Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 20 (15.10.1869)
- Date
- 1869-10-15
- Page
- Seite 197 (sequence 1)
- Language
- German
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HMjiihrige» Mo«» >e«e«t fiir Prag «ad die Proviaz iaNusivr Zvftellvng ins Haus oder Postversendnug ii. W.. -1 fl. 40 kr. fiir'S Ausland ITdlr. fstrAmerika 2 Dollar. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Redaktion «,d Atz. «inistratian Ritter» gaste Nro. 4-8 — 1. wstzia^alle Briefe n. Geldsendungen z« richten sind. Die „Gegenwart" er» scheint am 1. and 15. eines jeden Monates. Nro. 20. Prag 15. Oktober 1869.II. Iahrg. Inhalt: Leitartikel: Das Verhalten der. jüdischen VertrctimgS-Clique \a den Wahlen in daS Pachtrrvicr der Ehrcnsihe. — Pater Hvacinth über die Inden. Jonrualistik.— Correspoadenz: Postclberg. Wien. Locales. Auswärtiges. Buntes. Feuilleton. Inserate. Das Verhalten -er jüdischen Vertretungs-Clique zu den Wahlen in das Pachtrevier der „Chrenjitze." Die Wahl in die prager israelitische CultuS-Gemeindevertretung, die auf die Gcmcindemitglicdcr keinen anderen Eindruck als den einer Posse in drei Aufzügen macht, hat seit Landau's Zeiten den Anstrich eines ernsten Gegenstandes verloren, und gewinnt, was ihre Wichtigkeit betrifft, im gegenwärtigen Momente imn.crmehr den Anschein, als ob die Vertretung da wäre, die Schmerzen einer unbezähmbaren Ehrsucht, in denen sich unbedeutende Menschcir krümmen, zu stillen und diese einer Krisis zuzuführen, welche die Ehrenkrämpfe beheben soll. ■■■ ■■ ■ i— I Feuilleton. Bilder aus dem Oriente. (Fortsetzung.) In der Mitte der Moschee ist ein weißer Felsen der mit hohen Eisengitter umzäumt ist und über welchen von der Decke auS ein Baldachin hängt. Rach der südlichen Richtung sind die Fahnen MohamctS (grüner Farbe) und OmerS (rother Farbe) zu sehen. Nordöstlich führt ein Gang in den Felsen hinunter, in welchem ein bedeutender Raum ist und die GebetSuischen Davids, Salomos. St. Georgs, MohametS und andere gezeigt werden. Bei der bcsondern persönlichen Höhe deS letzteren hat sich, der Sage nach, die niedere Frlfendeckc eine Kopfgrößc von selbst erhöht. Aber staunenöwerth sind jedenfalls die Trümmer verschiedener Säulen und Bruchstücke verschiedener Gattungen, welche die Sarazenen mit eingebaut haben und aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Salomonischen Tempel herstannnen. Ober»,alb deS Felsen» auf der Südseite zeigt nian noch ein inohamcdanischeS Wunderzeichen ncmlich die Merkmale von 5 Fingern. AlS Mohamet von diesem Felsen gen Himmel flog, wollte der Felsen mit stiegen, tzic Bannhrrzigkeit Göltet ober schickte eilend» den Engel Gabriel, weicher mit seiner Hand den Felsen zurückhi elt, daher die Flngcrmerkmale. — Südlich an der Mauer ist die Moschee kl Aksa früher die Helenenkirche; Wie sich die Verhältnisse der prager Israeliten'-Gemeinde auch immer gestalten mögen, wie sehr auch die Zerfahrenheit, die Apathie für Gemcindeinteressen um sich greisen dürsten, so steht cS fest, daß diese traurigen Elemente, an denen die Israclitcn-Gcmcinde total zu Grunde zu gehen droht, der unseligen Wirthschast einer Vormundschaft zu danken ist, die in crbarmung»- und zügelloser Despotie jene Stellen misbraucht, zu denen sich Männer durch Anmaßung und allerlei Machinationen, gegen den Willen der Gemeinde, in der unerklärlichsten Zudringlichkeit hinaufgcwirbelt haben. Niemand, der Her; nnd Sinn ain rechten Flecke hat, wird verkennen, daß da» Ziel der Rennbahn, an das nnS rücksichtslose Advokaten im Vereine mit einer ausgcklaubten Gesellschaft gebracht haben, der Abgrund sei, in den man die Gemeinde;n stürzen bestrebt ist. Die zurückgebliebenen Mitglieder der einen Hälfte der Vertretung, wenn man sie noch so nennen soll, ohne. fürchten zu müssen, daß diese Benennung Einem die Schamröthc in's Gesicht treibt, haben sich im letzten Momente vor der Wahl in der Naktheit ihres ganzen Charakters gezeigt und eben dadurch nicht gescheut. den Männern, denen sic das Vertrauen erpresst ha den, ein Bild vorzuführrn, das die Großthaten des VertretungSrcstcö hinlänglich kennzeichnet. Jener Theil, der Krebsschaden der Gemeinde, welcher zu deren ilnglückc. auch dießmal im Areopag der Rabbincrgasse verblieb, um mit seinen Bündeln über daS LooS der Gemeinde zu entscheiden. dieselbe hat auch ganz die Form einer Kirche und wird von den Mohamedancrn wenig zum Gottesdienst benützt. DaS Innere derselben ist länglich hat ebenfalls Säulen mit Inschriften au» dem Coran und schönen Gemälden, die mitunter verschiedene türkische Landschaften darstcllen. Ein Koridoführt zu einem großen untern Raume, wo die größten Steine nebst einem vermauerten Eingänge zu sehen sind, durch welchen die Könige in den Tempel kamen. An derselben Stelle nach Außen hin sind Spuren de» Bogens einer Brücke wabrzunrhmen, welche bis zur Zionsburg fülirtc. An derselben Mauer west, lich (äußerlich) erscheinen die Israeliten, sowol Männer als Frauen und Kinder am Freitag Rachmittag», beten und jammern daselbst so zwar, dass die Klagctönc die Gcmütber der diese Ruine bewunderndcn Engländer und Franzosen selbst traurig stimmen. In der Vorhalle der Aksa Moschee ist da» Orakel, welches bestimmt, wer in den Himmel oder in die Hölle konuncn soll. ES ist ncmlich in einer Säule eine kleine Marmorpiattc und dieser gegenüber in einer Entfernung von I(> Schritten gleichfalls eine Säule mit einer Marmorplatte, man muß also mit geschlossenen Augen von der ei. neu zur andern gehen uud wenn die Hand nicht die gegenseitige Platte trifft — so kommt man in die Hölle-Weiter nach Osten ist unter dem Platze eine große Eisternc, zu der steinerue Treppen führen nnd auf die au» mehreren Öffnungen da» Tageslicht hinunter fällt- Die Cisterne bei loo Schritt im Durchmefftr, ist aber immer mit Waffer gefüllt. An der südöstlichen Spitze der Temprlmauer befindet sich ein kleine» steinerne» Gebäude, tn welchem Treppen zu der Wiege Christi und zu den Stallungen Salomos führen. Dir engl, militärische Exploration» Company hat in ihren