Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 22 (15.11.1869)
- Date
- 1869-11-15
- Page
- Seite 216 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r — 216 — t wenden Männer, sondern erbettelte Wa hlzette^ die der JndifferentiSmuS der Gemeinde dem ersten besten Agitator in die Hand drückte mit den Worten: „Machen Sie damit wa- Sie wollen" in die Repräsentanz gebracht haben. -Daher mögen sich die Herren^de-^üdischrrr EulUtssteuerverschleuderungS-ParlamenteS nichts auf die Wahl einbilden und weder Herr Schwab noch Herr Randnitz, weder Herr Wessely noch Herr Singer würden gewählt werden, in so fern sie nicht ihre Müßiggänger hätten, die für sie „arbeiten" würden. Wer dann solche Wahlen sich zu Gemüthe führt, wird auch bald erfahren, von welcher Qualität das Vertrauen ist, dadie Herren im Munde widerkauen, um sich gegenseitig etwaetnzurrden, wer demnach von vierzehn Männern der jüdischen EultuS-Repräsentanz zu ihrem Borsitzenden gewählt wird, der ist noch immer nicht durch da- Vertrauen der Gemeinde gewählt. Als wir vor zwei Jahren mit Herrn Vr. Raudnitz, von dem wir die Ueberzeugung hatten, daß er der allmächtige Lenker des Schicksals der Prager jüdischen Gemeinde sei, zu dem Zwecke eine Unterredung hatten, diesem Mannt die Wünsche der Gemeinde klar darzuthun und von ihm in erster Reihe eine Abänderung des Wahlmodus nach Art des wiener zu verlangen, der _oUe drei Gruppen zu einer ver« schmelzen sollte, schien ihm dieser Vorschlag bedenklicher Natur, indem er die etwanaive Aeußeruug fallen ließ, daß auf dieser Art auch Elemente in die Repräsentanz kommen könnten, die derselben unliebsam wären. Wir in unserem Bestreben für das Wohl der Gemeinde waren mit einer zweiten Proposition, der Wahl der drei Gruppen an einem Tage, schlagfertig, die er seinerseits zu befürworten versprach. So verstrich ein Jahr und es wurde dieser unser Wunsch vs» nahe zweihnndert Mitgliedern der Gemeiade in einer ÄBstobe an die jüdische Vertretung zum Ausdruck gebracht, die zur Folge hatte, daß die um ihre Stellung besorgten Herren, voran der heißoersprechmde Herr vr. Raudnitz, nahe vierzehntägtge Wahltomödie arrangirten, um so nach ihrer Auffassung, den zum Ausdruck gebrachten Wunsch der Gemeinde zu erfüllen. Soll es dann wundern, wenn Männer nicht durch Vertrauen, sondern durch eine planmäßig berechnete Wahl- Flugrnaschiue und die übermäßige Anstrengung einiger.vorgeschobenen Zettel-Pioniere in eine Körperschaft gewählt werden, die vor Allem über ein finanzielles Sparshstem, über ein geordnetes Armenwesen zu Rache sitzen soll 7 Soll es dann befremden, wenn wir durch eine Fiakreoperation, welche von einem Agitator ausgeführt, wieder einen Mann in der jüdischen Vertretung sprechen hören: „Wer etwas begonnen, muß es auch vollführcn." ohne bei diesen Worten zu erröthen und sich seiucr selbst zu erinnern mit den Worten: „Wer etwas begonnen, hat eS zu Grunde gerichtet." Kann ein solcher Mann, er möge auch durch gute Verbindungen zu einer Stellung gelangt sein, welche den Anschein eines gewissen Nimbuslund einflößenden Respektes hat, an Vertrauen denken oder von Vertrauen sprechen, oder glaubt er wirklich, daß diese fünfzig Stimmzettel, mit denen er der Gemeinde aufgedrungen wurde, ein Vertrauensvotum sind? Soll es dann überraschen, wen ein Mitglied der Repräsentanz, das nur die Höhe der oberflächlichsten Bildung und mit ihr Chrenstellen und das erreichte, waö von Selbstüberschätzung angekränkelte Männer „Ehrensitze" nennen, wenn dieses Mitglied dem in formeller Weise mit der Annahme eines fAmtes ringenden Vorsitzenden ttöstend zuruft, dieser möge nicht auf ne» und zu Weihrauch benützen. den sie sich gegeuscitig streuen. Sir haben freilich nicht, fa dcklamiren diese Wächter der Gemeinde der Weit vor, nie nach äußeren Ehren gestrebt, wenn sie bereits die verschiedenen Ehren- und andere Stellen eingenommen haben, wenn ihnen bereits der Ster» dcS GlückcS leuchtet, der auf der linken Rockklappc seinen Wicdcrschcin findet, llnd merken sie, daß man ihnen zuruft: BiS biehcr und nicht weiter — da, da werden sie zäher denn je, weil sic hoffen noch „ausgezeichneter" zu werden, und sic gräinen sich. Millionen nicht zu besitzen, hundert Tausende nicht verschenken zu können, nm mit dein Pfeile deß Ehrgtipes dem Kinde des Glückes, den Apfel der höchsten AuSzeichnung vom Kopte zu schießen. ES ist eine sonderbare Zeit, die Zeit der Metamorphosen, die der römische Dichter Ovid so klastisch besungen, er, der die Klastifieirung der Zeitalter erfand, nur Schade! von dem gegenwärtigen goldenen Zeitalter der wiener Gcldmatadorc Nichts zu erzählen wußte, di« alS »liitter und Barone wie die Pilze hcrvorschießen und Zrugniß ablegen, daß man auch beim Juden Mensch sein kann, «venu eben dieser Begriff nach der Ansicht eines martialischen Kavaliers mit dem eine- BaronS so sehr im Zusammenhänge steht, und so begrüße ich den vierten jüdische» Baron in Oesterrcich-lingarn, weil eS die Höstichkeit verlangt und wünsche, daß daS Herz dieser durch Titel geadelten Männer der staut« finance vor Allem geadelt sei. daß sie, wenn sie die Klageseufzer anner darbender Familienväter, auS ihren goldenen Träumen wecke», wenn die Thräuen verwitweter Frauen und verwaister -linder dir Marmorschwelle der Prunkgemächer benetzen, daß sic für dieselben rin Ohr und ein Herz haben, daß sie nicht bloS große Sunuuen in den Schlund der Ocffentlichkeit werfen, die ihren Widerhall finden in den Blätter», die die öffentliche Meinung bedcuteu. sondern daß sie, wie eö leider gerade bei diesen lärmenden und m die Welt hinauSposaunendcn am allerwenigsten vorkonnnt, die Schleuß«! ihre- Herzen» öffnen, nin die am Hungcrtuchc Ra. g:nden zn retten. Wenn dann die wännenden Strahlen de» Mitleid» die Eiskruste vom Heezen lösen, unb die Sonne de» EdelluutheS in demselben ausgrht. dann rufe der Elgenthümer der Millionen, dir in einem solchen Herzen einen Platz gefunden, mit Mefisto der neidischen Hexe zu: „Du nennst mich Herr Baron!" das Herz ist das Wappen das ich führ«. teuer Federspitze schriebe, gegen einen Millionär? was seine Börse gegen die Börse durch die man Millionär geworden! RichtSI Und dcmohngeachtet hätte für ihn den anspruchslosen, der mit dem Geiste ringt, die bloße Materie als ein zerstäubendes Atom betrachtet, das Geld, diese hohe Bedeutung der Zeit, darum einen Werth, um den Zweck der Aufgabe des HcrzcnS, dieses edelsten TheileS deS Menschen, zu erfüllen. Und so wenn meine Baarschaft auch mit der cineS T odeSc o keinen Vergleich auShält, so erlaube ich mir schon in einer Anwandlung von knittliger Poesie einen solchen zwischen Todesko in Wien und TedeSko jn Prag anzustellen : TodeSko ist ein großer Mann TcdeSko aber nur in Prag Durch Gold ist cr'S geworden Durch Mesting wurd' er wohl WicS bald kein And'rer werden kann An einem schönen Sonnncrtag Der Mann mit seinen Orden. Zum Prager Rosch hakohl So sehe ich Jeschuruns Sohn Als Rothschilds Eoncurrenten, Der mm geworden Herr Baron Bei seinen großen Renten. Atich in den Landtag er geschickt Von seinen Freund Anton Und mit dem Kreuze auch geschmückt Als prager Ghettosohn. Es ist ein schöne» liebc» Ding „TcdeSko" italienisch klingt So eine Geldmillioit llnd „deutsch'' heißt cS zu Land Man baut sich auf dem Opcrnring Wer Tedrsco über die Lippen bringt, Eine Zinscnspckulation Der spricht das Deutsch gewandt. TcdeSko schwur, er strebe nicht Rach eitlem äußern Flitter Gott über die Welt! so denkt er sich, Wär ich doch auch ein Ritter. Und wenn er dann ein Ritter wär So würd er nicht verfehlen Zn sagen: Bei meinem Schwert ich schwör : Ich last mich nicht mehr wählen. Bilder auS de» Oriente. (Fortsetzung.) -zkr»f»s»t» i« Lsnde. Der Weg nach Bethlehem (Brthlahem) führt durch da- Jaf- »der d»s^^om^Thal^an^em^Monteflortsch«n Gehäutz«,