Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-10-15 · 20 (15.10.1869) · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
20 (15.10.1869)
Date
1869-10-15
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433987--409-4890744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 I 199 magischen Kreis ihrer Willkühr hinauswerfen, weil sie jene zur Unterstützung ihrer unerhörten Kabalen zu schwach fühlen. Man sicht, welches Vertrauen die Gemeinde zu der ganzen WirlhschaftSführung einer nach Orden, Stellen und sonstigen AuSzeichnnnficu-iaaenden^rmd-ttittuuelsatten "Eökkcrie hat, aus der Bctheiligung an der Wahl im Wahl» körpcr, man erkennt deutlich den Sinn, der nur durch eine erbärmliche Vertretung abgestumpft wurde. Von 1124 Wählern erhielten 742 Stimmzettel, ein Resultat, daS sich daraus ergibt, daß die eine Hälfte es gar nicht der Mühe wcrth gefunden, zu reklamiren, von diesen 742*) haben bloß i)59 Wähler an der Wahl theilgenommen und die größte Ziffer eines Gewühlten belief sich auf 179. Heißt das dann durch Vertrauen gewählt, wenn man noch dazu nimmt, daß ein besoldeter AintSschreibcr, als kultuclle Ausgeburt, in der Furcht, daß man von feinen im Müßiggänge erschmeichelten tausend Gulden snbtrahircn könnte, viele Wähler harangnirt und Front macht, gegen seine Vorgesetzten, denen er seine Stellung größtcnthcils zu danken hat? UnS war, uns ist es gleichgiltig, welche Herren die Fatalität haben, in die Repräsentanz gewählt zu werden, vb jene, welche bereit sind, sich zu Handlangerdiensten herzngcbcn, oder ob jene, die sich von den Machinationen eines Eomitcs zur „gegeiijeitigen Unterstützung" erdrücken zu lassen, die Gleichgiltigkeit besitzen, aber rS gilt an diese oder jene Männer noch *riu^crnsteS Wort zu sprechen. Werden sie ehrlich und offen zu Werke gehen, ohne in die Arme der miSliebig gewordenen Clique Tedesko-Wiencr-Raudnitz zu fallen, werden sie nur die Gemeindcintcrcssen und die damit verbundene Selbstbestcuerung, ein organisirteS Armcnwcicn in'S Auge fassen, so werden die Gemeindcmitglicder bereit sein, diese ehrlichen Männer zu unterstützen, werden sie hingegen *) Bei der engem Wahl beteiligten sich 420 Wähler, die höchste Ziffer eines Gewählten betrug 240. Juden, deren cS hier eine große Zahl gibt. Aber den schönsten Platz beherrschen die Armenier, auf der Höhe des ZionöbergeS haben sie ein sehr großes Kloster nebst einem Gebäude für Pilger eine Apotheke, ein Seminar für junge Studirende, eine große Kirche nebst Hospital, Wohnung des Patriarchen etc. ctc. Hier zeigt man auch das CaiphashauS. Wenn matt die Mauern der armenischen Gebäude und Gärten entlang geht, so kömmt man (südwestlich) zum ZionSthor oder Bab el Nebi Doud (Thor des Profeten Davids) genannt. Bei diesem so wie bei allen geöffneten Thoren hält eine Militärwache nebst Zollbeamten-Wache; letztere sind von den gewöhnlichen Arabern nur durch rin an der Brust befestigtes Meflingabzeichrit zu erkennen. Bor diesen Thorr, innerhalb der Stadtmauern, sind die Hütten der Aussätzigen, bei denen das Elend in höchster Potenz zu sehen ist. Diese separirte unglückliche Menschenklaffc hat mit andeui Menscheu keine andere Verbindung, als von ihnen Alinosen zu erbetteln, sie haben ihr mit demselben Nebel behafteteüberhaupt, das sogar rin schönes Pferd reitet. Der Aussatz der bei mancheit an einem der beiden oder an beiden Armen, an Füßen am Gesichte oder an anbereit Körpertheilen, bei manchen am ganzen Körper Platz greift, erregt de» größten Ekel uitd ist von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzend. Diese Menscheit scheinen sich aber in ihr Schicksal fügen zu können, denn man bemerkt bei ihnen dasselbe phisische Leben als bei den Gesunden. Sic sind Mahumedaner. Mit den innern Ansichten wären wir fertig mit Ausnahme drS eoptifchen und abyflinifchen Klosters, welche nicht betrachtenswerth sind. Bor dem ZionSthore ist Rcbi Daud (Profet David) daS Grab deö König David. Die Türken haben darüber eine Moschee erbaut und erschweren Jedem den Zutritt. Ferner befindet sich auf dem Berge Zion eine engl. Knabenschule nebst Pensionat für arme Europäer so wie für die feineren Araber. Hier ist da» Thal Hinnom (Holle) und auf einer zu demselben führenden steinernen Brücke wird noch dir Stelle de» Feuergötzen» Moloch gezeigt. Auf dieser Alle« untrrkaffen, was zum Wähle der Gemeinde beiträgt, und denselben Weg betreten, den ihre Eollegen eingeschlagen haben, so wird sich — und dieß verbürgen wir — die Gemcinde einer so racksicktSloseü-Lerlretun»«^entlkdiaen fuckn “ Zmn Schlusienoch Ein Wort! Sobald sich die Vertretung neu konstituirt hat, möge sie auf die Wahl ihre- Vorsitzenden Bedacht nehmen, sie wähle einen Mann, der keinen politischen Parteistandpunkt einnimmt, um auf dieser Weise die leider durch daS entgegengesetzte Vcrsahren entstandenen Scharten und Schärfen in unserem Verhältnisse zu unseren Mitbürgern beider Rationalitäten auSzttglkichen, auf daß diesen die Schlußfolgerung entzöge» werde: Weil der Vorsitzende unserer Vertretung diese oder jene Politik treibt, ergo sei diese Excentricität als der Gesinnung»»»»- druck der ganzen Gemeinde anznsehrn. Wir appclircn sonach an die Ehrenhaftigkeit deS bisherigen Vorsitzenden Herrn vr. TedeSko, im Interesse des Friedens und der E i n t r a ch t, i m In ter e s se d e r j ü d. Vertretung u n d d e m unserer Gemeinde, daß er eine auf ihn gefallene Wahl nicht an nehmen werde. H. Pater Hyacinth über die Juden. Pater Hyacinth in Paris, der berühmte Kanzelredner von Rotrcdame, der kürzlich sein geistliches Amt an der Kathedrale nirderlcgt und in einem Schreiben an den Ordens» Generai der Carmcliter die Erklärung abgegeben, daß er auch aus diesem Orden scheide, weil er sich den nltramontancn Doctrinen und dem Zwange, der ihn hindere, seine Meinung frei auSznsprechen,' nicht fügen könne, hat diese Schritte in Folge der geistlichen Zurcchtwcisnngen gethan. Seite angekommen, ist man am Wege nach Bethlehem tmd Hebron und haben wir auch zugleich daS Montefiorische Armenhaus vor un». welche» ein festes langes Gebäude mit ungefähr 20 Zimmern, ein Jedes seinen besoudern Eingang) für Aschkenasim k Spaniolen, gemeinschaftlich nebst dent großen Gartenplatze und der dabeiste. henden Windmühle benützt werden kann. Hier sehen wir außer dem, mehrere Häuser und Gärten. Das Hinnomthal nach Süden verfolgend, gelangt man zum Töpsirfelde, welches an deit „Berg de» üblen RatheS" stößt und auf welchem man unzählige Höhlen und Felfen-Gräber findet. Bon hier anS erreicht »tan da» Dorf Berjun. welches seiner Wafferguellen wegen berühmt, der Bevölkerung Jen«. salemS zum BergnügungSplatze dient. Die englische Ezplorations- Company hat hier tief unter der Erde einen sehr langen noch schön erhaltenen Gang aufgefunden. Zwischen Gemüsegarten diesseits und Schutthaufen in der Nähe der Stadt köinint man nach dem gegenüberliegendeu Dorfe Sileah, welches ebenfalls eine schöne Wasserquelle auszuweisen hat, der gegenüber das hiittere Gebäude der Aksa- Moschee und die südöstliche Mauer sich befinden. Hinter Siloah ist „der Berg deS Ärgernisses"; hier sollen die Götzentempel ker Weiber de» König Salomo gestanden haben. Bei Siloah ist daS (Josaphat- oder Kidron Thal und wenn man (nach Osten) diesseits des Thale» über die unzähligen jüd. Gräber, deren Grabsteine flach am Boden liegen, hinweg schreitet, so sieht man zur Linken die Stadt und selbst die Tempelmauer, zur Rechten mehrere Grabeshöhlen bi» man zum Grabmahle deS Zacharia» gelangt, welche» hausfürmig an» ungewöhnlich großen Steinen zusammgesetzt ist. Etwa KO Schritte . weiter ist die im Felsen gehauene Uria»grotte, in welcher der wegen de» Opfer» mit Aussatz bestrafte König seine Lebenszeit geendet. Auf derselben Seite etwa» weiter, ist die Absalom» Säule, welche die Form eine» großen Cchlachtmonumente» hat. Gegenüber an der Mauer ist der Stein Mahomet» und an der äußern Mauerfeite sind unzählige türkisch arabische Grabmäler mit aufrecht stehenden Grabsteinen, deren Spitzen farbige steinerne Turbane, Tarbnsche und Dervlschhüte zieren. Die Inschriften find öfter» sehr 21*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.