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Die Gegenwart · 1869-11-15 · 22 (15.11.1869) · p. Seite 219

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
22 (15.11.1869)
Date
1869-11-15
Page
Seite 219 (sequence 5)
Language
German
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nab Unterstützung von Kindern behufihrer Erziehung und allgemeinen Ausbildung, sei eS in Familien, sei «S in besonders hierzu zu gründenden Anstalten; 1 2) Unterbringung oder sonstige Unterstützung von jüngeren bildungsfähigen Leuten behufs ihrer Ausbildung zu einem wissenschaftlichen, gewerblichen, insbesondere auch zum Leyrerberufe; ~ ~ ~~ 3) Organisirung der Auswanderung nach europäischen oder überseeischen Ländern, wofür die Alliance ISr. die Genehmigung der russischen Regierung anstreben wird. WaS insbesondere die Auswanderung nach überseeischen Ländern betrifft, so sollen die später näher zu bezeichnenden Sub- Gren;comit6S arbeitsfähige und arbeitslustige Männer, aber auch nur solche, aufnehmen und dieselben, insofern sie Familienväter sind, sogleich mit ihren Familien dem Haupt- Grenzcomits in Königsberg anmelden, das seinerseits mit den geeigneten Rhedereien Akkorde abzuschließen und die zur Auswanderung Angemeldeten direkt ab Königsberg bis nach ven betreffenden überseeischen Hafenorten zu expediren hat die Alliance Jsr. wird inzwischen mit unseren amerikanischen Glaubensgenossen in Verbindung treten, um dort die Gründüng von Einwanderungscomit6'S zu veranlassen, die sich der Ankömmlinge anzunehmen haben werden. Welche von den genannten Mitteln in jedem einzelnen Falle als die geeigneteren zu betrachten seien, bleibt der Beurtheilung des HauptgrenzcomitöS in Königsberg überlassen, jedoch hat daS« selbe den außerhalb Rußlands anzustrebenden Hilfsmitteln den Vorzug einzuräumen. DaS Grenzcomitö in Königsberg steht mit dem Centralcomitö in Paris in regelmäßiger Correspondenz, und empfängt von demselben die nöthigen Geldmittel theilS zur selbstständigen Verfügung, theilS nach vorgängiger Berichterstattung und Verständigung. DaS Hauptgrenzcomite gründet in verschiedenen Städten an der preußisch-russischen Grenze Sub-Grenzcomit6'S, welche die Aufgabe haben, dem Hauptgrcnzcomitv die nöthigen Informationen zngchen zu lasse», Maßnahmen vorzuschlagen und dieselben, wenn genehmigt, auszuführen. In ähnlicher Meise und zu gleichem Zwecke tritt das HauptgrenzconM mit Vertrauensmännern innerhalb Rußlands in Verbindung. Ueber allrs Dieses einen näher detaillirten Organisationsplan zu entwerfen und dem Centralcomite in Paris mitzutheilen wird dem Hauptcomite in Königsberg anhcimgegeben. - Sine geMe Leder des Libanon. Der in Paris erscheinende „Libanon" bringt in seiner letzten Nummer eine Correspondenz auS Prag von einem gewisien Jakob Arje Großberger unterzeichnet. Bevor wir nun auf den Inhalt derselben zu sprechen kommen, wolle der geehrte Leser vor Allem entschuldigen, daß wir ihn mit diesem Individuum bekannt machen, welche« auf Kosten der beiden Rabbiner Herrn Di*. Stein und Herrn vr. Hoff, dem gepreßten Herzen des Herrn Oberjnristen Samuel Freund Luft zu machen sucht und eine gasienbübische Philippika diesem Frieden (!) und Eintracht (!) liebenden Präsidenten des jüdischen Obergerichtes widmet. Jenes wahrscheinlich von dem erzürnten Jupiter der SchameSgasse inspirirte wuthschnaubende Sujet, verehrter Leser, ist nichts Anderes als ein im ausgehungerten Zustande nach Prag gekommenes RabbinatSkandidatel, daß daselbst nicht nur an .dem Quell jüdischen Wissens seinen Durst, sondern auch seinen Hunger stillm wollte. Run ist e» dieser Klette, welche sich an einigen fcderfuchsigrn und Reklamensüchtigen Rabbinern geklammert, gelungen, sich in dem wohlthütigm Prag so einzunisten, daß sie für gewisse Jesuiten ein nothwendigeS Nebel geworden, welchemit keiner Salbe vertrieben werden kann. Um sich jedoch vor Allem brauchbar zu zeigen und bei jenen Eintritt zu erhalten, di« es lieben, heute da, morgen dort in einem Blatte glorificitt zu werden, suchte unser liebe Arje sich beim „Magid" einer in Lyk erscheinenden hebräische» Zeitschrift als Referenten einzuführen und da der H. Redakteur, wahrscheinlich auf die Generalien derselben aufmerksam gemacht, ihm den Zutritt trotz Empfehlung von Herrn Vr. Kämpf verweigerte, im .Libanon- und „Iwri Onnrhi« seinen Kehricht abzulagern. ES wird somit der Inhalt jener von Infamie und bodenloser Gemeinheit strotzenden Correspondenz gleichgilt ig, und die Herren Dr. Stein, Dr. Hoff und Jsak M. Senders sind, wären sie nur im Geringsten schuldig, schon durch die Unterzeichnung Jakob Arje Großbcrger rehabilitirt. Habm wir gewiß nie die Schwächen des Dr. Stein unbeachtet gelassen, so kam eS uns ebenso wenig in den Sinn, diesem Manne Gelehrsamkcit tiefes Studium und Ehrlichkeit abzusprechen als es einem ordentlichen Menschen entfallen würde, dem würdigen und bescheidenen Dr. Hoff die Vollziehung einerHandlung zuzumuthcn, die sich mit dessen Gewissen nicht verträgt. Wenn nun Herr Tr. Stein einmal bei Gelegenheit eines Ueberlritteö einer Christin zum Judenthume nach dem mit der Convertitin gepflogenen Unterrichte, Herrn Rabbi Freund den bescheidenen Wunsch geäußert,dieser möge ihn zum (p n'2) beim Akt deS UcbertritteS hinzuziehen, statt diesen Wunsch erfüllt, sich durch ein unanständiges Benehmen des H. Freund verletzt zu sehen, so wird eS wohl Niemanden wundern, wenn Herr Stein, um jeder Collision mit dem ersten Rabbiner Prags aus dem Wege zu gehen, sich vor dem ihm von einer Partei seiner Shnagoge, bei der er die Trauung vollzogen, übcrtragcncn ScheidungSgerichte, zn dem Vorsitzenden der ist C. G. Repräsentanz, Herr Dr. TedeSko begab, um sich die Erlaubniß, den SckeidungSakt vorznnehmen, zu erwirken, dem sich weder ein weltlichnoch ein jüdisch gesetzliches Hinderniß entgegenstellte. Bon Herrn Dr. TedeSko hiezu beordert berief Herr Dr. Stein im vollstem Bewusstsein der Kenntnis der Gittin zu Beisitzern die Herren Dr^ Hoff und Jsak M. Senders,*) welche inSgcfammt den SchcidungSakt, wie ihn der Schulchan Aruch gebietet, ohne irgend einen Formfehler zu machen, vorgenommcn und die Schei-- dnngSnrkunde, nach einer vor 75 Jahren in Prag ausgestellten behördlich Unterzeichneten Urkunde, formulirt haben, kraft welcher auch damals die zu scheidende Frau durch einen Boten vertreten war. So wäre der muthmaßlichc Zorn dieses „stechen Gerichtes," jpsn p jv3 den Arje, gegen Herrn Freund geschlendert wissen will, dahin zu berichtigen, daß um jedem Carambole oder einem von Laune abhängigen WuthauSbruche auszuweichen, zu einem ruhigen Verfahren geschritten werden musste. Wenn sich jedoch nicht andere Rabbiner an dem ScheidungSgerichte bethciligt haben, so war eS keineswegs Selbstverleugnung oder Furcht vor dem Wissen, sondern Furcht vor dem — Oberjnristen. Daß aber Herr Rabbiner Freund, ans die Antwort deS von ihm zu Rede gestellten Herrn Dr. TedeSko: „Rach den gegenwärtigen Gesetzen, dürfe auch der Rabbiner die Scheidung vornehmen, der die Trauung vollzogen hat," so schlagfertig sein werde — wir wollten unseren eigenen Ohren nicht trauen, wen» unsere Augen eS nicht im „Libanongelesen hätten — zu erwiedern; er habe eine solche Antwort von einem Christen, geschweige von einem Juden nicht erwartet, indem wohl heutzutage jeder Bczirkohauptmann trauen, Niemand Anderer jedoch als der Papst-trennen kann. Wir zweifeln zwar an der llnfchlbarkeit des Herrn Freund, aber immerhin nicht an feine Orientirungslunst im jüdischen Gesetzbucht, wo eS ausdrücklich heißt, daß ein jeder Jude sich selbst trauen darf, wofern die Braut zur Trauung einverstanden und zwei Zeugen zugegen sind, vor denen er de» *) Dieser Mann von unbescholtenem Ruse in kompetenten Lreisea seine« talmudischen Wissen« wegen bekannt, wurde bereit« im Jahre >85« »»m dem sel. präg. Oderrabiner Herrn Rapoport und Hrn. Rabbi Ga« mu-l Freund mit dem sogenannten Morrnntieet anbßi^ichnrt, z» einer Zeit also in der noch drrseld« in «nrrkmnnng sabischen SsisenS verliehen wurde. sD. Red.)

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