Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 21 (1.11.1869)
- Date
- 1869-11-01
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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210 i ßen und da- Monopol jenen Männern aus den Händm ge« nommen, die da glauben nur durch sie werde der Weg in- Elisium gebahnt. Gei dem Umstande, daß die incorporirten Mitglieder Männer sind, die dem Naturgesetze gemäß die Reife des Verstandes, eines klaren Urtheils, eines freien Willens ausweisc». ist zu erwarten, daß auch wiirdige Manner in den Vorstand gelangen werden. Die Jucorporation soll vom 24. Jahr an beginnen, und nicht die Verheiratung zur Bedingung gemacht werden, das Berheirathet fein ist kein Verdienst und aus dein Grnndc auch als kein Vorzug an» Zusehen. Solche Prämissen, die in keiner anderen Confcssion, in keinem anderen Vereine, selbst wenn er die wichtigsten staatlichen Interessen repräsentirt, zur Geltung kommen, führen zu einer bizarren Eonsequenz, mit der die größte Beleidigung verknüpft ist. Die intelligentesten, ehrenhaftesten Männer, die, sei es aus principicllen, sei eS auS phisischen Rücksichten, nicht in den Bund der Ehe treten, aber, trotzdem Mitglieder der Brüderschaft sind, werden durch eine solche klägliche Institution den unwissendsten schlichtesten Männern zurückgcsetzt, und eben dadurch dem Vereine würdige Mitglieder entzogen." „Die vereinten Kräfte müssen aber auch durch gleiche Rechte vereint sin, und alte selbst auch verbriefte Urkunden, wenn sie nicht den Zcitvrrhültnissen entsprechen, wirken oft störend ans die lebcnsfrische Fortentwicklung eines Vereines ein. Lebe» wir doch in einer Zeit, wo das Verein-recht, zur vollsten Geltung gebracht ist, wo Staatsgrundgesetze sich sogar auf Funeralangelcgenheiten erstrecken, wie leicht treten nicht da neue (’hewni Katiiselia-Vcrciue, in einem oder dem andern Stadtviertel ins Vcben, um sich der Lasten eines Vereines zu entledigen, von dem das Geld nahezu vergeudet wird." (D. Red.) Wien 26. Oktober Am l6. d. M. wurde die Deputation der mährische» Judenschast von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen; der Obmann des Dclegirtcn-Eomites, Herr Julius Gomperz, sprach Sr. Majestät den ehrfurchtsvollen Dank für die lieber» tragung des Landes MasscfondS zur autonomen Verwaltung an die mährische Jndcnschaft auS, betonte, letztere werde' stets den erhabenen Intentionen dcS erlauchten Stifters, Kaiser Josef H.^-nud Sr. Majestät dcS Kaisers gemäß vor^ gehen, und schloß mit der Versicherung unverbrüchlicher Treue und Anhänglichkeit an Sr. Majestät den Kaiser und die Dynastie. Sr. Majestät erwiderte: „Es freut mich, den mährischen Israeliten den Landrs-Massctonds zur autonomen Verwaltung übergeben zu können. Ich bin überzeugt, daß derselbe im Sinne des Stifters Kaiser Josef, aufs Beste verwaltet werden wird. Die Treue und Anhänglichkeit der mährischen Judcnschafl hat sich selbst in d?n schwersten Zeiten bewährt." Ferner bemerkte der Kaiser, der Fond müsse bedeutend angewachse» sein und werde den Delegirten in nächster Zeit viel Mühe verursachen. Nachdem sich Se. Majestät die einzelnen Mitglieder der Deputation hatte vorstellen lassen, wurde dieselbe entlassen. — Die feierliche Eröffnung des von Leopold Dilmar Königsberg gestifielen Institutes für Erzirhnng armer israelitischer Mädchen fand am 17. Vormittags in den Justituts-Lokali üten (Währingerstraße Nr. 4U) statt. Von offiziellen Persönlichkeiten, welche der Feier beiwohnten, bcinerkte man: Skatthallereileiter von Weber. Statthaltercirath Pi tu er, Polizeidirekior Hofrath v. Strobach, Bürgermeister Dr. Felder, Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Ncwald. Sektionschef des Unter» richtSminislrriumS Glaser, Schulrath Praniek. Die Vorftandsmitglirder der Wiener israelitischen KültnSgemcinde hatten sich säst vollzählig cingcsnndc». Eröffnet wurde die Feier mit einem Choral, vorgetragcn von dem israelitischen Temprlchor unter Leitung des Professors Sulzrr. Hierauf hielt Dr. Max Engel. Obmann des von der Kultusge» meinde eingesetzten Kuratoriums eine Ansprache, in der er der Intentionen de- Stifterin warmen Worten gedachte und eine Genesis des Instituts-gab. Prediger Dr. Je l li n ek hielt hierauf die Weiherede. Mit der Absingung eines Choralschloß die Feier. DaS Institut-lokal besteht auS 11 geräumigen, den sanitären Anforderungen entsprechenden Zimmern, auch fchlN^ nich^ air der erwünschten Beigabe eines klri, nen JnstitutSgartenS. Die Zahl der Zöglinge wurde vorläufig auf;ehn beschränkt, mit Rücksicht auf die Verfügung des Stifters, daß die Mädchen eine solche Ausbildung erhalten. die sie in den Stand setzt, bei ihrem Austritte aus dem Institute, selbstständig ihre Existenz zu begründen. Doch dürfte bereitim nächsten Jahre eine größere Anzahl Gratis Zöglinge ausgenommen werden. Auch werden Mädchen gegen Entgelt als Zöglinge ausgenommen. Preßburg 20. Oktober. (0.- K.) Wie den geschätzten Lesern dieses Blattes bekannt fein dürft«, enthält das ungarischisraelitische Landes«Statut unter Anderem auch die Eintheilung mehrerer Gemeinden iu Distri'ktSrepräscntanzen. Für den 17. Oktober wurden von dem DistriktSkoml7issär die Wahlen in die Distriktsrepräsentanz anberaumt. Dem entgegen überreichte der Vorstand der hiesigen Gemeinde einen Protest, in welchem erklärt wurde, daß alle durch diese Wahl hervorgegangenen Beschlüsse für null und nichtig angesehen und sich die Gemeinde zur Tragung etwaiger Deprnsen keineswegs hergcbcn möchte, nachdem dieselbe daS israelitische Landes-Statut nicht anerkenne. Dcmohng-achtet fand am 16. Oktober eine Wahlberathung im Todesco'schen Stiftungshause statt, zu welcher sich eine größere Zahl Wähler eingefunden hat. Der Districktskommissär erklärte die Sitzung für eröffuet und schritt zur Verlesung derjenigen Kandidaten, welche di: Erklärung abgegeben haben, eine auf sic fallende Wahl annehmen zu wollen. Der Sekretär des Kommissärs drückte sein Bedauern aus über die verbreiteten und gegen die Anhänger deö CongresseS gerichteten Flugschriften. Wenig vertraut, wie er selbst zugesteht, mit Gemeliidcangelegenheiten finde er im Statute keine Gefahr für die Religion, ja er glaube, es könne durch dasselbe nur Ordnung erzielt werden. Auf die Gutachten der ausländischen Rabbiner, wendete der Redner den Satz an: eine Krähe hacke der Anderen nicht die Augen auS! Ter den Rabbinen enger gezogene Kreis verleide ihnen daS Statut. Ist Öffentlichkeit eine Gefahr der Religion, der Autonomie'? Ist Ordnung eine Gefahr für dieselbe? Mit diesen Worten schließt der Redner seine etwas hitzig vorgetragene Widerlegung. Wird es doch Jeder für den Auswuchs aller Urkomik anschen, wenn ein nichtjüdischcr Beamte in Angelegenheiten das Wort ergreift, denen gegenüber er selbst zugestcht, ein Fremdling zu sein, so ist eS nur zu bedauern, daß die intelligentere Klasse unserer hiesigen Judenschaft nicht so viel Rücksicht übt, der Außenwelt gegenüber Dinge auszutragen, die grade auf unsere Gemeinde und selbst auf daS ganze Judenthum kein schönes Licht werfen. ES wird jeder intellektuelle Jude nicht billigen, daß Herr Wcrth'im den Rabbinen des Auslandes Bestechlichkeit vorwirft, indem er eS nicht scheute, zu erklären, die Gutachten derselben seien auf Verlangen und Kosten des Ledomrü- Iiuckatll-BcrcineS abgegeben worden. Herr Schick, den sein Vorredner gegen etwaige Jnvcktiven, die er von gewisser Seite zu erleiden hatte, in Schutz nahm, rief durch seine mehr gemäßigte, von aller Leidenschaftlichkeit freien Rede stürmische Bravo'S hervor. Er bezeichnet, nachdem er erklärt, dcu vielen ihm zugesandtcn anonymen Zuschriften keinen Werth bkizumesscn, nach einem talmudischen AuSspruchc den anonymen Fragesteller als einen Idioten. Schmerzlich muß es der Redner empfinden, daß man den Namen dcS hier allgemein geachteten und verehrten Rabbiners misbrauche; er könne, meint Redner, ja selbst reden, da er in unserer Mitte lebt, üderdieß berufe man sich auf daS Zeugnis fernlebender Männer, die man doch nicht mündlich befragen,