Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 21 (1.11.1869)
- Date
- 1869-11-01
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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212 - LeweleS hätte» wir nichts, gegen den Sohn Teweles viel einzuwenden und nur an Herrn Kohn die Frage zu stellen, ob er seine Thätigkrit mit nicht- Besserem beginnen wirdals mit Vergrößerung de« Budget. Wir wollene-nicht hoffen. Auswärtiges. Weihkirchen. Die Statuten über die Verwendung und Verwaltung dejüd-mährischen LandeSmassafondeS wurden von Sr. Majestät dem Kaiser sanklionirt. Audiesem An« lasse wurde Samstag den 16. vor. M. ein solenner Gottesdienst im hiesigen Tempel abgehalten, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Deutsch hielt eine der Situatiou angemessene ergreifende Rede. — 8t. — Wien. Bekanntlich haben im Laufe Jbiefc« Sommers die Doktoren Matzel und W ö l f l e r im Aufträge de- Vorständeder Wiener israelitischen Kultu-gemeindc eine Reise behufs de- Studiums von Spitälern unternommen. Bon ihrer Reise zurückgekehrt, erstatteten die beiden Delegirten ein gründliches Elaborat, in welchem sie eineötheilS die Resultate ihrer in 61 Krankenhäusern Deutschlands, Frankreich-, Englands und der Schwcitz gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen, andererseits einen detaillirten Plan und ein motivirtcs Program für das neue zu erbauende Spital vorlegtcn. Der sehr lichtvolle Bericht ist aus der Feder des Dr. Matzel geflossen. Derselbe spricht sich für daS moderne, ebenso rationelle als bewährte Pavillon-System aus. Er proponirt, daneue Spital solle aus einem Administration-- Gebäude und je zu einer Seite ans je einem Pavillon be« stehen, der drei übercinandcrliegende Säle für je 20 Kranke enthält. Jeder Pavillon soll überdies ein eigenes Stiegen- Haus und seine KoinmunikationSthür in'S ,Freie besitzen. In der Beleuchtung der cinzclneu obenangeführten Punkte finden wir, das; Dr. Matzel bei der Beantwortung jeder einzelnen Frage, immer die reichen gesammelten Erfahrungen zur Seite, sich von strenger Wissenschaftlichkeit leiten läßt. Er spricht sich für daö PulsionS (BentilationS)'System, für Luftheitzung, Gasbeleuchtung Dampfküche 2c. 2c. aus. In jüngster Zeit wurde eine Kommission gewählt, welche cS übernahm, die Vorschläge und Pläne der Doktoren Matzel und Wölflcr einer eingehenden" Bcrathung und Ueberprüfung zu unterziehen. An dieser Kommission nahmen u. A. die Professoren Böhm, Hebra, Primar-Arzt Dr. Herzfclder, dann die Architekten Flor und Hascnaucr theil. Die Kommission nahm bloS unbedeutende Verbesserungen vor und änderte an dem ursprünglichen Plane nur Unwesentliches. Nachdem nun die Vorcinlcitnngen zu Ende sind, ist alle Aussicht vorhanden, daß mit dem Baue bald werde begonnen werden. Wien wird alsbald wieder ein neues, allerdings kleines Spital, das aber in jeder Beziehung ein Mustersvital zu werden verspricht, mehr besitzen. Pest. Bekanntlich wurden die-Alt-Ofener Schulen durch den mit großer Majorität gefaßten Beschluß der Gemeindevertretung in interkonfessionelle verwandelt. Dieser Beschluß wurde von der Mehrheit der Bewohner mit lebhafter Freude begrüßt — nur dem Herrn Pfarrer und seinen Kaplänen wollte er nicht behagen, und die ehwnrdigen Herrn agirten wacker darauf los von der Kanzel und im Kreise der Familien, wo sie nach altbewährter Taktik vorzugsweise die empfänglicheren Fraucnseelen inS Auge faßten. Und die geistlichen Lehren sielen auf fruchtbaren Boden. Vorgestern Vormittag nach begonnenem Unterrichte stürtzte eine zahlreiche Schaar fanatisirter Ainazonen unter dem wüthcnden Geschrei: „Wir lassen nnsere Kinder nicht mit diesen — Judenbubcn, von denen sie stehlen lernen in eine Schule gehen," in die Schullokalitäten und zerissen die Kataloge. Wol gelang es einigen handfesten Schuldienern, die zarte Legion vor die Thüre zu setzen, allein draußen, wo sich ihnen gleichgesinnte Vertteter des starken Geschlechtangeschlossen hatten, setzten sie den Unfug fort und insuktirten vorübergehende Israeliten. , Selbst schleunig requirirte Militär-Assistenz konnte dem Treiben kein Ende machen. Daß unter solchen Umständen von einer Fortsetzung de- Unterrichtenicht die Rede sein konnte, ist selbstverständlich. Im Laufe degestrigen Nachmittags, standen Militürposteu vor dem Schmyaule, dadie christlichen Kinder allein zu betreten wagten, da die jüdischen theilS aus Furcht vor Schlägen, die sie schon Vormittags beim AuSgange aus der Schule von den tapfer» ReligionS- Vertheidigerinnen in reichem Maße erhalten hatten. theilS auch auf den Wunsch ihrer Eltern zu Hause blieben. (Frdb.) Berlin. Den jüdischen Gefangenen in Preußen in den zum Resiort des Ministers de« Innern gehörigen Strafanstalten war es in Folge einer früheren Verfügung des Ministers des Innern gestattet, an den vier hohen Festtagen der Osterzeit, sowie an zwei Tagen des jüdischen Neujahrs und an dem Versöhnungstage von der Arbeit befreit zu sein und diese Tage als Festtage auch in religiöser Beziehung begehen zu dürfen. Neuerdings ist der „N. A. Z." zufolge, eine weitere Verfügung aus dem Departement des Innern ergangen, wonach von jetzt ab außer den obgenannten noch folgende Tage: Purim 1 Tag, Wochcnfest 2 Tage und Laubhüttenfest^ 4 Tage, im Ganzen also künftighin 14 Tage von den jüdischen Gefangenen gefeiert werden dürfen. Paris. Am letzten Sonntag speiste der Fürst Karl bei den» preußischen Konsul, Herrn Bamberg, welcher auch der Hausagent der Familie Hohenzollern ist und sonst neben seinem Konsulat noch allerhand geschäftliche Allotria treibt. Wie dieses Diner z» Stande kam, darüber erzählt man uns folgende Anekdote: Es war im Hotel Bristol eben von der Judenfrage die Rede. „Um zu zeigen", ries da der Fürst dem preußischen Konsul zu, „wie wenig Vorurthcil ich für meine Person gegen die Israeliten hege, so lade ich mich selbst bei Ihnen zu Gaste; ich werde morgen der Prinzcffin Mathilde in Saint-Gratien meine Aufwartung machen; Sie wohnen dort; ich werde also bei Ihnen speisen." — Herr Bamberg stammelte verlegen, diese Auszeichnung erfreue ihn sehr, aber er sei schon seit Jahren Protestant als Israeliten hätte ihn die preußische Regierung nimmermehr zu ihrem Konsul ernannt. „Nun denn," replicirte Fürst Karl lebhaft, „warum verlangen die Mächte, daß ich in Rumänien liberaler sein soll, als der Ehcf meiner Familie selbst in dem toleranten Preußen ist? London. Dem „Jewisch Record" zufolge hat Sir Moses Montefiore vor Kurzem sich nach Paris begeben, um mit dem dort weilenden Fürsten Karl von Rumänien persönlich betreffs der rumänischen Juden zu konferiren, deren gedrückte Lage die Sympathie aller europäischen Höfe und die Entrüstung der Presse wachgerufen hat. Sollte der Fürst vor Montcfiorc'S Ankunft Pari« verlass », haben, so ist eS die Absicht deS greisen Philantropcn, seine Reise fortzusetzen, in der Hoffnung, Se. Hoheit in irgend einer anderen europäischen Hauptstadt anzutreffen. Gimtes. * ReligionSwechsel eines preußischen Preßageuten. Aus Paris wird nnS geschrieben: Der jüdisch.preußische Eorrespondcnt der „Kölnischen Zeitung," Jsak oder Isidor Levisohn, früher Commis in einer hiesigen Sortiments Buchhandlung, dann plötzlich als vr. phil. und Gehilfe des ConsnlS Bamberg im hiesigen preußischen Preß-Bureau auftretend, hat sich vor einigen Tagen taufen lassen, wahrscheinlich in dem Glauben, als Protestant in Preußen besser Earriere zu machen. Wir haben niemals gel^r., daß der Eonsul Bamberg den Glauben seiner Väter verläugnet hat, und doch ist er hier Rath, Eonsul, Preß-Agent und Ritter der dritten Clafse de- Rothen Adler-Ordengeworden, hat sogar, dem Anscheine nach, seit den Ereigniffen de« JahreS 1860 ein bedeutende- Vermögen erworben. Der Herr Levi- Fortfetzung ln der Beilage.