Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 22 (15.11.1869)
- Date
- 1869-11-15
- Page
- Seite 215 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Hnlbjiihrige« Ab»n «(«nt str frag «nt» lic fnbixg iyklnstve AnstellMg in« Han« ober fastversenbnng ö. W.. -Ist- 40 kr. fttr,«*n«anbl£blr. Srtbnmta 2 Dollar. Jnseratt werden billigst berechnet. Die Hrgan für die Interessen des Audenthums. RiMtiii nnb Xd- ■Initiation Ritter» gaffe Rra. 408 —l .. »»bin alle fliefe n. Geldsendnnge« ,n richte« sind. Dik„Gegen»an"er. scheint am 1. nnb 15. eine« ja^en Monate«. Dro. 88. Prag 15. DovemKrr 1869. II. Iahrg. Inhalt: Leitartikel: Die Wiederwahl bei Hrn. Dr. Tedesco zum Vorsitzenden der Prager ifr. TultuSverireiung, — Da» Resultat der Versammlung btr „Alliance israelite universelle in Vrrlin. — Eine gefällte Erder de» Libanon. — Hamburger Briefe. Journalistik. Locale«. Auswärtige«. Sonst und Literatur. Fenillrton. Inserate. Die Wiederwahl des Hrn. Dr. ftebwo zum Vorsitzenden der Prager israel. Cnltnsvertretung. Die Wahlen in die isr. Cultuöocrtrctung, die keinen anderen Eindruck als den einer unwürdigen Agitation, wie sich ein unbedeutendes Mitglied der Repräsentanz auözudrücken beliebte, zurücklicßen, sind bereits abgeschlossen, die AgnoScirung der sogenannten Gewählten ist vollzogen, und die Constituirung der alt-neuen isr. CultuS- Gemeinde Repräsentanz unter bengalischen Wortfeucrwcrk vor sich gegangen. Diese Reihenfolge ist den wirklich bedeutungsvollen Vertretungskörpern abgelernt und nachgewimpelt und aus eben dem Grunde ist die Scene der Constituirung als zur ganzen Komödie gehörig, nichts Neues und von sehr geringen Interesse. Was aber einigermaßen ein solches einflößt, ist die Wiederwahl des Herrn TedcSco zum Vorsitzenden der Prager israel. Cult. Gcm. Repräsentanz und war dieselbe, wenn auch von unö nicht gewünscht und wi« derrathen, bei dem Umstande zu erwarten, als in erster Li« Feuilleton. Plaudereien V. 8« ist rin sonderbare« Gefühl das Gefühl der Liebe, rief einst rin Hagestolz, und wischte sich eine Thräne ab. die ihm untrr der Brille über die Wange fchnurstrak« in den krausigen Bart lies, um sich daselbst zu verbergen und nie gesehen zu werden. 8« ist ein unerklärliche« Gefühl da« Gefühl der Liebe zu einem Gegenstände, und sei dieser Gegenstand der Lomplex einer kleinen jüdischen Bölkcrfamilie, von dem man sich nicht trennen kann, weil man hofft, auf derselben Seite, wo da« Herz schlägt noch einmal rin goldene« Stcrnblüinlrin gepflanzt zu sehen, damit Stolz auf da« bereit« angesetzte goldene Vergißmeinnicht blickt. Und wenn auch dir Geliebte da« billet d'amour eine« jüdischen Amor« verschmäht, der dir Liebe heuchelt und unter der MaSke hippokritifcher Lirbe-erklärung nur sich selbst liebt, um seine Stellung mit Hilfe gezogener Wvrtkanonen zu behaupten, warum sollte man der rrfüfirten Gegenliebe weichen, warum sagen: Der Mohr nie die Repräsentanz da- Gegentheil von allem dem thut, was gewünscht wird, in zweiter Linie die jüdisch«deutsche Phalanx der Repräsentanz durch den Sturz ihres Sündendocks zum Theile leicht durchbrochen werden könnte. Die Wiederwahl Tedeöko'S war bereits im Cast'ee Lorenz ein fait accompli und als natürliche Folge in der siebetreffenden Sitzung muffte der Caffeebeschluß auch tut jüdischen Gemeindezimmer vollzogen werden. Damit jedoch das eklatante Vertrauen des H. Tedesko in noch eklatanterer Weise hervorttete, muffte auch der natürliche Instinkt der Reugewählten herhalten, die in dulei jubilo an dem grünen Tische saßen, während sie vor nicht langer Zeit noch gegen das Gebühren der Repräsentanz, gegen die unseelige Wirthschaft derselben, gegen das zum Fimmel schreiende Unrecht, einen Mann an der Spitze der Gemeinde zu haben, in dem nicht es» Funken vom Judenthum glimmt, während ein funkelnagelneue« Mitglied der Repräsentanz noch vor Kurzem nicht genug tadelnSwerthe Worte fand, die er dießmal überzuckerte und in mit Schönheitsphrasen gewürzten Bonbons dem abtretenden Vorsitzenden servirte. Wir kennen Ench Ihr Leute und das thut uns, euch noch mehr wehe und so Euch das LooS trifft, die Wahrheit zu hören und die Wahrheit zu sagen, da verkriecht Ihr Euch mit einer wahren Domingomiene in die Schlupfwinkel der Heuchelei. Uns liegt freilich sehr wenig daran, ob der eine oder der andere seine trockene Prosa, die er als ein nach einem Ehrensitz eines jüdischen HochtoryS sich sehnendes Gemeinde- Mitglied herraisonnirtc, in von Schmarotzerpflanzen dnstende Poesie umwandelt, sobald er nur der Gemeinde den Rücken gekehrt, ans jenem Stuhl sitzt, von dem man ein vielleicht würdigeres Mitglied von sich gestoßen; denn es ist klar wie die Sonne, daß nicht Sympathien jene damals vor Erbitterung schäumenden, heute von Glückseeligkeit übcrströblieb er verschmäht von der allgemeinen Liebe, gestützt von honigsüßrn Radomontadcn einiger Cchinarotzcrblüthcn und gehalten von der eisernen Hand der jüdischen Götze von Lorenzlichingen und so trocknete er seine Thränc. in dem er mit dem schwärmerischen Heine sprach: Ach ich sehne mich nach Thräncn, Licbcsthränen, schnierzen-mild Und ich fürchte, diese« Sehnen Wird am Ende nach erfüllt. Ja da« Leben hat der Dornen viele, der Rosen wenige, wa« Wunder, wenn mancher Borsitz auf Dornen gebettet ist, die zu ei- »er Krone geflochten da« Haupt schmücken, während man iu aller Schlauheit den Samen streut, der für die Lultusstruerzahler tu trockenen saftlosen Gräsern emporschießt, unter denen sich eine Rov . mischt, die dann gepflückt, in dem Loche de« Salonfracke« Platz, nimmt und den Schweiß auSduftet. der von der Hand besorgter Familienväter hrrabgetrirst. Und die Gemeinde hat der Dornen viele, die Gelder auffaugen und in unnützer Zeitvergeudung und Remuneration-Verschwendung da« Auge de« Beobachter« stechen während jene Wächter der Intrreffen.in dem Treibhaus« der Behat fein« Schuldigkeit lelr-gaffe, wo so viel getrieben, ihre Ghreufitze auf Aosen gebettet;