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Die Gegenwart · 1869-10-15 · 20 (15.10.1869) · p. Seite 198

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
20 (15.10.1869)
Date
1869-10-15
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 f sie fort ju: quälen mit ungerechtfertigten Ausgaben, mit eigenmächtigen Erlässen und Gebühren, jener Thcil der Vertretnng, der nicht genug Intelligenz besitzt, um den Begriff dieses dein Rechtsgefühle Grunde liegenden Wortes aufzufasscn, suchte noch in den letzten Athemzügen des andern aus der Vertretung, scheidenden TheileS, zu beweisen, daß vom Repräsentanten zum Tandler ein Schritt ist. Wie dieß von den das Gcmeindcregiincnt führenden Herren angcstcllt wurde, zeigt von der geringen socialen und politischen Reife dieser krühwinklcrischnt Eottcrie, welche auf der Stirne die Frechheit zur Schau trägt, mit der sie sich zu Karyatiden einer Gemeinde stempeln will. Uns nochmals in einen Index der Thatenlvsigkeit jener säubern Sippschaft rinzulassen, finden wir heute überflüssig, weit cs nur den Ekel von Renern heraufbeschwören könnte, der von dem JndisferentiömnS der Gemeinde neue Nahrung erhält, und so beschränken wir uns nur auf das nachstehende Faktum. Einige Tage vor der Wahl versammelten sich sechs Ncpräsentanzinitgliedcr unter Leitung des Herrn Ür. TcdcSko in der Wohnung des H. Dr. Przibrain, nachdem letzterer im Vereine mit Herrn Moritz Ungar an 20 gleichgesinnte Gerne indeglieder, von denen jedoch nur acht auf den Leim gegangen sind, schriftliche Einladungen ergehen ließ, sich an der Versammlung zu bethciligcn, in welcher eine den Zwecken der Lorenzklignc dienende Eandidatenliftc entworfen werden sollte, dem der Beschluß voranging, zum Behnfe der, wie man sich anSzndrückcn beliebte, „Regenerirung" die anSgeschicdencn Männer ans der Vertretung mit Ausnahme eines Mannes, der durch Zerstörung der Talmud- Thora Schule lebhaften Antheil an dem Ruine der Gemeinde genommen und eines andern Herrn, der kein anderes Verdienst. hat, als durch sein „Gold" zu verblenden, zu cxkludircn. Wie wol diese Affaire schon genügend für sich selbst spricht, so lässt cs unsere publicistische Pflicht nicht zu, dieses Vorgehen der Mitglieder einer Vertretung dem alleinigen Urtheile unserer wcrthen Leser zu überlassen, und eS unterirdischen Rachgrabungen in der Außenseite die Grundsteine der Mauer, 14» Fuß tiefer, auf Felsen gefunden. Auf der östl. Seite ist anf der Mauer ein bedeutender Rani», von welchem aus eine Säule in der Form cined großen Geschützes eingemaucrt ist. Dl« Mahuincdaner behaupten, dass hier Mohamctzu Gericht sitzen wird, den Schlauch des Arg i lcc (lürk. Wasserpfeife) im Munde führend die Arg llcc aber in Bagdad (Persien) stehend. Bon diesem Steine aus wird ein Seil zu dem gegenüber liegenden Dlbcrg führen, und an der Spitze de» daraufstchenden MinarctS befestigt fein, alle-Polter werden über dieses Seil gehen müßcn und nur die frommen Muselmänner lvcrdcn hier bei Mohanunct antounncn, die anderen wcrdcir in die Hölle stürzen, welche in» Thale Josaphat sein wird. Die Seligen werden hier von ihrem Profctcn inS Paradies geführt, >vo ein Jeder -'<» schöne Frauen, die besten Pferde. Schwertrr und ArgilccS zum Rauche», so wie Scher bet (süßes Getränk) znm Trinken erhält! -- Ungefähr 5ü Schritte weiter tömint man hinunter zum goldenen Thor. dasselbe scheint sehr lange zugcmanert zu sein. Die darinstehcndcn tolasialcn Säulen sollen von der Königin" Schema dem Salomo» als Geschenk gebracht worden sein In dieser kühlen große» Halle lropft das Rcgcnwasier (mehrere Wochen nach dem Rege») herunter. Die Finstcrniß, dumpfe kalte Luft und das Gekrächze der Sperber machen einen unheimlichen Eindruck. Born goldenen Thor zukück. kann man verschiedene Trümmer von Eingängcn znm Platze, Gcbctnischcn der Muselmänner und eine Prachtvolle alleinstehende Kanzel ans Marmorst ein sehen. Der Rückweg wird ebenfalls durch die Behausung des Paschas gemacht. Durch die alterthümlichsten Straßen wandernd, gelangt man zu dem unbedeutensten Thore. das Mistthor genannt und da» seinem Rainen entspricht und einige Stunden deS Tage» geöffnet ist. Bon hier anS kommt man ins Judenviertel (Pionte Zion> und der erste über Schutthaufen führende Platz ist der sogenannte deutsche. Hier steht «in Gebäude, in welchem deutsche Juden bioS unenlgeldlich beherbergt werden. Außer der großen Zahl von kleinen Bethstuben, find hier 2 große schöne Synagogen, von denen eine den Sephardim, *.« andere den Aschkenafim gehört. Eine sehr schöne die dir Briden an rückt an uns die Rothwendigkeit heran, diesen Uebergriff von „Vertretern" etwas näher zu beleuchten. Es ist konsta» tirt, daß bei Wahlen Wahlbesprechungen nicht nur gestattet, sondern oft auch nothwendig sind, um einen Kreis zu bilden, aus dem Candidaten für eine oder die andere Wahl hervorgehen solle» ttnd wir waren gewiß für ein ordnungSmäßiges Arrangement, insoferne dasselbe in legaler Form ausschließlich nur von Gemeindemitglicdcrn getroffen würde, die außerhalb der Sphäre ihrer Vertretung stehen. Daß aber die zurückgebliebenen Herren der Vertretung nicht einmal das Ehr- und Rcchtsgefühl besessen, mit der Jnaugirung eines neuen WahlmodnS, durch den gewissermaßen ein neues System entsteht, in corpore abzndanken, um sich nach den neuen Normen und Formen wühlen zu lassen, daß diese Männer, anstatt jedem Wahlmanöver und der damit verbundenen Wahlbeeinflnssung ferne zu stehen, um diese nur der Gemeinde, von der sie eine scharf gezogene Linie trennt, zn überlassen, eine geheime der Behörde unangeineldetc Sitzung hielt, zu deren Abhaltung ein Mann seine Lokalitäten hergibt, der Mitglied der Vertretung ist und nicht zu den Ansgesch,'ebenen gehört, hat selbst der nicht erwartet, dem die Definition des Wortes „Ehre" verloren gegangen. Dachten wir doch nie. daß ein Mann, der überhaupt längst schon halte resignircn sollen, mit einem andern thcttkräftigeren Manne, dem cS schon die Phisische Kraft hätte eher möglich gemacht, den Platz cinzuräumen, seine Hand zn einer Machinution bieten werde, von der anS die Fäden der Jntriguc laufen, um mit denselben die Gemeinde zu umstricken, so finden wir erst für die Pcrsidie jener „intelligenten". Männer, die ihre eigene Niedertracht vor purer Schamlosigkeit nicht sehen, keinen Ansdruck und cs bleibt der Gemeinde nichts anderes übrig, als die Eollcgialilät jener „studierten" Herren zu bewundern, mit der sie über ihre durch eine Reihe von Jahren zn Abstimmungen miSbranchten Eollcgcn den Bann schleudern und sie aus dem Größe nbertreffon soll, wird von den Aschkenasinn errichtet. Der Schulen mit Ausnahme von Ehcdar's (hcbr. Elementarschulen) und einer Talmudschule gibt cS keine. Das jüd. Hospital ist ein kleines, sowol was das Innere als das Äußere betrifft, schmutziges Gebäude, welches nicht den H). Thcil seines Zweckes erreichen kann- Der dabei pracktizirende Arzt ist seines brutalen Benehmens halber sehr unpopulär. Bei der schon erwähnten Klagcmaucr wird außer dem Freitage, auch am Rüsttagc des Renmondfcstcs in Talith und Tcsilin gebetet am Zerstörungstagc Jerusalems (Tischabcaw) kennt daS Jammern und Klagen daselbst keine Grenzen. Anliegen an Gott pflegen sic anf Zetteln in hcbr. Sprache zn schreiben und dieselben in den Ritzen und Fugen der Quadersteinen zu stecken. Roch zn bemerken ist, daß zwischen Sephardim lind Aschkenafim immer eine Trennung wahrznnchmcn ist, trotzdem werden sännntlichc Israeliten vor Gericht durch den Chachain Hascht (Dberrabbincr) vertreten. Die Aschkenafim sind größtenthcilS (Orientalen» ans Rußland, Polen, Galizien, Ungarn und .Ztumänien. Die Sephardim bestehen anS arabischen nnd, einigen italiänischen Juden und während der Überrcst Spaniolen genannt'wird, weil dieselben von den aus Spanien vertriebenen Inden abstannucn und auch noch spanisch sprechen. Der größte Thcil der Aschkenafim ist bcschäftignnglos nnd lebt von den anS allen Weltgcgcnden zusticßendc» Almosen, während die Spaniolen den verschiedensten Beschäftigungen huldigen und mituntcr allerlei große Kaufleute, Geldwechsler etc. sind. Die meisten Kranken zählt zn jeder Zeit das Judenviertel und suchen auch dieselben Hilfe im englischen Hospitale.'wclchcs für Juden sehr bequem eingerichtet ist. Die Verwalter daselbst find ehemals gewesene Glanbcnsbrüder, die Wärter jedoch sind Israeliten und ist die Kost daselbst koscher. Der vr. Chaplin (Engländer,) eine sehr beliebte, und leutseclige Persönlichkeil, spricht alle vorkommendcn Sprachen und hilft, ohne Unterschied der Confessio» und Rationalität, wo er nur helfen kann. Armenier Viertel (Monte Zion) Im Armenierviertel ist die französische Post, da» preußische Hospital, welche» Araber aufnimmt und Medicamente grati» verabreicht und eine englische Mädchenschule, eine engl. Kirche nebst mehreren Mißion»grbätlden für übrrgrtretene

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