Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 16 (15.8.1869)
- Date
- 1869-08-15
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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<S« ist dieeine Pfianzrnart, die weder Blüten noch Früchte trägt; doch ist sie, wie alles in der Natur, nicht ganz ohne Nutzen. An Gestalt und Farbe gar mannigfach und verschie« denartig find die schwämme und Pilze von anderen Gewächsen sehr leicht zu unterscheiden. Minder leicht jedoch ist eS zu erkennen, welcber Schwamm unschädlich und genießbskund welcher verderblich oder giftig ist; denn eS gibt Giftpilze, welche den genießbaren sehr ähnlich sehen Doch wird cS nicht schwer, sich vor den schädlichen Einflüssen dieser Pilzgattung zu hüten, wenn man ihre auffallendsten Merkmale hinlänglich kennen lernt. — Unter einem Baum — nicht etwa der Eedcr oder der Eiche, schlechtweg unter einem Baum aus der Klaffe der Nadelhölzer — schießen Neformpilze aus; denn die faulen Dünste, welche im Schoße des lockern Bodentheilcs sich angehäuft, wollen auch einmal vor der Außenwelt prangen und die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Unter .Sträuchern, Mosen und Gräsern, wohin die wahre GlaubenSsonnc gar nicht oder nur gebrochen ihre Stralen wirft und die Fortschritts-Atmosphäre nur durch die beengenden Räume des krassen Egoismus ihre Zugänge hat, findet sich im bunten Durcheinander der Spcitcufel der F l i e g e n b l ä t t e r p i l z, der giftige Täubling, der sogenannte Knollenblätterpilz und die giftigen Reizker, dieselben sind meist von Würmern, Küfern u. a. derartigen Geschmeiß, bei denen diese Aufschießlinge Wohlgefallen finden, angcstochcn unb angcfrcsscn. Die Leser werden fragen, wer die eigentlichen Pflanzer und Schöpfer solch edler Gewächse sind? Die Antwort könnten sic sich selbst geben; denn das Werk vcrräth den Meister und an ihren Früchten sind sie zu erkennen. Es sind das die meisten unserer ehrwürdigen (?) Rabbiner, die das Feld des Judenthums mit nicht« al« mit Reformpilzen zu bebauen verstehen. Wir erinnern uns eines deutschen Volksmärchens. wcl chcS wir im Auszuge unfern Lesern mittheilen wollen: Der Sultan von Gro ß-Kairo besaß einen überaus angenehmen Park. Dieser hatte entweder von der freien Natur oder von der Hand der ältcrn Kultur eine so glückliche Anlage und Ausschmückung empfangen, daß man durchaus keinen besonder» Fehl oder Mangel an ihm wahrnchmcn konnte. Dem Sultan und seinem Hofgesinde kam cS aber in den Sinn, den Park in einen cliropäischen LüMarkenDlNtschaffcn zu lassen. Zur selben Zeit befanden sich im Gittcrthurmc zu Gr.-Kairo einige eingcfangenc Europäer, die ans dem Grcgoria»scheu Krcuzzugc festgcnommcn wurden. Die sind mit der Umschaft 1 fung de- Gartenbetraut worden. Sie hatten von der An» läge der europäischen Gärten, von der Pflanzenkunde, von der Baumzucht, überhaupt so wenig botanische Kenntnis, al» ein Windspiel von dem Lauf der Gestirne. Sie befanden sich in nicht geringer Verlegenheit, da sie zu gewissenhaft_ nvarm imv^die^esorgniß hegten, jede Veränderung würde den Garten seiner Schönheit berauben und wenn sie als Stümper befunden, sie auf sehr empfindliche Weise gestraft würden. Der Favorit des Sultans merkte ihre Bestürzung und sprach ihnen Math zu, indem er sagte: Dem Sultan und seiner Umgebung lüstet, nach der Weise der Großen in der Welt, nicht nach etwas Besserem, als sic schon haben, sondern nach etwas Anderem. Darum wüstet und wühlet in diesen herrlichen Au'n nach eurem Gefallen und glaubt mir, alles was Ihr thnt und vornehmet, wird recht scheinen. Nun so legten unsere (Gärtner ans gut Glück ihre Arbeiten an. Sic warfen bunt durch einander, was sie vorfanden, machten alles anders und nichtbesser. Die nutzbaren Fruchtbäume rodeten sie aus und pflanzten Rosmarin und Baldrian, ansländischc Hölzer oder geruchlose Amaranthen und Sammctblumen an ihrer Stelle. Da» gutc Erdreich wurde ausgcstochen nnd der nackte Boden mit buntfarbigem Kicß überführt. Kurz, der Garten schwebte bald zwischen Tod und Leben und hatte das Ansehen eines Kleidcrbesatzes a feuille moumnte. <2o viel hat das vielmonatliche Getöse ihrer Schubkarren und Radebürgcn gefruchtet? Eine solche Arbeit zu bcnrtheilen nnd den Preis dafür zu bestimmen, überlassen wir dem gesunden Verstände unserer?eser. — Die lncisten unserer gegenwärtigen Rabbiner — namentlich ein größerer Theil unserer Kreisrab'oiner jener fahrenden Bettelmönche, wie man sic mit Fug und Recht nennen kann — sind voll von Inspirationen und Eingebungen aber nicht etwa von Eingebungen vom Geiste der Weissagung oder des göttlichen Willens, sondern von der Ehikane ' des Egoismus. Das sind jene falschen Priester die gegenl wärtig auf Moscö Stal sitzen und die im Namen der Re- ■ ligion die Religion bekriegen.! Die Hochachtung, welche diesen Männern gezollt wurde, j ist unter den bekannten Umständen fast ans Rull reduzirt | worden. Die Herren besitzen aber prophetischen Geist genug,! um voransznschen. das» Funke Autorität, dm sie noch "—! besitzen, unter solchen Modalitäten bald gänzlich erlöschen und 1 der goldene Boden des rabbinischen Handwerls verloren gehen muß. Es mäßen daher um jeden Preis Mittel erdacht I werden, die das Bevorstehende verhindern. Die Religion muß den ausrüsten können. Ach, rief ich, meine gute thcnrc Mutter »uik ich unterstützen nnd sollt' ich mit nnfern Kinder» hungern. —' Es mich ja noch ein silberner Becher hier sein. Traurig sagte die bicdcrc Gattin: Ich habe ihn in der letzten Krankheit des Kleinen 4nS Leihamt geschickt. — Verzweifelnd flog ich wieder ans Krankcnlagcr meiner Mutter, und cd durchzuckte mich ein Gedanke. — Tinte und Feder rief ich — bald war ein kurzer Brief fertig. — Unversiegelt wurde er ineincin »ntcrdck gckonnnenen Schwager gegeben; dem ich hastig auftrng, in die Deteiitionsanitait auf den Hradschin idamals war sie noch nicht in Uep)') zu gehen, nnd der Oberin CaritaS geborene Gräsi» v. Condcnhovc dieses Schreiben zu über, bringen. Im Briefe stand, dak ich während der plötzlichen lcbcnSgcfährlichen Krankheit meiner thrnern Mutter verhindert bin, selbst zu komme» und die Bitte nm Verabfolgung eines Theilcs incincr Remniicration (die ganze beträgt 20 st. ö. W.» — Mein Schwager kam »ach einer Zeit mit cincin versiegeltem Schreiben zurück. Die Gräfin condolirt und läßt Ihnen sagen : Sie habe lange mit dcir ehrwürdigen Schwestern bcrathcn, „wie sic einem so braven Manne für die stets treu: Pflichterfüllung einen Beweis der Ancrkcnnnng geben könnte: endlich habe sich eine passende Gelegenheit gefunden. Ich möge nicht in Sorge sein wegen der Zurückzahlung. 3m JeiiscitS wird Gott vergelten.- — Ich eröffnete das unbeschriebene Couvert und fand eine Rote ' von 10tfl. ö. W. Außer mir vor Entzücken trat ich an daS La- | ger meiner während des Tages fast sprachlos gewordenen Mutter, i erzählte ihr kurz.das Vorgekallene, und die fromme Dulderin hob : ihre Linke znm Himmel, die rechte Hand war gelähmt, mit der j fürchterlichsten Anstrengung sprach sic den Segen über die hohe Fra». Alle weinten ivir, ich kragte die Mutter, dark ich zur Gräsin ans dcii Hradschin. um ihr rn danken; denn ich fürchtete die Kranke zu vcrlaffcn, vielleicht ereilt sie in meiner Abwesenheit der Tod. Sie nickte melirmal mit dem Kopie und ich eilte mein Pflichtverlangen zu rcalisiren. — Daselbst angekommen that ich. wie ich meiner sterbenden krankeii Müller sagte. Die hohe Frau wiederholte die durch incinen Schwager mir nigesandten Worte, i Meine Mutter starb nach l * 1 Jahre. Nie hat cs ihr in th. rer Krankheit au dem Nolhwcndigstcn gefehlt. Gott gab mir und meiner Schwester, was wir für ihre Erhaltung brauchte». — Bon dem Geschenke des Klosters der barnlherzigcn Schwestern besitze ich noch das Briefkonvcrt und eine Geldmünze zu»» Angedenken. — An dem jedesmaligen Sterbetage incincr Matter zeige ich meinen Angehörigen die thcucrc Rcliginc und segne die hohe Frau- — i Nicht poetischer Schmuck ziert die von mir gegebene Mitthrilung. Sir ist wahr und durch ihre Wahrheit schön und nachahmcnswerth» Dr. Sam. Randnitz Religionslehrrr am k. (. Strafu. Zwangßartritthiusk» 16*