Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 16 (15.8.1869)
- Date
- 1869-08-15
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Äijeiljage*. Hr. Hay«a«« ließ daselbst ein weitläufige- und kostspieliges Haus als Asyl für die Witwen der im letzten preußischen Kriege gefallenen Offiziere aufführen. Bei deffen Einweihung waren der König und die Königin und der Kronprinz anwesend. Nach beendigter Zeremonie drückte der König dem Herrn Haymann in sehr schmeichelhaften Worten sein Wohlgefallen für diese edle und patriotische Handlung aus, nahm den großen Danebrog Orden von seiner Brust und überreichte ihn ihm als Zeichen feines besondcrn Wohlwollens. Damaskus, Bon hier wird vom 14. Juli der Augsburger Allgemeinen Zeitung über ein Festmahl zu Ehren Nasch id-Pascha'S berichtet: Gegen Ende des verflossenen Monats ist der Grneralgouverncur von Syrien, Raschid-Pascha, in Urlaub nach Konstantinopel abgcgangen, und hat während seiner Abwesenheit den Oberbefehlshaber dcö Heeres, Mohamed Pascha mit der Führung der Geschäfte beauftragt. Vor seiner Abreise hat die hiesige Bevölkerung ihm einen Beweis der Anerkennung für seine dreijährige Leitung der hiesigen Regierungsgeschäfte gegeben, indem sie ihm zu Ehren in einem Garten ein Banket veranstaltete, wozu sämmtlichc Notablen der Stadt, die Eonsuln von Frankreich, ^stcrcich, Persien und Rußland, die Chefs aller RcligionSgcnosscnschaftcn ohne Unterschied, der SeraSkier und sein ganzer Generalstab, sowie sämmtliche höhere Beamte der Verwaltung eingeladcn waren. Die Zöglinge der Schulen aller Eultc brachten ihm eine Serenade, und beim Festmahl folgte Toast aus Toast. Eine außerordentliche Illumination, Feuerwerk und Militärmusik verherrlichten den Abend. BemcrkenSwerth war, daß die UlcmaS, der griechische und der römisch-katholische Patriarch, ver Großrabbiner, diese unter sich so heterogenen Elemente, hier friedlich an einer und der derselben Tafel nebeneinander saßen — eine wahrhaft beispiellose Erscheinung in einer so fanatischen Stadt wie Damaskus. Die Kosten de« Bankctü wurden von Mohammedanern. Christen und Israeliten vereint getragen, und während der ganzen Feier herrschte die vollkommenste Ordnnng. Vom Güchertische Der Talmud von Emanuel Deutsch. Bibliothekar am Britischen Museum in London, Mitglied der K Asiatischen Gesellschaft, der deutschen Morgcnländischen Gesellschaft, der Royal Society of Literature n. s. w. Aus der siebenten englischen Auflage ins Deutsche übertragen. Berlin, Ferdinand Dümmlcrs Buchhandlung (Harrwitz und Goßmaun) 1869. Es gereicht Rezensenten — bemerkt ein geistvoller Schriftsteller, — sie mögen nun Bücher, Menschen oder Verhältnisse beurtheilen, zum größten Ruhme, wenn sie wie die Spartaner leben nur Kupfergeld besitzen und schwarze Suppen essen; denn wer Vertrauen braucht, erhält es nur, wenn er sonst nichts braucht und nur wer die Menschen entbehren gelehrt darf sie belehren.Aber schreiben Dürfen die Rezensenten nicht wie die Spartaner. Sie sind Richter, sie müßen also freisprechrnd oder verdammend ihre EntschuldignngSgründe angeben und das klar und verständlich. Thun sie dieses nicht, begnügen sic sich zu sagen: das ist gut. daS ist schlecht — so kann ihnen jeder Leser mit Recht bemerken: daS weiß ich ohnedies, das sagt mir mein Gefühl; du aber sollst mir mein Gefühl deutlich machen und mir erklären, warum dieses gut, warum dieses schlecht sei. Auf das oben genannte Buch lassen sich diese Worte des Kritikers nicht anwenden, denn wer auch nur die ersten Seiten des deutschen SchriftchenS gelesen, wird nicht erst darüber nachgrüdeln: w a S wohl die eigentlichen Schönheiten und packenden.Wahrheiten in demselben seien, sondern begeistert ausrufein daist ei» Buch, wie es im Zeittaum eines Jahrzehnts kaum geschrieben wird! Diesekaum 5 Druckbogen umfassende Werkchcn machte in England, wo doch wahrljch der literarische Markt ebenso überschwemmt ist von einer Massenproduktion wie bei uns in Deutschland daS unaeheuerkte Aufseben ES erfüllen zuerst als Vierte»- jahrSschrift der Hochkirchcn- und Torypartci, der „Ouarterly Rewiew." Sogleich Machten alle maßgebenden Zeitungen, literarische ebensowohl wie politische und sachwisscnschaftlichc Zeitungen, auf tue Wichtigkeit dieses Phänomens aufmerksam mld Monate hindurch gehörte es zum doo wu der gebildeten Welt Englands den Talmud des Hrn. Deutsch zu lesen und in allen vornehmen Salons konnte man eine geraume Zeit lang die Frage vernehmen: „What is the Talmud?“ das Interesse für sic wurde zur Mode und vom Oktober 1*67 bis November 1868 hatte sic acht Auflagen erlebt. Sic wurde alsbald in fast alle lebenden Sprachen, selbst ins Isländische und Indische übersetzt. Eine Schrift, die die Reise um die Welt macht, die bei der heutigen kolossalen literarischen Produktion bas lebhafteste Interesse der ganzen gebildeten Welt wach ruft, muß solch eminente Vorzüge und Eigenschaften besitzen, daß wir aus deren kurze und gedrungene Aufzählung eingchen müssen, uud wir glauben hiedurch unseren geehrten Lesern einen Gefallen zu erweisen. Daö Geheimniß dieses außerordentlichen Erfolges müssen wir in dem Umstande suchen, daß der Talmud dem gebildeten und auch dem g e l c h r t e n christlichen Publikum eine völlige terra incognita ist. Wohl spricht man sehr oft vom Talmud, von talmndischcm Scharfsinn, von einzelnen FaktiS des Talmuds — aber wir müssen Herrn Deutsch durchaus Recht geben, wenn er behauptet, daß nie ein Buch allgemeiner eitirt und zugleich allgemeiner vernachlässigt worden. Gern mögen wir eS Heine verzeihen, wenn wir die phantastisch-gemüthvolle Schilderung des Talmuds in seinem Romanzero lesen, daß er den Gegenstand dieser Schilderung, gleich den Zöglingen des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau, wohl nie mit leibhaftigen Augen gesehen. Gleich Schiller, der sein Lebelang vergebens nach einem einzigen Blick auf die Alpen geschmachtet, und doch daS glänzendste und treueste Gemälde jener Bcrgwclt hinterlassen, so ahnte jener mit des Porten göttlichen Instinct die Wahrheit aus wahren und selbst falschen Mittheilnngen heraus. Wohl aber möchten wir die Frage stellen wie viele jener allerwärtö zerstreuten gelehrten Eitate wirklich den talmudischen Quellen selber entfließen? Allzuoft leider und allzu handgreiflich sind es eben — um unS Simsons landwirthschaftlichcn Gleichnisses zu bedienen— jene langverjährtcn und abgearbcitetcn Kälber, die „Tela iguea Satanae“, die „Abgezogenen Schlangcnbälgcr, und all ihr gifliges Gelichter, die auf's Reue von manchem unserer Gelehrten an den Pflug geschleppt werden. „Unserer Gelehrten" sagen wir, denn das Publikum betreffend, so zweifeln wir keinen Augenblick daran, daß, wie oft auch das Wort in diesen Tagen genannt werde, es doch keine geringe Zahl von Leuten gicbt. die noch immer der Ansicht jenes gelehrten Kapuziners, HcnrieuS Synensi«, leben r — der Talmud sei nicht ein Buch, sondern ein Mann. Ut narrat rabbinus Talmud“ „Wie der Rabbiner Talmud erzählt" ruft er aus, und bekräftigt solchergestalt triumphirend sein Argument. Worin liegt nun hauptsächlich das Verdienst unseres gelehrten Freundes, des Hrn. De. Emanuel Deutsch? Nun er hat sich einer glänzenden, populären Sprache in einem Stil, der in seiner klassischen Einfachheit und seinem wehmüthig-lyrischem Hauche an die Sprache eines Makaulay, Ranke und Schlosser erinnert, uns erzählt, daß der Talmund ein grandioses, Staunen erregendes Denkmal einegenialen Voltes sei, daß in diesem monumentalen Riesenwerke die tausendjährige Geistesarbeit, eine Eivilisation, die sich dreist mit der dealten Hella- und demodernen phtlosophischen Deutschlands messen kann, enthalten sei; er hat dem Ehristenthume plötzlich eine ganz neue Welt, voll der kühnsten Ideen, der erhabensten Poesie, des kühustm r mti e 11