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Die Gegenwart · 1869-11-01 · 21 (1.11.1869) · p. Seite 213

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
21 (1.11.1869)
Date
1869-11-01
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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gtilcflt r«r „Bunnurt,' Kr. 21. - 'S» "-! sohn Hütte daher gewiß nicht nöthig gehabt, die protestan« Verworfene beiseite und eilt nach Schloß Cerreto, wohin ilfj.. «mI* Mmm* in KnA /AiavHama («in hmMilnfflA (ia! tische Kirche mit seiner Persönlichkeit zu bereichern; da» Beispiel seine» Chef» Hütte ihm beweisen können, daß ge« wisse andere Eigenschaften, die er sicher so gut, wie Herr Barnberg besitzt, hinreichen, um bei Herrn von BiSmapk zu Gnaden zu pelanqen. (StÜ--- * Am 9. v. M. erschien in Agram in der Wechselstube P. u. M. ein junger Engländer, der sich Montefio re nannte und für den Neffen de» Sir Mose» Montefiore in London auSgab. Derselbe fand freundliu-e Aufnahme, wußte viel von fernen und seine» Onkels Reisen zu erzählen und ersuchte schließlich, ihm einen auf feinen Namen au»« gestellten Check einer englischen Bank per 50 Pfd. St. (über 600 fl.) gegen österreichische Banknote» umzuwechseln. Seinem Ansuchen wurde um so bereitwilliger entsprochen, als der jmige Mann beim Giriren de» Check» behufs Vergleichung der Unterschrift seinen Reisepaß vorzeigte. Montefiore v^- ließ Agram, der Check ward nach London zur Einlösung gesandt, und von dort traf die telegraphische Meldung ein, daß der Check gefälscht sei und keinen Werth habe. Die sofort eingcleiteteu gerichtlichen Schritte werden ergeben, wa» «» mit dem angeblichen Neffen Montefiore'» für eine Bewandtniß habe. * „(Sötte» Segeu bei Cohn". — Die Kaufherren der früheren Zeit pflegten auf da» erste Blatt de» Hauptbuches den Spruch: »Mit Gott" zu setzen. Eine derartige Gepflo- . genheit entsprach dem patriachalischen und religiösen Zuge der Vergangenheit. Nunmehr ist e» wohl ander» geworden. Wir besitzen keine „Kaufherren" in der früheren Bedeutung dieses Worte». Die Solidität und Gediegenheit, durch welche sich der KausmannSstand verfloffener Zeiten auSzeichnete, sind größteutheil» zur Mythe geworden. Wenn heule ein „Kaufherr" auf da» erste Folio seine» Hauptbuches die zwei Worte „Mit Gott" setzt, so ist da» Blasphemie. Und nicht weniger Blasphemie ist, wenn ein „Börsenkomptoir" unter obigem Motto Klienten wirbt. Gotte» Segen ist gewiß nie und nimmer bei einem Spiel. Und, daß Börsengeschäfte, zumal wie solche eben nur vom großen Publikum gemacht werden können, nicht» Andere« als ein Hazardspiel sind, da« wird Niemand läugnen, der auch nur oberflächliche Kenntniß von der Börse und dem Börsenverkehr besitzt. Man weiß nicht, was man hier mehr bewundern soll, den Hohn, der darin liegt, daß man „Gott„ mit der Börse in Verbindung setzt oder aber die Effronterie, zu glauben, man könne sich auf diese Weise eine Kundschaft sammeln. (Urwähler) Kunst und Literatur. — Der bisherige Kantor an der prager Neusynagoge sott al» zweiter Tenor an der k. Hofoper zu Berlin mit einem IahreSgehalt von 2000 Thalern engagirt worden sein. — Am 18. v. M. wurde im wiener Burgtheater „Jsabella Orsini" Drama in fünf Aufzügen von Mosen that zum ersten Male aufgeführt. Losgeschält von dem vielfach schwungvollen Dialoge und entkleidet von dem reichen scenischen Aufbaue, ließe sich die Fabel des Stücke«, wie sich dieselbe Mosenthal zurechtgelegt, in folgenden Worten <rzä len: Der Venetianer Troilo Venier liebte einst Bi- <mu Capello, die ihn verließ uud die Geliebte de« Groß- Herzog« von Toskana wurde. Au» Gram darüber sucht er den Tod, im Kampfe, fand ihn aber nicht, sondern lernt später Jsabella Orsini, die Gemalin de» Herzog» von Bracciano, kennen, verliebt sich wieder in diese Dame und findet Gegenliebe. Bianca Capello erräth diese» zarte Verhältniß und schwöre beide., Rache. Sie fädelt eine Jntrique ein, fetzt den Gr^erzog davon in Kenntniß, der die Untreue Isabellen» ihrem Gemale Giordano offenbart, welcher auch fürchterliche Rache an Beiden nehmm will. Mittlerweile ist die alte LiebeSgluth zu Troilo in Bianca» Herz von neuem erwacht, Sie wenigstens Troilo retten, er aber stößt die V Giordano sein vermeintlich treulose» Weib gebracht hat. Troilo kommt zu spät, Jsabella ist bereit» von der Hand ihre» wüthenden Gatten gefallen, welcher dem Retter mit den Worten entgegentritt: -ovu unt Beiden folgt ihr jetzt Troilo aber wirft den Degen fort und ersticht sich mit dem Dolche, indem er sagt: „Du willst un« schkidm — Du vereiutgst un». Nicht einen Augenblick soll sie vergeben« De« Freunde« «uf den, Weg zum Jeuseit« harrcn, Du aber leb' und fühl'« mit Neid, Du hast Die Liebenden gelödtet, nicht die Liede!" Daß sich Giordano aus diesem Fluche nicht viel gemacht hat, lehrt die Geschichte; denn später verheiratete er sich mit der schönen Bittoria Accorombona, die auch eineunnatürlichen Tode» starb. Die einfache Handlung ist aber mtt trefflich au»ge« führten, äußerst wirkungsvollen Scenen verbrämt, durch ' welche da» Interesse warm gehalten, ja namentlich im dritten und vierten Akte unwiderstehlich gefeffelt wird. — Hofkapellmeister Iuliu» Sulzer von Bukarest ist auf telegraphischem Wege der glänzende Antrag geworden, während der Karnevals-Saison die oberste Leitung der großen Oper am königlichen Hoftheater Vittorio Smannele m Turin zu übernehmen. Sulzer, der sich schon von früherer Zeit her durch seine Leistungen al» Dirigent, Pianist und Kompositeur einen Namen gemacht, hat dieser höchst schmeichelhaften Berufung Folge gegeben uud wird in Turin erwartet. Auf Wunsch des königlichen Hofe» soll an derselben Bühne die erste Aufführung einer Oper von Richard Wagner in Italien stattfinden. Vom Süchertische Jeschurun. Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthum». Verantwortlicher Redacteur vr. Joseph Kodak. Bamberg 1869 (Hebräische Abtheilung Vli Jhg.) Wir haben in diesen Blättern jedesmal, so oft ein Jahrgang dieser Zeitschrift erschienen ist, denselben einer Besprechung unterzogen und auf die geschmackvolle Zusammenstellung der einzelnen Arbeiten, die au» verschiedenen Federn hervorgegangen, aufmerksam gemacht, ohne erst die folgenden Jahrgänge an der scharfen Schneide de» kritischen Seeirmesser« anlegen zu müssen, und so beschränken wir un» dießmal beim vorliegenden Hefte, das Beste als da» vorzüglichste Ingredienz hervorzuheben. Wir begegnen vor Allem einer Biografie de» R ab, welche von Abraham Lewisohn durch sinnige Citaten beleuchtet wird. So finden sich ln Anmerkung 134 zwei interessante Wortspiele und in einem folgenden Artikel manche schwierige Bibelsttllen, die von H. Di*. Kodak wesentlich erörtert werden, so zwar, daß dadurch dem Leser nicht nur Nützliche», sondern auch Interessante» geboten wird. Diesen beiden Arbeiten reiht sich würdig an als Contradictiou auf da« Buch mw nnjo eine kostbare Perle de« spanischen Dichter» D'P3 mV betitelt, derea Derösfentlichung durch den Druck dem unermüdlichen Manuskriptenforscher und Gelehrten Herrn Halberstamm zu danken ist und sich durch den gewandten Stil, durch die Redefiguren und eine fließende Metrik auszeichnet. So hätten wir da» Buch von der Rechten zur Linken beurtheilt, beginnen wir von der linken zur Rechten, so finden wir gleich beim Entree die rabbinische RomuluS-Sage von 0r. N. Brüll, die wissenschaftlich, mit Anführung von hebräischen Citaten, bearbeitet, im Wesentlichen nicht» Reue» bietet. — 8 —

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