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Die Gegenwart · 1869-08-15 · 16 (15.8.1869) · p. Seite 157

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
16 (15.8.1869)
Date
1869-08-15
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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m ' 'W, V.-'V» —- 157 — Die Juden sind hier zahlreich verttetrn, sie haben ein außerordentlich starkes Contingent gestellt; man kann sie in 3 Klaffen theilen:,in solche, die man als Juden erkennt 2. in Juden, die man nicht als solche erkennt und 3. in solche, die sich nicht als Juden wollen erkennen lassen. Doch haltet mir -die Juden in Ehren! Wenn inan veim Triinen an Essen, bei Hitze an Kälte denkt, ist cS ganz in der Ordnung; die hiesigen jüd. Kurgäste machten jedoch eine rühmliche Ausnahme und dachten während des Trinkens bei tropischer Hitze an russischen Hunger. Eö hat sich nämlich ans den Notschrei der hierher gelangte, ein Eomitc gebildet und eine Sammlung veranstaltet, deren Ergebniß in den ersten 8 Tagen UX10 fl. sage Ein Tausend Gulden war. Nicht wenig zu diesem schönen Resultate hat die Predigt, die Hr. vr. Kohn LandeSrabbincr in Schwerin vorigen Samstag hielt, dazu bcigctragen. ES war aber auch eine glanzvolle Predigt, die durch den schönen herrlichen, Bortrag ihren tiefen Eindruck auf die Herzen der aufmerksamen Zuhörer nicht verfehlte. Der hiesige Tempel ist für die große Anzahl Juden, die sich hier alljährlich einfinden, viel zu klein und zu unansehnlich; er sollte, größer und ehrfurchtgebictender, der Gottesdienst ordnungsmäßiger solenner sein. Auch die Kanzel sollte öfter betreten und von ihr herab daS Wort GotteS verkündet werden. Eine Kanzel in einem Kurorte ist ein kleiner Sinai, um den herum nicht blos die Mitglieder einer einzelnen Gemeinde, sondern viele Gemeinden sich sammeln, ein Gesammt-Jsracl vertreten ist. Sch. M. Weißkirchen 8. August (0.- K.) Der 29. Juli war für unsere Gemeinde ein wahrer. Freudentag, der eben durch die Ankunft unseres neu ernannten Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn vr. Deutsch eine erhöhte Bedeutung erhielt. Seine Ankunft glich einem wahren Triumphznge, an dem sich der geehrte Vorstand, das Lehrcrpersonalc und die Schuljugend betheiligte. Am Bahnhöfe angelangt, wurde Herr vr. Deutsch von den verschiedensten Körperschaften und Honoratioren erwartet, die sich dann zu Wagen auf den Hauptplatz begaben, wo ein Baldachin sich befand, zu dessen Seiten die Schuljugend unter Leitung ihrer Lehrer Spalier machte. Der Gefeierte trat unter den Baldachin, ein Mädchen trug ein passendes Gedicht vor und der.Oberlehrer Herr I.- Stix hielt eine der Empfangsfeier entsprechende Ansprache, die Herr vr. Deutsch in freundlichster Weise erwiederte. Hierauf bewegte sich der Zug durch einen vor dem Tempelhof mit Reisig und Blumen geschmückten mit passenden hebräischen Inschriften versehenen, errichteten Triumpfbogen, in den hcllcrleuchteten Tempel, der in allen seinen Räumlichkeiten dicht gefüllt war. Unter den Anwesenden bemerkte man den Herrn k. k. Bezirkkhauptmann mit dem Amtspersonale, den Herrn k. k. Generalmajor und das OffizicrkorpS aus der hiesigen Militärakademie, den, Bürgermeister mit dem Gemeinderathe der Stadt. Unter feierlicher Stille betrat Herr :> abbiner Vr. Deutsch die Kanzel, und hielt eine gcist- und schwungvolle Antrittsrede, die auf die Gemüther der Anwesenden einen ungewöhnlichen Eindruck übte. Nach Beendigung dieser Kanzelrede wurde der Redner vom Herrn k. k. Bezirkshauptmann in kurzen aber warmen Worten angesprochen, und unter Anderem des guten Rufes gedacht, der dem neuen Rabbiner voranging. Abends wurde demselben ein Fackelzug unter Borantritt der hiesigen Musikkapelle gebracht. Den folgenden Sabbath hielt Herr vr. Deutsch eine Predigt, welche die Sehnsucht der hiesigen Gemeindemitglieder nach einer gediegenen Kanzclrede, vollkommen stillte und zur Erwartung berechtigt, daß die Gemeinde in Herrn vr: Deutsch eine überaus glückliche Acquisition gemacht hat. Wien 11. August (0.- K.) Ihre Leser dürften, wie sie aus diesen Blättern er- /ähren, wohl wiffen, daß der hiesige Magistrat, bei Gelegenheit des BeschneidungSrenitenzfalleS, in Sachen der GeburtSmatrikcl, seine Competenz überschritten, und die hiesige Israeliten-Vertretung, gegen den magistratlichcn Erlaß bei der k. k. Statthaltcrci Einsprache erhob. Letztere hat nun, wie ich Jhnrn mit B> s»iii'»ithkrt-N,itthsili>,i fnntty -ftrr—hrar treffendc Entscheidung des Magistrates annullirt und dagegen erkannt, daß die Seelsorge der KnltuSgcmcindc nicht verpstichket ist, die Namen solcher Kinder in die GeburtSmatrikcl cinzutragen, welche sic nicht als ihr ungehörig erkennt, obgleich ihr deren Führung von der Regierung auf» getragen wurde. Herr Eckstein, so nennt sich der Bater jenes Kindes, daS einer Beschncidung nicht unterzogen werden soll, will, wie ich höre, den Rekurs an daS k. k. Ministerium des Innern einbringen; dem Magistrat wurde jedoch die Weisung rrthcilt, als politische Behörde erster Instanz für die Sicherstellung und Evidenzhaltung der Geburt dcö genannten Kindes in anderer Weise Sorge zu tragen, wenn die Entscheidung der Statthaltcrci rechtskräftig geworden fein wird. Der Bürgermeister hat sich anlässlich dieses Borkommniffeö an das h. k. k. Ministerium deS Innern um die prineipielle Entscheidung gewendet, in welcher Weise- oder in welchem Matrikel der Name dieses Kindes in Evidenz gehalten werden soll. Der hiesigen israel. Vertretung muß zugcstanden werden, daß sic mit seltener Energie diese brennende Frage der Beschncidung verfolgt und auch zur cndgiltigcn, dem traditionellen Judcnthume entsprechenden Lösung bringen werde. Berlin l l.^lngnst 18» 59. (().- K.) Hildesheimer ante portal so ertönt der Ruf ron allen Seiten und das begonnene Wert scheint mit dem Entschlüsse, dieses gelehrten und gottcSfürchtigen Mannes, hichcr zu kommen, gekrönt zu sein. Ich will Ihnen nun im Kurzen mitthcilcn, waS einige ehrliche Männer, die an daS traditionelle Jndcnthnm festhaltcn, bewogen hat, diesen edlen Mann von seinem bisherigen Posten, wo er zum Nutzen seiner Gemeinde, zur Verherrlichung des JudenthnmS gewirkt, abzubcrufen. Die Gemeinde in Berlin geht in religiöser ^urd uwralischer Bezichumz dem Verfalle entgegen. Aub ein oberflächlicher Mann, der, nicht ans Ueberzcugung vielmehr aus Spekulation Reformer ist und Eckenstcherdienste Philipsohn und Geiger leistet, hat wesentlich zur Zerrüttung unserer Gcmcindcvcrhältnisse bcigctragen: Bor einiger Zeit endlich haben sich einige Gemcindcmitglicdcr aufgcrafft, um dem sichern Tode zu entgehen und beschlossen, eine eigene ReligionSgcmeinde (Adath Jisroel) zu gründen, und Herrn Vr. Hildesheimer, als den einzig geeigneten Mann zum Aufbaue eines so edlen Werkes, das Rabbinat zu übertragen. Seine Aufgabe zu erfüllen, wird bei seiner großen jüdischen und profanen Gelehrsamkeit ein Leichtes sein und seine Eharakterftürlc und llncigennützigkeit werden Bresche schließen in die schwache Phalanx .des RcformcrtriumviratS. Aber mit einer zweiten Arocit wird er betraut werden und zwar auch mit der Organisirnng des Beth Hamidrasch. wozu Hildesheimer, um nach seiner von ihm gegründeten und außerordentlich gepflegten Rabbinatüschulc in Eiscnstadt zu schließen, das Zeugs in sich hat. Hauptsächlich hat sich um die Acquisition dieses wackern GottcSmanneS der Vorstand und Achtzchncrauöschuß dcö Beth-Hamidrasch daS Verdienst erworben und wird erst die Früchte seiner Bemühungen reifen sehen. Man gibt sich hier allgemein der Hoffnung hin, daß Hildesheimer durch die bezaubernde Kraft seiner GesetzeStreuc, durch die eiserne Eonscqucnz, vom Lager jenseits des Aub viele, in den gesctzeStreuen Rayon hinüberziehen werde. Da man diese Ucberläuse befürchtet, so geht man von jener Seite mit dem Gedanken um, dem Reformspieler Aub einen Geiger zur Seite zu geben. Aber Bange machen Hilst nichts und Hildesheimer besitzt die Kraft und dm Math seinen Kamps allein auszukämpsrn. Irden«

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