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Die Gegenwart · 1869-08-15 · 16 (15.8.1869) · p. Seite 158

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
16 (15.8.1869)
Date
1869-08-15
Page
Seite 158 (sequence 6)
Language
German
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fallherrscht hier im gesetzestreuen Israel Jabel und der Empfang, der dem gefeierten Hildesheimer bereitet wird, dürfte sich großartig gestalten.. '_Locales.- *7* Vom (Mremium der hiesigen Buchdruckereien wurde in der Plenarversammlung am 0. d. M. der Buchdruckcrcibcsitzcr Herr Ignaz Fuchs zum Vorsteher gewählt. *** Die Renovirung der großen Hofsynagoge so wie der Bau eines neuen Portals und StiegcnaufgangS derselben gehen rasch vor sich, so daß zu den bevorstehenden ftcujahrSfesttagcn in dieser Synagoge der Gottesdienst wieder beginnen dürste. Der Vorstand gibt sich mit der Bauinspcktion sehr fleißig ab und hat gleich bei Beginn des Baues die Verfügung getroffen, denselben am Sabbath nicht vorzunchmcn zu lassen, sich somit nicht dem Religion-- und BerwaltungSvorstande in der Synagoge für geregelten Gottesdienst an zuschlicßcn. Nachdem nun der Vorstand der großen Hossynagogc für die Verschönerung des Gotteshauses eine rührige Thätigkcit entfaltet, so sei cS auch seine Aufgabe, dahin zn wirken, im Innern zu organisireu, die mit der Instandhaltung der Synagoge Betrauten zu Reinlichhaltung derselben und der kostbaren Ornamente anzuhalten, überhaupt eine gewisse DiSciplin herzustcllcn. Der dreigliedrige Vorstand scheint aber gerne Rücksicht zu üben und, sich, wenn cS sich um Behauptung seines Rechtes handelt, cinschüchtern zü lassen. *** Herr Rabbiner Ig. W. Bat beabsichtigt die Herausgabe der 2. Lieferung seiner TraunngSredcn, Postille für jüdische Familien. Diese wird so wie die erste ans der Buchdrnckerei von Senders und Brandcis hcrvorgchcn. *** Seit einiger $eit genießt man das Privatvergnügen an ösfrntlichcn Pläpcn, namentlich in RestaurationSlokalen Dinge zn hören, die nufere Glaubensgenossen unangenehm berühren. Den.Impuls zu solchen künstlerischen Extempores gibt ein in gewissen Kreisen unter dem Namen Fritzl bekanntes Subjekt, das sich vom Schriftsetzerlchr ling, zum Thcatcrhabitne niedrigsten Ranges hinaufgcwirbclt hat und durch alten Weibcrklatsch in Komödiantenblättchcn sich bemerkbar macht. Derselbe Fritzl seiner Arroganz wegen, zu ösiern Malen gezüchtigt, macht sehr oft Verdruß in den verschiedensten Kreisen, in die er unter dem Vorwände, journalistische Wunder zu wirken, sich das Entree erschleicht. Wir sind bereit, diesem jugendlichen Thcatcrdiener ans dessen Verlangen, die Adresse eines reuommirten Erzichungshauses anzugebc», in welchem crstercn Anstand und SchicklichkeitSgefühl bcigcbracht werden dürften. Auswärtiges. Wir«. Den 0. d. M. um die Mittagsstniidc fand im israelitischen Tempel in der Scitenstettengasse die Trauung des Fräuleins Elise v. S ich r o vSki mit dein Professor der Philologie an der hiesigen Universität Herrn Dr. Tycodor Gompcrz statt. Schon lange vor Beginn der feierlichen Ecrcmonie haue sich der Tempel mit Andächtigen gefüllt, unter welchen inan die Veitreter der hervorragendsten Bankhäuser der Residenz gewahrte. Auch beinerkie man viele höhere Stabsoffizire und Repräsentanten der Diplomatie. Dr. Gi Skra wohnte der Feierlichkeit bis zum Schluffe bei. — Den 9. d. M. fand in der Lcopoldstadt ein Uebcrtrittt zum Iudenthum statt. Der Goldarbeitergchilfe Stecher, ciu Katholik, hat als Korporal die schöne Tochter des jüdischen HausirerS Stcinitz kennen gelernt und schloß mit ihr ein intime- Berhülniß. Da der Vater des Mädchens durchaus nicht cinwilligen wollte, daß feine Tochter zum Katholizismus übertrete, gab nun Stecher nach und unterzog sich vorgestern jener Operation^ die der jüdische RitnS erfordert. —Professor Dr. Zeißl wurde zum Primarius auf der 2. Abtheilung für siphilitjsche Krankheiten im k. k. allgemeinen Krankenhause ernannt' Wai-en, 6. August. Bon hier schreibt man dem „ft. F. kl.": In der Nacht vom 4. auf den 5. d. M. brach hier in dem Hause dehiesigen israelitischen Burgers Samuel Steiner Feuer aus, in einem Lokal, welches nicht affckurirt war und nur beim Tage benützt wurde. DaS Feuer nahm große Dimensionen an und nachdem die zur Hilfe Hcrbeigeeilten die geretteten Gegenstände so behandelten, daß sie diese ganz unbrauchbar machten, bat die Frau des Steiner, lieber die Gegenstände in Rauch aufgeh'n zu lassen, als dieselben unbrauchbar zu. machen. Daraus hin schleppte der hiesige Stadtnotär mit Hilfe einiger Bauern das arme Geschöpf unter den größten Mißhandlungen zur nächsten Nähe der Brandstätte. „Wo die Noch am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten?' Zum Glück nahmen einige verständige Herren die in Ohnmacht gefallene Frau in Schutz, und nur der größten Mühe und Energie dieser Herren ist es zu verdanken, daß die Frau vom nahen Feuertode gerettet werden konnte. (?) Aber das Schauspiel war noch nicht beendet. Kaum verließ die große Volksmenge die Brandstätte, als der intelligente Herr Notär den S. Steiner und seine Gemalin — in den Arrest mittelst starker Eskorte wie gemeine Verbrecher transportirtc. Die Beschädigten haben gegen den Herrn Notär Regele Karo ly einen Prozeß bereits angestrengt. Triest. Am 7. Juli starb nach langem Leiden der ausgezeichnete Schrifsteller und berühmte Advokat l)r. Josef ConSolo in einem Alter von 75 Jahren. Er war Mitglied des venenezianischen Athenäums und anderer berühmten Akademien; er veröffentlichte mehrere interessante Schriften, darunter einige über Abschaffung der Wuchcrgcsetze. Er war auch ans Uibcrzcugung religiös, allgemein sehr geachtet und wurde vor einigen Jahren mit dem Franz.Josef Orden ausgezeichnet. (—) Sr. apostol. Majestät Kaiser Franz Josef I. geruhte huldvollst e i n Exemplar der hebräischen Uibersetzung von Dante’s “La commedia divina“ des in der hebräischen Literatur so ausgezeichneten Ritter I)r. Formiggini anzunehmen. — (Was wird der Verfasser des Artikels „ebräische Nöthen" in den freien pädagogischen Blättern dazu sagen, wenn er sich von seiner crasscn Unwissenheit sowohl in Hinder Bildsamkeit der ebräisch. Sprache als auch ihrer Literatur im Altcrthume und Mittelalter, neuerer und neuester Zeit überzeugt, und nun sieht, dass man die berühmten Werke eines Dante eines Göthe (Faust,) eines Lessingö (Nathan der Weise) eines Ra ei ne'S (Athalie und Ester) u. s. w. mit solcher Meisterschaft übertragen, ja sogar Zeitschriften in dieser Sprache herauSgcbcn kann?) G.L. Baden. Hr. Hcrrman Lewi, ein junger Mann von 29 Jahren, Musikdirektor am großhcrzoglichcu Hofe erhielt vom Großhcrzogthnm einen kostbaren Brillanten Ring und den herzoglichen Orden. Strahbnrg. Hier wurde Hr. Dr. Alfred Terqncm mittelst Dekret vom 20. Juni zum Professor der Physik an der llnivcrsität ernannt. Paris. Frau Baronin James von Rothschild und ihre Söhne die Baronen A l p h o n s, G u st a v und Edmund haben 24000 Francs nach Memel zur Unterstützung der Auswanderung . der Israeliten aus Rußland, außer den früheren schon geschickten 10000 Francs gesendet: London. DaS Sunday Magazine gibt daS statistische Verhältnis zwischen den Christen und Israeliten der verschiedenen Länder in folgenden Zahlen an r In Belgien 1 Israelit auf 3000; in Griechenland 1 auf 900; in Frankreich 1 auf 500; in Preußen l ans 90; in England und Italien 1 auf 700; in Holland 1 auf 52; in der Türkei 1 auf 53; in Astereich und Hamburg 1 auf 32; in Algier und ftordafrika 1 auf 10; in Frankfurt 1 auf 17; in Amsterdam 1 auf 12; in Warschau 1 auf 3; in Jerusalem ] 1 auf 2.

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