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Die Gegenwart · 1869-09-15 · 18 (15.9.1869) · p. Seite 177

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
18 (15.9.1869)
Date
1869-09-15
Page
Seite 177 (sequence 3)
Language
German
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von wem immer, bevormunden zu lassen, seiner eigenen ' Ueberzeugung, dem BaterlandSgefühle, nicht der Opportun!« tät oder schnöden Egoismus. Kein Mensch kann durch da« Horoskop sehen, wa« in der Zeiten Hintergründe schlummert aber der Ju d e gedenke de- Ausspruches de« Dichter- Uriel Akosta'S, der sich in den Worten koncentrirt: „DerIu biJiLk tx tTTf!T~£Fmeitr gemischt ln die Gährung der Völker." Die Repräsentanz hat ansgeschrieben. Nach mehrmonatlichen Plänkeleien der. isr. Gemeindevertretung hat sich endlich einmal dieselbe bewogen gefunden, die Wahlen auszuschreiben und die Tage derselben so zu fixiren, daß man in den Zwischenräumen, die die Wahltage von einander trennen, Zeit gewinnt, recht herzlich zu lachen. Die geschickten 'Faiseurs dieser Termine, geübt im Jagen nach Ehrcnstellen, bekunden auch hier in der That, daß sie die Distanzen gut zu berechnen wissen und in der Kalkulation deS AgitirenS eine vorzügliche Praxi« bewähren. Wie nachgiebig übrigens diese Herren von so „ausgezeichneter" Natur sind, beweist, daß sie dem Wunsche der Gemeinde- Mitglieder, die Wahlen der drei nach aristokratischer Facon eingetheilten Gruppen an einem und demselben Tage vorzunehmen, nicht nur nicht Rechnung getragen, sondern die Unter den wilden Bänmeu sieht man am häusigsten die Steineiche, wilde Oelbämne, einige Weiden, einige Fichten und größtenthcils Gesträuche, wovon viele Arten einen sehr üblen Genich haben i au. her diesen gibt cs noch veschicdene Dorngcstrüppc und der CaktuS, der im Mai unter dem Ramcn „Caktusfeige" sehr gute Früchte trägt. Stamm, Zweige, Blätter, Blüthen, und Frucht haben dieselben Stachcln und zwar in solcher Menge, daß man dieselben nicht berüh. rcn kann. Diese Pflanzen, welche 12 bis 14 Fuß Höhe erreichen und sehr dicht aneinander wachsen, dienen größtcntheils nur zu Ringmauern um Gärten, Häuser u. dgl. Fruchtbäume bestehen aus Orangen, Litronen, Granatäpfeln (Palmen wenige) Mandel,s Aepsel, Bimcn, Aprikosen, Pfirsiche (Lokosnuß, Banana wenige), Feigen, Oliven Weintrauben und Maulbeeren. Außerdem gedeihen Waffer. und Zuckermelonen, Gurken, Salate besonders vorzüglich der Blumenkohl, die verschiedensten Kürbisse, rothe Rüben, Zwiebel, Knoblauch, Paradeisäpscl u. a. m. Die Landessprache ist arabisch und wird auch in vielen Dia' selten gesprochen, in den Sec- und bedeutenderen Landstädten kann man italienisch, französisch, englisch, griechisch, türkisch und arme, uisch sprechen hören. Die Wiesen und Wälder sind für Jedermann frei, Jagdgesetz gibt eS keines, die Felder, die uicht Eigenthum sind, können bebaut werden mit der Abgabe vour Zehnten oder Fünften, je nachdem. Die Häuser sind in den Dörfern auS Lehm, Steinen und Holz sehr kümmerlich zusammcngesügt, jedoch gibt cü viele Häusr^_guS schön gemcißclteu Steinen mit gewölbter Decke und Fensterscheiben, alle Dächer aber flach konstruirt, um das Rcgenwasier für den langen, heißen wasicrloscn Sommer in die Cisternen zu leiten. Die Trachten der Männer auf dem Lande bcstehen ans einem groben Hemde bis über die Knie mir einem särbigcn Tuch um den Leib oder einem breiten Lcdcrgurte mit Verzierung als Gürtel aus einem gestreiften groben Überwurf mit zwei kurzen Ärmeln, einem Tnche auf dem Kopse, das oberhalb mit einem Strick oder einer Schnur umkränzt ist; manche tragen sehr ordinäre rothe Kappen (arab. Tarbusch) mit blauen Quasten, ein weißes Tuch, in Mecka ein grünes, herumgewickelt, welches den Turban vorstellt. Die Weiber tragen so wie die Männer blaue Hemden ohne Überwürfe, einen Kranz aus Silbcrmünzen von einer Schläfe biS zur andern oberhalb der Stirne, die vornehmen Frauen in dem langen Haar verschiedene Gcldmünzen ringeflochten und breite türkische farbige Hosen; auch manche Männer vom Lande trageu breite, lange Hosen, blau, brauu oder grau, die Waffen bcstehen auS Meffer, Pistolen, Gewehren, größtenthcils noch die alten mit Feuersteinen, krumme Säbel und Lanzen. (Forsetzfolgt.) sonst ohnehin unverschämt festgesetzten Zwischenräume zwischm den einzelnen Wahltagen, in noch unverschämterer' Welse ausgedehnt haben. Man müsite eben ein ganz dummer Repräsentant seiner Vernunft sein, um die Tragweite diese- Witzes nicht zu erkennen und nicht zu wissen, daß es sich weniger -um-d«r Ehrensitz" als um weitere- Avancement handelt. Daß sich eine Vertretung jedoch her» ausnehmen werde, mit einer ganzen Gemeinde, deren Schwäche so oft zur Verfolgung egoistischer Zwecke misbraucht wurde, Komödie zu spielen, charakterisirt sie zur Genüge. ES sind nun zwei Jahre verflossen, seitdem eine Neuwahl oder vielmehr eine Scheinwahl der ausgeschiedcnen Repräsentanz-Mitglieder vorgenommen wurde, und ist man neuerdings an dem Wendepunkte angelangt, wo der „theatralische Unsinn" abgespielt werden soll. ES erinnert diese» Manöver recht lebhaft an die verunglückte Spekulation eine» Verlegers, der zum rascheren Verkaufe seines Werk«'- auf dem Titelblatte desselben eine „neue Auflage" setzen läsit, während eigentlich die alte im unabgesetzten Zustande, an ihrem innern Werthe nicht» gewonnen, vielmehr an ihrem äußern Werthe verloren hat. Die auSgeschiedenen Herren Gcmcindeocrlegcr, wollen sich auch stetvor der Wahl als eine verbefferte Auflage vorstellen und sich mit allen erdenftichen Mitteln an den Mann bringen, trotzdem sie diejenigen sind, welche an dem! Werke der Destruktion so lebhaften Antheil genommen. Wollten wir die Thätigkeit der Repräsentanz, seit ihrem mehr als 20 jährigen Bestände von der Zeit angefangen, wo die Gemeinde verurtheilt wurde, eine Anschlußstener zu zahlen, mit der sie so sehr beglückenden Aussicht einen ganzen Lehrkörper zu pcnsionircn, bis zu dem gegenwärtigen Momente, wo die Gemeinde ihre Haut zu Markte trägt, so müssten wir den Raum eines Buches in Anspruch nehmen, um da», waS sie nicht geleistet und was sie hätte leisten sollen, zu verzeichnen. Unsere Leser werden sonach entschuldigen, wenn wir sie nicht mit der alten Litanei quälen, und sie mögen Borlieb nehmen mit dem, was wir von der Wirksamkeit der Repräsentanz auS den letzten zwei Jahren annäherungsweise rekapituliren. Sie bringt uns zwar in Verlegenheit, darum sei eS bloß Aufgabe die ruhmvolle Vertretung, die heute mehr durch gewisse angestrcbtc Acußerlichkeiten glänzt, als wie zu Landau'S 'Zeiten, jenes Landau der uns den Unterschied lehren mustte, zwischen heute, wo die Cultussteuer zu unnützen Dingen verschwendet wird und damals, wo bei der geringen Besteuerung ein Vorsteher beschuldigt wurde, einen AbleitungSkanal aus der Gemeindekasie in seine Tasche geleitet zu haben. Es handelt sich nun hierbei zu untersuchen, bei welchem von beiden die Gemeinde bester fährt und die Analyse dürfte ein und dasselbe Resultat ergeben. Die Wirksamkeit jener Herren der Repräsentanz fand ihren Brennpunkt in immerwährender Besteuerung, die keinen anderen Zweck hatte als brauchbare Elemente bei gewissen Angelegenheiten zu unterstützen, eine Amtskanzlei auSzuhalten, die näher betrachtet, einer alten verkümmerten Ehedarwirthschaft gleicht, und bloß dazu dient, die Autorität jener Herren, dem ungebildeten, abhängigen Menschen gegenüber zu erhöhen, die Behörden durch die Maske ihrer sonst an und für sich unbedeutenden Stellung irre zu führen; denn würde man die hohen und höchsten Behörden aufklären, jene Herren, die sich Vertreter nennen, sind nichtanderes als Wächter über die Schächtcrsteuer, über da- Spital und über so manchen Firlefanz, so würden die Behörden gewiß die Augen öffnen und sagen: Ja, Bauer daist ganz was Andere»! Nun für den Israeliten in Prag hat freilich die bisherige Repräsentanz als solche keine große Wichtigkeit, weil sie durch die Art der nunmehrigen Zusammensetzung verloren ging. ES konnte auch nicht ander« geschehen, da man die Vertretung einer Israeliten - Gemeinde, wie sie ehedem bestand, zur Travestie gemacht und e« so weit gebracht hat, daß die prager Jsraeliten-Gemeinde, ihrer fo vorzügliche» Vertretung wegen von jeder unbedeutenden sLandgemeiäde 18*

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