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Die Gegenwart · 1869-08-15 · 16 (15.8.1869) · p. Seite 154

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
16 (15.8.1869)
Date
1869-08-15
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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führen. Nachdem nun eine glänzende Majorität sich für die Kcmitniß der hebräischen Sprache bei den Prüfungen erklärt, wünscht der Gemeinderath Frankl in der Erwiderung an die Statthalterei das Befremden d e s B or sta n des darüber ansgcdrückt zu sehen, daß das Unterricht Än^krtirft ver langtx^wrr die | daß diese gar h ebr ä i s ch e'S prach c für israelitische Schulen ihre Zwecke al s o b l i ga t ori sch ei n gef ü hrt h at, dadießden Behörden doch schon seit ü< > Jahren bekannt s c i n m u ß. Eines schöneren Spiegelbildes der Wiener isr. Vertretung bedarf cs wahrlich nicht, einen schlagenderen Beweis für ihre Wirksaniteit braucht cS schon nicht zu geben, wenn man sicht, mit welcher Präeision und Einheit sie ein Problem löst, das mit der Religion so innig verflochten ist. Vom großen Financier, vor dessen Millionen im Privatleben manches Wort erstarrt, bis herab zum schlichten Schriftsteller gibt sich eine Stimmung, eine Begeisterung für das Judenlhum kund, die die ganze Vertretung mit dem Pinsel der richtigen Auffassung mit den ungefalschtestcn Farben charakterisirt. Es ist eine eben so wenig weg zu leugnende Thatsachc, das; die wiener Eultuövertretung ein Unicum in den Gemeinden Oesterreichs ist, wie es ein un» umftößlichcS Axiom geworden, daß die prager Eultusvertre« tung nach jeder Richtung hin durch ewiges Hcrumlaviren, durch beständiges Abschweifen von den eigentlichen Tendenzen in überaus unbefriedigender Weise ihre Ausgabe löst und folglich auch ein Unicum in den Gemeinden Oesterreichs bildet. Ohne uns jedoch in Expektorationen einzulassc», zu denen des nngchäuftcn Materials genug vorhanden wäre, sei vor Allem davon abzusehen, ob die Wiener Vertretung ihre Debatten auf wichtige TagcSfragen, um deren Axc sich die isracl. Gcmcindclebcn in ganz Oesterreich bewegen, konccntriren, oder ob die Prager Vertretung durch Radomontaden und in Nachmittags- oder Abendzirkeln »früher abgekartete Beschlüsse exccllirt, sondern cS sei vielmehr mit der Brille der VorurtheiUosigkcit zu beobachten und nach bestem Wissen und Gewissen zu prüfen, wer in der prager Vertretung über solche Themata, wie sie uns Wien bietet, eigentlich zu (Berichte sitzt, und ob jene Männer, die die unzertrennliche, unantastbare, unfehlbare Allianz bilden, im Stande sind, in talmudischwissenschaftlicher Begründung, im Drsnge ihrer -religiösen .Gefühle,— im Begeisterung für die Tradition, eine derartige Materie zu behandeln. Damit man uns jedoch nicht etwaiger Partheilichkeit zeihe, und uns den Einwurf mache, daß die anderen konservativ sein wollenden Herren doch noch einigen Sinn, ein laues Herz für das Judenlhum haben, sind wir gerne bereit 'zu erklären, keine Ziele verfolgen, während jene Clique mit genauer Berechnung ihrer Vortheile verfolgt und die Kraft in sich fühlt, die Schnüre jener aulomatenähnlichen Collegen, in der Hand zu haben, die sie je nach Bedarf straff anzicht oder nachgeben lässt. Diese Attraction hängt aber wesentlich von der Stellung dieser beiden Parteien zu einander, und von der durch die eine derselben hcrvorgerufene Abhängigkeit haarklein ab; denn während ein Theil jener Abhängigen alö Diener ihrer Vorgesetzten mit der Darlegung ihrer ehrlichen Anschauung die Gunst der anderen sehr leicht auf's Spiel zu setzen fürchtet, fehlt dem anderen Theile die nöthige Energie und Oppositionskraft, zu dessen Thatcnlosigkeit sich noch ein gewisser Werth gesellt, der auf bic scheinbare Eollegialität, nur auf optischer Täuschung beruhende», durch die Nothwendigkcit der Verhältnisse, weniger durch Geist als durch Raffinement künstlich erzeugter sog. Größen beruht. Bei Betrachtung einer Zusammensetzung solcher Elemente, die die Interessen von 15000 Israeliten in Zügel zu halten glauben, darf eö dann nicht wundern, wenn in Wien cm geistreicher und für das Judenthum Begeisterter, mit. dem Referate einer specifisch religiös instruktiven Angelegenheit betraut ist, den Männer wie: Knranda, Neustadt, Königswarttr etc. accompagniren, während in Prag im Vorjahre ein durch das aus bloßer Ignoranz über den Talmud gefällte Todesurtheil zu einer jüdischen Berühmtheit gewordene Mann mit der Berichterstattung dcS zu gründenden jüdisch-theologischen Seminars beehrt und von Männern unterstützt wurde, die am Judenthume grade so viel Interesse haben, wie das Judenthnm an diesen Männern. So stehen die Dinge in Wien und in Prag, die Parallele zwischen beiden anzustellcn, überlassen wir übrigens dem geschätzten Leser. Resormpitze und ihre Pflanzer. Unter Bälmicn und _jSiränchcru^uutcr Moosen unb- Gräsern sieht man zuweilen Schwämme oder Pilze wachsen wenigstens die ganze „limes" zu Danksagungen herhaltcn, um ei- »c.» Sekundararzte im aUgenicincn Krankcnhanse Dank votiren zu können. Der Fortschritt wird den Danksüchtigen auch unter die Arme ■greifen und. so wie wir eine Kreditbank, Eskomptcbank, Baubank habe», so soll, wie cS verlautet, eine DankiagungSakticnbank errichtet werden, bei der jeder, der mit Tank Anspruch macht, auf die Bant kommt. Was man eigentlich mit Dankiagnngen bezwecken will, ist mir nicht recht einleuchtend, da es denn doch den Anschein hat. daß der Jnscratentlicil von den hatten Behörden sehr wenig,, in Hofkreiscn am wenigsten und höchstens nur in der jüdische» Bertretung gelesen wird, die das richtige Berständniß für solche Jnscrate hat. Die Bertrctung bat auch eine Bank gegründet, in der in „Ehrrnsipen" gemacht, und die zur langen Bank wird, auf die die Wahlen so lange hinausgeschoben werden, bis die Gencralagitatorcn und Ehrcnsitzhauptleutc von den.gurörter» zurück sind, um ihren an dem D.ucll gestärkten Einfluß geltend zu machen und in der Ehrencffektenlottcrlc die l'cutf für sich gewinnen. Wie cS heißt sol. Irn die Würfel nach den jüdischen Feiertagen fallen, denn um diese .teil wird nicht nur mit der .'.eit, sondern auch mit gewisfen Leute» des dritten Wahlarmcekorps abgerechnet sein, die dann nothwendiger Weise stimmfähiger werden. Zum neuen Fahre rechnet bekanntNch ein jeder mit üch selbst ab, wie viel Sünden er hat und ivic viele nicht, die Inventur richtet sich dann nach dein Sündenregister. Da nun bei dieser allgemeinen Bilanz keine Ausnahme stattfindet, so sollte auch der Dcrrch Jeschara-Berein, wenn schon nicht mit sich, doch mit anderen abrechnen, ob er viel Sün- Heu hat, oder nicht, kurz ob lhm die Rechnung stimmt. Tr läßt sich aber Jahre Zeit, daher cS konuilt, daß die Fahrzeiten der Berstorbencn, den Lebenden so viel kosten und die Verwaltung kein Lebenszeichen von sich gibt. Eine Klosterfrau als Retterin in der Roth. . Wenige Tage vor dem Pesiachfeste dcS Jahres 1863 machte ich wie gewöhnlich die Morgcnvisite meinem greisen Elternpaare, die thcurc Mutter saß einsilbig, gleichsam schlaftrunken am Tische. Ich trat zu ihr. küßte ihr die Hand rmd fragte sic nach ihrem Wohlbefinden. — Sie antwortete unzusammenhängend — der Sinn der schwer hcrvorgebrachtcn Worte war: Matt mein Sohn, ich kann weder die Gedanken noch ihre Bezeichnung finden. Der Vater meinte, sie sei müde von der Ausrüstung dcS nahen Festes.— Anders dachte ich; ohne weiter zu sprechen rannte ich zunr Arzt, der aber nicht zu Hause war. Ich schrieb ihin daher einen Zettel, in welchem ich die höchst bedenkliche Lage meiner Mutter schilderte und dringend um schleunige Hilfe bat. — AthcmloS kommt eine Stunde später der Arzt und bestätigt die gegründete Todesangst dcS kindlichen Herzens. — DaS ist Marasmus, die Tage, vielleicht die Stunden Ihrer guten Mutter sind gezählt. Den Anordnungen dcS ArzteS wurde Folge geleistet, aber das schreckliche Gespenst der Gcldnoth erhöhte noch dir Schmerzen der gefolterten SohneSbrnst. Ich gmg nach Hause zu meinem Weibe und weinte das erste Mal bitterlich; denn wir hatten vier Kinder, hielte«, eine Magd und hatten selbst noch keine Aussicht, wie wir das theurre Fest wer-

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