Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 18 (15.9.1869)
- Date
- 1869-09-15
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 L»uch der -emeiusame Trieb vorherrschend sein, etwa herrschende Drangsal geduldig zu ertragen, eine bessere Zukunst zu erwarten, und Menschenliebe anzustreben. Daß aber die hier erwähnten Verhältnisse wirklich gemeinsame sind, bezeugt die beschichte unseres Vaterlandes, in welchem wir Israeliten mit den Böhmen und Deutschen seit undenklichen Zeiten gemcinschaftliche Wohnsitze haben und wo der böhmische Jude gelernt hat, kein andere-Vaterland auf derWelt zu kennen als Böhmen. Daß aber die Judenheit zu allen Zeiten bei einer hohen Besteuerung zur Erhaltung deS Staates wesentlich beitrug, daß die Juden bei den vielfältigen Kriegen, wo Böhmen vom Feinde mit Feuer und Schwert verwüstet wurde, einerlei Drangsale zu erleiden hatten, wie die übrige Bej völkerung, ist geschichtlich bekann( und wenn bedacht wird, mit welcher Hingebung und Aufopferung sich die israelitische Bevölkerung Prags bei den Belagerungen desselben im Jahre 1648, bei der Okkupation durch die Franzosen bei der Belagerung durch die 'Preußen (1747) benommen hat, wird gewiß ein Jeder zugcben müssen, daß das Judenthum einen verdienten Antheil an der Geschichte Böhmens hat und als integrircnder Bcstandtheil der Gcsammtbevölkerung ein bcachtenswcrlycö Moment in der Volksbewegung bildet. Erwägt man vieß, so muß bedauert werden, daß aus -er Anschauung Einzelner, die, wie schon einmal von unS betont, das Recht der Freiheit nur für sich allein in Anspruch zu nehmen glauben, ohne das Judenthum im Auge zu haben, auf die Gesinnung der ganzen Judcnschaft geschlossen wird. Die böhmischen Juden waren, sind und bleiben b ö h m i s ch c I u d c n, von deutsch. Inden in böhm. Gegenden konnte nie die Rede und der Unsinn kann schon nicht blühen-- der sein, wenn ein böhm. Jsraelite sagen würde, daß er eitr deutscher Jude auS Böhmen sei. Der Jsraelite hat sonach als wesentlicher Bestandtheil unseres Vaterlandes eine wesentliche Bedeutung, er ist einer jener Faktoren, mit denen die Nation rechnen muß. Und wer den Begriff des Vaterlandes aufgefaßt, auf dem seine Wiege gestanden, wird nicht so leicht dem Gefühle für dasselbe entsagen und die Brust eines Jeden, mag ihL-die Geburt zum Juden oder Nichtjuden geschaffen haben, ist für die Vaterlandsliebe gleich empfänglich. DaS patriotische Gefühl wohnt nicht minder inne in der Brust eines böhmischen Israeliten wie in jeder andern und das glorreiche Königreich Böhmen spricht er wahrlich mit Stolz aus. Darum können die bevorstehenden Wahlen die Israeliten nicht gleichgiltig laffen und es muß ihnen sin gleicher Weise das aus denselben resultirende Wohl für das Vaterland am Herzen liegen. Die böhmische Nation, groß durch ihre Vergangenheit, hat zumal in den letzten Jahren wie selten ein anderes Volk, moralische Zähigkeit und politische Ausdauer bewährt und wahrlich eine solche Nation verdient Bewunderung! Und wer politisch charakterstark ist und um dieFreiheit moral.isch und geistig kämpft, geht nicht mit der Absicht um, einem Andern die schwer erlangte Freiheit zu rauben. Welcher Jude also wirklich vom patriotischen Gefühle beseelt ist, der folge im Interesse der Eintracht, die wie ein Band die verschiedenen Confeffionen umschlingen soll^ im Interesse deS friedlichen Mit- Nebeneinander- und Zusammenlebens mit der böhmischen Bevölkerung, ohne sich, sei selbst Vorgefundene Schriftstücke hcrumtragcn gesehen. Einen ungewohnlichen Eindruck machte cS anf mich, als ich bei diesem Umzug daS Frcudcngcschrci der Frauen und Binder vernahm. daS dem der Araber ganz gleich ist, und welches jedcSmal wie Taubengegirrc endet. Ich fuhr auch »ach Port Said einige Stunden per Dampfer weiter, hier habe ich die große Canalarbciten, die zu deren Behufc errichteten Anstalten und Werkstätten gesehen, die eine riesenhafte Dinicnsio» haben. Der Bcrktbr, so wie der Handel ist französisch, und die Stadt crwcitcrt sich täglich. Am 24. Oktober schiffte ich mich mit einer deutschen Reisegesellschaft in Alczandricn ei». Am 20. deS Morgens sahen wir Jaffa, deS Abends spät langten wir in Laisa iarab. Haifa» an. Hier kehrten wir in dem ruffischcn Hospiec ein, wo wir sehr freundliche Aufnahme fanden, des andern Morgens bestiegen wir den Berg Larmel, auf dcsicn Spitze ein franz. Kloster sich befindet, welches in der Nacht dem Schiffer zugleich als Leuchtthurm dient und als Cap Lanncl bekannt ist. Hier wird der Wundcrplatz des Profeten EliaS gezeigt. Das Carmclgcbirgc zieht sich bis zur Ebene Icsrecl und hat auf dem Rü- «keil ein sehr fruchtbares Plateau. wo man auch mehrere Drusenhccrdcn antrcffcir kann. Des Mittags ritten wir nach Nazareth. Hier gibt es keine Juden, auch sehr wenig Mahuincdancr, die Bevölkerung bekennt sich zu den verschiedenen christlichen Kirchen, daS lateinische Convent ist sehr groß. Die Regenzeit kam plötzlich heran nnd wir mußten bicr verbleiben, denn wenn cS in diesem Lande . regnet, so denkt man der Regen habe kein Ende und der rasche öftere Wechsel von Hitze und Naßkalte, so wie überhaupt daö schlechte Klima wirken sehr schädlich anf die Gesundheit. Wir unternahmen eine» Ausstug in die Gebirge von Galiläa nordwestlich von Nazarcth, hier -von dem Regen wieder überfallen, mußten ivir eine Höhle zu unscrcin Aufenthalte wähle», in der plötzlich vier Mann aus unserer Gesellschaft krank wurden. Die Krankheit wurde bc- -cnklichcr und der aus Nazareth gerufene Arzt war der Ansicht, daß irgend eine ivciterc Neise den Tod schleunigst hcrbciführcn könnte. Bir mußten somit einige Zeit hier bleiben, zwei Reisegefährten lvurden jedoch ein Opfer deS TodeS. Hierauf kehrten wir wieder nach -Nazareth zurück. Nach zwciwöckcntlichcr Erholung ritten wir nach Dabor, welcher Berg in der Ebene ganz isolirt dastcht. Bon Nazareth ab hatten wir öfter Beduinenraubanfälle zu bestehen, unsere Dopprlgewehre und Revolver jedoch verfehlten nicht die Wirkung dm Verfolgern Furcht und Schrecken einzujagen. Bon hier kämm wir nach Tiberias (Tubaria), iuo' wir am See Genezareth unsere Zelte aufschlugcn. Diese Stadt unterscheidet sich im Wesentlichen von allen anderen kleinen Städten Palästinäs nicht, ist jedoch durch den sehr fischreichen Sec in einer vorthcilhaftcn Lage. Die 5000 Seelen zählende Bevölkerung schließt in sich 1000 Juden, den übrigen Thcil Araber, welche erstcrc mehrere Bcthäuser und ChachamS (Rabbiner) besitzen. Bon. Tiberias ritten wir wieder nach Nazareth. Zafeth ließen wir links, um schneller zurückzukommcn, letzterer Ort wird größtentheils nur von ungefähr 2000 Juden bewohnt. Bon Nazareth ritten wird durch die große galiläische Ebene und über das Gebirge bis zum Dorfe Arara, wo wir bei dem Scheck) (Häuptling) freundliche Aufnahme fanden und bis zum Morgen bcwirthct wurden. Des andern TageS kamen wir nach Schwojcschke. Die Einwohner dieses Dorfes sind sehr schlechte Leute und fanatische Mahumedaner. Unser nächstes Ziel war Tajibi, Galgil und Migdal. Hier bewährte der so vornehme Schcch die Gastfreundlichkeit in hohem Maße und wir mußten mit ihm und den Bornehmcn des Dorfes einen Jagdzng auf die Hyänen, Füchse nnd Schakale machen, die hier sehr schädlich sind. Bon säinmtlichcn Gattungen erlegten wir eine beträchtliche Anzahl, ernteten dadurch großes Lob, wir und unser« Waffen wurden eben so bewundert als gefürchtet. Nachdem wir so einen ganzen Tag und noch eine Nacht uns gut thatcn, ritten wir nach NablnS, (das alte Sichcm) in desseil Nähe auch Samaria ist, welches aber keine große Bedeutung hat. NabluS ist bedeutend groß nnd seine Bevölkerung beläuft sich auf 12000 Einwohner. In der Nähe dieser Stadt befindet sich der alte Brunnen des Landes, der JakobSbrunnen. Der Berg Gerizim ist bedeutend steil nnd unfruchtbar. Hier czistirt noch ein altcr Scktcnübcrrest der Cainaritcr, die das Osterlammopfer noch ganz nach alter Sitte feiern. Am 10. Feber kamen wir in Je rus a l c m an. Die Reise war sehr beschwerlich der großen Umwege wegen, die wir in Folge der lang anhaltenden Regengüsse, der angcschwollcncn Flüsse und des schlechten Weges machen mußten, sonst kann man von Nazareth nach NabluS direkt zu Pferde nach vierzehn Stunden, von NabluS nach Jerusalem nach zwölf Stunden gelangen. Die Dorfbewohner sind überall sehr neugierig und laufen den Fremden lauge bettelnd nach, indem sie Backschisch d. h. Trinkgeld verlangen. Unter den wenigen Getreidefeldern (Waizen und Gerste, rrstereS für Brod, letzteres für die Pferde) sah ich auch Tabackpstanzungen, Baumwolle und Wein. Erdäpfel gibt es keine und finden fich in Jaffa und Jerusalem nur ausländische.