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Die Gegenwart · 1869-10-15 · 20 (15.10.1869) · p. Seite 202

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
20 (15.10.1869)
Date
1869-10-15
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
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Zen, ist die Bethrilnng der spendenden Mitglieder noch eine geringe und ist rim Jntrcsse dieser wohlthätigcn Stiftung zu wünschet', daß sich dieselbe vieler Gönner erfreue. V Agitation. Wie sehr sich die Repräsentanzklique auf Agitationen versteht, hat sie bei der dießmaligen Neuwahl -für die auder jüdischen Vertretung Ausgeschiedenen dadurch bewiesen, daß ihr liebenswürdiges AmtSschreiberl und selbst die AmtSdicnrr vom Hausmeister angefangcn bis herunter zum Kanzlciabstauber Jagd auf Wahlzcttel machten. Die armen Erratnrcn, in der Furcht, daß durch die Wahl uneigennütziger selbständiger Männcr die Aussicht aus Remuneratioucn verschlossen werden könnte, mußten die Wahlzcttel abgegeben, um sic gleich wieder ab;unchmen. Ed gibt mir ein Prag. Unter den auSgcschickten Wahlzettcln fand sich aucl) einer, der an einen talholischen Mitbürger abgegeben wurde. Eine solche Genauigkeit, die man mit Schlemilihum übersetzen lönntc, findet sich nur bei der jüdischen Vertretung in Prag. Es gibt sonach nur ein Prag. V“ Schitz als Wahlkommissär. Herr Gustav Schitz, eine bei den Jude» sehr, sehr beliebe Persönlichkeit hatte wie gewöhnlich auch dießmal Sitz in der Wahltomissiou. ES war auch nichts anderes zu erwarten, da Herr Schitz eine hervorragende Person ist. %* Dfrcch Jesebarn und Mnskil nl Dol. Dieser Verein gibt trotz unserer wiederholten Aussordcrung, seit drei Jahren keinen Laut von sich, wiewohl der Vorstand verpflichtet ist, Jahrcsrcchnung zu lege», und alljährlich eine General Versammlung cinznbrrusen. Nachdem dieses nicht geschehen und den hohen Orts bestätigten Statute» zuwider gehandelt wurde, so hält es an der betrcssendcn Behörde, die mit dem Vcrcinsrcssort zu thuu hat. durch genaue Prüfung der Ursachen jener Abweichung von den Statuten, die VcreinSmitgliedcr zu schlitzen. *** ES konimt Alle? auf Wliirf au. In der KlauSsynagogc stellte der daselbst sungirrndc Prediger vor Kurzem in einer Kanzclrcde einen geistreichen Vergleich au, den er thcilS der Naturgeschichte, theils der Geifterwclt entlehnte. ES schien dem Manne am passendsten, die Männer mit Affen, die Damen mit Gespenstern zu vergleichen. In letzterem Falle scheint der gute Mann Bergher's Gcislcrcrichcinungcn Eoncnrrcnz bieten zn wollen. *.* Engel & Schwab. Die Firma Engel & Schwab hat sich bei der letzten Wahlagitation große Mühe genommen, Herrn Dr. Gitschin „durchzubringcn." Wir haben in Berücksichtigung der fiühcrn Thätigkcit dieses Manneö gegen denselben nichts cinzuwcndcn, trotzdem er uns gegenüber in unserem RedattionSlokalc crllürte, daß er „das ganze Zeug satt habe," doch ist es uns darum zn thun, Herrn Schwab im Intcrcsic der Gcmcindemitgliedcr darauf aufmerksam zu machen, seine» Eompagnon Eng l doch einmal von unschick, lichen Missionen zu verschone», die mit „Mollinoö" und rohen Eottoncn nichts gemein haben. ***■ Äodj einmal Gitschin. Wie wir von kompetenter Seite erfahren, hat Herr I>r. Gitschin Angesichts der Wahl für den Wahlkörpcr für sich agitiren lasse». Hinter der Agitation stand Herr Adolf Schwab, Agitator war Herr E. H. Engel. Aber trotz der Haranguirung der Wähler von Seite vorgenannter zwei Herren siel Herr Gitschin in kolossaler Weise durch. Dieses Fiasko hielt ihn jedoch nicht zurück, sich wieder im 2. Wahlkörpcr vorznstrllen, um neue Aussicht aus „Wahlzcttel" zu gewinne». Wir beglückwünschen Herrn Gitschin falls er das Glück haben sollte, dießmal eine größere Partie Wahlzcttel erbeutet zn haben, nur machen wir Herrn Schwab verantwortlich, daß er ewig und inumr Herrn Gitschin, eine mit crstrrcm eng vcrkuüpste Person, peinigt, in die Repräsentanz zu marschiren, um in dcrsclbcu einen sichern Sekundanten zu haben. DaS Ehangirsystcm ist dießmal nicht gelungen und die Gemeinde scheint noch immer so klug zu scm als das verliebte Paar Schwab- Tewclcs. V Das drei Wihlkörtztl-Lyste». Aus Anlaß der btvorftchcudc» Nachwahlen für die Gemeindevertretung von t Wiener-Neustadt ermahnt dadort erscheintnde „Wochenblatt s die Wähler, Niemanden zu wählen, der einer Kotterie angchört. Diese Ermahnung verdient beherzigt zu werden, denn, wie daS genannte Blatt richtig bemerkt, eine Koterie kümmert sich weniger darum, ob der Gewählte den an ihn Yünftig. herantrktendcn Ansprüchen jemals genügen werde, sondern sie sucht bloS taugliche Werkzeuge für die Pläne, die sie verfolgt. — Diese dem wiener „Urwähler" entnommene Notiz paßt aus unsere jüdischen Gemcindezustände. Änswnrtiges. Prosnitz. Unsere jüdische Gemeinde besitzt 14 wohlthätige Vereine. Vor Kurzem wurde wieder ein Gebäude, welches als Asyl für arme^ schwache Greise bestimmt ist und welches Dr. Brecher-Stiftung genannt wurde, eingcweiht. Herr Dr. Brecher ist Arzt und feierte vor einiger Zeit seinen 70. Geburtstag. Da wurde von Seiten des Vorstandes beschlossen, als Zeichen der Anerkennung seiner segensreichen Wirkung dies Gebäude, welches seinen Namen trägt, zu errichten. Herr vr. Brecher practizirt bereits über 50 Jahre dahier und ist ein bis in die weite Ferne berühmter Arzt. Die Armen behandelt er nicht nur uncntgcldlich, sondern verabreicht ihnen auch die Arzneimittel umsonst. WaS wir aber besonders als große Seltenheit hcroorhcbcn wollen, ist, daß Herr Dr. Brecher in der jttd, Literatur und hauptsächlich im Talmud bewandert ist und nicht versäumt, einige Stunden deö TagcS dem Studium im Talmud zu widmen. Brünn. Endlich wurde im israelitischen Tempel die kaiserliche Entschließung wegen Ucbergabc deö jüdischen LandcsmassefondcS in die Verwaltung der mährischen Judenschaft feierlich verkündigt und damit ein Dankgcbct für den Kaiser verbunden. Die gleiche Feier findet in sämmtlichen Synagogen Mährens statt. Wien. Der Kaiser hat der israelitischen Gemeinde Dynov in Galizien, zum Synagogcnbaue einen Betrag von 100 fl. aus Allerhöchsten' Privatmitteln zu bewilligen geruht. — In Folge eines Erlasses des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 10. August 1807 wurde von der Statthaltcrci eine Versammlung von Rabbinern, israelitischen Lehrern und Kultusvorständcn zur Verhandlung der Frage, in welcher Art hchräische RcligionSlchrcr heranznbilden und Talmudschulen zu errichten seien, einberufen und Ende Oktober 1807 abgehaltcn. Diese Versammlung konnte natürlich nicht sofort daS umfangreiche Material mit der gewünschten Gründlichkeit erschöpfen; man beschränkte sich nach längeren fruchtlosen Debatten auf eine Feststellung der Grundzüge und übertrug die weitere Ausarbeitung einem aus 5 Lehrern, 5 Rabbinern und 5 Kultusvorständcn bestehenden Komite. Dieses trat Anfangs Dezember 1807 in Brünn zusammen und erörterte in vier Sitzungen im Monate Dezember und in vier Sitzungen im Monate Inner 1808 im Beisein des k. k. Herrn SchulratheS Nowak die von der ersten Versammlung ausgestellten Fragepunkte, insbesondere die Feststellung de« Lehrstoffs und Lehrzieles für RabbiuatSzöglinge und Lehramtskandidaten. Die Anstellung der israelitischen Lehrer, die GehaltSbestimmung, die Privatprttfungen und die Glündung eines aus dem jüdischen LandeSmassafondS und anderen Zuflüssen zu errichtenden Proseminars zur AuSbildüng von Rabbinern, israelitischen Lehrern und Kantoren. Auch wurde über die Zusammensetzung dcS ständigen LeitungSkomiteS, die Art der Wahl, Wirksamkeit und Amtödauer sowie über den Kostenanschlag verhandelt. Schon im Februar 1868 überreichte die k. k. Statthalterei daS ganze Oprrat dem Ministerium zur Beschlußfaffung, allein noch immer ist keine Entscheidung erfolgt, obwol iämmtliche israelitische Glaubensgenossen Mährens der Erledigung dieser

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