Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 18 (15.9.1869)
- Date
- 1869-09-15
- Page
- Seite 179 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■mPWyü JW - MWWWMW» ייייייי^מ 11• 'um np 1 v — 179 — Da wird un« von dem jüdisch sein wollenden Lehrer Frennd gesagt: ״Ich bin mit dm Ansichten des Herrn Major im Ganzen und Großen vollkommm einverstanden." u. s. w. Ferner sagt uns der neubackene Pestalozzi von Libin: ״Eine Reform des jüdischen Religionsunterrichtes wäre dann ange« _bahnt, wenn der jüdische-Schalmann von seinem Gehalte alsogenannter deuts cher Lehrer * leben könnte — gewiss würde edann niemand einfallen sich mit dem überaus mühevollen Unterrichte in den hebräischen Gegenständen zu befassen." Diese Zustimmungsadresse, mein lieber junger ״Freund," verurtheilt Sie ja ganz und gar! Hätten Sie je in Ihrem Leben die weisen Sprüche unseres großen Salomo sich lieber zu eigen gemacht, als darüber so schnöde hinwegzugchn, so konnten Sie dann, diesen gemäß, wenigstens für weise gehalten werden, nämlich, wenn Sie geschwiegen hätten. Nun haben Sie sich an Ihrem Gesänge (recte Gekrächze) verrathen; da haben Sie übel gethan. Sie haben wie schon viele Ihres CaliberS, den Beweis geliefert, dass jener Korrespondent dieser Blätter, der da behauptet, eS seien gar viele jüdische Lehrer in Böhmen, die nur Befähigung besitzen, an katholischen Pfarrschulen zu fungiren, vollkommen recht hat; denn auch Sie zählen zu jener Kategorie Lehrer, da Sie nicht nur die Bibel und überhaupt unsere religiösen Schriften nicht kennen, sondern auch nicht jüdisch denken. Wie erdreisten Sie sich aber dennoch, Lehrer einer isracl. Gemeinde, Erzieher jüdischer Kinder sein zu wollen? Haben Sie den Spruch Ihres eige« nen Lehrers des weiland Lchrerbildncrs Herrmann vergessen: ״Was einer selbst nicht kann, das lehrt er seine Schüler nimmermehr." Es ist dieß zwar ein alter talmudischer Spruch; aber wenn ich Ihnen denselben im Originale sage, so meinen Sie am Ende, ich spreche türkisch. Doch wozu noch weiter sprechen? Etwa die Blößen oder die Unwissenheit eines jüdischen Gemeindelehrers in Libin aufdeckcn? Nicht das. Unsere Absicht ist: 1. Zu beweisen, was eine Gemeinde für Fortschritte macht mit ihrem Wechsel. Wer unseren Schluß verstehen will, der möge sichs angelegen sein lassen, nachzuforschcn, wie weit die Gemeinde Libin in dieser Hinsicht zurückgcgangcn ist u. z. 8uec688iv6 von dem als Pädagog wie als Prediger eben so gewissenhaften wie vorzüglichcn Rabbiner Kohn (gegenwärtig in Horazdiowitz) bis auf ihren gegenwärtigen ״Freund" des Herrn ״Major" und Feind alles Jüdischen. 2. Darzuthun^me^ehr^S^tK thut, «ine jüdische Lehrerbildungsaustalt zu errichten, damit Lehrer gebildet werden, die cS begreifen lernen, daß die Lehre des einigen Gottes nur aus jenem Urquell alles Wissens geschöpft werden kann. 3. .Gedenke ich dadurch anderen Gcsinnungsgcnosscn von ״Majrr" und seinem Schildträger Freund in Libin einen besseren Begriff vom jüdischen Religionsunterrichte bciznbringen, und wenn diese auch nicht selbst Einsicht genug besitzen, so mögen sie es mindestens uuterlassen, in öffcntlichen pädagogischen Blättern solchen Unsinn auszukramen und sich und oas Judenthnm derart lächerlich zu machen. 4. Will ich allen jenen, welche unter gleichen Verhältnissen wie Major, Freund rr Consorten das Unglück haben jüdische Lehrer geschimpft zu werden, den wvhlwrisen Rath ertheilen, anstatt die Bibel in ihrer heiligen Ursprache öffentlich zu beschimpfen, lieber keine Mühe zu scheuen und nachträglich den Inhalt jener Bücher zu studieren. Es ist zwar dieß eine schwere Aufgäbe aber bei anhaltendem Flciße nicht unerreichbar. Nebst den erforderlichen Hilfsbüchcrn, als: Ein gut übersetztes *תנן etwa von Herz-Heim er, einer guten Grammatik von Goldmann, einem gediegenen Wörterbuche Ben sew, Fürst oder Gescnius, gehört etwas Muth und Ausdauer dazu und nach einigen Jahren kann's werden, daß ein solcher Bibclbeschimpfer zu anderer, besserer Einsicht kommt und die Fähigkeit erlangt das zu sein, was er jetzt nur mit dem größten Widerwillen sein muß. Bis Sie, mein lieber ״Freund," das gethan haben, wenn Sie durch Anstrengung und Fleiß Einsicht erlangt und noch sagen werden, dass Sie beim ebräischen Unterricht Ihre erlangte pädagogische Einsicht verleugnen müßen, d. h. es lasse der jüdische Religionsunterricht sich nicht nach richtigen sistematischen Grundsätzen der Didaktik behandeln; so werde ich Sie dann schon noch einebeffern belehren. Bidahin aber merken Sie sich den salomonischen Spruch:*גם אויל סזדיי יחעב kUnsZu deutsch : Auch der Narr wird für weise erachtet, so er schweigt. Literarischer Gericht. Die Literatur über Richard Wagners Pamphlet: ״Das Judenthnm in der Musik." Das berüchtigte, giftgeschwollene Pamphlet Richard Wagners hat fast in derdsannntcn Presse der gebildeten Welt allgemeine Entrüstung hervorgebracht und eine ziemlich große Anzahl von Gegen schriften hrrvorgerufen, die dem wahnwitzigen ״ZukunstSmusikcr" oft Wahrheiten ins Gesicht sagen, die bestimmt sind, den großen Münchner Maestro in — Blech in den Augen Europas für ewige Zeiten lä« cherlich unv unschädlich zu machen. Albesonders gelungen und durch ihre zermalmende Salyre höchst wirksam, sind die beißenden Worte Eduard HanSlick-, des berühmten KuüsttheoretikerS, im Feuilleton der ״Neuen freien Presst" vom 9. März 1869 und die geistreiche Abfertigung R. WagncrS in Nr. 11 der ״deutschen Blätter." unter dem Titel:" ״Fanatismus eines Musikers״ aus der gewandten Feder Albert FränkelS. Herr HanSlick trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er. behauptet: ״da« Scheußlichste in berge« summten Schöpfung, sind die Juden und ׳ I u d e n sind alle diejenigen, die Herrn R. Wagner nicht anbeten — das ist ungefähr der leitende Gedanke dieses zwar dummen aber giftgeschwollenen Büchleins״ und jeder llnparteiische wird Herrn HanSlick Recht geben müssen, daß dies widerwärtige Buch seinem Verfasser wenig Freunde und wohl auch den Juden wenig Feinde zuführen wird. Fiirdie Eharakteristik W. hat cs eigentlich nur ein psychiatrisches Interesse. Die maßloseste Selbstvergötterung hat hier einen Gipfel erstiegen, 1 auf dem ein Mensch mit gesunden Gchirnfunktionen nicht mehr zu athmcn vermag. Man muß unwillktthrlich an den biblischen Vorgänger R. Wagners, «»..König Ncbukadnezar denken,"dcr^ch so Tange für einen Gott hielt, bis er sich in einen ganz gewöhnlichen Ochsen verwandelte, Heu fraß und von Verdi in Musik gesetzt wurde. Treffend sagtauch Herr A. Frankel: die durchaus tendenziöse Erweckung und Aufwtthlnng brutaler Religion- und Ra^enklmpfe, um sie zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit zu benutzen, dieses Aufhetzen und Appclliren an gemeine aber schamvoll sich ver« bergende Leidenschaften ist, neben der krankhaften und racheathmendcn, die wirklich, schmutzig«--und eckelhafte Seite dieser Schrift. Mögen sich unsere ehrenhaften jüdischen Mitbürger und Glaubensgenossen die ihnen hier angethane Beschimpfung nicht zu Herzen nehmen! Wer die Schrift gelesen hat, derweiß, daß sie nichts als eine Selbst-Reklame und zwar eine so plumpe und widerwärtige ist, daß jeder irgend respektable Taschenspieler oder Bänkelsänger sich ihrer LoSlassnng geschämt hätte. Bon wirklich großen Meistern weiß man nicht, nur daß sic erst mühsam ein unreines Feuer geschürt und den elendesten socirilen Koth aufgerührt haben, um an diesen säubern Elementen Bundesgenossen zu finden. Außer diesen Rezensionen kamen unö bereits sechs Broschüren zur Hand: 1. Richard Wagner, der Judenfresser. Von M. Gutmann (Dresden, Verlag von Konrad WeiSke 1669.) 2. Das Iudenthum und Richard Wagner. Von Edmund Friedm a n n. (Berlin, Verlag v. W. Adolf & Eomp.!'>9 unter den Lznden 1869.) 3. Herr Richard Wagner und seine neueste Schrift^ Das Judenthum in der Musik." von Dr. Bsor chert junior, Breslau 1669. Verlag von Bruno Heidenfeld 4. Offenes Billet-doux an den berühmten Hepp-Hepp Schreier und Judenfresser Herrn Wilhelm Richard Wagner. Von E. M. O e t t i n g e r 2. Auflage (Dresden, Verlag von L.