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Die Gegenwart · 1869-10-01 · 19 (1.10.1869) · p. Seite 191

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
19 (1.10.1869)
Date
1869-10-01
Page
Seite 191 (sequence 5)
Language
German
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sereS allgemein geachtetm Vorsteher- Herrn Oesterreicher zu d anken, daß da- Gedeihen der Gemeinde immer vorwärts schreitet. Die Festtage wurden hier durch ein schmerzliches Ereignis getrübt, welches nicht verfehlte, aus die Gemüther Aller düster zu wirken. Sonntag, grade am Tage des WeidenfesteS, wurde der durch seine Leutseeligkeit allgemein beliebte k. b RegimentSarzl des Erzherzog Karl Uhlanrn -Regimentes He»r vr Philip Katz zu Grabe getragen. Welche Achtung derselbe als Mensch, Jude und Arzt genoß, bewies die überaus große Theilnahme der Bevölkerung Pardubitz und der Umgegend an dem Leichenbegängnisse, das sich;u einen militärischen Eondukt gestaltete. Sämmtliche hier garnisonirenden k. k. Offiziere und deren Kommandant bildeten eine glänzende Suite, der sich die Honoratioren du: Stadt würdig anreihten. Am Friedhose angelangt, hielt Sr. Ehrwürden Herr vr. Ehrcntheil Rabbiner in Horitz, der eigens hieher berufen wurde, an der Bahre des Verstorbenen eine ergreifeude Rede, in welcher auf das wirkcnSrciche Leben desselben hingcwiesen wurde. New. York Juli 1869 (0. — K.) Wir besitzen seit Kurzem in New Port eine Zeitschrift unter dem Titel Jewish Times, in welchem die radikalen Reformer ihre Galle gegen das übrige Judenthum auSgicßen. Der Hauptlieferant des bittersten Stoffes ist vr. David Einhorn, der das Judenthum in seiner Gemeinde nicht nur gründlich resormirt, sondern in einem neulichen Artikel die Offenbarung am Berge Sinai recht gründlich lächerlich gemacht hat. Gott sollte unter Donner und Blitz zum Volke gesprochen haben? Daö kann man einfältigen Leuten, aber keinem so aufgeklärten Kopfe als Herrn Einhorn glauben machen! Ein Kanzelredner dieser Sorte belehrt seine Lehrer, daß die talmudischen Ehegesetze nicht nur nichts würdig sondern auch abscheulich sind. Dem gelehrten Exponenten des Talmuds ist die Nichtswürdigkeit seiner Sprache gewiß nicht abscheulich, aber wir übrigen Juden, die wir immer glaubten, daß die anerkannte Sittenreinhcit in dem jüdischen Familienleben durch eben diese Gesetze gewahrt wurde, glauben daß ein Rabbiner, der solche Ansichten hegt, seines Amtes nicht würdig »st. — Der neunte Ab ruft in dem Herzen eines jeden fühlenden Juden traurige Erinnerungen wach, indem an diesem Tage unsere Vorfahren bei Tausenden hingcschlachtct, das Heiligthum und die Heimath verloren gegangen und eine lange traurige Periode der Verfolgung, Bedrückung und des bittersten Leidens ihren Anfang genommen. Wohl lächelt uns jetzt eine bessere Zeit entgegen, aber haben wir wirklich mit der Vergangenheit ganz gebrochen, daß wir diesen Tag zum Freudentag erheben sollen? Unsere Radikalen sagen cs, sie haben kein Herz für daö blutende Israel, sie ignoriren die Geschichte der verstoßenen achtzehn Jahrhunderte, mit ei nem Worte, sie feiern den neunten Ab als Frcudentag, denn an diesem wurde die Hierarchie niedcrgcbrochen und Israel als Apostel des wahren Glaubens durch die ganze Welt geschickt. — Ich glaube, daß diese wenigen Beispiele vollkommen genügen werden, um die zerstörende Tendenz dieser radikalen Reformer darzuthun. Wahr ist es, daß nur eine geringe Zahl gedankenloser Nachbeter hinter diesen stehen, Personen welche glauben, daß mit dem Mammon auch der Verstand und daö Vermögen kommt, über religiöse Fragen zu urtheilen, und diese Herren mit oder ohne Kutte bestärken ihr Publikum in diesen Wahne. Anderseits hat das grelle Auftreten dieser Radikalen ihre guten Seiten. Diese Prediger hatten Jahre lang kein öffentliches Organ gehabt, nur ein gewähltes Publikum erfreute sich ihrer Lehren, für die übrige Menschheit schien bas helle Licht ihrer Geistesrichtung nicht. Endlich haben sie sich an das Tageslicht der Oeffentlichkeit gewagt und die Welt staunet diese Geisteöhelden an k Man sieht nun.wie weit das ZerftörungSwerk in ihren Gemeinden schon gediehen sein muß. um die schwachen feit deS Glauben-, welche in mancher Brust ihrer Gemeindemitglieder noch glimmten, ganz zu unterdrücken, um an der Stelle der jüdischen Religion den DeiSmuaufzupflanzen. Dieses öffentliche Auftreten hat die geniäßigten Reformer, zu denen die größere Majorität gehört, zu gr«ßn-,n Starsicht— aufgestachelt und es wird jetzt in den anderen Gemeinden, welche nicht zu den Radikalen gehören, weniger von Umändern und Verbessern gesprochen, und jene Rabbiner, welche jetzt vom Reformircn sprechen, stoßen auf größeren Widerstand, als anders der Fall wäre, wenn diese Radikalen nicht mit solchem Ungestüm alles nicdcrrießcn, was dem, wahrhaft from« men Juden noch ehrwürdig ist. Und nicht nur die Gemeinden sondern auch die denkenden, talmudisch gelehrten Rabbiner sehen deutlich den Abgrund, wohin auch sie vielleicht gestoßen worden wären, wenn sie dem beständigen Drängen nach Reformen nachgegcbcn hätten. ES ist vielleicht sehr gleichgiltig, zu welcher Partei sich Ihr Eorrespondcnt zählt, doch will ich bemerken, daß ich nimmer dem Stillstände das Wort reden werde, aber mit Schmerzen dem llebcrftürzcn im Reformieren ohne Plan und Systein, bloS um der Laune des Ze»1geisteS zu fröhnen, zusah. Daß aber das wahre Judenthum hier immer festere Wurzel und größere Ausdehnung faßt, beweist am Besten die wachsende Bedeutung des jüdischen Buchhandels und insbesondere verdient das bewährte, alte HauS Wolf P a f ch c l e S aus Prag erwähnt zy werden, dem eS zu danken ist, daß hier gegenwärtig der Büchcrverfchleiß feines Verlages in diesem Lande systematisch betrieben wird, trotz Einhorn und Eonsortcn. Ein Freund von mir machte neulich den Witz, daß die radikale Reform in Amerika nur von Chajoth RveS vertreten wird, indem Hirsch Adler und Einhorn dessen Hauptvertrcter sind! Locales. *** Der Vorstand der KlanSsynagoge hat, wie uns berichtet wird, gegen den letzthin crflosseiien.Erlaß der EultuS-Gemcinde- Verwaltung an dic Synagogcn-Vorstände, beschlossen, unter allen Umständen die Hand zu einem Dcnuciantenwcsen nicht zu bieten. Es läßt sich erwarten, daß die Vorstände der andern Synagogen, diesem Princip" folgen werden. Mtiselsynagolst. Die beiden Vorsteher Herr Feldman» und Herr Klempcrcr haben ihre Resignation angezcigt. Die finanziellen Verhältnisse oieser Synagoge haben ein trauriges Eolorit angenommen, so zwar, daß man in Kurzem mit der Besoldung des Predigers in eine Klemme gcrathen wird. Nicht bester steht cs mit der Aktieneinlösung und wie die Symptome sprcckcn, so dürste die Synagoge ihrem Ruine entgegcngehcn. Diese triste Sachlage ist nur persönlichen *- Interessen zu danken, die immer da hervortratcn, wo cs sich um die Erhaltung eines Predigers handelte, der sich in dieser Eigenschaft wenig Sympathien erwarb. *** An-zeichnung. Wir entnehmen den „Hamburger Nachrichten" vom 25». Scpi., daß Herr B. Schlenker Ledergalantcriewaarcnfabrikant in der schlcöwig holsteinischen internationalen Ausstellung den höchsten Preis, bestehend aus einem Ehrendiplome erhalten hat, dieselbe Auszeichnung, die Sc. Majestät Rorodon I. König von Eambodja und Ihre Majestät Pomare .Königin der Sandwichinscln zu Theil wurde. Bcmerkcnswcrth ist, daß Herr Schlenker von sämmtlichen österreichischen Ausstellern, der einzige ist, der die höchste Prämie von der Jury erhielt. *** Eruruunng. Das k. k. Handelsgericht hat Herrn E. I. Wahle zum beeideten Sachverständigen für Manufaktur und Eourentwaaren in Prag ernannt. V Mädcheu-HaiseuhauS. In einer von zwei achtbaren Gemrindegliedern Unterzeichneten, an die Redaktion dieser

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