Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 23 (1.12.1869)
- Date
- 1869-12-01
- Page
- Seite 235 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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V 235 Beilage zur „Gegenwart" Nr. 23. anste bekannte Zahntechniker H., welcher mit der Tochter eines bekannten Hotelierin der Leopoldsladt am vergangenen Sonntag in der Karmelierkirche getraut wurde, mußte, da die Braut dem katholischen Glauben angehört and er Jude war, früher zur christlichen Religion übertreten und efand auch die Taufe am genannten Tage in derselben Kirche statt. Nunmehr ist der junge Ehemann mit seiner Familie, welche streng orthodox ist,, in derartige Konflikte gerathen, daß die Frau desselben den Entshluß gefaßt hat, zum jüdischen Glauben überzutreten, während ihr Gatte zu seiner angestammten Religion zurücklehrt. Zu dem Zwecke haben sich Beide bereitbeim hiesigen isr. Prediger gemrlde', woselbst auch die junge Prosclytin den nothwendigen Unterricht in der mosaischen Lehre erhält, und wird die Aufnahme der Beiden in den Schoß de- Judenthums schon in nächster Zeit erfolgen. Stuttgart. 8 November. „Sicherem Vernehmen nach ist von dem Ministerium de- Kirchen-und Schulwesender Zusammentritt der aus den 12 Rabbinat-bezirken des Landes und audem Lehrerstande berufenen Delegirtencommission zu Berathung eineneuen Verfassung-statutS für die israelitische Kirche auf den 6. Dezember d. I. und die folgenden Tage anberaumt worden." — Somit wird die Delegation am N2iv.i P2jn ihre Sitzungen eröffnen. Steenwigk. (Holland) Die hiesige isr. Gemeinde ist im Begriff, eine neue Synagoge zu bauen. Es wurde behufs Erlangung der Baukosten eine Subseription-liste eröffnet, in welcher große Summen gezeichnet wurden; als höchste Zeichnung 10150 fl. die niedrigste 6019 fl. Stockholm. Herr Gabriel Heimann,Sohn des jüngst in Gothenburg verstorbenen I. Heimann hat 10000 Thlr. und dessen Schwester Hilda 3000 Thlr. dem pracktischen Erziehungsinstitut, in welchem arme Mädchen ohne Unterschied der Confession unterrichtet werden, geschenkt. Die Stiftung trägt den Namen I. Heimann'sche Stiftung. Der General-Consul für Norddeutschland, Herr Karl von Heinemann wurde vom Sultan zum Commandeur des Medjidie-Ordens und vom Herzog von Anhalt zum Ritter des AlbrechtS-OrdenS ernannt. Herr Heinemann hat nunmehr neun Orden. Paris. Das „Journal Officiel" berichtet über die Wahlen in den gesetzgebenden Körper folgendes: C r e m i e ux wurde mit 20.784 Stimmen, Rochefort mit 17.978 St. und Arago mit 18.834 St. gewählt. Bukarest. Um das beharrliche Leugnen des Ministers Eogalniceano, als seien bis jetzt uoch keine Juden aus den Dörfern vertrieben worden, gründlich zu widerleöcn, bringt das „Echo Danubien" in feiner Nr. 146 eine große Liste, in welcher die Namen der vertriebenen Juden mit ihrer Kinderanzahl an die Orte wo sie bis jetzt gewohnt haben, einzeln aufgezählt werden, und verspricht da- Blatt demnächst die Fortsetzung der Liste zu bringen. Rew-Aork. Die jüdische Gemeinde New-Aork hat durch den Tod de- Herrn Joseph Fatman einen schweren Verlust erlitten. Derselbe zeichnete sich besonders durch seine große Wohlthätigkeit aus. Erst vor Kurzem schenkte er dem Berg- Sinai-Hospital 10000 Dollars (25000 fl.) Vom Liichertische Trauungsreden für alle Wochenab schnitte des Jahres von Elias KarpeleS, Rabbiner zu Loschitz in Mähren. Breslau, Schletter'fchc Buchhandlung (H. Skutfch) 1870. 170. S. ES thut dem aufrichtigen Juden so unendlich wohl, in einer Zeit voller krasser Widersprüche im politischen, socialen wie religiösen Leben, voller Unglauben- und widerlichen Reformschwindels, voller literarischer Todsünden und der tollsten AuSgcburten des Unsinns, einmal ein Buch in die Hand zu bekommen, das durchtränkt ist von dem Geiste des wahren unb unvexfälfchten Judenthnms, von dein Geiste altbewährten traditionellen Glaubens, von dem Geiste inniger und kräftiger Religiosität. Ein solches Buch ist das uns vorliegende! Herr Rabbiner KarpeleS, ein bewährter Kämpe deS orthodoxen Judenthnms in Mähren, zugleich einer unserer vorzüglichsten Prediger (wenn wir nicht irren, der Vater deS in orthodoxen Kreisen rühmlichst bekannten Gn st av KarpeleS) hat mit diesem Werke im wahren Sinne de» Wortes eine Lücke in der homiletischen Literatur auSgrfüllt. DaS GotteSwort in deutscher Sprache ist heutzutage in allen Synagogen Deutschlands dauernd eingebürgert. In welche» bedauerliche Dilemma zieht sich nun die jüdische Gemeinde versetzt, die den Luxus eines „Rabbiner-PrcdigerS" nicht erschwingen kann, und doch gerne eine Predigt, namentlich eine TrauungSrcde, in deutscher Sprache hören möchte! Ist der Vorstand ein reformistischer, so wird der arme Lehrer oder Ehasan genöthigt sein, alles Eonvolut von Reformlügm und Tendenzunwahrheiten eines Salomon, Holdheim, Kley, oder wie diese Rcformbarnume noch sonst heißen mögen, untermischt mit etwas Rationalismus anö Schlciermacher oder Dräfeke, als sein GcisteScigenthnm der staunende» Menge in Form einer TrauungSrcde — o unglückliches Ehepaar! — zu reproducircn. Ist der Vorstand ein orthodoxer — nun wir Orthodoxen können auch ohne deutsche Predigt in den heiligen Stand der Ehe weihevoll genug eintreten! — Diesem fühlbaren Mangel unserer Prcdigtliteratnr Hilst das vorliegende Buch vollständig ab. Herr Rabbiner KarpeleS bietet uns auS dem Material einer mehr denn zwanzigjährigen Predigtwirktsamkcit recht wackere, echt jüdische, nicht rationalistisch-reformistische TraunngSrcdcn, die sich vorzüglich zum Vorlcsen in kleinen Gemeinden durch den Lehrer eignen würden. Fügen wir noch hinzu, daß die Sprache eine blühende, Mitunter poetische, die Fülle von Midrasch-Erklärungen eine sehr entsprechende ist, sowie daß diese TrauungSreden auf jeder Seite, ja, mit jeder Zeile die wahren, unverfälschten Lehren unseres heiligen (Glaubens verkünden, und zwar mit einer wahrhaft jugendlichen Begriftcrnng verkünden, so glauben wir Alles erschöpft zu haben, was sich zur Empfehlung dieses prachtvoll ausgestatteten und doch recht billigen Buches sagen lässt. Wir scheiden von dem würdigen Verfasser in der Hoffnung, daß seine von der Verlagsbuchhandlung bereits angekttndigtcn „Leichenreden" uns — trotz ihres ominösen Namens — ebenso erfreuen werden, wie seine TrauungSprcvigen. A. K. Briefkasten der Redaktion. Herrn K. in 8. Ihre NoliN zu dcm Briefe im „Israelit" hat unS sehr überrascht, nachdem wir »och nicht einmal Manuskript besitzen. — Herrn Ju. Dr. F. in M. Wir suhlen un» ob Ihrer Kritik über unser Elatt sehr geehrt imd nehmen Sir di« Bcriicherunz, hin bah wir auf unserem Standpunkte ausharre» werden, auch wenn sich hie und da Stimmen gegen denselben erheben. — Herrn Z. in S. Das hat schon vor zwei Jahren dir Leipz. ill. Zt. gebracht. Briefkasten der Administration. Herrn Dr. R. in O. Indem wir «nd Sie bezüglich der Nrber» fetzung jene« russ. Werke« schweigen, so bitten wir Sie dieselbe gänzlich faden zu lassen, da ohnedieß mit derselben nicht« zu bezwecken ist. — Hrn. TO. In R.wir danken Ihne» für di» Berbreitung unsere Blatte«— H.M.P. in Kall. Wird durch dir vnchhandl. v. Silbern. Schenk besorgt.