Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 22 (15.11.1869)
- Date
- 1869-11-15
- Page
- Seite 220 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aa»sprvch macht: „Du bist mir angetraut nach den Gesetzen Mose- und Israel-" und der Braut ein Geschenk macht, selbst wenn enur den Werth eines PftnnigS in sich schließt; zudem wir im Talmud Fälle angeführt finden, daß der Mann selbst dir Scheidung von seiner Frau vollziehen kann, und zwischen Talmud und Dogmatismus ein großer Unterschied herrscht. ES sri nun, wie eS immer wolle, kann Herr Oberjurist Freund stolz darauf sein, den Löwen Arje Großbrrgrr in'S Treffen geschickt zu haben, und wenn Arje Großberger keine Eeder von Libanon ist, so dürfte Arje Großberger die die Herrlichkeit des „Libanon ein. Hamburger Griefe. u. Zwei Monate sind verflossen, ohne daß ich Ihnen schrieb, der erste, ein Monat, der den frommen Juden ganz auf sich selbst hinführct und ihn, so weit eS nur irgend denkbar dem allgemeinen, öffentlichen Treiben ganz entziehet. Wohl ist jene^Zeit der Innigkeit und der reinen, wahren heiligen Gefühle und Empfindungen, die sonst der Monat Tischri dem Juden cinzuflüstcrn pflegte, dahin, trotzdem daß die Synagogen überfüllt sind und Extra - Bethäuser für die 3 Tage eingerichtet werden müssen; allein eine gewiffe Weihe ist diesen Tagen noch geblieben, so daß selbst jene, die bereit« den Satzungen der Thora fremd geworden, mit Stolz einem gewissen auf die an diesem Tage überfüllten Synagogen Hinweisen und gleichsam den talmudischen Satz **n Sictt" New ’&'yx zu glorifizircn suchen. Auch wir wollen gläubig diese Behauptung hinnehmen und denken, bester Etwa» als Nicht»; wollen nicht untersuchen, ob wahres Bedürfniß oder bloß schlichte Gewohnheit die Masse tut Rosch haschonoh und Jomkipur in das Gotteshaus führt; nehmen wir da« Faktum, wie eS ist, und freuen wir uns, daß wenigsten» rin Tag im Jahre eine größere Menge Juden in den verschiedensten Zonen mit einander vereinigt und sie alle mit gleicher Inbrunst diesen heiligen Tag mit Anerkennung Gottes O'W maSo Sw nSap beschließen. Daß in Hamburg, wo das Judenthum bei einem großen Theile der Gemeinde in seiner alten Glorie sich vorflndet, diese heiligen Tage als wirkliche v'v' verlebt werden, brauche ich nicht zu erwähnen. Nicht blos in den Synagogen, sondern auch auf den Strassen sind die Symtvmc diese» Tage» wahrzunehmcn; auf öffentlicher Strasse wird noch Hantel mit sogenannten i** Schuhen getrieben, fluytrn öffentlich feil geboten, und die c*a*ö V31N haben einen starken Absatz. Diese» beweist auch die im vorigen Briese erwähnte PreiSauSsetznng für die besten Myrthen. Den Preisrichtern hierzu wurden von dem Eomite der internationalen Gartenbau-Ausstellung freie Karten zur Ausstellung, wie zu allen von demselben veranstalteten Vergnügungen zugestellt, gleich den anderen Preisrichtern. Der auSgcsctzte Preis wurde einem Altonacr Gärtner zu Theil, der dadurch einen bedeutenden Absatz in Myrthen hatte. Er bedauerte nur seinen reichen Vorrath au» Mangel an ll'annn nicht vollständig absctzen zu können. Die Hamburger haben dießmal trotz de» Widerspruche» ihres Rabbiner-, die in Altona als W3 anerkannten Marokkaner o'arwx benützen müssen. Ad voct'in Altona habe ich Ihnen noch eine Auszeichnung, welche dort ztvrien Juden zu Theil wurde, mitzutheilen. In der jüngsten Nummer der "Gegenwart," erwähnten Sie bereit» die Auszeichnung, welche Ihrem Landsmann von d. Jury der Altonaer Ausstellung zuerkannt wurde. Derselben Auszeichnungen haben sich noch viele Andere unserer Glaubensgenossen ui erfreuen, sowohl für eigene fabrizirte Maaren, als für sonstige Förderung der Industrie. Auch in der mit dieser Industrie Ausstellung verbundenen Vieh.Ausstellung, wo die vorzüglichsten Leistungen besonders durch Geldj Prämien honorirt wurden, erhielten 2 Juden, beide Namensj genössen, Galomvn, aber aus 2 verschiedenen Ländern, der eine aus Holland, der andere au» Meklenburg, jeder von ihnen ebenfalls eine Geld-Prämie und zwar für die bestell — — Ferkel. Zu den Tagesnachrichten im vorigen Monat gesellen sich noch zwei Todesfälle, welche, da sie Männer betrafen, die mit dem Gemeindeleben innig verbunden waren, erwähnt werden dürfen. ES sind dieses der Tod de» Gemeinde-j Sekretärs Haarbleichcr und des ehemaligen Vorstehers Alexander. Der Volkswitz blieb auch hier nicht au». Wie er ihm (drr Vorsteher dem Secretär) im Leben folgte, so auch im Tode. An Haarbleichcr verliert die allgeincine Zeitung b. I. ihren langjährigen Hamburger Corresp. und an Alexander die Gemeinde einen wohlthätigen Mann. In seinem Testamente bedachte er fast alle Gemeinde-Institute ohne Rücksicht, welche religiöse Tendenz sie verfolgen, wie auch einem Theil der städtischen Institute. Die Gesammtsumme, welche er zu wohlthätigen Zwecken spendete, beläuft sich auf mehr als 200,000 Mark Banco. Schließlich schildere ich Ihnen noch einen Bericht über einen Protest, den der Vorstand der israelitischen Freischule gegen die Liquidations-Behörde der deutsch-israelitischen Gemeinde angestellt hat, und der gegenwärtig der Entscheidung des Niedergerichts wartet. Der klagende Vorstand verlangt von der Liquidations-Behörde die Fortzahlung der ihm bisher aus der Äemeindekaffe gezahlten jährlichen Beisteuer von Crt. Mrk. 3000 mit dem Hinweis, daß er solcher Beihülfe bedarf, da im entgegengesetzten Falle die Weiterfahrung der Schule auf das Erheblichste behindert und gestört werde. Der Liquidations-Vorstand bestreitet in seiner Einredeschrift, daß er verpflichtet sei, die Crt. Mrk. 3000 ferner zu zahlen. Am 26. Januar 1820 habe der damalige Gememdevorstand eine Beisteuer zur Erhaltung der Schule von Crt. Mrk. 1200 bewilligt, weil das finanzielle Bedürfniß der Freischnle einm solchen Zuschuß wünschenSwerth machte. Später sei diese jährliche gegebene Summe auf Crt. Mrk. 2000 erhöht und endlich am 16. Januar 1854 vom Gemei'ndevor« stand ein neuer Beschluß gefasst worden, nach welchem Crt. Mrk. 3000 jährlich beigesteuert werden sollen, so lange Herr vr. Anton Ree das Schuldirektorium inne habe. Diese Summe sei nunmehr der israelitischen Freischule entzogen, weil kein finanzielle» Bedürfniß mehr vorliege. Die Schule hatte nämlich im Jahre 1868 einen Ueberschuß von Crt. Mrk. 5340. 13'/, indem ihre Einnahmen SKrt. 19919. 14 betrugen, gegen Crt. M. 14570. Sch.AuSgabcn. Der Schulvorstand, habe auch juridisch keine Berechtigung ferner die Beisteuer, die nicht tzktvatrrchtltchcr Natur sei, zu verlangen. Der ehemalige Vorstand der deutsch-israelitischen Gemeinde stand der Schule als eine Behörde gegenüber, die eine Unterstützung bewilligen konnte, aber auch das Recht hatte, dieselbe zu widerrufen. Die Liquidations-Behörde als RechtSnachfolgerin des Vorstandes könne ein gleiches Recht beanspruchen. Die Liqnidationö-Bchörde erklärt sich jedoch bereit, auch firuer den Zuschuß leisten zu wollen, weil sie ihren Hauptzweck dahin richte, für daS Armenwesen und den Unterricht armer israelitischer Kinder zu sorgen, mache eS aber zur Bedingung, daß nur Gemeindemitglieder den Vorstand der israelitischen Freischule bilden dürfen, damit dieselbe im Geiste der israelitischen Gemeinschaft, wenn auch nicht im Sinne eines durchaus orthodoxen Judenthums geleittt werde. Nothge-rungenes offenes Schreiben an Hrn. & Lehrer in H. et Gefinmmgsgenoffen. So viele Köpfe, so viele Sinne und so viele Lehrer^ so viele Unterrichtsmethoden. Diese Behauptung beruht au Erfahrung und ist ebenso traurig als wahr. Auf keinem Ge-