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Die Gegenwart · 1869-08-15 · 16 (15.8.1869) · p. Seite 160

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
16 (15.8.1869)
Date
1869-08-15
Page
Seite 160 (sequence 8)
Language
German
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160 t philosophischen Enthüllungtn gezeigt, — kurz er hat, ein neuer Kolumbus, ein prachtvolles, hochwichtiges Land der Kunst und Wissenschaft entdeckt, ein Land das wohl noch Tausende von Menschen mit seinen erfrischenden Bächen, seinen duftigen Früchten, seiner zauberischen romantischen Urwelt erquicken und erlaben wird!— -Wer nach tieferer ernster Vctt .*rc schmachtet, wer von tor rauhe» Wirtlichkeit und der Mühs ckgkeit des Lebens abgcstoßen und ermattet, jahrelang Erholung jucht, oder wer noch in seiner Brust den Stachel des Judenhasses empfindet— der gehe hin und lese das Buch des Hrn. Deutsch; und sicherlich wird er sich gclräftigt und erfrischt fühlen von diesen goldenen Gedankcnfrnchtcn, die Herr Deutsch in den silbernen Schaalcn seines prachtvollen Stiles ihm darrcicht. Breslau im August 180» Adolf Äohnt. „ Stimmen vom Jordan und Enp hrat. Ein Buch für'S Haus.' Bon I)r. Michael Sachs. 2 Bände (1. Band in zwei-. tcr Auflage) 18(58. Berlin Louis Gcrschcl Verlagsbuchhandlung. Wenn cs je einen Mann gegeben hatte, der bei der Vollendung moralischer Vorzüge und Bereinigung aller jener Tugenden, die den Menschen zieren, alle geistigen Fähigkeiten in sich konccntrirt hatte, so war es gewiß M ichael Sachs, groß durch seinen Eharatter, vollendet in seiner rhetorischen Kraft und ein Ideal in dem Reiche der Phantasie. So wie der dem Judenthume ewig Fortlebcndc, den Juden selbst Unvergessliche, Meister der Homiletik war, in nicht minderem Grade war er Poet, der durch Wärme des Gefühls, Schwung der Ideen und Geist der Sprache sich ausgezeichnet hat. Um seine Gedichte, vorzüglich aber den Eharaktcr des Dichters zu bcurthcilcn, die sich größtcntheilS den Zweck der Belehrung, die Veredlung der Gefühle zur , Aufgabe machen, ohne der Phantasie und dem poetischen i Geschmackc Abbruch zu thnn, genügt, die Worte des gcist- | reichen Professor Dr. Lazarus anzuführen, der als Freund , des Verewigten die Herausgabe des zweiten Bandes be-! sorgte und sich in dem Vorworte desselben folgender Maj ßcn ans spricht: „Wehmüthig freudige Erinnerungen knüpfen , meine Theilnahme an diese Dichtungen; in gewissem Sinne i bin ich ihr allster Freund. Mehr als zehn Jahre sind'S,! daß ich das «'»stück hatte mit dem Vcrllärten am gleichen j Badeorte zu verweilen. Fern von dem an Pflichten und | Störungen überreichen Amte, lonnte er dort der poetischen J Muße und dem Verkehr mit Freunden sich hingebcn, wie es daheim beiden selten gegönnt war. Stunden, Tage, Wo- I chen durften wir dem Gedankenaustausch leben, der an Reich-! thum und an Innigkeit sich steigern konnte, wie nie zuvor. I Das Leben überrascht uns zuweilen mit der beglückenden Lehre, daß cs neben dem Genie der En deckung des Wissens und der Sinnst auch ein Genie der Persönlichkeit gibt; ein solches war M i ch a c l Sach s. Wie oft im Aufblitzcn des Gedankens, im Aufflammen der Rede konnte man dessen ein Zeugniß erleben. Damals schon hat er mir von den Blättern, manche ganz, manche halb vollendet mitgetheilt; andere tragen das Zeichen, daß sic in jenen glücklichen Tagen entworfen wurden. Damals auch wurde mir in seinem Leben klar, was Manchem ein Räthfcl geblieben, der ihn nur in der Arbeit Drang und unter der Pflichten Last gesehen. Ja, er war ein Räthscl für Viele; daS ist unleugbar. Um so größer schien das Räthscl, da Niemand leugnen kann, daß er eine offene freie Natur gewesen. Verborgen war er Niemand, aber vielen unverständlich. Zwar um den Gelehrten. den poetischen Ucbcrsetzcr, um den Redner ist niemals Streit gewesen. Unbestritten und kaum bedingt war daS Lob seiner Arbeit; daß er nur wenig von dem, was er gewollt und was er vermocht, auch wirklich geschaffen hat, werden seine Gegner sowohl, wie seine Freunde beklagen. Unbegreiflich aber schien eS, daß ein Mann, heimisch im Geiste de« elastischen AlterthumS, auf der Höhe humanistischer Bildung der Zeit, vertraut mit der Entwickelung der Philosophie, — so abschließend sich verhalten konnte gegen alle Forderungen der Gegenwart in Bezug auf daS Judenthum selbst und seine Lebensformen. Kleine Beweggründe, AmtSrückfichten, Pastoralklugheit lagen ihm fern; fir hatten kein^ Stätte in seinem edlen Gemüth. Auch waren ihm philosophische Gedanken nicht ein todteS Material; in seinem Denkcn war Leben, und sein Leben war voller Gedanken. WaS ihn hob und was ihn hemmte, war aus gleicher Quelle: er war ein Dichter. Er sah alle Dinge deö Lebens und die religiösen zumal nur von poetischem Schimmer umflossen. Nicht daß er wie rin poetischer K ü n st l e r die realen Dinge nur mit diesem Schimmer umgeben hätte; nein! er sah sie nicht anders, er war eine poetische Natur." — Ein besseres Urtheil über den fühlenden und denkenden Dichter Sachs kann nicht gefunden werden und wir sehen ein, daß; eine Größe die Größe einer Größe nur ermessen kann,, da- ' rum ist cs nicht nöthig, sich in eine speeiette Kritik einzulassen, weil, sobald man des Dichters Stimmen gelesen, von dem Glauben hingerissen wird, sie klängen herüber vom Jordan und Euphrat. So wie Sachs Predigten, die zu besprechen wir unö Vorbehalten, das Vollkommenste in der poetischen Prosa sind, so sind seine Gedichte der edelste Ausfluß seiner Phantasie. Wir empfehlen dieses Werk einem jeden Hause, das nur zur Veredlung in der Erziehung beitragen kann. Ij. Bibliothek jüdischer Kanzclredner. Eine chronologische Sammlung der Predigten, Biogravhieen nnd Eharakteristikcn. Für Rabbiner, Prediger und Lehrer nnd als ErbauungSbnch für die Familie hcranSgcgeben von l)r. M. Kahserling Rabbiner. Nebst einer homiletischen Beilage 1. Jahrgang 1. Heft Berlin 1860 Verlag von Julius «Springer. Bei dem großen Uebcrflnße an homileiischen Schriften, die thcilö als Erstlingsfrüchte junger Kanzelredner das Licht der Welt erblickten, theils nach einer gewissen Schablone gearbeitet sind, ans der man die Richtung oder Schule erkennt. die der junge Kanzelheld zum Vorbilde nimmt,-ist es allerdings für,den Theologen oft eine schwierige Aufgabe ans solchen Quellen, die mitunter trübe sind, zu schöpfen und von den Erstlingsblüthen den Blühtenstanb zu sammeln; damit sei keineswegs gesagt, daß daS homiletische GeisteSprodnckt eines jeden jungen Kanzclrcdnerö zu verwerfen ist; jedoch so viel, daß dem Anfänger seichte oder solche Arbeiten, die der verdorbene Abklatsch einer oder der andern Mcisterprcdig. sind, in der Entwicklung der Phantasie, der Entfaltung selbstgeschaffener Gedanken ja in der Sprache selbst hemmend entgegen wirken. Solchen Schwierigkeiten nnd häufig rathlosem Hernmirren, weicher Redner zum Vorbilde zu nehmen sei, wußte Herr Or. Kahserling durch eine homiletische Blumenlcse abzuhelfcn, in welcher er Predigten, Biographien und Charakteristiken der bedeutenderen und bedeutendsten Prediger vorführt, ans denen der künftige Kanzclredner sehr vieles schöpfen kann, was ihn vor Einseitigkeit rettet. DaS vorliegende Buch enthält charakteristische Zeichnungen von Israel Jacobsohn, Karl Siegfried Günsburg, Jfaae Lcvin Auerbach, Zunz, Kleh , nnd Immanuel Wolf oder Wohlmittcl: von den Predigten heben wir hervor von Auerbach eine den religiösen Zustand Israels betreffende, von Zunz zwei gediegene Predigten: „Schmerz über das Geliebte" und „das Reich GotteS" so lvie eine Traurcdc, von Kley: „der Berg des Herrn" „der ewige Gottesdienst der Israeliten. In eine Kritik dieser Predigten einzugehen, gestattet unS vorerst der Raum nicht und sprechen die Namen der Vorgenannten für sich genügend so viel, daß jeder Tadel ungerecht wäre4 Dem- Fortsetzung in der Beilage

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