Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-12-01 · 23 (1.12.1869) · p. Seite 229

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
23 (1.12.1869)
Date
1869-12-01
Page
Seite 229 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433993--442-4890774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fühle, wie rS ein abgestumpftes Messer verursacht. Ein her- und hin Rathen, eine bagatellmüßige Behandlung eines Gegenstandes, um nur mit demselben fertig zu werden, führt uur zu noch ärgeren Zuständen, als wir sie jetzt bei der Jugend anszuweisen haben, und wenn die Herren ReligionS« fchwärmcr so taktlos find, den -CultnSvorständen der kleinen Landgemeinden, die wie ein Mitglied der Repräsentanz sich auSdrückte, nicht den allerlciseftcn Begriff eines Mischen Wissens besitzen, mit kecker Faust in'S Gesicht zu schlagen, so müsse man diesen Vorkämpfern deö JudenthumS erklären, daß jede kleine Landgemeinde in der Wahl ihrer Vorstände, der alten Gemeinde Prag'ö den Rang ablaust und wenn eine solche Behauptung eines Mitgliedes der Repräsentanz nicht als rin unüberlegter Vorwitz zu betrachten ist, so ist sie eine Selbstüberschätzung, die auf die Repräsentanz blomirenb zurückwirkt. Die Landgemeinden verfügen freilich nicht über langathmige Präliminare, verschwenden nicht Gelder zum Rachthcile der Eontribuenten, stecken nicht Männer in Armen- und andere Komissionen um jenen einen Gegendienst zu erweisen, aber sie wirken nach ihren Kräften, forschen nach guten Lehrern, pflegen, wie sie können, den Religionsunterricht, und sind in der Beurtheilung der didaktischen Fähigkeiten und dcS jüdischen Wissens der Lehrer sehr. oft der prager Repräsentanz voran. Darum nicht so übereilt! L Der israelitische Religionsunterricht an Volks- und Mittelschulen. DaS Ministerium für Kultus und Unterricht hat von der Repräsentanz der Landesjudenschaft Böhmens ein Gutachten abverlangi über die Besorgung des Religionsunterrichtes an Volks-und Mittelschulen.. Bekanntlich ist in §. 5 des neuen VolkSschulgesetzcS vom 14. Mai 1869 die Besorgung des Religionsunterrichtes für die isracl. Schuljugend den Vorständen der ^KnltuSgcmeinden überlassen. DaS Gesetz ist nun in Kruft getreten ergo tritt auch dieser Paragraf in sein Recht ein. ES treten nun folgende Fragen zum Vorschein: 1. Wer ist ein isracl. RcligionSlchrer? — 2. Welche viele die beschwerliche Tour nach Jerusalem (8 Stunden) machen, um in dem Jordan zu baden, dein eine gewisse Heiligkeit beigemessen wird. Russische Pilger, in Compagnien zu 30, 50 oder 100 lassen öfters der zu großen Heiligung halber, Menschenopfer hier, die im tobten Meere schwimmen. denn der Jordan ist an vielen Stellen sehr reißend und tief. An der Stelle wo Josua und das Volk Israel überschritt, ist die Fährte wo die Leute, die im gegenüberliegenden Beduinendorse Salt wohnen, durchschwimmen. Der Jordan ist stellenweise sehr fischreich und auch sehr breit, der engste Uebcrgang ist der schon angegebene, am Ufer desselben wachsen verschiedene (Gesträuche, Stauden und Bäume, unter denen die Balsamstaude ans deren schlanken, schönen Stämmen und Zweigen Stocke in Jerusalem verfertigt werden. Plötzlich erscheinende rril.nde Beduinen, die auf ihren unübertrefflichen stinken Rossen Lanzen schwingen oder Pistolen abfcuern, um einzelne Reisende zu verfolgen und versetzen diese in ewigen Schreck, der oft thcncr bezahlt wird, denn gerade so unverschämt wir unersättlich, so muthig sind die Verfolger. Eine halbe Stunde vom Jordan nach Jerusalem ist die Stätte, wo ehemals Jericho stand, jetzt ein Haus nebst einigen Hütten der Aufenthaltsort der die Heerde» hütenden Beduinen sich befinden; Mauern oder große Gebäude sind nicht zu sehe». Denselben Weg nach Jerusalem verfolgend, erreicht man Mar Cabah, ein in Felsen gebautes griechisches Kloster, in weichem Frauen der Zutritt nicht gestattet, Männern hingegen daselbst etwas Speise und Trank verabreicht wird. Dieses Kloster wurde von einem reichen griechischen Geistlichen RamenS Eabah vor einigen Jahren errichtet. An dem Klostcrgebäude reihen sich noch mehrere Häuser an. so daß sie insgesammt ein am Felsen hängende- Dorf bilden. Bald DiSciplinen umfasit der jüdische Religionsunterricht? — 6. Welche Rechte stehen einem israrl. ReligionSlehrrr zu.? — Diese drei Fragen, so einfach in ihrer Art, sind dennoch momentan ein fast unlösbares Problem. Gehen wir daran über dieselben unsere unmaßgebliche Ansicht auszusprechen. 1. Wie bereits in diesen Blättern erörtert worden, ist bisher jeder Lehrer, dessen BefähigungSzengniS eine genügende Klaffe aus Religion enthält, auch gleichzeitig ein befugter Religionölchrer und somit sind jene Eapaciläten, die in dem alltäglichen Gcbctbuche nicht geläufig zu lesen wissen und jener berühmt und bekannt gewordene Philolog in HcbraciciS D. in H., welcher das Wort rvrxia durchaus nicht anders als von tra hcrlciten will, das wäre» die Bildner dcS lünf» tigert JudenthumS. Wie soll nun diesem llibcl abgcholfen werden.? Wie soll man-diejenigen ausfindig machen, welche ein unbefugtes religiöses Handwerk treiben? Der neueste Erlaß de* Unterrichtsministeriums ordnet an, daß an den künftigen Standorten der Pädagogien Ministerial Eommissioncn errichtet werden, welche den Zweck haben, alljährlich in den Monaten April und Oktober eine Prüfung derjenigen Untcrlehrer vorzunchincn, welche die Befähigung für Volks oder Bürgerschulen erlangen wollen. Diesem analog sollte vorläufig in Prag eine PrüfungS-Eommission für derartige Individuen angcstellt werden, welche die Qnalification al» israelitische Religionslchrcrsür VolksoderBürgerfchulrn erlangenwollen, jeder derartige Eandidat muß natürlich dem neuesten Erlasse gemäß, mindestens das BefähigungSzeugniS eines VolksschullehrerS erlangt haben, wenn er zur Prüfung als RcligionSlehrer zugelasien werden soll. Bis zur Errichtung eines Seminars wäre dicß ein Präservativ gegen jene craste Unwissenheit, die so fabelhäft rigoros ist, daß man cs fast unglaublich finden muß. 2. Der religiöse Unterrichtsstoff an Volksschulen mag noch so sehr herabgemindcrt werden, er wird immer noch das Maß dessen übersteigen, was geleistet werden kann. Die Ursache liegt sehr nahe. In profanem Wissen steigen die Anforderungen von Seiten der Behörden; denen muß daher noImr8 volens entsprochen werden. In Folge dessen ist aber die Jugend derart überbürdet, daß cS unmöglich wird, derselben auch nur daS bescheidenste Maß von religiösem Wissen beizubringcn. Uebervieß ist nicht außer Acht zu lassen, daß der Jude daS Aufstcigcn seines Kindes in die höheren darauf erreicht man Bethanien oder von den Arabern Lazarie genannt. Dieses Dorf, eine Stunde von Jernsalrin entfernt, liegt hinter dein Oclbcrgc. Es ist besonders merkwürdig seiner Mandclbänme wegen, dir sich hier in großer Menge finden, außerdem ist der Bodci» sehr fruchtbar und gcdciben hier zwar nicht Mandel», Feigen, Oliven, Johannisbrot re. vielmehr Birnen Aepsel und schönes Getreide. Den Rainen Lazarie fiihrt cs von Lazarus, defien Grabeshöhle, in welcher er erweckt wnrde, sowie die Ruine seines Hauses man »och iinmer zeigt. Die Bewohner dcS Dorfes sind gr-'-^tentheilS Mahnniedaner. — Die längere!onr zum tobten Meer u. Jordan dauert G läge nnd wird zwar über Betlchcm und Hebron geinacht, zurück gewöhnlich über Jericho nnd Mar Sabah. Die kurze Tour führt über Mar Sabah nnd Jericho »ind dauert nur 3 Tage. Reisende, die eine beschwerliche Reise und deren Kosten nicht ,«,euc». finden zur Pilgerzeit <Jä»cr bis Ende April) immer die beste Gelegrnhci dieselbe mitzninachen. Richl nur daß man in Jerusalein finge nnd des Landes kundige Dragomänncr (Dolmelscher) findet, ist mäii auch vor räuberische» llibersällen der Beduinen geschützt. Zn jeder andcrii Zeit muß ina» vom Eonsulatc einen Schutzschetn holen »ind vom Pascha eine Bedeckung von wenigstens 2 Reitern micthcn, alles überflüstigc Geld und Pretiosen in Jerusalem aufbrwahren und sich nur mit Cognae Schuß- Waffen, guter Kopfbedeckung und gut gesattelten Pferden versehen. (Schluß folgt) 23*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.