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Die Gegenwart · 1869-11-01 · 21 (1.11.1869) · p. Seite 208

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
21 (1.11.1869)
Date
1869-11-01
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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Offenes schreiben an Hrn. med. Dr. Leopold Gitschin, a/utk.* bft Prager Ifr. Brüderlchaft für Krankenpflege (Derech Jesch&rah, Maskil el Dol) LS ist schon in diesen Blättern zu öfter» Malm dieses eben so zweckmäßigen als wohlthätigrn Vereines gedacht und der Vorstand desselben seines Stillschweigens wegen gegenüber den Mitgliedern intcrpellirt worden, ohne daß derselbe der Interpellation Gehör gegeben und den zum allgemeinen Ausdrucke gebrachten Wünschen der Interessenten Rechnung getragen hätte. Wir haben eS weniger mit dem Vorstände zu thun, weil er gewissermaßen unter Ihrer Aegide steht, vielmehr erscheinen Sie uns, Herr Direktor, als jene Person, die die Verantwortlichkeit für die Interessen und Verhältnisse des Vereines auf ihren Schultern trägt. Sie, der Sie zur Abfassung der im Jahre 1865 erschienenen Statuten wesentlich oeigetragen haben, werden gewiß besser die Statuten kennen denn jeder Andere, und da wir vorauSsrtreri, daß Ihnen dieselben zur Richtschnur bei allen den Verein treffenden Vorkommnissen dienen müssen, so dürfte Ihnen vor Allem der Paragraph 26 bekannt und von großer Wichtigkeit erscheinen; in demselben heißt cS ausdrücklich : Der Direkt o r überwacht die Aufrcchth a l t u n g d c r S t a t u t e n. Da der Paragraph 35 jedoch eine ordentliche General-Versammlung ans den Monat März jeden Jahres anbrramnt^ in welcher Gehalte bestimmt, daö I ah re S p a »schal e für ärztliches H o n or a r, Be l r ä g e für a u ß er o r d entlichc Ausgaben bewilligt und über Dotationen des unangreifbaren FondeS entschicd e n, kur; in da- Eassagcbahrcn Einsicht genommen werden soll, Sic jedoch seit drei Jahren keine Generalversammlung, somit auch nicht die RcchnungSrcvisorcn bchufS der Prüfung der Jahresrcchnilngcn, der Bilanz u n d z u r A b g a b e d c S Gutachtens darüber zur Vorlage an die vorberathende beziehungsweise Generalversammlung cinberufen haben, so haben Sie sich eine veberschrcitnng der Statuten zu Schulden kommen lassen und dadurch zu dem Verdachte Veranlassung gegeben, daß entweder eine förmliche Dcroutc in dem RcchnungSgcbahren entstanden ist, deren Verwickelung nur zum Schaden der VcreinSmitglicder gereicht, oder aber, daß der Vorstand seine Pflichten (8 25) das Interesse d e S Vereines nach allen R i ch t u n g c n z u w a h r c n, s e i n Gedeihen zu fördern, d e m V c r e i n c g c g e n ü b c r d i e besondere Pflicht r ü ck s i ch t l i ch der G c b a h r u ng mit dem V c r c i n S v c r m ö g e n st ren g stc ns an den Statuten zu halten, verletzt hat; im ersten Falle müsse der Verdacht genährt werden, da seit dem Jahre 1806 ein gedruckter Ausweis über Einnahmen und Ausgaben des Vereines über den Stand des unangreifbaren Vermögens und des ReservefondeS wie ihn der Paragraph Paragraph 35 in dringenden Fällen eine außerordentliche Generalversammlung einberufen kann, so erscheint eS Angesichts der Dringlichkeit und der vorherrschenden, bedenkliche Zweifel erregenden Meinung, nothwendig, daß Sie, Herr Direktor, von Ihrem Rechte noch im Monate November Gebrauch machen, um nicht erst die Mitglieder des Vereines bis zum Monate März in Ungeduld verharren zu lassen und zu Rechtsansprüchen Veranlassung geben, welche vor daö Forum der Oeffentlichkeit ausgetragen werden müßten. Mehrere Jereinsmilglieder. Prag 21. Okt. (O.-K.) Welche Dimensionen die finsteren Schatten, die unser Gemeindeleben treffen, annehmen, zeigt sich fast tagtäglich. Einen sehr auffallenden Beleg hiefür bietet ein bedauerlicher Vorfall, der durch eine längere Zeit die Gemüther in Aufregung hielt und ziemlich geeignet ist, die Zustände in unserer Gemeinde aufs traurigste zu illustrircn. Wiewol über die Affaire die Tagesblätter sich hinreichend erschöpft haben, erlaube ich mir, zum bessern Zusammenhänge meiner subjektiven Beurtheilung, den Hergang einer, man könnte sagen, tragischen Begebenheit nochmals zu rekapituliren, um zu dem Punkte zu gelangen, wo das derselben zu Grunde liegende Ucbcl wurzelt. Am 15. v. M. wurde der 23 jährige Sohn eines hier geachteten Kaufmanns und isr. Gemeindemirgliedes zu Grabe getragen; dem Verstorbenen einem hoffnungsvollen und in gesellschaftlichen Kreisen sehr beliebten jungen Manne, wußte der Gesangs-Verein „Ariou" dem er als Mitglied angehörte, und seine Freunde bei dem letzten Gange aus dem Leben, keinen passenderen und bessern Tribut der Verehrung und Liebe zu zollen als dem Hingeschiedenen Mitbrnder und Freunde einen feierlichen Leichenzug zu veranstalten. Der Vater des Verblichenen fügte sich den Wünschen der Verehrer seines Sohnes und ließ beim Vorstände der BeerdigungSbrüdcrschaft den vierspännigen Gallaleichenwagen vormerken, unter Vorzeichnung der Strassen, durch welche derselbe seinen Weg zu nehmen hat. Die Mitglieder der Vereine „Arion" und „Schlaraffia" sollten theils mit Windlichtern tbcils mit GaSfackcln den Leichenwagen umrahmen und den Condnkt schließen. Der betreffende Wochenvorstcher entschuldigte sein Nichterscheinen und betraute einen andern Vorsteher mit der Ueberwachung der Ceremonien. Dieser, scieS daß er Hoble frll b> u:tii Tcmpelplape ^cfxiljrt und auch zum Bau »es 2. Tcnip.ls gedient haben, um die Steine durch dieselbe zu befördern und die Arbeiter auch vor de» Jeindscligkcitcn der Samaritaner zu schilpe». Bor dem Damaskns-Thorc lWcg »ach Damaskns) ist ei» Olivenhain und ungefähr eine Viertel Stunde vor der Stadt sind in demselben die Königsgräbrr. Einige Stufen in der Erde gegraben, führen zu einem Raume, in welchciu viel <^cflräuch und (Gestrüpp: ipfulnt, auf pcrcn Westseite rin großes steinernes mit Berziernngeu < Trauben. Granatäpfel, Zeigen x.) vcrscheues Portal noch z» bemerke» sind. Ein viereckiges Loch. welches den Eingang" kcnnzei.hnet und Spuren von Thüren, Angeln und Verschließung in der?celscnwand rcugc» nach von dem Werte desjclbc». Durch dielcS Loch innhsam gekrochen (die brennenden Kerzen nicht zu l^ergesten.) erreicht inan eine Barl,alle in welcher Spuren eine» stcincrnr» Sarges zu sehen sind, sonst gibt eS hier nichts al» niedere und enge Gänge. ivelchc von einem Raume t deren eS Niedrere hat) zum andern führe». 2m den Räumen sind Höhlen für l oder 2 Leichen nebst kleinen Rischen für Lampen re. Mit Licht eingebrannte Buchstabe» und Ramcnszngc der Besucher sind überall zu sehen. — Bor dem Jaffathorc ungefähr Stunde ist eine deutsche Anstalt für arabische Waisenknabe», an der Straße (Gottfriedshügel) eine preußische für Waifcnmä dchcii, mehrere Gärten, hübsche Häuser und die russs. scheu Gebäude (Nova Jerusalem.) Dieselben bestehen auS dem Eonfulate, der Kirche dem Hospital, mehreren Häusern für Pilger, Bcanitc und Bedienstete. Alles von einer Mauer umringt mit starken Thoren und Thüren versehen. Außerdem ist noch ein kleines deutsches Hospital in der Nähe für LcichtauSsäpigc, übcrdirß viele arabische Eaffcchänscr, Wohnhäuser »ichrerer griechischen Geistlichen und Europäer. Anmerkung. Nordwestlich am Wege nach Ncbi Samuel (Grab des Profctcn Samuel) zwei einhalb Stunden von Jerusalem sind die Richtcrgräbcr (drei rin Viertel Stunden von Jerusalem) ivelchc im kleinern Maaßstabe den KviiigSgräbcrn sehr ähnlich sind. In der Nähe ebenfalls viele Höhlen, Vor dem DainaSkuS- und Jaffathor finden sich ebenfalls Beerdl^ungSpIäße der Türken, die der verschiedenen Christen in der Nähe deö GrabrS DavidS- Fortsetzung folgt.

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