Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 19 (1.10.1869)
- Date
- 1869-10-01
- Page
- Seite 189 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433914-5433985--398-4890734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
einer großen Anzahl Contribuenten, mit denen wir Euch da« Wahlrecht im umfassendsten Sinne erwirkt haben, wählet nur solche Männer, die Euere- Vertrauenwürdig die Interessen der Gemeinde so vertreten sollen, wie e- Männern ziemt, die Gefühl und Sinn für Jude und Judenthum haben. Aus Ungarn. i. Die seiner Zeit von unin diesen Blätteru besprochenen Statuten und Beschlüsse deungarisch-israelitischen LandeScongresses haben, trotz aller Proteste, trotz der Petitionen mehrerer hundert Gemeinden und Rabbinen bei Sr. Majestät um Verweigerung der Sanction, trotz der von den berühmtesten ausländischen Rabbinen (wie Adler Landesrabbiner Englands, Hirsch Frankfurt, Ettlinger Altona u. a.) abgegebenen Gutachten, daß diese Statuten gegen den Geist der jüdischen Religion verstoßen, die königliche Sanction erhalten, werden bereits im ungarischen Amtsblatte veröffentlicht und sind schon insofern ins Leben getreten, als im Sinne der Vollzugsbestimmungen die Disttikts - Comissäre von der Regierung ernannt sind, um die „autonome" Organisation von oben nach unten ins Dasein zu rufen. Nun so hat es allerdings den Anschein als ob die gerechten Beschwerden und Proteste der Hunderttausende Orthodoxen im Lande spurlos und resultatlos verhallt wären, und nicht den geringsten Stützpunkt in der öffentlichen Meinung finden, vielmehr als culturfeindlich, wozu sie zu stempeln die sogenannte Fortschrittspartei sich alle mögliche und unmögliche Mühe machte, von allen Liberalen Ungarns verdammt wird. Und doch haben wir vom Standpunkte der Unparteilichkeit ßcn die Richtung von Westen nach Osten und zwar bergab nimmt. 2n dieser Straße sieht man viele Drechsler und Tischler, mit Schnitzereien aus Olivenholz beschäftigt, welche von den Reisenden oder Pilgern angckaust werden. Ain Ausgange dieser Straße ist das Johanniter-Ordeus-Hofpiz, eine deutsche Anstalt oder Hotel, welches alle Protestanten beherbergt und pstegt. Hier beginnt das Tür kcn-Vi eitel. Eine Straße zwischen finstern Häusern, uneben, schmutzig und öfters von Kameelcn, Eseln, Pferden oder Menschen versperrt, führt nordwestlich bis zum Damaskus Thor oder Lad ei hamud (Säulenthor), an dem Damasknöhotel vorbei, ans der andere Seite südlich zu dem Bazar. Dieser ist ein langes Gebäude und einem jeden türkischen Bazar ähnlich, in welchem viele Abtheilungcn und Straßen sind, in denen wieder Gold und Silberarbeitcr, Schnhmachcr und Gewürzhändler, Fleischer, Bäcker und verschiedene Kauf, leute, ihrer Confcstion nach, Juden Christen Mahumcdancr, ihrem Berufe Nachkommen. In der Nähe ist das norddeutsche Bundes-Consulat. In der Nähe dcS Damaskusthor das amerikanische und spanische Consulat, nicht weit voin Jaffa Thor daS griechische. Mont Acra. Im Türkcnvicrtel (Mont Acra) sind mehrere grobe Seifensiedereien, ein Derwisch-Kloster, das österr. Consulat, in welchem der k. k. Käinmercr Graf Caboga, ein wegen seiner Güte und Loyalität sehr beliebter Mann Consul ist, die österr. Post u. das Hospiz. Letzteres ist sehr schön und bequem eingerichtet, bewirthct auch aüc österreich. röm. katholischen Christen; diejenigen auS andern Ländern finden Aufnahm ein der 6ü8L uova. Außer dem österreichischen gibt cs »och das französische Consulat, in dcffcn Nähe das Meditcrranean Hotel, das größte Hotel in Palästina sich befindet. Nicht weit von dem österr. Hospiz ist daS Pi- > latushauS mit dem Lcee-dowo Bogen. Dieses Gebäude ist neu, sehr schön und fest gebaut nebst einer Capelle gegenüber der Residenz dcS Paschas, welche durch ihre Einfachheit und Mangel an Schönheit, sowohl waS das Innere als das Acußere betrifft, von den andern türkischen Gebäuden wesentlich absticht. Wachtposten an gewagt zu behaupten, daß die Rechte des Eongreffes den Liberalismus bloß als Deckmantel gebraucht, um die Autonomie der einzelnen Gemeinden zu vernichten und die GewiffenSfreiheit "zu beschränken und somit die Beschwerden der Orthodoxen mehr als gerechtfertigt erscheinen. Wiewohl wir stets von der Wahrheit unserer Bebauvtunqen durchorun. gen warew, so müssen wir ooch gestehen, daß wir dem geschätzten Leserkreise der „Gegenwart" gegenüber einigermaßen in Verlegenheit waren. Konnte nicht im Hinblick auf daS Schweigen der öffentlichen Meinung, im Hinblick auf den als so liberal bekannten und gefeierten Kultusminister Baron Eötvös, unter dessen Aegide die Statuten Gesetzeskraft erhielten, der Verdacht auftauchen, daß diese Statuten denn doch nicht so ganz gegen jeden Liberalismus verstoßen und solche grobe Rechts- und GewiffenSVcrletzungen enthalten, als wir behauptet hatten. Schien nicht das beharrliche Schweigen der liberalen P reffe und die Macht der Thatsachen uns zu deSa« vomren? Und wenn die geschätzten Leser der „Gegenwart" in unS irre würden, wir könnten cs denselben wahrlich gar nicht verdenken. In letzter Stunde jedoch ist endlich ein Bin Sku für die Orthodoxen entstanden. Durch die Publizirung der Statuten im AmtSblatte, haben sie die Aufmerksamkeit der politischen Parteien, die sich bisher wenig um die jüdischen Angelegenheiten gekümmert zu haben scheinen, auf sich gezogen, und die liberalsten Blätter wie der ungarische „Hon" und der deutsche „Neue freie Lloyd," welch letzterer von dem berühmten Eduard Horn redigirt wird, haben einstimmig ihr vernichtendes Urtheil über die Eongreßarbeiten ausgesprochen. Wir können cs uns nicht versagen eine Stelle aus einem längern Artikel des „Neuen freien Lloyd" Morgenblatt Nr. 83 zu reproduziren. „Die Zwangsgemeinde ist es, welche das EötvöS'sche „Organisationsstatut" schafft, und gegen die im Namen der Logik, der RcligionS und der bürgerlichen Freiheit nicht entschieden genug protestirt werden kann. Im modernen Europa gilt es als oberstes StaatSallcn Eingängen und öftere Musikscrenadcn ersetzen die fehlende Schönheit und inachcn de» Wohnsitz dcS Pascha kenntlich, dein sich das Lerail (Gerichtshof). Ha068 (Gcfänguih) und der Harem anschliehcn. Diesen Gebäuden liegt zunächst das Stefanus-Thor (Lall sittv mir^aw), rechts nach Südost der Tcmpclplatz (Hl Hara). Zu deinselbcn war noch vor fünf Jahren der Zutritt nicht gestattet, nun kann man, wenn inan an den Pascha 7, Franken (2 fl. Silber) zahlt und einen Cawaffcn (Polizist) vom Konsulate zur Begleitung hat, alles folgende sehen: lllout Gloria Die Mayumcdaner haben zu dem Tempelplatz durch mehrere Eingänge freien Zutritt, mährend die Enrnpäer, so sie alles in Ordnung haben, nur durch des Paschas Hans hin und retour gehen. Ans dein inner» Platze angckonnnen, gehen noch einige Soldaten als Schutzwachc mit, denn die mahumcdanischcn Pilger sind sehr fanatisch und öfters handgrcistich an Nasrani ((Sl)risten) oder Jehudi-Oiibcn). Bogcntrünimcr, kleine Häuser, Minareten und Gcbctnischcn sind in Menge vorhanden, auch ist der Platz mit GraS bewachsen, und Bäume so wie Gesträuche aller Art sind zu sehen. In der Mitte dcS Platzes ist die OmvrMofchec auf einer gebauten Anhöhe, zu welcher mehrere Stufen tührcn. Auf derselben muß man die Schuhe von den Füffen ziehen und kann man von Schlafschuhcn Gebrauch machen. Bor der Omermoschce östlich ist ein schönes Gebäude «ähnlich cinem Göpentcm. pcl), welches mit Marmor gcpstastert ist und als die Richtstätte Salomons angegeben wird. Die majestätische stuppcl der Moschce hat viele wilde Lauben aus ihrcin Rücken, die hier ungestört leben. Das Innere der Moschee ist sehr prachtvoll, die Decke der Kuppel schön verziert, ringSherun« mit goldenen und in Glas gravirten Inschriften aus dein Coran versehen, ruht auk vielen Cau. len, in denen Stücke auS den Vorgefundenen Trümmern des TeinpelS zu sehen sind. Der Fußboden ist «nit Rohrmattcir und diese mit Teppiche belegt. (Fortsetzung folgt.) 19*