Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 21 (1.11.1869)
- Date
- 1869-11-01
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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207 — Sitten und Eigenthümlichkeiten unserer unglücklichen Brüder derart Rechnung, daß unsere Hilfe eine ersprießliche werde. Versteigen wir uns nicht znr Erstrebung so horrender Zwangsmaßregeln, wie Herr K. sie vorgeschlagen hat, wie daS Verbot ihrer Muttersprache, wie die vollständige Rufsificirung unserer unglücklichen Brüder. Lassen Sie uns nur in Liebe und mit Güte, nicht bloS mit dem Verstände souder» auch mit dem Herzen Hilfe bringen!" Hierauf warnte Herr Rabb. Silbermann die Versammlung vor irgend welchen Eingriffen in da« religiöse Leben der russisch-polnischen Juden; denn sonst würden sie sagen, wie man zu der Biene spricht: ■jpariö kSi ixpiye ab „wir wollen Deinen Stich und Deinen Honig nicht!" Den Glanzpunkt dcS Abends bildete die Rede des Hru. AlbertCohn aus Paris, mit großer Energie oerheidlgte er die russischen Israeliten gegen die ihnen gemachten Borwürfe und erzählte au? seinen Erfahrungen in Paris wie rasch sich die dort hinkommendtn armen Polen — eS gibt daselbst gegenwättig 1500 arme polnische Familien — acclimatisiren und wie schnell sie civilisirt werden. „Ich weiß nicht." sagte er, „wie zu helfen; wir haben keine Mittel, um auf die russische Regierung, welche allein die Schuld deS Elends trifft, einzuwirken; wir haben keine Diplomatikeine Armeen, keiue Flotten, um sie zu zwingen; aber Ein« haben wir. waS sie nicht hat und was unS schließlich zum Ziele führen muß: wir haben Recht und sie hat Unrecht". ES gebe nur ein Mittel, um den Israeliten in Rußland zu helfen und daS bestehe darin, ihren materiellen Wohlstand zu heben. Die Gründung von Schulen gestatte die russische Regierung nicht, sonst hätte die Xliiaves ebenso wie im Orient und wie iu Afrika auch in Rußland Schulen ins Leben gerufen. Redner spricht gegen die Einwanderung nach dem Innern wie gegen die Rnssificirung. DaS Letztere bedeutet uichtS Anderes als die Taufe uud meine Herren, das Judenthum ist mir nicht feil nicht um alle Civilisation, nicht um allen materiellen Wohlsta nd! der im tiefsten Elende schmachtende Jude ist immer noch etwa S Groß eS, Be deutendes — er ist Jude!" Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin sprach hierauf Herrn Albert Cohn seine Anerkennung aus und forderte dazu auf, das Interesse für die in Rede stehenden Zwecke auch in Oestereich rege zu machen,wo Redner Auge Thräncn verlernte, die eS sonst geweint — die» Ohr dem Flehen sich verriegelte, willst du ein schreckcnloscr Hüter meiner Lugcnd, mich kräftig fasten? Alles was ist, ist gut, daß ich schon mit meinem Latein zu Ende bin. ist gut. es wird auch gut sein, mich einst an, Ende meiner Tage in düsterer Nacht begraben zu lasten, „„bekränzt und nicht beleuchtet vom Schein der GaSfackcl und Wachskerzen denn die Tobten — reiten schnell. Bilder auS dem Oriente. (Forts etzung.) Die Moschee grenzt an ein kleine? Dorf, an beste» südlicher Seite ein von der französischen Prinzestiu La Tour d’Auvergne gekauften und umzäumtcn Platz sich befindet, in welchem ein schö- „es hölzernes Schweizerhaus aufgcbaut wurde. Von der südlichen Spitze dcS OelbcrgeS genießt man den schönsten Anblick in Palästina bis nach Westen hin die ganze Stadt mit ihre», Minarelcn. Synagogen und Kirchen, der Tempclplatz mit der Omer nnd Aksa Moschee bieten ein imposantes Panoramck, während gegen Norden hin, nichts als kahle graue Gebirge hervorlrcten, gegen Süden das Äebirge von Judäa mit dem Frankenberge und endlich gegen Osten daS todte Meer, einem Teiche gleich, das Jordanthai mit bisher der Einzige gewesen, der Etwa» dafür gethan habe, der circa 700J fl. dafüc gesam nclt. Der berühmte Dichter, H.-rr B e r t h o l d Auerbach beantragte zuerst bei den zu stellenden Z v.cken zu bleiben, und dann die Art und Weise der H-i-b,ls.h ,ss,»,ig Mittel zu bestimmen. Herr Vicepräsident Goldschmidt au* P »riS macht den Vorschlag, ein Comite zur en.zern B.rarhu ig zu erwählen D.riclbe verläßt dann di: B:rsa n nln u n Herrn Crs.nieux am Bahnofe abzuholen; auch H'rr Albert Co', i. iin Begriffe nach J.-rnsalciu zu reisen, verläßt unter den Segenswünschen der Anwesenden den Saal. Die Herren: Sanitätsrath Waldeck ans Berlin, Rabbiner Dr. Landauer an? Dresden, Prediger Dr. Goldschmidt ans Leipzig sprechen für A l Sw,adern,, der russ. Juden nach Aurerika. während vr. R ilf für Zchn. lengründung ist. Der Ansicht der crstere» schließt sich an: Präsident LazaruS und Dr. TrauenfclS aus Stettin, der der Meinung ist, mau müsse sich zuvor mit den Glaubensgenossen in Amerika in Verbindung setzen, um sich der Gefahr der Znrückschicknng der Hiuüdcrgeschickten nicht a,»Szusctzcn, nachdem er bereit? von der boardof delegates in R w-Ivrk eine abschlägige Antwort erhielt. Advokat Lev e n aus P.,ris(in franz. Sprache) plaidirt für Zusammensetzung eines Eoniile in Rußland zur Dcsignirung derjenigen, welche sich zur Emigration am besten eignen, während Direktor Lehmann aus Berlin Redakteur de» Mrgazin» für die Literatur des Auslandes für Zasammensetznng von Comiteen au der Grenze ist. Dr. A u b ist der Meinung die russische Regierung rrst zu befragen. Dr. LaudSberg auS Liegnitz wünscht, daß die Alliance israelite universelle dafür sorge, daß die Auswanderer in Amnila eine gute Aufnahme fänden. Hiemit wurde die Devatte geschlofs.-n, und ein 15gliedriges Eomite zusammengesetzt, das mit der Sammlung und Ordnung des reichen M.terials betraut, worüber am 14. v. M. der Versammlung unter dem Vorsitze Ercmieux referirt wurde. Schluß der Sitzung ll llhr Rachts. Leider blieben diese durch Männer voi, europäischen Rase exeellircuden BerathUilgen rcsultatloS und eS hrndelt sich nur darum, abzuwarten, welche Erfolge mau mit den verschiedenen Versuch.',, erzielen werde. Oie traurige Lage der wcftrussischen Juden sei somit Gott befohlen! dem Fluße, daS gegenseitige Moabitergebirge i.it de n Berge Nelm ersichtlich weiden (Moses letzte llebcrstcht über das Land Eanaan.) In der Nähe des Clcfaims>!hortS, welches zum Oelbergc und nach Bethanien führt, zeigt inan die StrinigmigSstelle de» Stefa- >1,18. Bo», Stefanusthor an, der Stadtmauer entlang nach Norden erreicht man mehrere Gärten, bis man zum Lagerplatz Gottfried de Bouillon gelangt, der ganz nahe der nordöstlichen Stadtmauer gelegen ist und sich durch die Ebene so wie deren Olivenbäuine besonders auSzcichnet. Unter diesen Olivcnbän nen ragt ein großer Terebyntenbaum hervor, der de» Namen „Bann, dcS Lommandanleii" führt. Der Prinz of Wales hatte seine üelte hier r.usgesblagen, als er Jerusalem besuchte. Nächst der'Stadtmauer in nördlicher Richtung ist daö von mir angegebene zweite zngemauerte!hor (HeroduS-lhor), welches den» Damaskus-!hvre sehr nahe ist. Durch das Gekrächze der unzähligen Raben und Geier endlich aufmerksam geworden, erblickt man einen Platz, der durch seine Bewohner keinesfalls einladend ist. Es ist der Schächtcrplatz der Inden, Mahmnedaner und Christen. BormittagS nd Abends ist der Platz voll von Geiern. Raben, Hunden, die in» ganze,» Orient herrenlos sind, und Schakalen, ivclchc noch etwas zu schmansen suche». Der Stadl näher ist die Jernniasgrotte, eine große Räumlichkeit in einem Berge, w» der Prosit Jeremias seine Klagelieder geschrieben haben soll. Gegenüber der Grotte ist der Eingang in dir große Höhle, welche unterhalb der Stadt bis fast in dir Mitte derselben reicht. Diese 21*