Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 18 (15.9.1869)
- Date
- 1869-09-15
- Page
- Seite 183 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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183 i Beilage zur „Gegenwart" Skr. 18. -wurden. Die Regierung hat gar nichts znr Herstellung die. se- Bethausebeigesteuert. Belgrad. Wir freuen uns, die Mittheilung geben zu können, daß auf Jntervmtion des Board of Deputies die englische Reaieruna vereint mttderfranzöstschenBeranlafsung genommen hat, in einer energischen Note an die serbische, die neue Constitution, welche die Juden allein noch von der Gleichstellung ausschließt, zu tadeln. Auch die österreichische Regierung hat ähnliche Vorstellungen gemacht. Lorfn. Der König von Griechenland besuchte bei seiner jüngsten Anwesenheit auf der Insel Corfu auch die Synagoge in der Hauptstadt Corfu. Die Synagoge war bei dieser Gelegenheit dccorirt und in derselben ein Thron errichtet, auf welchem der König saß, während der Rabbiner bei geöffneter Lade eine Anrede hielt und ein Gebet für den König und sein HauS ausfprach. Para. (Brasilien) Die Stadt Para besitzt die einzige Synagoge in Brasilien, obgleich an noch mehreren andern Plätzen Juden leben. Rew-Aork. Die jüdischen Wohlthätigkeitsgesellschaften vertheilen im Durchschnitt per Jahr 75000 Dollar 187500 fl. an die Armen. Suntes. Wie ein Beduine die christliche Menschenliebe erfuhr, darüber wird „dem Osten" aus Czernowitz in der Bukowina unterm 1. d. M. Folgendes geschrieben: „Seit sechs Jahren ungefähr durchzieht die größeren Städte Europas eine arabische Künstler-Gesellschaft auö dem Beduinen Stamme der Beni Zoug-Zoug. Sie spielten auch zu Czernowitz, wo aber Einer von ihnen einen Anfall von Gehirn-Erschütterung bekam und in's allgemeine Krankenhaus gebracht werden mußte. Hier lag, von Niemanden besucht, der kranke Beduine, da seine Gefährten in die Moldau gegangen waren, bis ihn nach sechs Tagen langer Krankheit der Tod von seinen Qualen erlöste. Sogleich wurde der Tod des Arabers von Seite der Spitals-Verwaltung dem Magistrate angezeigt, welcher in Person des Vice Bürgermeisters Ambros in spießbürgerlicher Weise folgende Antwort gab: „Was weiß ich? Warum haben Sie denn diesen Kranken in'S Spital ausgenommen? Sie hätten ihn gar nicht übernehmen sollen!" Man schickte zum römisch-katholischen Erzpriester und frug ihn, was mit der Leiche anzufangen sei? Dieser erwiderte: Und wenn ich wüßte, daß man mir weiß Gott was thut, so lasse ich den Türk' auf dem heiligen Gottesacker in geweiheter Erde uicht begraben." So lauteten die Worte des demüthigen Priesters des Herrn, und sie haben hier überall den schlechtesten Eindruck gemacht. Ist man ein Christ, wenn man sich weigert, einem Menschen ein Plätzchen zu gönnen, wo er auSruhen soll von den Mühsalen dcS Lebens? Ist daS die Frucht des vom göttlichen Meister in die Herzen gepflanzten Samens? Man schickte dann zum Vorstande der Juden-Gemcinde und zur Ehre desselben sei es gesagt, daß er augenblicklich beschloß, die Leiche des Arabers auf dem israelitischen Friedhofe bestatten zu lassen. Auch hier machten einige fanatische Chasidim Einwendungen, aber die« hatte nur zur Folge, daß die Sache sich etwas verzögerte, und erst am vierten Tage die Bestattung erfolgen konnte. Unterdessen hatte auch der ehrenwerthe Pastor der evangelischen Gemeinde rr. zwar zu spät, aber in folgenden Worten seine Erlaubniß gegeben: „Er ist ein Mensch und das genügt, daß man ihn auf unseren GotteSacker bestatte." Man begrub also den todtc.l Mohamedanec erst am vierten Tage auf dem israelitischen Friedhofe in seinem Fez und seinen sonstigen arabischen Kleidern; einige Schmuckgegenstände nahm er mit in'S Grab. Der Todte hieß Hadie -Lasien-Mithony, er war Jahre alt und stammte au4 Algier." Vom Lüchertische Jeschurun Zeitschrift zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens, in Hans, Gemeinde und Schule herausgegeben von Samson Raphael Hirsch, Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Maiu. Drittes Quartalheft .5620 186^—0. Im Anschlüße an daS Referat über das frühere Quartalheft dieser gediegenen periodischen Zeitschrift, finden wir einen bedeutenden Fortschritt in der Wahl der Aufsätze, die der Zeitschrift ein besonderes Interesse verleihen. So wohl den biblischen, als profan wissenschaftlichen Anforderungen hat der Herausgeber Rechnung getragen und selbst das Belettistische nicht verschmäht, um so das Ganze zu einem Kaleidoskop zu machen. Der gründlichen Kritik des I)r. G ugenheimer über „die Hypothesen der Bibclkritik und der Commcntar zur Genesis" vou Hrn. Rabbiner S. R. Hirsch schließt sich die Beurtheilung der gegenwärtigen Reformbesttebungen als zweiter Artikel der Z.'itschrist an, in welcher die Leichtfertigkeit, und Prinzipienlosigkeit der Reformrabbincr in schlagender Weise nachgewicsen wird, ohne daß sich der Verfasser von einer gewissen Leidenschaftlichkeit Hinreißen läßt. Nächst dieser verdient in erster Reihe der Aufsatz „die Verdienste Herders um die Juden und die jüdische Wissenschaft" Ein Vortrag von Adolf Ko Hut hervorgehoben zu werden. Man kann demselben deutlich entnehmen, daß der Verfasser Herder gründlich studirt und in gehöriger Auffassung das Verhältniß Herders zum Judcnthum meisterhaft geschildert hat. Er läßt das gleichsam magische Licht leuchten, welches die Sonne der Humanität und Aufklärung des großen Geistes Herders, dem Judcnthnmc verleiht und durch den herrlichen Lichtcffckt das letztere in seiucr erhabenen Gestalt erscheinen Es ist gewiß keine kleine Arbeit, sich in den Geist eines großen Geistes hinein zu denken, und die Anschauungen eines Dichters darzuthun, der Poet und Philosoph in übereinstimmender Weise war, die Arbeit ist aber auch eine dankbare und Kohut hat daS Verdienst seine Aufgabe mit Geschick gelöst zu haben. Außerdem ist die Zeitschrift noch mit den „Memoiren eines SchameS" die in launiger Weise gehalten, die heutige Rcformbcstrcbungcn bespült, sodann mit einer Besprechung „jüdischer Familicnpapicre, Briefe eines MissionairS (Herausgegeben von Gustav Meinhardt) von Dr. Samuel A. Hirsch und einer Erzählung unter dem Titel „Angela" bereichert, die wir, da sie noch nicht abgeschlossen ist besprechen können. Briefkasten der Rkdaktion. Herrn K. in Br. Sie sind Ihrem einmal gegebenem Versprechen noch nicht nachgekommen.— Herrn Dr. S. in K. Artikel die nrhr persönlicher Statur sind, erfordern die volle NamciiSzrichnnng im Blatte. — Herrn Dr. H. in Lemberg. Wir bedauern dir Inkonsequent. — Herrn K. in S. Sie fragen uns um Rath, was Sic gegen die hohe Cultu«- besteuerung tbun sollen. Nur zahlen, rachen wir. dir LultuS-Rrpräsentanz zahlt uns aus. — Herrn S. in New;')ork. folgt nächsten«. — Herrn M. in St. Scheuen Sie es nicht, den Vorgang in einem öffentlichem Blatt« bekannt zu geben. — Herrn —r Danken Ihnen für die Zustellung dr» famosen (Zirkular« der Repr. an die Vorsteher der Svnagoge. Sie fragen, wie man da« nennen soll, daß dir Repr. dasselbe nicht vor den NeujahrStagrn ergehen ließ n»d wartete bi« sich ein Jeder feinen Sitz genommen? Da« nennt man im geschäftlichen Leben einen intelligente» Tandlrrstrrich.