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Die Gegenwart · 1869-09-15 · 18 (15.9.1869) · p. Seite 178

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
18 (15.9.1869)
Date
1869-09-15
Page
Seite 178 (sequence 4)
Language
German
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au-gelacht wird. Wohl kann man, wir geben c« gerne zu, die Landau'S nicht aus der Erde stampfen und daS Jahr- , hundert geht mit der Geburt solcher. Männer nicht so verschwenderisch um, sieht man aber derlei Gestalten auS dem jüdischen Gemeindelebcn hervorwachsen, wie Raudnitz, TedeSko, Wiener, die um das verlorene Judenthum Ärofobitl* Ihränen weinen, dann scheint uns denn doch, als wollte der . Geist der Zeit Parodieen auf Landau und Wehli schaffen, ^orodicen die mehr in'S Reich der Mährchen gehören, als ln jene Körperschaft, die vor Allem durch jüdischen Sinn, Lurch ein jüdisches Herz glänzen soll, welche sich ebenso wenig von einer jüdischen Bertretung trennen lassen, als das Herz vom phisischcn und geistigen Leben. Wenn solche Männer feiern, die alles Jüdische verhöhnen, und nur „jüdisch" heißen wollen, weil sic den Juden zur Erreichung ihrer «hrgcitzigen Pläne brauchen, dann muß die Gemeinde Prag'S ein unheimliches Gespenst umstricken, daS von den Gräbern jener würdigen, der Gemeinde unvergesslichen Männer herüber schwebt.' Berglciche nun ein jeder daS ehemalige überhaupt der "Gemeinde, das in des Wortes edelster Bedeutung das Haupt Der Gemeinde (ltosch ha kohol) hieß, wie es dieselbe nach innen und nach Außen, durch würdevolles dabei elegantes Exterieur, durch eine universelle gründliche Bildung auf jüdischem und profan wissenschaftlichem Gebiete vertreten hat und stelle als Gegensatz hin die Mänmer unserer heutigen Vertretung, unter denen sich solche finden, die nicht einmal die Bedeutung eines hebräischen Buchstaben kennen und auf diese Unkenntnis stolz sind, dann wahrlich empört sich daS Gemüth, wenn jene Herren, nach Art der eisernen Jungfrau das Jndcnthum umarmen, um cS zwischen ihren, von der Hitze ihres EhrgeitzeS glühenden Armen zu zerdrücken. Besieht man sich dieses Marionettenspiel mit der vor« urtheilsloscstcn Brille, kann man noch behaupten die Jsraeliten-Gemeinde Prag'S sei gut vertreten? Oder denkt man, daß jene Männer in der Repräsentanz, welche durch glückliche Eonjunkturen Präsidenten, LandcSousschüsse, Landtagsabgcordnctc geworden, welche Auszeichnungen erhielten, die rechten Männer sind, welche eine Israeliten Gemeinde recht vertreten? oder glaubt mau auf solch eitle, verblendende Earriere stolz sein zu tonnen, die jeder halbwegs intelligente Jude erreichen kann, wenn es mit ihm die Verwandtschaft oder doch, wenigstens treue Freunde gut meinen und für ihn mit einer bis^ zur Unverschämtheit sich steigernden Aufopferung agitircn? Wenn solche Annahmen der Standpunkt sind, den die Gemeinde cinnimmt, so müsste die jüdische Gemeinde in Prag nicht von Juden vertreten sein und könnte unter der Aegidc der ersten besten politischen Verwaltung stehen, an deren Seite, wie dieß in Paris der Fall ist, ein Eonsistorinm sich befindet. Die Vertretung der Jsraelitcn-Gemeinde, wie sic bisher besteht, ist aus dreierlei Elementen zusammengesetzt. Die Majorität dieser Elemente hat sich zu einer Eliguc organisirt, welche im Vorhinein bcrathct, das Gutachten eines von der Gemeinde mit einem den Werth,seiner Leistungen übcragcndcn Gehalte besoldeten Sekretär abverlangt, und im Vorhinein beschließt. Diese Majorität, welche sich auch cinbildct, das freiheitliche Gebäude in Ocstcreich anfznführcn mitgrholfcn zu haben, mitlcrwcilc bloß Handlangerdienste zu einer Zeit geleistet hat, wo, wie es bei geschcidtcn Israeliten nicht anders zu erwarten ist, etwas zu fangen war, was den Ehrgeitz befriedigt, ist es zumeist, welche die Gemeinde absolutistischer regiert als es je der Fall war; denn wer sich der noch vor nicht langer Zeit von dieser Frciheitschwürimrischcn Lotterie in Scene gesetzten Ehehimmelsteucr, trotz Aufhebung des Ehckonscnscs erinnert, wer der hartnäckigen Nichtbeachtung der verschiedenen Etenerreklamaiionen eingedenk ist, der braucht nicht erst zu rathcn, daß jene Herren so frei sind, nur für sich frei sein zu wollen. Die beiden anderen Elemente, die stets über vota winora zu verfügen haben, sind der völligen Ohnmacht verfallen, weil sie einerseits nicht den Muth besitzen, entschieden aufzutreten, anderseits sich eS mit der Clique nicht ver- , derben wollen, in der Furcht bei einer Neuwahl von den eigenen Collegen gestürzt zu werden. Wie sich nun die Dinge ansehen lasten, ist eine reguläre KaffeehauSgesellschaft der Mann der Situation, die übrigen sind die permanenten Lämmer, welche bloß sehen und dulden. chem Regime die Wirtschaft nicht fortbestehen kann, und man nur Gefahr lauft, den Geldpunkt in unaufhörlicher Weise zu dekliniren, ohne daß noch etwas aufzuweisen wäre, von dem man sagen könnte: Wir wissen doch wenig stenS, wofür wirzahlen. Die Gemeindcmitglieder sich ihres Opfers, welches sie bringen, wol bewußt, sehen zwar den Opferdampf, aber nichts, womit der Menschheit gedient wäre. Wir befinden unS abermals an dem Wendepunkte einer neuen Wahl, kraft welcher die Hälfte der Repräsentanzmilglieder durch neue ersetzt werden soll. Die AuSgeschiedenen, gehören größtentheilß jenem Theile der Repräsentanz an, der weniger durch oppositionelle Haltung als vielmehr durch indifferente und gleichgiltige Behandlung der Gemeindeintresten excellirt, und sich von der regulären Clique'Sttuppe faktisch beherrschen läßt. ES gilt nun dieser ein Gegenwicht zu verleihen, um die zum Schaden der Jntresscn gereichende Opposition abzuschwächen und wenigstens ein Medium zu finden, mit dem die zerütteten Zustände in der Gemeinde suksessive rcstaurirt werden könnten. Meint es demnach dieselbe mit sich selbst ehrlich, will sie das Steuerruder nicht Händen überlassen, die das Gewebe um die verfallene Ruine noch weiter spinnen, will sie Cultus-Steuer im richtigen Maße zahlen und das Bewußtsein haben, daß für dieselbe etwas geschieht, so mögen sich die Gemeindemitglieder dießmal auf den Standpunckt der Großjährigkeit stellen und nach bestem Wissen und Gewissen, nach eigener Ueberzeugnng wählen, um so den Sitz in der isr. Repräsentanz zu einem wirklichen Ehrensitz zu machen, der bis heute einem Sperrsitz gleicht, bei dem es für die Herren, die ihn einehmen nie ein Abonnement 8U8peiu1u gibt. Wird die Gemeinde sich die Leistungen der bisherigen Repräsentanz in's Gedächtnis rufen, wird sie finden, daß für die im Verhältnisse zumBe-- darfe enorme Steuer zweckmäßig verwendet wurde, so ist die Gewissensfrage erledigt, findet sie hingegen, daß Amtschreiber unnütz bezahlt, Institute ruinirt und ungerechtfertigte Ausgaben in'S Budget eingestellt wurden, so möge sie ihre vollste Thatkraft entfalten und den Beweis liefern, daß nicht die Gemeinde von der Repräsentanz, sondern die Repräsentanz vonderGemeindeabhängig ist. B. ,,Ebraische Nöthen in Lohmen. Herr „Major," aus den in Wien erscheinenden pädagogischen Blättern bekannt, hat seinen Meister gefunden; aber nicht etwa in Prag, Brünn, Pest. Berlin oder dgl. Städte. In einem Winkel Böhmens, abseits von der Straße Prag-Karlsbad, existiert ein Dörflein, namens Li bin. ein Ableger des Marktes Lu bcn z. Nachdem dieser Schatten von einer einstigen Gemeinde lange genug mit dem Lehrerwechsel hcrumlaboricrt, ist endlich derjenige eruiert worden, den man so lange vergebens gesucht. Dort ist nun vor etwa einem Jahre ein aus Bisen; in Mähren entlassener Lehrer namens Freund angekommen und übt sich daselbst im Anfertigen schlechter Artikel für pädagogische Blätter. Seit einiger Zeit gereist er den Prediger in Biscnz an, weil dieser ihn nicht genug tüchtig für eine spezifisch jüdische Schule fand. DaS ist jedoch Sache jenes Predigers ihm es herunterzukanzeln. WaS uns jedoch bewegt, dem jungen Lehrerchen m Libin die Ehre zu erweisen mit diesem Referate, daS ist seine letzte" „Bemerkung" zu den „ebräischen Nöthen" deS wiener „Major," in Nr. 34 der „freien pädagogischen Blätter."

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