Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 20 (15.10.1869)
- Date
- 1869-10-15
- Page
- Seite 203 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4890378-5433914-5433987--413-4890748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
203 Angelegenheit sehnsüchtig harren. Wie wir hören, hat der Vorstand der in der Umbildung in eine KultuSgemeinde begriffenen israelitischen KultuSgenosscnschaft in Znaim, Herr die in Jaffa zu gründende Ackerbauschule weist eine Summe von 35038 Fr. auf. (U„jv. J-r.) Oxford. Die Universität Crforb bat Herrman Schmidl, kürzlich zuständiaen Orte« Schritte ae-_der^Hundschriften^drs ^Mrsiörbcneu Luzato in Padua an. Mn^iM-im-iLmver«ehnms^unt^aMMn^KNtuSvochänden gekauft. diese für die israelitischen Glaubensgenossen hochwichtige An- Cauada. Der Oberrabbiner von Eanada wurde im Laufe gelegenheit wieder in Fluß zu bringen. — Im hiesigen i sdieses Jahres vom Sultan mit zwei Arbeit dccorirt. raelitischen T aubst u m m cn - I n st it u t wurde gestern unter zahlreicher Theilnahme der Gönner und Förderer dieser Anstalt das 25jährige Jubiläum des verdienstvollen Direktors, Herrn I. Deutsch, gefeiert. Nachdem im Namen deS JnstitutS-VorstandeS, dessen Mitglied Herr H i l dburghäuser daS allmälige Wachsen deS Instituts von unscheinbaren'Anfängen zu einer Musteranstalt geschildert hatte, überreichte Herr M o s c n t l, a l als Vertreter deS Unterrichtsministeriums dem Jubilar ein Dekret, womit derselbe zum kaiserlichen Rath ernannt wird. Tief ergriffen dankte Direktor Deutsch für diese Auszeichnung und gelobte unter lebhaftem Bcifalle der Versammlung, seinem Berufe auch den Rest seines Lebens zu widmen. Hierauf nahm der Jubilar die Glückwünsche zuerst deS Lehrerperfonals und dann der ehemaligen Zöglinge des^ Instituts entgegen, in deren Namen der bekannte Industrielle JaqueS Löw sprach. Zwei taubstumme Kinder, die dem Institut noch angchören, beglückwünschten ihren Lehrer und Erzieher und priesen selbst in deutlicher Rede die Wohlthat der Bildung und deS Unterrichtes. Mit einem von sämmtlichen Zöglingen gesprochenen Gebete für Se. Maj. den Kaiser schloß die würdige und erhebende Feier. Zur Erinnerung an dieses Jubiläum stiftete Herr Jonas R. v. KönigSw a r t e r fünf Freiplätze, wodurch der Fond des Institutes um 25.000 fl. vermehrt wird. Statthaltercileiter v. Weber, der gleichfalls der Feier beiwohnte, besichtigte nach Schluß derselben die Räumlichkeiten des Hauses und sprach seine besondere Befriedigung über die zweckmäßige Leitung deS inneren Hauswesens aus. Magdeburg. In der hiesigen Synagoge begann die Feier des VcrsöhnungSfesteS mit einer Predigt des Seminaristen Herrn vr. Perlitz aus Breslau, welcher der vom Vorstande der jüdischen Gemeinde an ihn ergangenen Einladung zu gottesdienstlichen Vorträgen während der hohen Feiertage freundlichst nachgekommen war. Auf die Bedeutung des beginnenden Festes mit ebenso beredten als erbauenden Worten näher eingehend, gedachte der Redner in leicht erklärlichem Gedankengange auch des Vorbildes wahrer Humanität, dessen Andenken an dem eben zu Rüste gegangenen Tage in der ganzen Welt gefeiert worden sei. Also ward schließlich auch am 14. v. M. des großen Humboldt, wenn auch nur vor einer kleinen Gemeinde immerhin aber an öffentlicher bedeutungsvoller Stätte, Erwähnung gethan. Amsterdam. Znm zweiten Lieutenant der Infanterie-Legion im uiederl. Ostindien wurde der Kadett H. Bendien (Israelit) ernannt. — In dem Budget für 1870 der Stadt Amsterdam sind 5400 fl. für die iör. Eultusgemeinde in Amsterdam und 43000 fl. für den gesammten iSr. CultuS Hollands verzeichnet — Nach einer vom Minister deS Innern -jüngst veröffentlichten vergleichenden Statistik der Einwohner Hollands, war die jüdische Bevölkerung im Nov. 1820 40408, im Nov. 1839 52245 im Nov. 1849 58620 und im Nov. 1859 63427 Seelen. Daraus ist zu ersehen, daß obgleich unsere Glaubensgenossen zahlreich nach Nordamerika und England auSgewandert sind, die jüdische Bevölkerung doch stets im Zunehmen begriffen war. — Unser Glaubensgenosse. Hrrr E. de VerieS, Chirurg hat vom Director der Gesellschaft zur Rettung von Ertrinkenden die goldene Medaille erhalten, weil er in der Nacht vom 9. März einen Ertrunkenen zum Bewußffein gebracht hat. Pari-. Zu den Ernennungen als Ritter der Shrenlegigion haben wir noch hinzufügen die Herren: Nathan Leon Uliman Lieutenant, Louis Schwab Kapitän. Joseph Michel, August Cain, Graveur. — Die erste Subskriptionsliste für öuntes. Seine Hochwnrden und der Jude. Vor etwa drei Wochen berichtet der in Wien erscheinende „Morgenstern" war em armer Taglöhucr in Turn-Severin angelangt, der außer seiner eigenen LeibeSnoth auch noch zwei hilflose Kindlcin und ein sterbenskrankes Weib mit sich hatte. DaS Weib ging zwei Tage nach ihrer Ankunft in Severin auch wirklich in ein besseres Leben ein. Nicht einmal Brod für die weinenden Kleinen hatte der Mann — wie sollte er bic geschiedene Lebensgefährtin begraben? Im Hause, wo dieser Jammer ihn ereilt, wohnt ein JSraelite; selbst arm, denn er hat auch eine Familie zu ernähren und lebt bloS vom AuSbeffern der Regenschirme. Trotz der eigenen Armuth beeilt der Jude sich dennoch, die gestorbene Christin beerdigen zu lassen. Er bezahlt nämlich den Sarg, der die letzten Reste dearmen WeibcS bergen soll, und bezahlt auch den christlichen Priester, der kommen muß, um daS letzte Gebet für die Heimgegangene Christcnseele zu sprechen. Denn der christliche Priester will von seiner „Stola-Gcbühr" auch nicht einen Kreuzer Nachlassen. ES ist ja seine „Gebühr!" Arme geschorene Menschheit! Wann wirst Du endlich einmal zur Erkenntniß gelangen, daß Dein Staub eben so sanft in Gottes heiliger Erde ruht, wenn ein buntgckleideter, ebenso sündiger Mensch, wie wir Alle cs sind, Dir nicht nachmurmelt seine cingelernten, schon seit lange von ihm nicht mehr gefühlten, ja nichteinmal mehr verstandenen Formeln? Der arme Taglöhner heißt Georg TSukony, ist aus Szegedin gebürtig und arbeitet heute als Taglöhner bei der Agentie der Donau Dampschiffahrts-Gesellschaft, sich und seine zwei Kindlein redlich ernährend. Der Jude heißt FuchSler Süßmann, und hat die, vom Severincr deutschen WohlthätigkeitS- Vereine ihm angebotene Vergütung seiner Ausgaben bescheiden abgelehnt. Wie der Christ. . . heißt, der von seiner „Gebühr" nichts Nachlassen kann — nun, auf die Ehre de» Mann zu nennen, wollen wir für heute Verzicht leisten. Lrslo öffentliche höhere Handels - Lehr - Anstalt in WIEN, Praterstrasse Nr. 32. DaS neue Schuljahr begann am 4. Oktober d. I. Einschreibungen fanden vom 25. September an statt und werden Programme von der Direktion gratis versandt. Carl PorgeS, Direktor Die abjolvirter» Hörer genießen die Begünstigung deeinjährigen freiwilligen Dienstein der k. k. Armee. I —...