Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-09-15 · 18 (15.9.1869) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
18 (15.9.1869)
Date
1869-09-15
Page
Seite 180 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433983--388-4890725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

4piwupw'u9M m . i ' ■ um1 -1 "4 n'’^rjf«9'9* 180 — Wolfs Buchhandlung.) 5. Richard Wagner und da» Judrnlhum. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte unserer Zeit. Bon einem Unparteiischen. (Eberfeld, 1869 Druck und Verlag von Sam. Luca» und endlich 6. Unmusikalische Noten zu Richard Wagner« „Jndenthum in der Musik" von Dr. C . . (München Verlag v. Neuburger & Kolb 1869.) -Dir Herrn Verfasser von Nr. 1—3 geben sich alle Mühe Herrn R. Wagner zu widerlegen und ihn eines Bessern zu belehren; ein solche- Verfahren scheint uns durchaus verfehlt zu fein. Wer wird zu einem Wahnwitzigen mit Vernunftsgründen reden wollen?! Und Wagner ist ein solcher Wahnwitziger, nur mit dem Unterschiede, daß gewöhnliche Menschenkinder, die so unglücklich sind, ihren Verstand zu verlieren und in solchem Zustande zu rasen, in eine Zwangsjacke gesteckt und nach LeubuS tranSportirt werden, während der ZukunftSmufiker sich in der Schwei; umherttcibt, und mit der säubern Frau Marie Muchanofs, geborene Gräfin Nesselrode, Kurzweil treibt und ungestraft das Iudenthnin meuchlerisch überfallen darf! UibrigenS ist der Wahnsinn des Herrn Wagner nicht erst seit Kurzem entstanden, schon im Jahre 1865 erklärte die gesummte bayrische Presse den hochbegabten Minister Ludwigs II. Hrn v. Neumayr an der Spitze, Herrn Richard Wagner uns voce als verrückt. Oder war e» nicht ein Symptom der ungeheuerlichsten Verrücktheit, als R. Wagner anno 1865 dein König Ludwig II. 40.000 Gulden abschwindelte, um ein großes Opernhaus errichten zu können, worin man seine Riesenoper, „die Nicbelungen" deren Aufführung 4 Tage und ein ungeheueres Orchester erforderte, in Szene setzen sollte?! Und war es nicht eingleicher Akt der Verrücktheit, daß R. Wagner nachdem er am 10. Dezember 1865 aus Baiern mit Schimpf und Schande davongejagt wurde, mit überaus großem Gefolge, etwa wie der Kaiser der Japanesen, nach Vevay reiste, daselbst im ersten Gasthofe sich zwölf Zimmer miethete, und einige Tage darauf am Genfer See eine mit orientalischem Luxus auSgeftattete Villa sich kaufte uu]> einen Hofstaat arrangirtc, um den ihn manches gekrönte Haupt beneiden könnte?!- Unter den drei oben angeführten Gegenschriften zeichnet sich übrigens die des Hrn.Dr. Bsorchert der ein hiesiger*) hochgeachteter Rechtsanwalt ist. durch die Wärme des Herrn Verfassers für da» Judenthum sowohl wie durch dessen Scharfsinn vortheilhaft au». Besonders treffend scheint un« die Bemerkung de» Herrn Dr. B. zu sein, daß „nach den zahlreichen Parallelsten«!, in welchen Herr Wagner, den Geldbesitz der Juden, insbesondere de» mit Bitterkeit „Jude der Könige," oder „Gläubiger der Könige" genannten Freiherrn v. Rothschild,"**) zum Endziele wttthender Angriffe macht, dürfte die Eonjcktur große Wahrscheinlichkeit für sich vindiziren, nach welcher jene höhere, herzdurchglühte Leidenschaft, deren Erwiederung er im Gespräche niit Juden vermißte, nichts Andere» war, als die Rückwirkung einer pekuniären Klemme, au» welcher ihn nicht immcr^gcrissen zu haben er mit Fug(!) und Recht(!) den Juden verargte." Oettingcr, der alte Schüler Saphir», läßt sich klugerweise mit Herrn Wagner gar nicht auf eine Polemik ein, mit etwa« derber, doch unleugbar genialer Virtuosität schwingt er die Geißel der Satyrc unter deren Hieben der Rücken de» großen Blech st c n vielleicht noch mehr — geschunden wird alv mein arme» Ohr während der Aufführung der „Meistersinger" auf dem Breslauer Stadttheater, ,,E» ist sehr intcresiant und für die Taufen der dreißiger und vierziger Jahre, als Heine, Börne, Saphir u. a. sich mit Tauswasser besprengen ließen, höchst charakteristisch die folgende Acußerung Octtingers: „Vor Allem muß der Schreiber dieser Zeilen vorausschicken, daß er von Geburt •) ©««lau«. Kobut. **) Diese frommt, glorreiche Familie, die für die leidende Äenschheit im Allgemeinen und für da« Iudenlhum in« Besondere so hohe Verdienste sich erworben, wurde u. a. auch von dem frivolen Heine ans die impertinenteste Weise angegriffen, »veil Herr v. Rothschild den in Pani auVschwelsend und verschwenderisch lebenden Dichter nicht fortwährend mit Geld zu überhäufen vermochte! — ein Jude, nur darum kathol ischer Christ geworden war, um das Recht zu haben, ungefährdet Jude bleiben zu dürfen." Sophistisch zwar, doch geistreich! Auch ist es sehr amüsant, was Oettinger über die Dame und ihren Gemahl sagt, an die Wagner sein hirnverbranntes Pamphlet.richtet:— Herr SerguS Muchanofs war im Jahre 1861 als' Polizeinnnnfrer der Stadt Warschau eine der verhaßtesten Persönlichkeiten im Königreiche Polen. Sein Name schon roch nach Juchten und Knute und es ist eine historische Thatsache, daß sein Verfahren in Warschau eine der Ursachen der bald darauf anbrechenden Revolution gewesen ist. Die Gemahlin dieses Herrn ist die Tochter des ehemaligen russischen Reichskanzlers Karl Robert Grafen von Nesselrode, der bekanntlich auch ein großer Judenfeind war. Seine Tochter, eine Dame von zweifelhaftem Alter war zuerst mit Johann Kaletgie und später mit dem oben genannten Polizeimeister Muchanofs vermählt und sie haßt wie ihr cüer Papa die armen Juden vielleicht schon auS dem Grunde, weil sie eine gesetzliche Abneigung gegen daS Schweinfleisch haben. Der Name ihre» Vaters ist längst verschollen und es ist von seinem ehemaligen Kanzlerruhme nichts anderes auf die Welt gekommen, als ein Pudding ä la Nessel rode der jedoch nicht vom Kanzler selbst, sondern von einem seiner Köche herrührt."— Unter der Maske des „Unparteiischen" — lucus a non lucendo — verbirgt sich ein schlauer, listiger und — diplomatischer Judenfeind, der R. Wagner in Bezug auf Rischuth ebenbürtig zur Seite steht, ja vielleicht diesen an Niedertracht der Gesinnung noch übertrifft. Solche Frechheiten, wie dieser „Unparteiische" (Nr. 5) hat noch Niemand dem Jndenthume ins Gesicht geschleudert. Dieser Mann wagt es, zu behaupten, daß kein von Juden abstammender Künstler im Stande wäre, ein Kunstwerk zu schaffen!! Selbst in Felix Mendelssohn findet er nicht» als geschraubtes, unnatürliches, erkünsteltes Pathos. „WaS wir" sagt S. 11 dieser saubere „Unparteiische" „was wir als Eigenthümlichkeit des jüdischen Wesens überhaupt erkannt haben, das Hastige, Unruhige, Abspringende, was e» ihnen unmöglich macht, in der Kunst, welche sie auch sei, das zu erreichen, was man im Allgemeinen die sanftgeschwungene Linie der Schönheit nennt, — — alle» dieß zieht sich wie ein rother Faden auch durch die Werke Mendelssohn» hindurch, und tritt häufig genug neben Stellen von wunderb ar er Schön- Ifcir urtt "gaif5 fataler Ursprünglichkeit zu Tage." Ueber Mayerbeer ergießt vollends der „Unparteiische" den ganzen unreinen Sud seiner Schmähungen. Er schimpft gegen den „jüdischen Schacher, den Mayerbeer mit der Musik getrieben;" die Opern dieses großen Maestro sind ihm nichts als „die giftigen Dünste deö Manzanillobaumes," „die Finsterniß des Betrugs und der übertünchten Lüge" u. s. w. — so verunglimpft ein feiger Anonymus die Manen eines Manne», der zu den größten Tonkünstlern der Menschheit gehört, an dessen Erzeugnissen noch späte Generationen zehren werden! Uebrigens springt am Schlüsse der Pferdefuß am deutlichsten hervor, denn da heißt es: Zu bedauern ist es, daß deutsche Indolenz und Trägheit den unermüdlich strebsamen Söhnen Israels die bevorzugtesten und einflußreichsten Stellen in die Hände gespielt hat." Da» also war des Pudels Kern! die Stellen und Aemter, die sich einzelne hervorragende jüdische Geister durch ihre Fähigkeiten, ihren lautern Charakter und ihr rastlose«, unermüdliche» Streben errungen, ärgern Sie, großer, feiger „Unparteiischer"?! Wie e» scheint, ist der Unparteiische ein verkappter Schildknappe R. Wagner», der auf eine höchst wunderliche Weise für seinen Herrn und Meister Reklame machen will!-Wolan, efl seil Fachet nur, ihr Judenfeinde der Gegenwart, die Flamme de» Haffe» zwischen Juden und Nichtjuden mit fanatischer Wollust an! Fabriziret nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.