Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 19 (1.10.1869)
- Date
- 1869-10-01
- Page
- Seite 187 (sequence 1)
- Language
- German
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1 Halbjährige« «bin «emenl für Prag und die Provinz iaNufive Anstellung ins Hans oder Postversendnog ö. W.. . Ist.40 kr. für'S Ausland IThlr. fürAmerika 2 Dollar. Inserate werden billigst berechnet. Die Organ für die Znteressen des Zudmthums. Redaktion in* flk- »iniftration Rittergaffe Nro. 4Ü8- U wohin alle Briefe «. (Geldsendungen zu richten sind. Tie „Gegenwart"«» scheint am I. und 15. eines jeden Monates. Nro. IS. Prag 1. Oktober 1869. II. Jahrg. Anhalt: Leitartikel: Zu den Wahlen in die Repräsentanz. — AuS Ungarn. Korrespondenz: Horitz, Pardubitz, New-Jork. Locales. Auswärtiges. Buntes. Vom Büchertische. _ Feuilleton. Inserate. Zu den Wahlen in die Repräsentanz. So wie im politischen Leben die Wahlen in die verschiedenen Vertretungskörper von großer Bedeutung sind, die auf die Organisirung derouter Zustände ihren Einfluß übt, in eben dem Maaße sind die Wahlen in die Vertretung einer Jsraelitengemeinde für dieselbe nicht bedeutungslos und die Existenz derselben ist durch eine gute Repräsentanz bedingt. Die bevorstehende« Neuwahlen in dieselbe mahnen uns an die Wähler der Präger Israeliten-Gemeinde ein ernstes Wort zu richten. Sie mit Rekapitulirung veralteter Mängel, mit Wiederholung aller lener Uibelstände, die die uralte Israeliten Gemeinde lichen Siechthum gebracht haben, quälen, hieße Eulen nach Athen tragen, nachdem wir überzeugt sind, daß die Gemeinde-Mitglieder mit den Verhältnissen im Allgemeinen, mit dem rücksichtslosen Gebühren ihrer Vertretung insbesondere vertraut, sich bereits über dieselbe ihr Urtheil gebildet haben; doch glauben wir uns keiner Täuschung hinzugcben, wenn wir I annehmcn, daß Einzelne theils von dem raschen Glückeslaufe jener VertretungSmatadorc verblendet, theils von einer gewissen Ehrsucht angekränkelt, die EommissionSsitz.' oder AuSschußstellen werter macht als das Wohl der Gemeinde, mit dem zerstörenden Principe, welches die gegenwärtige Vertretung belebt, vollkommen einverstanden sind. Im Ganzen und Großen verdammt die Majorität der Gemeindcmitglicder daS Verfahren einer Körperschaft, die wol glaubt, durch daS Verttauen derselben gewählt worden zu sein, aber sich in ihrem Urtheile eben so recht zu finden weiß, wie der Blinde gegenüber den Farben. Haben wir zwar oft, ohne jegliche Mühe, die verfehlte Administration der Gemeinde durch die Repräsentanz gerügt, und derselben Mittel an die Hand gegeben, durch welche die Verwaltung einfacher geführt und eben dadurch die Interessen der Gemeinde gewahrt werden können, so hat die Repräsentanz dennoch ihre Miflion verkannt, in dem sie die bloße Administration mit einem politischen Amte verwechselte und der Jnteresienpolitik die Interessen der Gemeinde hintan setzte. Wir waren uns bei der ursprünglichen Zusammensetzung der gegenwärtigen Israeliten-Bertretung Prag'ö vollkommen bewußt, daß die Dinge so kommen mußten, wie sie gekommen sind. Anders konnte es auch nicht erwartet werden. — Bedenke man doch, aus welchen Elementen die Reprä« sentanz zusammengesetzt ist, bedenkeunrn, wie ein Land-Advokat, der dem Iudenthnnie stets ferne stand und in der That noch ferne steht. eS nicht der Mühe werth gefunden, die ergiebige Landpraxis zu behalten, um nur in Prag sich in eine Körperschaft vorzudrängen, in der er aus dein Indenthume nur den Nutzen zu ziehen glaubte, daß man von Monat zu Monat, um eine Ehrenstellc reicher werden könne. Feuilleton. Bilder ans dem Oriente. (Fortsetzung.) Jerusalem (El Ivuds oder ei Scherif die Heilige, die Noble) ist noch immer die Hauptstadt Palcstina S und der Pilgerplatz aller Religionen und Sekten, die alljährlich die Stadt besuchen und cs gewinnt den Anschein als ob Juden, Muhamedaner und Christen hierin ihren Ccrcmonicn und religiösen FanatiSmuS wetteifern würden. Die Stadt liegt nah den Gebirgen JudäS auf 3 Berge gebaut: der Monte Zion, Acra und Moria, sie ist von Ringniaucrn umgeben, in welchen nebst zwei seit vielen Jahren zugemauerten Thoren noch fünf geöffnete starke Thorr sind. DaS erste Thor, das inan gewöhnlich paffirt, ist daS Jaffa Thor oder von den Arabern Lab el chalil (Hebronthor) genannt, dasselbe ist am Berge Zion und sind auch zur rechten Seite die frühere Burg und der Thurm Davids, jetzt ein Castell und eine Militärkaserne, zur linken Seite ist das röm. katholische Patriarchenge, bäude nebst einer Kirche im schönen Baustyl neu errichtet. Immer die grade Straffe hinunter gegangen, kommt man in di: nach links (nördlich) führende Frankcnstraffe. Auch muß ich gleich bemerken, daß die Stadt in 4 Viertel gcthcilt ist, in das Franken-, Armenier-, Juden- und Türkcnvicrtcl. Wir befinden uns nun imFrankcn vierte l (Mont Zion). Mont Zion. In demselben sind mehrere europäische Kauflcute, darunter die Firma C- F. Spittler et Comp. auS Basel. In der Frankcnstrahe sicht mau Uhrmacher, Buchhändler und Verkäufer verschiedener Artikel, bis man zum C o p t i s ch c n C h a n (Hotel) einem großen Gebäude gelangt, welches von den Copten (cgypt: Christen) zu dem Zwecke-errichtet wurde, um mit den rinfließenden Miethgeldcrn der Wohnungen tmb Verkanfslokalc ihre armen Landsleute zu unterstützen. Von diesem Gebäude genießt man eine schöne Uebersicht dcS H i S k i a S t c i ch c S. In diesem von König HiSkiaS angelegten ungefähr 200 Schritt langen und 100 -Schritte breiten Teiche soll der Sage nach. König Dalld von der nahen ZionSburg auS, die Frau einer seiner KriegSlcute baden!grsehen und daher den bekannten Fehltritt begangen haben. DaS Waffcr in demselben wird mittelst -ineS eigenen außerhalb der Stadt sich befindenden Behälters jedes Jahr in dieselbe hinein geleitet und dient zum einzigen guten Bade in der Stadt. Oestlich von der Frankenstraffe gelangt man auf Treppen abwärts zur Grabeskirchc. Dieses auö alter Zeit stammende Gebäude wurde auf Ko-