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Die Gegenwart · 1869-11-01 · 21 (1.11.1869) · p. Seite 211

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
21 (1.11.1869)
Date
1869-11-01
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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211 könne, was nach einem talmudischen Citate nur der thut, der lügen will. An der am 17. stattgefundenen Wahl beiheiligten sich 158 Wähler, 117 Stimmzettel wurden abgegeben. ES erschienen für die DistricktSrepräsentanz gewählt, Moritz Bunzel (aus Prag) mit 116, S. L. Schick mit 105, Emanuel Mandel mit 102 Leopold Fürst mit 63, Josef Fischer mit 53 Stimmen. Locales. Oeffcntliche Sitzung der ist. Cult.-Gem.- Verwaltung abgehalten am 24. Okt. 1869. Anwesend dir Herren: <8. Feigel, S. Ä. Frankel, Lieben, Dr. Pribram, Dr. Raudnitz, Schwab, Singer, Dr. Tede-co, D. Zappe«. Es waren sonach abwe>end die Herren: Fischt, Dr Gikschin, Osrro, G. Schi-, Ignatz Schlitz, M. A. Wahle, Prof. Dr. Wessely, Dr. Wiener. Nachdem die Sitzung vom Vorsitzenden um halb 12 Uhr eröffnet wurde, wird da» Protokoll der außerordentlichen öffentlichen Sitzung v. 21. Oktober 1869 verlesen und genehmigt. Es wird sodann zur Tagesordnung geschritten, der erste Punkt betrifft dir Verifikation der Wahlen. 8 e i g l verliest aiö Resrrrnl die Wahlprotokolle, »ach welchen die Herrn: Salomon Kohn, Koppelmann Pivhn und Moriy Ungar, sürdeu 3. Dr. Lasch, Dr. Gilschin, Adolf Schwad für den 2. und Mose« von Porth.'iin, Josef Singer und Prof. Dr. Wrfiely für den 1. Wahlköiper als gewühlt erscheine». Der EommissionSainrag. die kifolgten Wahlen zu agnosciren, wird mit Majorität angenommen. Vorsitz.: Unmittelbar vor der Sitzung ist mir eine Zuschrift von einer ziemlich bedenkenden Anzahl der angesrhendste» Milgliedrr unserer Gemeinde zugekommen, in welcher au« Anlaß einer hier staltgehabten Afiaire, (bei Gelegenheit der Vcerdigung eine« jungen Mannes) die bereits Gegenstand einer Verhandlung war, folgender Wunsch geäußert ist: Eine löbliche Repräsentanz wolle verfügen, daß der Vorstand brr VeerdigungS-Brüderschast eine außerordentliche Generalversammlung sämmtlicher Mitglieder der Brüderschaft einberufe, in welcher die Statuten einer den Anforderungen der Jetztzeit entsprechenden Reform unterzogen werden sollen. Der Vorsitzende erklärt, daß dieser Gegenstand heute einer eingehenden Veruthung nicht unterzogen werden kann, da mit dem heutigen Tage der Wirkungskre ö der bisherigen Reprä,entanz als erloschen anzusrhen ist. Die Erledigung der Zuschrift wird daher bis nach Constituirung der neuen Repräsenl. vertagt. Dem folgt die Verleihung der Jsak Wolf Taußig'schen Stiftung für arme Vräuke. Bon den mehreren Petrntinen erscheint eine, al», sammllichrn Änsordcrungrn deS StiftSbriefeS euisprechend, daher beantragt Referent Herr Schwab dieser Petentin die Stiilung zu verleihen, wa« auch angenommen wird. Vorsitz. Somit wäre der letzte Gegenstand der heurigen und sämmtlichen Tagesordnungen im Laufe der letzten 2 Jahre erschöpft. Es erübrigt nur, den verehrten scheidende» Mitgliedern im Namen der gesammlen Repräsentanz, den Dank für ihre Mühewaltung und ihren ständigen Erfer, mit welchen sie ihrem Berufe al« Venrauen-männer der Gemeinde nachgekommen sind,*) wenn auch mitunter die Ansichten unter.den einzelnen Mitgliedern der Repräsentanz verschleden waren, sind und sein werden, wie r« denn die Natur der Dinge mit sich dringt. Mit Beruhigung können wir jedoch erwähnen, daß sämmtlichr Mitglieder, welche hier am grünen Tische saßen und noch sitzen, stet« nur da» Wohl der Gemeinde im Auge halten. Wenn die Herr» mir hiezu ihre Ermächtigung enheilen, würde ich mich veranlasst finden, den aus unserer Milte scheidenden Repräsentanz-Mitglledern den Dank schriftlich zu votirrn**) (angenommen). Schließlich spreche ich der verehrten Versammlung, für ihre gütige Unterstützung, die sie mir in meinem Amtrzukommcn ließen, den Dank ans. (die Versammlung erhebt sich) Schwab beantragt, dem Dr. TedeSco gleichfalls zu danken. Schluß der Sitzung um halb 1 Uhr. *** Wahlresnltat. In der am 15. v. M. vom zweiten Wahlkörper vorgenommcnen Wahl in die istacl. Cultus- Rcpräseutanz erschienen als gewählt die Herren: 3.^)r. Koppclmann Lasch, Dr. Gitschin, Adolf Schwab, in der am 19. vom ersten Wahlkörper, die Herren: Moses von Portheim, S. Singer, Prof. I)r. Wolsgang Wessely. *** Zur Verifikation der Wahle«. Herr Georg Feigel alö Obmann der Commission zur Prüfung der Wahlen erklärte im Namen der Commission dieselben für korrekt und beantragt der Repräsentanz die erfolgten Wahlen zu agnoSciren, was auch geschehen ist. Haben wir zwar noch nicht *1 Man möchte nicht denke», daß Herr Dr. Tedeßco in seiner jungfräulichen Unschuld, e» versiebt, auch witzig zu sein. (D. Red.) **) Ober geh'n« Herr Eollega, wir thun un« gegenseitig zn viel Ehre an. ganz Europa schaut auf nn«. und wir müssen Acht geben, daß sich die Ripreseutouz net blamitt. (D. R.) daS Gewissen deS Herrn Feige! und seiner CvmmissionSgesellschaft untersucht, so werden wir ihm und ihr erklären, daß der Antrag auf Anerkennung der Wahlen eben so ungerecht ist als die Anerkcnnung selbst, und wir bedauern daß unS die Commission Behuf» Prüfung der Wahlen nicht zugezogen hat, um ihr zu beweisen, daß mehr als dreihundert Stimmzettel insoferne gefälscht waren, als deren Umschläge, anstatt wie es die Wahlordnung vorschreibt, von den Wählern selbst unterschrieben und gesiegelt, Unterschrift und Siegel von den Agitationsmitglirdcrn ansgeführt waren, überdicß nachgewiescn werden kann, daß ein der Repräsentanz sehr nahestehendes Individuum zwei Tage vor der vom 3. Wahlkörper vorgenommencn Wahl sich gerühmt hat, 195 Stimmzettel selbst auSgcsüllt zu haben. Die Commission soll sich heiingcigen lassen, und daS „Vertrauen" der Gewählten wird demnächst in Musik gesetzt. — m — *** Subordination. Als letzthin Monseigneur TewelcS von einem frisch gewählten alten Rcpräsentanzmitglicdc auf die schlechte Orthografie eines an der Thürc de« jüdischen Gemeindehauses affigirten Schriftstückes aufmerksam gemacht wurde, antwortete erstcrer: Was geht daö mich an, muß ich mich denn auf Alles umschcn.— DaS nennt man Subordination. *** Einer für Alle, aber nicht Alle für Einen. Bon den aus der Repräsentanz anögeschicdenen oder besser gesagt mit Laufpaß versehenen Mitgliedern, erschien in der vorletzten Sitzung nur Herr Lieben, mit wahrscheinlich sein letzte» Debüt zu feiern. Die anderen Herren enthielten sich in taktvoller Weise jeder Abschiedsvisite, und zogen eS vor, fern von der Rabbinergasse darüber nachzudenkcn, wie man Mitglied der Repräsentanz wird. *** Stenografie. Von H. I. Baum Mitarbeiter dieser Blätter ist die zweite, verbesserte Auflage des ersten Heftes der tö8N0pi8NL Skola als Mittel zur schnellen und leichtfasslichen Erlernung der böhmischen Stenografie erschienen. Die Ausstattung ist sehr korrekt und die Autogrofie »on dem Verfasser selbst ansgeführt, zeugt deutlich von der Festigkeit und der Schönschrift der stenografischen Schriftzügc desselben. *** Dr. Randuih. Hiesige Blätter brachten kürzlich folgende interessante Notiz: „Nach Schönlindc gelangte beiläufig zur Zeit, als es sich dort um die Wahl eines Abgeordneten für den Landtag handelte, von Herrn I)r. Schmcykal dem Obmann des deutsch liberalen Wahlausschusses an eine Persönlichkeit, die von Einfluß auf die Wahl sein könnte, ein Schreiben, worin eS hieß: Ich sage nicht zu viel, wenn ich betone, daß von der Wahl deS Dr. Raudnitz uiiscrc Position in Prag abhängt. Dr. Raudnitz hat gedroht, daß wenn er jetzt nicht gewählt wird, er von der Partei zurücktrete und an Dr. Raudnitz hängt die ganze deutsche Prager Judcnschaft und der sind wir verpflichtet." Dem entgegen müssen wir erklären,, daß Dr. Raudnitz eine bei den Präger Juden höchst unbeliebte Person ist und vielleicht nur in jenen Srciscn wenige Anhänger zählt, wo der Grundsatz lautet: eine Hand wäscht die andere. Im Utbrigcn möge cs Herr Raudnitz einmal versuchen, sich in Prag wählen zu lassen und er dürfte erfahren, wie viel Grade der Liebesbaromctcr seiner Glaubensgenossen zeigt. V Ursachen und Wirkungen. Bekanntlich hat sich der RathShcrr aus der Rabbinergasse Herr TewelcS große Verdienste um die letzte Agitation erworben, indem es ihm hauptsächlich darum zu thun war, jene Candidaten dnrchznbringrn, welche er der Repräsentanz vorgcschrieben hat. Nebst der Furcht, daß andere Candidaten, wenn sie gewühlt worden wären, seine Stellung leicht hätten erschüttern können, haben ihn, wie man uns versichert, noch andere Moiive geleitet, auf die Wahl namentlich der „Dreher" im 3. Wahlkörper hinzuarbeiten. TS handelt sich dem jüdischen Diktator der Rabbinergasse um nichts weniger als feinen Vater den ehrwürdigen Herrn Herrschmann TewelcS zum RabdinatSassesor zu machen. Von Herrn Sohn soll erst.rem starte Hilfe im vorhinein -«gesichert worden sein. Gegen Vater

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