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Die Gegenwart · 1869-09-01 · 17 (1.9.1869) · p. Seite 170

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
17 (1.9.1869)
Date
1869-09-01
Page
Seite 170 (sequence 8)
Language
German
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" W "WT"'“ W ■» .'' M«' 170 - dieselbe durch Scenen illustriren und die Art und den Zweck der Wahlen in die Commission besprechen. *** lieber den für das hiesige Oberrabbinat in Aussicht gestellten Herrn Vr. Zacharias Frankl schreibt der „Israelit" Folgendes: Herr Direktor I)r. Frankel ist ein (belehrter, ein Lamdon, aber leider kein fester Charakter. Ein Schüler des Cbatam Sopher" S'V’t nabm dieseu zu (Gunsten eine« Alexandersohn Partei. Ein sich konservativ nennender Rabbiner bctheiligte er sich an der sogen. Rabbinervcrsammlung zu Frankfurt a. M., setzte sich neben Philippso», Holdheim und beiger, um — die Versammlung mit Eklat zu verlassen. In seinen schriftstellerischen Werken herrscht nichts als Zweideutigkeit; über seine Einleitung in die Mischnah entspann sich vor einigen Jahren ein heftiger Streit, weil Herr F. sich nicht herbcilassen wollte, zu erNären, daß er die Tradition als von Gott stammend anerkenne; in andern Werken kommen Sätze vor, die sich von denen Holdheim's und Gcigcr'S nur wenig unterscheiden, so wird daS „VolkSbewusitsein" als höchste Instanz für die Halachah proclamirt; eS wird nämlich behauptet, eine religiöse Institution sei als erloschen zu betrachten, sobald daS BolkSbewusstsein sie abrogirt habe; in andern Stellen hingegen wird wider die Orgel und derartige Reformen heftig opponirt. Dieser Mann nun sieht seit Iß Jahren an der Spitze einer Rabbinerschule; er hat dieselbe derart zu gestalten gewusst, daß die darin gebildeten Rabbincn in den fortgeschrittensten wie in den stabilsten Gemeinden friedlich fungiren können, daß sie in der einen Gemeinde die Orgel und die weitgehendsten Reformen gutheißen und in der andern erklären können, sie würden niemals darein willigen, daß der Aufruf zur Thora mit Namen abgeschafft werde, denn dieses sei im Sohar streng verpönt! *.* Affeknranzgesellschaftkn. Unter dem Titel: Gründet eine Lan de S L eb enSversicherun g S - Bank! Ein Wort an die Volksvertreter Böhmens ist dieser Tage in dem Selbstverläge des Verfassers Herrn Leopold Bondy Lehrer der Handels-Wissenschaften erschienen. In dieser Broschüre werden in lcichtfasslicher Weise das Wesen der Assekuranzgesellschaften, die mit demselben verbundenen Nachtheile geschildert und den Parteien eine umfassende Aufklärung geboten. Die eigentliche Tendenz dieser in yational-ökonomischer Beziehung höchst wichtigen Schrift ist, die Volksvertreter Böhmens auf die Errichtung einer Landes- Lebensversicherungs-Bank anfmerkfain zu machen, für die der Verfasser schlagende Gründe anführt. Für unsere Glaubensgenossen, die so gerne auf dem Altäre der Assekuranzen opfern, hat diese Broschüre einen unschätzbaren Werth. *#* Traunngsakt. Vorige Woche Sonntag fand im israelitischen Tempel eine Trauung statt, bei der, in Abwesenheit des Predigers Herrn Prof. Kämpf, Herr vr. Hoff Prediger der PinkaSsynagogc, dem die Funktion vom Vorstände übergeben ward, den TrauungSakt in eben so würdiger als bescheidener Weise vollzog. Die TrauungSrede, rein objektiv gehalten, machte nicht nur auf das Brautpaar, sondern auch auf die Gäste den erhebendsten Eindruck. V Institntsverlegung. Verflossenen Monat übersiedelte Herr S. Singer Direktor einer Haupt- und Unterrealschule, nach beinahe zwanzigjähriger öffentlicher Wirksamkeit im Lehrfache in Prag, nach Wien, um daselbst, eine Haupt- und Unterrealschule in gleicher Eigenschaft zu eröffnen. Nachdem dieser durch vielseitige Bildung. Kenntnis fremder Sprachen und kaufmännischer Wisienschaften, durch Methode im Unterricht so wie durch die Wahl der Lehrmittel gleich aus« gezeichnete Mann, die erste Lehranstalt, die sich da« OeffentlichkeitSrecht erwarb, durch mehr als zehn Jahre im Zaune hielt und Schüler, fähig zum Aufsteigen in technische Hochschulen und zum Eintritte in öffentliche Aemter und bedeutende Ge - schäfte, au-stellte, gelang eS diesem strebsamen Schulmanne dennoch nicht, seine Bemühungen in Prag mit dem Erfolge j«er zahlreichen Frequenz prager ist. Sinder gekrönt zu setze», wie er ihn verdient und gewünscht hatte. Nicht begünstigt von d«S Glückes Launen, entmuthigt von dem Borurtheile jüdischer Eltern gegen jüdische Lehranstalten, zog er eS vor, nach der Reichsmetropole zu übersiedkln, wo eS diesem Familienvater gelingen möge, sich die in Prag gemachten bittern Erfahrungen durch glänzende Resultate seiner Bestrebungen zu versüßen!___ -*** Stenografie. Herr I. Baum Mitarbeiter dieser Blätter hat sich am 9. und 10, v. M. der Staatsprüfung für Lehramtskandidaten der Stenografie unterzogen, in Folge der er als gewandter Kammerstenograf und Docent der deutschen Stenografie anerkannt wurde. — In Folge des in Nr. 15 dieser Blätter erwähnten Aufrufs, die hebräische Stenografie betreffend, sind von Stcnografiefteunden bei der Redaktion deö Schriftwortes (Berlin Viktoriastr. Nr. 90) bereits 5 Thaler eingelaufcn. Möge dieses Unternehmen auch von Seite unserer Glaubensgenossen hinlänglich Unterstützung finden! Auswärtiges. Pest. Aus dem Neograder Komitat wird geschrieben, daß dort die durch unsere freisinnige Legislation gebrachten liberalen Gesetze nicht nur geschrieben,.sondern bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind, so z. B. waren nicht nur bei den Landtagswahlen Israeliten in das Centralausschuß- und das Konskriptionökomite gewählt, sondern es sind im KomitatS- Schulrath jetzt wieder zwei Israeliten, und zwar vr. Anton Baumgarten und Heinrich Felsenburg, so auch zur AssentirungS Komission zwei Israeliten gewählt. KecSkemet. Von hier erhält „Sz." folgende Mittheilung: Ein ISraelit, dem in einem Civilprozcsie ein Eid aufgetragcn wurde, crkärt sich bereit, denselben abzulegen. Der Gerichtshof beschloß hierauf, daß der Betreffende den Eid „moro judaieo" nach den alten Formen in Gegenwart des Rabbiners im Tempel ablege. Herr F i f ch m a n n Rabbiner der KccSkeineter israelitischen Gemeinde, weigerte sich jedoch, bei der Eidablegung zugegen zu sein, weil er in den Formalitäten desselben eine Verletzung der Gleichberechtigung der Israeliten sah; denn die anderen Konfessionen legen den Eid nicht in der Kirche ab. Aber das KecSkeineter Gericht sah in der Weigerung des Herrn Rabbiners einen Gcsetzbruch, und trug ihm auf, der Eidablegung beizuwohnen, widrigenfalls ihm eine Geldbuße von 50 fl. aufcrlegt würde. Dieser Bescheid wurde auch von den höheren Instanzen bestätigt. ES wäre endlich an der Zeit, das Stück Mittelalter daS noch im Eid morv judaico besteht, abzuschaffen. Berlin. Nach dem vor Kurzem ausgegebenen BolkSzählnngSberichte von 1867'vertheilen sich die Einwohner Berlins auf die Confcssionen folgendermaßen: 630,271 Evangelische 40,022 Katholiken 27.505 Israeliten 1026 Dissidenten, 107 Bekenner anderer Religionen. Hohenems, vr. phil. Simon Steinach Bürgermeister der israelitischen Gemeinde in Hohenems wurde zum Beirath des Landesschülraths für Vorarlberg ernannt. Paris. Hr. vr. Germain See, Mitglied des Oentral- 6on8i8torium, wurde mit großer Majorität, zum Mitglied der medizinischen Akademie, Abtheilung der tnnern Pathologie ernannt. — Hr. Ernst Hedlc Advokat am Hofe zu Paris, wurde zum General-Sekretär der Gcsellschaftdcs Elementarunterrichtes ernannt. Rußland. Man berichtet ans St. Petersburg, den 17. Juli, daß in Lithauen sich ein 6omit6 gebildet hat zur Aus- Wanderung armer jüd. Fami lien nach demKaukasu- und Süden Sibiriens, wo die Regierung ihnen Felder anweisen wird. p Griechenland. Die "Famiglia israelitica* berichtet über den Besuch de« Königs in Korfu. Seine Majestät kam zur Hauptsynagoge; der Tempel war splendid dekorirt, da-Ehor der Fortsetzung in der BeUage

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