Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 22 (15.11.1869)
- Date
- 1869-11-15
- Page
- Seite 217 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ß»ü- Kikbedt»te»dt tinb m4tustketauchuawü rstlar A-t tatioh tn hören. Glaubte Slwä dkstS^aeistvvllt Individuum mit jenem ANSspkuche einen Theil der Gemeinde 41t beleidigen, der nicht da- Glück hat, durch Erbschaften v»r« «ÜNS zu ksmmen, so glauben wir auch an der Möglichkeit Und an den bereitpraktischen Füllen, daß gewisse Individuen, insofern sie nicht ans einem guten materiellen IsolirjUttnnwi stünotn, jö ^uiicttqaticnn« gcrootörn waten, vtt dem Spotte der lustigen Jugend au-gesetzt sind. Unter solchen Verhältnissen ist edann uicht sehr schwierig, daganze Bild für eine optische Täuschung zu halten und an der Intensität de- Verträumzu zweifeln. Wenn dann solche Männer unter allerleiTiraden, Komp lim euren und Flatterten, die einen mehr demonstrativen Charakter haben, einm Mann zur Annahme eine- Amtes bewegm, der sich bestrebt. einen Akt der Rührung zu vollziehen, um sich so mit dem Glorienschein der Heiligkeit zu umgebm, so darf eS nicht wundern, wenn dieser Akt uns keine Thräne de- Mitleids erpreßt, wenn er in unjene Gefühlsregung hervörgerufcn hat, die unserer harcherzigen Natur so oft unterliegt, als man die Gemeinde durch sentimentale Explosionen zu betäuben sucht. Daß übrigen- Herr TedeSko es für unrecht erkärt, zu verlangen, „daß er von seiner politischen Ansicht zurücktreten solle," findet sich, wie wir eS am besten wissen, in der politischen Charakterconsequenz begründet, daß er somit von dieser zurückttete, hat Niemand verlangt, kann Niemand verlangen, wogegen Herr TedeSko von seinem Vorsitze zurücktrete, um ihn nicht wieder anzunehmen, dawar und ist der Wunsch der Majorität der jüdischen Bevölkerung Prag- und was noch mehr der Majorität der Israeliten Böhmens, und da eS jedem gleichgiltig erscheinen dürfte, welcher politischen Anschauung Herr Dr. TedeSko als solcher huldigt, haben wir unö und die öffmtliche Meinung mit nnS, gegen jede mit Leidenschaftlichkeit verfolgte Politik eines jüdischen CultuSvorstehcrs verwahrt. Soweit erstreckt sich der Gesichtskreis aller die gegenwärtigen Verhältnisse richtig bcurtheilendcn Gemeindemitglieder, so mge begrenzt ist der Horizont jener vierzehn Männer, der von dem ihrem Geiste entspringenden magischen Lichte erleuchtet zu sein scheint. Wir unserseits ermuntern diese Herrm im zwischen mehreren Gärten vorbei, bis man zur hohen Ebene von Judäa gelangt. Der Weg ist hier etwas bester als die andern, (mit Ausnahme der Jaffastraße) daher eS kommt, daß man fleißig Fußgängern begegnet. Eine Stunde von Jerusalem auf einem Berg, rücken, den man als den Aufenthaltsort des Profetcn Elias bczeichnet, und mit dem man eine niedere Vertiefung (MannSlänge) alS daS Lager deS Profiten in Verbindung bringt, wohin ihm die Raben die bekannte Nahrung gebracht, steht ein griechisches Kloster. Der abschüstige eine halbe Stunde in Anspnich nehmende Weg. führt zu dem Grabe Rachels. Dieses hart am Wege liegende Grabgebäude, ähnlich allen denen der Araber, inmitten vieler anderer Gräber wird nicht nur von den alljährlich (am Todestage Rachels) in großer Anzahl besuchenden Juden, finden» auch »on den Mahumedancrn als ein heilige- Andenken geehrt. Das --Gebäude ist von den Letzteren aufgcsührt und hat eine kleine Vorhalle, in welcher eine nach Süden gekehrte Wandnische ist. die den Arabern zum Bethorte dient. Der Weg erhält durch Felder und Gärten immermrhr ein freundliches Aussehen, an der rechten Seite ist das schöne Dorf Beth Schalah. Hier hat der lateinische Patriarch ein Collegium gestiftet, in welchem junge Araber zu Geistliche herangebildet werden. Außer einer lateinischen Kirche sicht man hier Ruinen auS alter und neuer Zeit. Die Mahumedanrr sind hier schwach, Juden gar nicht vertreten. Siire halbe Stunde davon auf einer Anhöhe liegt östlvdem. Dieses Sädtchen zählt ungefähr 6000 Einwohner, die fast inS gesammt sich zu den verschiedenen christlichen Kirchen btktnnen, den geringsten Theil bilden Mahnmedaner, während Juden gänzlich fehlen. Dir Einivohnrr sind die fleißigsten im Lande und kann man Beschäftigungen aller Art im ganzen Dorfe sehen, Leitttnweber, Laumwollfpinner, Schlosser, Schuinachcr u. dgl. stad Zülrresft der von dem Vorsitzenden gewünscht« vdchett der Gemeinde und dereligtSsen Frieden-, sich jener Stunde der Wiederwahl desselben zu erinnern und vertrösten wir sie auf jene Stunde, die auch ihnen schlagen wird, aber dann zu bereuen, nicht nach drm Wunsche der Gemeinde gehandelt zu haben, wird, wir fürchten e-, zu spät sein. B. Das Resultat -er Versammlung der „Alliance inraelite uni eer Helle“ ftt Verlln. Nachdem man, durch die wanne Befürwortung de- Herrn Rabbiner Landsberg von Liegnitz, Rabbiner TreuenftlS von Stettin und Lehmann Redakteur de- Israelit, von der Idee einen eigenen deutschen Verband*) »ach Art der Alliance Isr. Univ. zn gründen, abgckommen ist und de schloffen hat, letztere als den Brennpunkt anzusehen, von dem aus die wärmenden Strahlen der Wohlthätigktit und des gemeinnützigen Wirkens nach allen Richtungen der Erde hin leuchten sollen, fand am 14. Oktober 7 Uhr Abends die Versammlung der All. Isr. Univ. im großen Saale der Gesellschaft der Freunde zu Berlin statt, in der das Resultat der Berathungen bekannt gegeben wurde. Die Versammlung eröffnete Herr Pros. Lazarus mit einer kurzen aber höchst gediegenen Rede. Er begann: Meine Herren! Es ist bekannt, daß Israel das eigentttch tragische Volk der Erde sei; aber jedetragische Geschick habe eine neue Erhebung hervorgerufen, die Leiden haben unsere Gemüther gesänftigt, unsere Gedanken geklärt, unsere Gesinnung veredelt. So auch haben unsere Brüder in Westrnßland in jüngster Zeit ein tragisches Geschick erdulden müssen, daaber der Anlaß znr Wiedergeburt und geistigen wie materiellen Erhebung jener zahlreichen israelitischen Bevölkerung werden würde. DaS Unglück jener unserer Stammes- und Glaubensgenossen haben alle jüdischen Herzen gebührt. Die All. Isr. Univ. habe viele ausgezeichnete Männer von Auswärts nach Berlin berufen, um mit ihnen die *) Der Leipziger Gemeindetag erhielt in dieser Versammlung den Todesstoß. zahlreich, jedoch diejenigen die Perlmntterarbeiten, Rosenkränze und Olivcnholzartikel verfertigen, übertrrsfin an Zahl all« andere». ES ist hier ein großes lat. Franziskanrrkloster, das an der GeburtStirche, grenzt, welche für den Besucher von großen» Interesse ist. In der Geburtskirchc besitzen Griechen, Armenier und Lateiner ihre Kapellen. welche mit ihren Klöstern im Zusammenhänge stehen. Außer der reich verzierten Geburtskrippe zeigt inan Grabmäler verschiedener Heiligen, Bilder die an schreckliche Thaten erinnern eie. Unter den mltcrirdischcn Halle», ist auch das Studierzimmer des Ct. HiroiumuS, weicher hier die hebr. Bibel in* lateinische übersetzte. Mehrere Gegenständr. die zu den verschiedenste,» Mährchci» Veranlassung Gaben. werden gezeigt. DaS lat. Kloster nimnrt all« Europäer; ohne nach der^ Nation zu fragen, sehr ^stsre»»,blich aus., und tann man da in» Saale sehr gut speisen so ivie auch «nentgeldllch ein Schlaszimiacr erhalten. Bon den Ambern trifft mau mehcere, die italienisch oder fianzösisch sprrchen und sich alS Führ« in der Kirche rln Triirkgcld verdienen. 3m Kloster werden auch dir arme» arab. Kinder unterrichtet und mit MittagSkoft bedacht. Außer dem bal'cn hier die Protestanten ein Erziehimgshaus für arm« vrrlasscnr Kinder. Eine kleine Moschee nebst Minaret ist der Auf«». hattSort betender Mahumrduner. Line »irrtel Stunde östlich von Bethlehem ist da» Hirtmfild, welches in den Monat« Mürz und April, durch die verschiedensten wild »vachfinden Blumenacten, dnoch die Ueppigkeit deS hohen Grases dem hier ansmhenden Tourist«« eine prachtvolle Augenweide gewährt. Brtlehem ist in der letzten Woche deS Monats Dezember und im Anfang Januars von Fremden überfüllt, denn die chrtfitichen -Feiertage werde» hier sehr großartig abgehaltcn. Bon Betlrhcm ans nach einstündigrm Ritte (östlich) erreicht n.an den Frankrnbrrg. Dieser Berg erscheint von 22*