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Die Gegenwart · 1869-11-15 · 22 (15.11.1869) · p. Seite 218

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
22 (15.11.1869)
Date
1869-11-15
Page
Seite 218 (sequence 4)
Language
German
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Maßregeln zu berathen, die zu Gunsten der Unglücklichen zu ergreifen feien. Diese edlen Männer seien herbeigeeilt v»ü Ost und West, von Nord und Süd. Sie hier willkommen zu heißen, und ihnen für ihre Opferfähigkeit zu danken, zu diesem Zwecke möge sich die Versammlung von ihren Sitzen erheben. Nachdem diesegeschehen, hielt Herr E rem ieux eine -wundervolle -Rede i» slunzvsischer Tprachr.Wir^ werden wahrscheinlich später diese Siede im Wortlaute mitzutheilen in Stande sein. ' Hierauf entschuldigte sich Eremieux, daß er genöthigt sei zu der Versammlung französisch zu sprechen, indem, wie er sagt, zur Zeit seiner Kindheit cs noch nicht Sitte in Frankreich gewesen, deutsch zu lernen und er jetzt dazu zu alt sei.*) Daisraelitische Volk, so beginnt er, sei der Zahl nach stetklein und unbedeutend gewesen, habe aber die furchtbarsten Kämpfe kämpfen müssen gegen die größten wcltbeherrschenden Völker. Jene großen Völker seien zu Grunde gegangen, allein Israel habe zwar viel leiden müssen, ^fei aber Sieger geblieben in allen Kämpfen, «und wir," meine Herren, „wir," fährt der Redner fort, „wir sind da! Wir lebe» und blühen kräftig und jugendmuthig. Und wissen Sie, wauns anallen Kämpfe» zum Siege geführt, was uns erhalten und vom Tode errettet hat, mit dem uns die Aegyptcr, die Aramäeer, die Amalekiter, die Babylonier, die Affyrer, die Perser und Meder, die Griechen uud Römer, die Christen und Muhamedaner so oft bedroht haben inn "t "» d er Ew.ige, u n ser Gott,un scr einzig er Go tt!" — Von stürmischen Beifall unterbrochen, verglich er dann die reine, jüdische Glaubenslehre mit den Religionen der alten wie der modernen Völker, schilderte die Leiden, die wir für die Wahrheit erduldet, den Zustand, in den under Haß und der Neid der Nationen versetzt hatte und ging dann auf die große französische Revolution und der socialen *) Lrrmicux ist 73 Zähre alt. der Ferne wie mit. abgesagten Gipfel, hat aber seiner Lage nach, rin sehr interesiantcS Aussehen. Den Rainen verdankt er den Kreutz, zügen, zu welcher Zeit ein Haustein fränkischer Ritter sich auf dem selben verschanzt und viele Jahre gegen die Türken hartnäckig gekämpft 1wt. Die Historiker nennen denselben auch HerodcSbcrg und behaupten, daß am Fuße desselben eine bedeutende Stadt Rainen» Herodia von Hcrodeerbaut, gestanden hat. Heute ist an dem Berge weder das eine noch daü andere zu erkennen, Beduinen lagern zeitweise ain Fuße desselben wo sie ihre Schaf und Ziegenheerden weiden lasten. Zerbrochene FclSstückc, einige Stcinspuren alter Gebäude und Ruinen arabischer-Häuser tragen nicht wenig zu den Merkwürdigkeiten de- Frankenberge» bei. Südwestlich von Bethlehem drei viertel Stunden entfernt, liegt in einein Thale da- Dorf Arta» dieses Thal durch die elimatisch gesunde so wie seine fruchtbare Bodenlage besonder» ausgezeichnet, hat mehrere fließende Quellen, viele schön bebaute Gärten, deren Produkte nach Jerusalem gebracht werden. DiescS Thal ist auch theilwcise van Europäirn colonisiirt und bat vier der Prinz Alfred von England eine kleine Besitzung dir ebenfalls von Europäer gcpstegt und verwaltet wird. Auf. steilen Pfade oberhalb diese» Thale» nach Westen reitend, erreicht man nach einer halbe» Stunde die Teiche Salomo ». Bier ungleich große tief gebaute immer mit Master gefüllte Bchälter entfalten sich dem Blicke de» Reisenden, der größte derselben kann bei .'HW Schritte in der Länge so wie in der Breite mcffen, der kleinste bei 150. Diese Teiche sind an einigen Stellen sehr vernachläfligt und wurden sie zu dem Zwecke auf Koste» reicher Eng. länder auögrdeffert. Die Wasterleitung Salomo» soll von hier au» g'.im Tempel geführt haben. (Fortsetzung folgt) Umwälzung, die sie 'der jWelt gebracht hat, über« „Auch hier," sagte der Redner, „auch in diesem großen weltgeschichtlichen Ereignisse hat sich der Gott J-raelS offenba«, indem Cr die Juden die Menschenrechte wieder erringen ließ!" — Die französischen Juden waren die Ersten, welche alle politischen und bürgerlichen Rechte erlangten. Sie seien dadurch glrichsam d le Q e,ste-n Söch»e deisraelitischen - Volkegeworden, befähigt und geeignet, den großen Gedanken einer allgemeinen jüdischen Vereinigung zu.fassen und zur Ausführung zu bringen. Das sei denn auch vor neun Jahren geschehen. Redner geht dann auf die berechtigten Eigenthümlichkeiten der einzelnen Nationalitäten über. Er selbst sei Franzose mit Leib und Seele, sei ein glühender, französischer Patriot, eS sei ferne von ihm, in Abrede zu stellen, daß jeder Jude ein begeisterter Anhänger und Verehrer seine- Vaterlandes sein müsse — — aber wir müssten uns Alle, unbeschadet unsere- Patriotismus, zusammenfinden nicht als fränzösische, englische, deutsche,, amerikanische Juden, sondern als Juden. Schließlich setzte er die Bestrebungen und Leistungen der Alliance, von ihren Interventionen zu Gunsten verfolgter und bedrückter Glaubensgenossen in Tunis, in Persien, in Rumänien rc. auseinander; sprach von seinen eigenen großen Reisen zu Gunsten der jüdischen Sache, von DamaScuS, von Corfu, von Bukarest, er sprach dann von der vorliegenden westrufsischen Angelegenheit und rühmte dar jüdische Herz, daS mit leidet, wenn ein Bruder leidet am andern Ende der Erde; wie es nur einiger Depeschen bedurft hätte, um hervorragende Männer aus allen Enden Deutschlands nach Berlin eilen zu lassen, um im Verein mit den intelligenten Glaubensgenossen der Metropole Norddeutschlandö zum Besten jener Unglücklichen zu rathen und zu thaten und forderte dann;um Schlüsse zu zahlreichem Beitritte zur All. Jsr. univ. auf. Unter dem wahrhaften Jubel der Versammelten schloß der gefeierte Redner. Hierauf dankte Herr Prof. Lazarus Herry Eremieux und forderte die Versammlung auf, den Redner durch Erhebung von ihren Sitzen noch besonders zu ehren. Hierauf erhielt Herr Rabbiner vr. Landsberger aus Liegnitz als Seeretär der Berathungskommission da- Wort, um den Plan zur Organisation der den westrufsischen Juden zu leistenden Hilfe, darzelegt in der zu Berlin ans den 14. Oktober 18«i9 anberaumten Generalversammlung der Alliance Jsr. Univ., mitzutheilen. DaS Centralcomite der Alliance JSraelite zu Paris setzte behufs Hebung der materiellen und geistigen Zustände der westrussischen Juden ein H au p t-C entral com ite zu Königsberg (Preußen) ein, welches auS 15 Mitgliedern besteht, von denen 10 in Königsberg selbst wohnhaft sein müssen. Dasselbe ist autorisirt, im Namen der Alliance JSr. alle diejenigen Mittel theilS sofort anzuwendcn, theilS für die Zukunft vorzubereiten, welche geeignet sind, dazu beizutragen, daß die Noth der westrussischen Juden beseitigt und unter ihnen Cultur befördert werde, daß dieselben vor einer Wiederkehr der trauervollen Erscheinungen der jüngsten Zeit nach Möglichkeit gewahrt, vor Allem aber mit den in ihnen schlummernden so reichen Geisteskräften für alle besseren Bestrebungen geweckt und nutzbar gemacht werden. Diese Mittel sind a) solche, welche innerhalb und b) solche, welche außerhalb der Grenzen dcS russischen Reiches angewendet werden können. a) Zn den innerhalb des ruffischen Reiches anzuordnenden Mitteln gehören: 1) Unterstützung von Wittwen und Waisen, sowie von bereits dort bestehenden und im Sinne des Eomit6'S wirkenden WohlthätigkeitSanstalten. 2) Förderung der Bildung sowohl der männlichen als der weiblichen Jugend durch Schulbesuch oder Privatunterricht, insoweit derselbe unter den lokalen Berhältniffen gedeihlich erscheint; 3) Unterstützung zur Erlernung und zum Betriebt von Ackerbau, Handwerken und Künsten, d) Zu den außerhalb Rußlandanzuordnenden Mitteln gehören: 1) Aufnahme

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