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Die Gegenwart · 1869-11-15 · 22 (15.11.1869) · p. Seite 223

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
22 (15.11.1869)
Date
1869-11-15
Page
Seite 223 (sequence 9)
Language
German
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223 Vellage zur „Gegenwart/ -kr. 22. Schock Ärosqrn gewöhnlicher im Lande Mähren gängiger Münze; jedoch waren die Bürger gehalten, den Juden alle Schulden mit Interessen zu zahlen- Letztere« geschah aber nicht denn König Ladi-lau« befreite über die Vorstellung, welche di^Brunner Bürger an seinen Thoren gelangen ließen, wie nach die Juden hauptsächlich an ihrer Armuth Schuld trügm, die Bürger von aller Zahlung, die mit dem Hauptgute und Jntressen noch rückständig war (de dato Wien am Samstag vor dem Sontag dudica 1455.) König Georg, die Jagellonen und Ferdinand I. ließen die Juden unbehelligt, erst unter Kaiser Rudolf dem II. nach Ankunft der Jesuiten älterer Auflage erwachte der alte Haß der Städte Mähren« gegen ihre ehemaligen Mitbürger von Neuen und dieselben erwirkten den Landtagsschluß Freitag vor Maria Verkündigung de« Jahre« 1593, daß jene Juden die wider de« Rathe« Verbot in die königliche Städte kommen und den Handel treiben oder über Nacht verweilen würden, von der Stadt gefänglich eingczogen und bestraft werden sollen. Nach der Schlacht' am weißen Berge war Kaiser Ferdinand der II. eifrig bedacht, da« böhmische Staatsrecht auch bezüglich der Juden mit den gemeinen Rechten in Einklang zu bringen. Len Juden durfte weder in der Landtafel noch in den Stadt» und Grundbüchern wegen ihrer Forderungen da« Hypothekarrecht ertheilt werden, jüdische Unterhändler in wucherlichen Contrakten und Händeln sollen nicht bloß an Hab und Gut, sondern auch an Leib und Leben gestraft werden; gestohlene oder geraubte Sachen haben die Juden, auch wenn sie solche gekauft und darauf geliehen haben, unentgeldlich dem Eigentümer zurück zu stellen. Der Jude solle noch dazu alle Prozeßkostcn tragen, und wenn er nicht folgt, von der königlichen Kammer auf Hab und Gut, Leib und Leben belangt werden können. Unter Kaiser Karl dem VI. erfreuten sich die Juden noch größerer Aufmerksamkeit. ES wurden in den königlichen Städten Mähren« 1725 behuf« sicherer Eolleetirung her Juden-Leibmauth gestempelte Zettel ä 15 kr. eingeführt. S oft al« ein Jude in die Stadt ging, folgte ihm der Mauth" ner gegen Zahlung einen solchen Zettel mit Anfschrcibungde« Datum« und de« Jndennamen« au«, welchen er bei dem Austritt au« der Stadt dem Thorschreiber übergeben mußte, der einen Riß daran machte und den also kassirten Zettel dem Mauthner zurückstellte. Fall« ein Jude in der Stadt ohne solchen ans denselben Tag lautenden Zettel angetroffen wurde, ward er dem Stadtrichter vorgeführt, und mit dem dreifachen Betrage bestraft. Derjenige, der e« wagte, einen Juden nächtigen zu lasien, unterlag einer strengen Bestrafung. Diese behördliche Obsorge bestand bi« 1782. Die Judenverfolgungen in Prag unter der Kaiserin Maria Theresia wurden vor nicht langer Zeit in hierortigen Blättern geschildert; und doch war Prag stet« da« Jerusalem der Juden! In Schlesien durften sich bloß 119 jüdische Familien aufhalten, und auch in Mähren durfte sich ihre Anzahl nicht vermehren. Sie waren der Famlientaze unterworfen und wurden später anstatt der Classenstcner mit der jüdischen Verzehrungssteuer und dem doppelten AbfahrtSgelde begnadigt. ^Die^kmLr Darstellung der Schicksale der Juden in Böhmen und Mähren möge Jedermann vor Allem aber unseren Landsleuten, vorchristlichen Glaubens klar machen, daß nicht das slavische Volk Böhmen« und Mährens, wohl aber jene Männer, welche da« Staatsrecht Böhmen« nach römisch-deutschrn Muster zu bessern sich gedrungen suhlten, die Juden in jene Stellung brachten, die nunmehr zur Rechtfertigung der jüdischen De »lischt httmel ei dienen soll. Da« böhmische Staatsrecht, der den Juden von Böhmen« Könige Ottokar II. verliehene Freibrief gaben den Juden keine beschränkte Sonderstellung, vielmehr ein mit allen Statsdürgern gleiche« Maß von Rechten. Localer. *** Oeffentliche Sitzung der israelitischen EultuSgemeinde- Repräsentanz am 1. November 1869. Beginn der Sitzung um %11 Uhr. Anwesend di» Herren: tzeigl, S. K. Frankel, Dr. Gitschin, S. Kohn, Plohn, Mosev. Portheim, Dr. Pridram, Tr. Raudnitz, Schwab, Singer, Dr. Trdesco, Ungar, Pros. Wessely, Tr. Wiener, T. Zappe«. Er waren somit abwesend die Herren Fischrl, Dr. Lasch, Gustav Schitz. Aach AgnoSzirung de» Protokolle» der öffentl. Sitzung vom »3. Oktober 1669, ergrrist der Vorsitzende Herr Dr. Tedrsko da« Wort. Meine Herren! Al» der bisherige Präses der Prager tsr. CultnSgem. habe ich die Pflicht, die ne» in« Leben tretende Repräsentanz zu begrüßen, und namentlich begrüße ich diejenigen Herren, dir zum erstenmalin unseren Kreis eintrrren. Ich spreche die sichere Erwartung au», dag Sie den regsten Eifer und rin richtige» Vcrfländni« ihre« WirkungSkreisr» stet» vor Augen habe» «erden und daß Eie sich jederzeit bemühen werden, die 2 Hauptstützen der Gemeinde, die zu chrrm Wähle unumgänglich nochwendig sind, ansrecht zu erhalten» nämlich dir Einheit der Gemeinde') und den religiösen Frieden. In dieser angenehmen Hoftnung hciße ich die Herren aus» Herzlichste willkommen. Indem ich hiemit mein Amt in die Hände der Repräsentanz niederlege, ersuch» ich den Alterspräsidenten Herrn v. Partheim den Vorsitz zu übernehmen. Der Anttag dr« Herrn Dr. Wiener aus »ndloc-Annahm« der Grschäftsord» nunz aus Grund deren erst d>e Wahl der Funktionäre erfolgen kann, wird angenomme.i. Es erfolgt nun die Wahl de» Vorsitz. Da« Ecrutinium ergibt eine Stimmenanzahl von 1« Stimmen für Hrn. TrdrSeo, Dr. TedrSco: Ich danke Ihnen, meine Herren, für da« ehrende Vertrauen, mit dem Sir mir rntgegenkommrn. Ich sehr »ich leider brmüsiigt, von diesem Vertrauen keinen Gebrauch machen zu können, und muß diese Stelle dankend ablehnen. Pros. Dr.Wessely: Ich erlaubt mir dies« Angelegenheit vom jüd. Standpunkte zu betrachten, wo e» heißt: Wer etwa« begönne», muß r« auch vollsühren, und Sie, geehrter Herr Prüfe« haben Ihr Amt in rühmlicher Weise begonnen, so daß e« Pflicht ist, r» weiter sortzusrhrn. v. Portheim: Daß Sie einstimmig gewählt wurden, durste Ihnen die Uebrrzeugung verschaffen, wie sehr man Ihnen da« Vertrauen schenkt, nnd ich mnß constatiren, daß viele Herren in der Vorau«sicht, daß wir Sie al» Präses beibehalten, angenommen haben, und r« dürste Ihnen schwer werde.,, bei Ihrer Ablehnung zu beharren. Dr. TedrSco: Meine Herren! Dem Grnndc, der angeführt wordm, die übernommene Ausgabe auch durchzusühren, glaube ich gerecht worden zn Ein Amt, da» ich übernehme, führe ich auch nach » .inrm besten Wiffen und nach meinen Kräften au», dr-halb habe ich »ein Amt während der jüngst verfloffenrn Srffio»«periode nicht niedergelrgt. Ich stehe jetzt auf dem Standpunkte, ein Amt ans» Neue zu übernehmen, welche» zwar der Dornen viele, aber gar keine Rosen mit sich bringt. Meine Herren! Nach äußerer Ehre habe ich nie und nimmer gestrebt,') nur darnach, daß ich die Achtung nach A ßen hin genieße. Ich sehe wirklich nicht ein, warum, ich in dieser Beziehung noch srrner» hin meine Person anssetzen soll, umsomehr, al» ich ja nur in alle» Dinge» Vollzieher und Vollsührer der Repräsentanzbrschlüffe bin, und al» doch ei» Theil, allerdings ein geringer Theil der Bevölkerung ge neigt ist, alle» da» wa» in Beschlüssen getadelt, demjenigen aus den Hal« zu bürden, der an der Spitze steht. Andererseit« sind Vorwürfe gegen mich erhoben worden, über dir ich nicht stillschweigend hinweg gehen kann. Al» ich vor vier Jahren hätte da» Amt antreten sollen, habe ich mich de reit» dagegegen ausgesprochen und verwahrt, indem ich bemerkle, daß ich nicht seit heute oder gestern eine politische Richtung verfolge, sondern seit 25 Jahren, da mußte doch Repräsentanz und Gemeinde vollkommen einig mit sich fein, wenn sie „»ich damals zu ihrem Präses wählten.') E» ist nun höchst »»gerecht zu verlange», daß ich von dieser meiner politischen Ansicht zurüeklrclrn soll, da« ist eine Sache, dir ich nie und nimmer lhun werde. Hätten sich die Ansichten der Gemeinde geändert, so sollte sie sich eine» wählen, der mit ihr übereinstimmt. Schwab: Ich gehöre zum erneuerten Theilr der Repräs. und glaube den Herrn Präses daraus aufmerksam machen zu müßen, daß er den berechtiglen Ausdruck der Gemeinde wahren, nicht aber ganz unbedeutende» und mitunter auch unwürdigen Agitationen') dir auf die größte Unkenntniß der Verhältnisse basiren, zu hören, wenn r« sich darun« handelt, ob er den Posten onnehmen soll oder nicht. Ich glaube dir Repräsentanz hat e« bewiesen, daß sie die Thäligkeit dr« Präses vollständig anerkenne. Dir, welch« hier sitzen, sind berechtigte Vertreter der Lullusarmeinde. Ich möchte daher den Hrn. Prüfe« bitte», daß er bei seiner Ablehnung nicht beharre, und der neuen Repräs. mit feiner umsichtigen Leitnng und GeschästSkrnntnisauch weiter vorflehe» solle. ') Herrscht Einheit der Gemeinde und wer hat fir gestärt? Wir geben diese Frage Herrn Tr. Tede«ko zur Beantwortung. jb. Red.) *) Dir möchten Herrn Tede«t» darüber rin« Geschichte erzählen, (b. Red.) ") Nur dir Repräsentanz, und Repräsentanz ist noch nicht Gr» meinde. sb- Red.) *) Lus solche scheint sich Herr Schwab am besten zu vrrflch» nnh wir »erweisen drnsrlbrn ans «ine andere Stelle diese« Blatte«, «M der wir »it lh« etwa« deuNicher spreche». v«. Web.

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