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Die Gegenwart · 1869-10-01 · 19 (1.10.1869) · p. Seite 188

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
19 (1.10.1869)
Date
1869-10-01
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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— 188 — bedenke man, daß in dieser Körperschaft, welche sich ReprSsentanz einer Jsraeliten-Gemeinde nennt, ein Mann den Scepter hält, der als Dircktionsmitglied eines politischen Kaffeehauses noch vor zwei Jahren niit Widerwillen Juden rekrutiren ließ, die derselbe heute zu einem politischen Skandal misbrauchte, bedenke man doch, daß eine obskure Persönlichkeit sich zum jüdischen Primator aufwarf, von der doch die Geschichte nicht« zu erzählen weiß, daß sie sich durch allzu große Kenntnis in den jüdischen Wissenschaften und eine bis zum Fanatismus sichvcrsteigende Schwärmerei für das Judenthum zu jener Stelle emporgeschwungen hat, die gewöhnlich von großen Männern des Judenthums eingenommen wurde, bedenke man wie Männer von krasser jüd. Ignoranz und einer das Judenth. nahezu beleidigenden Arroganz sich in der jüdischen Vertretung breit machen, um die Gemeinde zu tcrrorisircn und durch absolutistisches Verfahren zur Zahlung von CultuSsteuern zu zwingen, für die nichts Anderes geboten werden, als besoldete Amtsschreibcr, die man der ehrsüchtigen Zwecke und der mit denselben verbundenen Agitationen wegen wie ein nothwcndigcS Nebel haben und gut bezahlen muß, bedenke man dicß Alles und noch mehr, so wirtHcdcs redlich denkende Gemcindemitglied nicht den geringsten Zweifel aufkommcn lassen, daß eS seine Interessen nicht gut vertreten sicht. Die Gemeinde, deren Glieder leider so lose zusammengefügt sind, daß sic die geringste Täuschung von oben zerreißt, sicht sich heute empfindlich getäuscht, sic sicht wie man sic hintergangcn und unter dem Vorwände misbraucht hat, man wolle ihre Interessen vertreten, während man die kurulischcn Rollstühle des jüdischen Gemeindehauses dazu benützt hat, um in dem Ehrcnstellenfabrikatc vorwärts zu kommen. Die Gemeinde empfindet heute mehr als je, daß sic sich zu der erbärmlichen Rolle eines zahlenden Zuschauers hergibt, dem nichts Anderes geboten werden als die Fetzen alter (Souliffcn, hinter denen die jüdischen Gcmcindevertreter ein Spiel spielen, bei dem die Gemeinde den Einsatz ristiren muß und die Komödianten des JudcnthumS sich über die optische Täuschung, mit der sie durch Titel und Auszeichnungen den Beobachter von dem eigentlichen Gesichtspunkte absten Frankreichs, Rußlands und der Türkei rcnovirt. Die große Kuppel ist »cn. von außen vergoldet und hat an der Spitze ein kostbares Kreuz. Der Platz vor dem Eingänge hat mehrere abgebrochene Säulen und ist mit lateinische Inschristen tragenden Grabsteinen gcpslastert. Den Schlüssel dcS ThorcS besitzen die Türke», von denen auch eine Eonmnssion »nd mehrere bewaffnete Militärpostcn an Festtage» in der Kirche sich befinden. In der ersten Halle ist der Stein, ans welchem, der Leichnahm Jesu gewaschen und balsannrl wurde. Wenn man die kreppen rcchtü hinauf geht, kommt man »ach Golgatha «Krcuzignngsstätte), dieser Platz ist eine auS zwei Abtbcilungcn bestehende Kapelle, in der ersten sind die Kcnnzcichen der Grenze und ein Fclscnriß zu sehen, außerdem ist diese Kapelle reich an Bildern und Statuen, die mit Gold, Silber und Edelsteinen geschmückt sind. Geht tnau nach der östlichen Seite weiter, gelangt man abermals auf Treppen zu der armenischen Kapelle. Den Halbkreis weiter verfolgend, sicht man zur rechten Seite Kapelle an Kapelle, welche die Leidensstationen vorstcllcn, biS man im Ecntruin der großen Peripherie auf große breite Treppen eine kühle Kirche gereicht, in welcher man den Sitz der Königin St. Helena t Mutter Eonstantins dcö Große») sicht, dem sich etwas ticfcr gelegen, daS Grab Gottfried von Bouillon anreiht. In dieser Kirche soll das Kren, aufgcfundcn worden sei», daher der Raine Krcuzsindungseapcllc. In, Rückwege von unten kommt man zur Gcislungskapcllc nud zum Kerker, von hier auS in die lateinische Abtheilung, in welcher viele Kostbarkeiten, die auS Oesterreich und Italien hergebracht wurden, zu sehen sind. Wir sind ans diese Art die Kirche von innen umgangen , wenn wir die unterirdischen Grä. der des Josef v. Arimatia und deS RicodcnmS gesehen haben, und so haben wir vo» unS daS h. Grab, ein besonderes Gebäude mit Bedachung, Thürmcheu re. Am Hintertheil desselben ist eine abyfinische Kapelle, am Lorderthcil desselben sind riesige Kerzen, werthvolle Lampen, Leuchter, Bilder u. dgl. m. angebracht. Dieses kleine Gebäulenken, sich selbst Bravo klatschen, während der eine unschäd sichere Theil der Repräsentanz, der sich im Laufe diese- MonateS empfiehlt, die klägliche Rolle eines gemarterten Statisten spielt, dem vom ewigen „Ja" Schütteln schon der Kopf zu fehlen scheint. DaS ernste Wort, daS^wir nun AngesichtS der bevorstehenden Neuwahlen in die Repräsentanz an Euch ihr Männer der Gemeinde richten, von denen eS abhängt, solche Elemente in jene Vertretung zu wählen, die Euere kultuellen Jntereffen ehrlich und mannhaft vertreten sollen, eingedenk der national-ökonomischen Rücksi chten, eingedenk der Reorganisirung deS Armen- und Steuerwesens, lasse Euch nicht nur zum Ohr, sondern auch zum Herzen dringen! Wählet, ohne alles persönliche Interesse, Männer in die Repräsentanz, die den Muth und die Fähigkeiten besitzen, der Euere Interessen schädigenden Clique treibendes Spiel zu durchschauen, eS zu unterdrücken und jener herrschsiichtigen Cottcrie ein kräftiges Gegengewicht zu bieten. Lasset Euch nicht von der Distinktion oder von dem Schwergewichte des Geldes Jener verlocken, die dann in der Körperschaft leicht zu denen Hinüberneigen, welche mit Aristokraten so gerne eine entente cordiale anstrcben, nehmet keine Rücksicht auf den Stand, und sei der Mandatar auch ein Handwerker, wenn er nur nebst seinem Handwerke auch das versteht, die Interessen jener Schichte der jüdischen Bevölkerung zu vertreten, die unmöglich ein Mann vertreten kann, der sich bloß durch die Schwere seines Geldbeutels über jene erhaben dünkt. Lasset Euch unter keinerlei Vorspiegelungen von jenen Männern, denen Ihr eine drückende Cultusstcuer, ein dcprimirendes Bcttelwesen, einen in den Annalen jüdischer Gcmeindechronik unerhörten Wahlmodus zu danken h abet, beirren oder gar von den Organen jener Männer Wahlzettel ab verlange». Gebrauchet die größte Vorsicht, die um so notwendiger wird, als es sich um Euere Interessen handelt, die, wie Ihr am besten überzeugt seid, nicht gut vertreten sind! Und Ihr Männer der Gemeinde, die derselben zwar nicht angehörig aber doch kultus-steuerpflichtig, bisher weder aktives noch passives Wahlrecht besessen, seid eingedenk unserer und der Bestrebungen de hat einen niedrigen Eingang zu einer Vorhalle, in deren Mitte ein hohl gemeißelter Stein steht, in welchem die kostbaren Erinnerungcn auS dem h. Lande geheiligt werden. Durch einen noch engern kleinern Eingang gelangt man endlich zum Grabe, daS auS Stein schön auSgcmeißclt mit einer Steinplatte zugedcckt und mit Ornamenten verziert, durch die matte Beleuchtung einen höchst düsteren Eindnick bereitet. Griechische Geistliche halten überall auf. merksame Wache in dem Gebäude, in dcffen Vorhalle einige ovale Ocffnungcn sich befinden. auS welcher an den griechischen Osterfeicrtagcn eine momentane Feucrflamme hcransschlägt, welche von den zum Erdrücken versammelten armen Pilgern, alS eine göttliche Vision angesehen wird. Dem kleinen Gebäude gegenüber ist der Hauptthcil der Kirche, welcher bald von den Griechen, bald von den Lateinern zur Andacht-benützt wird. Hier sind die thronartigen Sitze der Patriarchen, mehrere Kanzeln und kreisförmige Sitze für die andern Geistlichen angebracht.. Die Verzierungen sind sehr schön und kostbar, unter welchen man auch viele Straußeier u. dgl. sicht. Außerdem ist in der Mitte dieser Kirche ein KrciS mit einem auS Marmor fein gearbeiteten Ornamentstücke, welches den Mittclpunkt der Welt bedeuten soll. An den Wänden sind viele eiserne Ballone. Freskomalereien, Meisterstücke von Skulptur. Bilder u. s. w. In der Nähe der GrabcSkirche, südlich gelegen, ist eine Moschee nebst Minaret, auf der andern Seite gegen Norden steht gleichfalls eine Moschee, welche an der türkischen Oberherrschaft ernst zu mah. nen scheinen; fünfzig Schritte weiter sieht man daS Portal und mehrere Ruinen der Johanniter. Da wir hier an der Grenze des Viertels find, so will ich noch bemerken, daß oberhalb der Fran. kenstraße daS FranziSkanerklostcr mit der Ca 8a Nova, der Behausung deS griechischen Patriarchen und mehrere gnech. Klöster für Männer und Mehrere Fraurnklöster die hervorragendsten Gebäude sind. Am Ende der Frankenstraße beginnt die „Ltracka via dolorosa“ (Leidensweg), welche wieder so wie die andrm Stra-

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