß zuweilen zwei Trauungen, die in verschiedenen Synagoge» statlfindcn, auf einander folgen, denen dieselben Hochzcitsgüftc beiwohnen möchten, so ist es doch im Interesse der Sicherheit, gegenüber oft nie geahnten plötzlich cingctrrtrncn Uiiglnckesälle», nothwcndig, beide Thore offen zu halten und im schliinilisten Falle, wenn man eine Beeinträchtigung der S chüsselkassa fürchtet, bei beiden AnSgüngen eine solche auzubringcn. *** AiiSlvriS. Es liegt nnS der 8. Jahresbericht des Vereines zur Unterstützung mittelloser fisrael. Studirendcr in Wien vor; tcmzufvlgc erhielten an Kollegien» und Rigoroscngrldcx, Proniolionslaxen und sonstiger Unterstützung fünf Rabbiuatslandidatcn!>7 fl. 5>5>, nenn Studirende der Philosophie 120 fl. ti0ciuhuudertacht Studirende der Medizin 1 s;i? fl. so, sieben und zwanzig Sludircndc der Rechte 385 fl. und neun Techniker 25» fl. zusammen 2405 st. '.>5 (nichl aber wie im Berichte der Ausgaben steht 25)70. fl. 05 somit ein Jrnhum von 105 fl.) Dazu gerechnet die Regielosten von 101 fi. 12 und de» Saldo von 070. 44 .betrage» die Gcsaniiulausgaben 0207. 51; die Einnahmen inclusive des Saldo vom vorigen Jahre von 459. 05 betragen .'»072 fl. 5,1. Zu diesen gchörrn die Jahresbeiträge von (15,0 Mitglieder) 1S‘.fl. Oo (nicht aber wie Seite 12 l 705» fl. oo auswcift.j an Bcthhausspenden 407 st. und besonderen Spende» fl. Der Stand dcS Fond- Vermögens ist in Baarem (»950 fl. .Heller in Bcoi wird diesen Winter versuchsweise eine Vcrthcilnng vo» Prämie» im Betrage von Frs. 15),000 in der Art vornehmen, daß Jeder, welcher während der Monate November bis Ende Mär; 1H7i» von ihm ein Werk bezieht, je nach der Summe desselben eine oder mehrere numttierirle öiarlen erhält und dadurch an der Prärnienzirhung Theil »iiurnt. Das Prümicn-Vcrzcichniß nebst Prosprklus wird mit den Preis Eourantcn auf Verlangen 3ede»vlann franco zugesandt. Die Pramicnzichnng wird Anfang- April durch amtliche Urkundspersonen stattfinden unb jedem Theilnehmer die Ziehungsliste zugesandt. Wir erachten eS als Pflicht, auf das Publikum ganz besonders auf obiges Etablissement aufmerksam zu machen. V Wahlen in die Etadterpräseutanz. Bei den vorgestrigen staltgefundenen Wahlen in das Stadtverordnetcnkolle^ gium wurden fünf Israeliten gewählt und zwar für die Alstadt im 1. Wahlkörpcr H. A. B. Bücher, von 390 Wählern mit 207 Stimmen; im 2. Wahlkörpcr H. M. A. Wahle von 072 Wählern mit 390 St.,für die Neustadtim 1. Wahlkörper Herr Gottlieb Bondy von 425 Wähler mit 330 St. alle drei Kandidaten der Fortschrittspartei, für die Josefstadt wurden Kasinokandidaten im 1. Wahlkörper Herr Salomon Goldschmidt von 58Wahlberechtigten mit 2o St. und im 2. Wahlkörper H. Dr. Fr. Wiener von 121 Wahlberechtigten, von denen nur 44 erschienen waren, mit 39 St. gewählt. Man ersieht aus dem Wahlresultate sehr deutlich, daß. die Liebe der Israeliten zum deutschen Casino bedeutend im Abnehmen begriffen ist. Die Wahl der Herrn Wiener und Goldschmidt sehen, bei dem Umstande alö in dem Joscfstädter Viertel fast durchgehends Juden wählen, und keine Gegenkandidaten waren, mehr einem Fiasko ähnlich und beide Herren brauchen auf ihre Wahl nicht stolz zu sein. Auswärtiges. Wie». DaS Ministerium deS Innern hat dem Rekurse dcS Albert Eckstein gegen Statthalterci-Entscheidung wegen Verweigerung der Eintragung in die Geburtsmatrikel ohne vorhcrgegangene Befchneidung Folge gegeben und erkannt, daß der mit der Führung israelitischer Matrikel in Wien betraute Seelsorger verpflichtet ist, den Gcburtöakt des israelitischen Knaben Wilhelm Ecksteiü über Anmeldung des Vaters und ohne Rücksicht darauf, ob Letzterer sich zur Beschneidung des Kindes herbciläßt, in die GcburtSmatrikel der israelitischen Kultusgemeinde einzulragcn. Dem Matrikelftthrcr bleibt eS unbenommen, in der GeburiSmatrikel anmerkungSwcise sich auf den amtlichen Auftrag zur Eintragung dcS Geburtsaktcö zu berufen, sowie den Akt der . unterbliebenen Befchneidung zu konstatiren, jedoch in der Form, daß die Bcschncidung des neugeborenen KindcS in Folge der Weigerung des Vaters unterblieben ist. — Unter den zahlreichen Stiftungen für Rechtshörcr an der Wiener Universität befinden sich auch die sogenannten schlesischen „Bursa- Stiftungen," welche nach dem Willen deö Stifters nur an katholische Jünglinge, die für seine Seele beten sollen, verliehen werden dürren. Nichtsdestoweniger hatte cö das juridische Doktorcn-Kollegium für gut befunden, zwei solche Stipendien zwei andersgläubigen Rechtshörern, und zwar einem Juden und einem Protestanten zu verleihen. Allein die Statthaltcrei kasfirtc diesen Beschluß als dem Sinne des StiftungSbricfcö zuwiedcrlanfend. Das Doktoren- Kollcgium rckurrirtc gegen diese Entscheidung an daS Unterrichtsministerium; dieses aber bestätigte den Statthaltereibeschluß. Diese Mitthcilung erregte nun in der vorgestrigen Vcrsammluug deö Doktoren-Kollegiumö das peinlichste Aufsehen. Die Versammlung bedauerte die „engherzige Auffassung" der Behörden und beschloß, sich vorläufig der Statt- Haltcrci-Entschcidung zu fügen, aber nur insolangc, als nicht der Verwalt u n g s-G c ri ch t S h o f sich in Österreich kon« ftituirt haben wird. — Allgemeine Heiterkeit erregte daS Gesuch eines in Berlin zum Doktor promovirtcn Bukarcster Israeliten, der die Nostrifikation (das Recht in Österreich die Praxis auszuübcn) dcßwcgen erlangen will, „damit er im Lande der freie» Aussicht seine Praxis beginnen könne." Die Nostrisikation wurde dem Petenten unter den üblichen Bedingungen bewilligt. — Der in der Taborftraße wohn- Fortsetzung in der Beilage.

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