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Die Gegenwart · 1869-08-15 · 16 (15.8.1869) · p. Seite 156

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
16 (15.8.1869)
Date
1869-08-15
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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i.- > '!» WJH l >.M herhalten; denn bei ihnen ist auch der Grundsatz nicht mehr fern, daß der Zweck die Mittel heilige. Sic wühlen, wollen ausroden und umhauen, gleich jenen europäischen Gärtnern zu Gr. Kairo,— jedoch ohne es wissen zu wollen, dass sie zu einem solchen Amte »nberusen seien — um den Garten der jüdischen Religion nach Lust und Geschmack vieler Rci« chen zu umschasicn, um sich letztere für das ihnen aesckaffene unumschränkte lhicrischc ätfotjllcbfit zu Dank rju vrr-- pstichlcn. l'ni exen>i»Ie wollen wir einige charakicrislische Daten notircn, die als Belege für das hier Gesagte dienen mögen: Der Herr Krcisrabbiner x. wild bei seiner ZnspcktionS -rcsp. BcttclinönchSrcisc befragt: „Herr Doktor, darf ich das oder jenes »hun, was der mosaischen Religion zuwiderläuft?" Wen» sic nicht gefragt und gcthan hätten, könnte cS nicht nngeschchcn gemacht werden," ist die ganz logische Antwort des Herrn Doktor. Ein gewisser Kapitalbesitzer im Saazer Kreise wünscht an Samstagen das Gotteshaus zu besuchen. Richt etwa aus Religiosität, behüte der Himmel! bloß um seine Eitelkeit und Prunksucht zu befriedigen. Der Herr Krösus möchl' aber nicht gern seine gcweihctcn Glieder mit dem profanen Boden in Berührung bringen; cs kostet ihm vorläufig, wir sagen vorläufig, bloß eine Anfrage an den Hern. Krcisrabdincr?). und cs wild den Herrn Fragesteller gestattet zu Liescnl gottgefälligen Werte seine Equipage zu benützen. Der Herr Kreisrabbincr Dr. (?) Kohn aus R. hat bei seinen Hnspectionsreiscn die Einrichtung gclroff.n, die Samstage den größeren anschnlichcrn Gemeinden zu widmen. Diese Ehre ist bisher auch der Gemeinde Ho staun zu Theil geworden und auch Heuer ist diese Gemeinde mit einer solchen Auszeichnung bedacht worden. Als aber unser Herr Doktor in der llmgrgcnd vernimmt, dass Hoftaun durch die Freizügigkeit seiner Kapitalisten beraubt ist, daß der Iugendunterrichl ein erbärmlicher ist, dass Hoftann überhaupt in den letzten Zügen liegt und daß Rath und Hilfe noth thun; da eilt Herr K. als Retter in der Roth herbei, lässt die ahnschnlichsten Gemcindegliederzusammenrufen, crthcilt Rath und befördert die That, um die Gemeinde wieder zu ihrem frühcrn Ansehen zu verhelfen. So denken unsere Leser, wir bedauern sehr, ihnen sagen zu niüßc», dass sic sich getäuscht haben. Herr K. verlebt unter solchen Umständen den bctrcf senden Samstag in Hcrrndorf um Sonntag seine Rundreise bei den Dorfkrösusscn fortulsetzen Ob cin syMeS Gtbahren von Seiten eines Rabbiners „wie er sein soll" sich rechtfertigen lässt, überlassen wir der allgemeinen Bcurthci 'lung. — Der jüdische Scclcnhirt in Pilsen soll, wie wir aus authentischer Quelle erfahren, den Gottesdienst in seiner Gemeinde schon soweit rcsormirt, dass am Samstag nicht mehr als drei Personen, u. z. Kohen, I.ewi und Israel zu Thora gerufen, denen die ersten drei Kapitel des betreffenden Wochcnabschnittrs vorgclcscn werden. Die Hafthora wird nicht im Texte, sonder» in deutscher Sprache vorgctragcn. Doch damit begnügt nnscrRcfornlpil;'Pflanzer sich noch nicht, seine R'cuernngSgrlüsic gehen noch weiter, er fängt an gegen den Bund Abrahams Sturm zu laufen, erklärt die Beschnridung sür.R'ull und nichtig und beschließt diesen Richtig IcitSantrag dem Wiener Rabbinatscollrgium zur hohen Sanctionirung vorznlegcn. Wie rS heißt, sollen diese Reform- Vorschläge bei dem Wiener Institute die vollste Anerkennung gefunden haben. Wenn also die Priester selbst die Götter stehlen, wer soll mit deren Überwachung betraut werden? Wir haben Neuerungen und Rcfornicn auf dem Gebiete des Iudcnlhnins noch nie mit dem Interdikt belegt, wir haben vielmehr Instiintionrn, die zum Nutzen und Frommen des Iudcnthums geschaffen wurden, stets mit Freuden begrüßt und haben dem Fortschritt und den Anfordernngen der Jetztzeit immer nach Verdienst zu huldigen gewußt; aber solche Salto mortale, wie sie gegen die jüdische Religion von den eigenen Verfechtern gegenwärtig geführt werden, verdienen die größte Entrüstung. „Ein Priester, der die Tugend lehrt Und übt, ist hoher Ehren wert; Ein schlechter kann durch Lasterleben Nur böseS Beispiel Andern geben." Der Reiche hat seine Religion im Beutel, aber machen sich jene Reformjäger kein Gewissen daraus, wenn sie dem Armeiu nud- Kranke» sein alleiniges Gut, seinen einzigen- Schutz rauben, der ihn vor Verzwcifelung rettet, die Religion ihrer Väter? C lasset immerhin die Gegner eifern Hell stralt des Herrn Wortes Licht Lasset sie höhnen, lasset sie geifern. Der Herr ist groß, ihn kümmcrtS nicht. Sehet Ihr dort wieder einen Fliegenblätterpil; — Reform aufschicßcn? Wie sich das Fliegenvolk daran bene thut! Nur zu! der Giftschwamm wird schon seine Wirkung nicht verfehlen. — I. — m. Rokow, 4. August. (0.- K.) Unser neu erbautes Gotteshaus geht allmälich seiner Vollendung entgegen. Bei der geringen Mitgliederzahl die unsere Gemeinde besitzt, bei den wenigen materiellen Mitteln, die diesem Unternehmen zu Gebote stehen, geht es mit der Vollführung dieses Baues zwar etwas langsam her, aber doch eS geht und wir können mit Zuversicht der Hoffnung Raum geben, daß eS dem guten Willen und der Opferwilligkeit unserer Mitglieder und dem energischen Eingreifen unseres Vorstandes gelingen werde, das Begonnene recht bald der Vollendung zuführen zu können. Diese Woche sind in Prag die wichtigsten Ausstattungsstücke gekauft worden; denn wie eS heißt, soll an den kommenden Feiertagen der Gottesdienst in dem neuen Tempel abgehaltcn werden, die Einweihung jedoch soll erst nach dessen vollkommener Herstellung, also nach den Feiertagen, vor sich gehen. — Als eigentliche Begründer unseres Gotteshauses sind lobend hervorzuheben die Herren: I. Pollak, Hopfcuhändler; I. Unger, Mcdiciner; I. L an sch er, Kaufmann; S.Fanta, Kaufmann ^gegcnw. Vorstand) und R. FrcidcnselS, Oekonom. Außerdem haben noch andere Mitglieder und auswärtige Glaubensgenossen theils durch Ankauf von Bauacticn, theils durch freiwillige Spende von Geld und Materialien zur Realisation unserer Idee nach Kräften beigetragemMlchvön Seiten unserer christlichen Mitbürger sind wir in diesem Unternehmen mehrfach unterstützt worden, indem uns mehrere ihre Bezüge zur Beförderung des Baumaterials unentgcldlich zur Verfügung stellten. Möge allen jenen, welche dieses Unternehmen zu unterstützen bestrebt waren und auch in der Zukunft es sein werden, der verdiente Lohn bald zu Theil werden I — au — ' Marienbad!*. August (0. - K.) ES ist ein schönes, erhebendes, wohlthucndeS Bild, das man hier vor Augen hat. Da gehen sie Alle, die Ultramontancn und die Liberalen, die Orthodoxen und die Radikalen, die Ehaßidim und die Poschim im tiefsten Frieden nebeneinander, begegnen sich freundlich, weichen einander höflich auS; man sicht sich ordentlich in die MeßiaSzcit versetzt. Die Wölfe;und die Lämmer umlagern einen Brunnen, trinken aus einer Quelle, Alle haben fast nur ein Leiden, empfinden nur einen Schmerz. Alle beseelt nurei^n cHoffnung bald neu gestärkt und gckräftigt, mit frischem' LcbenSmuth zu dem alten Zank und Hader heimzukehren. Wenn aber die geehrten Leser dieses Blattes von diesem Bilde angeregt einen schwungvollen Artikel erwarten, so werden sie sich hinterher getäuscht sehen. Wo deS Morgens, Mittags und Abends der Sinn nur auf das Waffer gerichtet ist, da kann es höchstens nur eine wässerige Eorrespondenz mit etwas salzigem Beigeschmack geben, nichts als eine kunterbunte Eauferie.

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