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Die Gegenwart · 1869-08-01 · 15 (1.8.1869) · p. Seite 149

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
15 (1.8.1869)
Date
1869-08-01
Page
Seite 149 (sequence 9)
Language
German
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— ,149 Beilage zur „SfßcnlMrt" ZK. 15. diesem Wollen und dieser Wichti-thuerei zu erwarten steht, so sind sie doch Zeichen der Zeit. Sie zeigen, daß da- Volk auf die Dauer hin gegen die Zerfahrenheit der hiesigm Rabbiner mistrauisch und des beständigen Verändern in dem Ritual überdrüßig geworden. Hierbei wird der Iugendunt erricht immer mehr vernachlässigt und das Judenthum verfällt, trotz der bedeutenden Opferwilligkeit, welche sich hier überall offenbart. So haben zwei von den Direktoren des hiesigen jüd. Spitals, die Herrn Fatmann und Nathan, vor Kurzem jeder 10.000 Dollars zum Neubau des Spitals geschenkt. Ein Herr Cohn hat in diesem Monate die Bar- Mitzwah seines Sohnes dadurch gefeiert, daß er sämmtliche Kinder des Waisenhauses (über 90) neu bekleiden ließ und ihnen ein Fest bereitete. Auch sind hier schon bedeutende Summen zur Gründung eines theologischen Collegiums unter der Leitung der Herren Adler und Einhorn gesammelt und die Gesellschaft vor drei Jahren organisirt worden. Die aktiven d. h. zahlenden Mitglieder haben da» Ihrige gethan und die Herren Rabbiner in jeder jährlichen Generalversammlung einen Bericht voll — Versprechungen vorgelegt. Endlich ist auch Herr Einhorn thätig geworden und zwar hat er seine Thätigkeit dadurch manifestirt, daß er die Direktoren der Gesellschaft wegen eines Etikettenfehlers — welches übrigens von den Direktoren in der Zeitung geläugnet wird — mit den gemeinsten Schimpfnamen belegt hat, welche er sonst nur gegen Orthodoxe zu gebrauchen pflegt. Der gelehrte Doktor ist unstreitig ein Kraftredner, seine Reden und Zeitungsartikeln sind kräftig und saftig, nur daß dieser Saft manchmal den Cloaken entlehnt ist. — Außer diesem Streite im Lager der Radikalen, drohte ein anderer Unstern deren Popularität einen bedeutenden Stoß zu versetzen. Ein Reformrabbiner aus Europa von einigem Rufe versuchte sein Glück in New-Aork, predigte sogar zweimal in einer größeren Gemeinde, wartete aber vergebens auf eine Anstellung. Endlich nach langem Harren wurde ihm eine angeboten und zwar von der M i ff i o n s g e s e l l s ch a f t für die Bekehrung der Juden. Der jüdische Rabbiner ersuchte um Bedenkzeit und wie mir berichtet wurde, wäre er nicht abgeneigt gewesen, solche anzunehmen, wenn nicht Personen, welche die Tragweite eines solchen Schrittes für das allgemeine Interesse befürchteten, dem besagten Herrn das Reisegeld zusammengclcgt hätten, um ihn^ nach Europa zurück zn schicken. — In dem rngern Kreise unserer Landsmannschaft wurde dem Herrn Jacob Kohn aus Oberz ah ar bei Pisek von dem HumanitätS-Berein, dessen mehrjähriger Präsident er ist, eine goldene Medaille im Werthe von siebenzig Dollars als Anerkennung seiner bedeutenden Verdienste um dieser Gesellschaft überreicht. Eö versteht sich von selbst, daß diese Ueberreichung durch Musik Tanz, Reden u. s. w. u. s. w gefeiert wurde. Dieser Verein sorgt nicht nur für den kranken und nothleidendcn Bruder, sondern weiß auch recht gemüthlich zu leben. Gerade wie in Deutschland. 8. Locales. V Oeffentliche Sitzung der israelitischen CultuSgcmeinde- Verwaltnng am 25. Juli 1869. Beginn der Sitzung um '/.II Uhr. Anwesend die Herren: Feial, 0r. Gitschin, St. Lieben, Dr. Pribram, Dr. Raudnitz. Singer, Dr. T«de«co, M. A. Wahle, Prof. Wessely, Dr. Wiener, D. Zappert. ö« waren somit abwesend die Hrn: Fischel, S. K. Frankel, Oser«, Gustav Schitz, Ignatz Schlitz Schwab, Nach erfolgter Genehmigung de» Sitzung-Protokolle« vom 4. Juli 1860 wird die Sitzung mit folgende» prSstdiellen Mittheilungen eröffnet: l) Die Trplitzcr HoSfpitalverwaltung bittet gegen Einsendung de» Jahresberichte« von 1868 um AuSfolgung de« präliminirten Betrage« von 100 fl. Ferner liegt vom Magistrate rin« Anzeige vor, daß Anton Dud-kq ein vom Judenzum Christrnthumr überaetretener Militäust »um Judrnthume zuriickzukehren wünsche. In Abwesenheit de« Oberjuristen Hrn. Freund wurde der Betreffende wegen Mangel jeder jüdischen Kmututß der Hand de« gelehrten und hochherzigen Ranne« Hrn Phil Dr. Samuel Raudnitz auverttaut, der mit der größten Bereitwilligke dem Wunsch« der Repr. nachkam. Da ein Hilferuf von der Gem Puch imTrenrziner Lomitate vorliegt, wegen der Wiederherstellung der abgevraua» ten Synagoge, kann e« präsr« nur al« sträflich« Nachlässigkeit vo» Sette der Synagogenvorstände ansehen, daß dieselben nicht die Affecuration der Synogogengebäude beantragen, indem dic« jährlich mit wenigen Gulden beftrtnm werden kann. E« wird zur Tagesordnung geschritten und zwar al« 1. BerhandlungSaegenständr der Bericht de« Hrn. Georg Feigl über den Leipziger Grmetndetag. Referent bezeichnet denselben al« eine großartige Idee, indem der Gemeindetaa ein Band um sämmtliche Gemeinden Europa« vielleicht auch Amerika« schlingen soll. Al« Belege für seine Wirksamkeit diene folgende« : Braucht z. B. eine Gemeinde eine Synagoge, so ist es der Gemeindetag der thatkräftig beisteht, wenn die Gemeinde einen Theil au« ihreu eigenen Mittel bestreiten kann. Auch kommt e« bei der jetzigen Freizügigkeit oft vor, daß eine Gemeinde sich auslöst und e» bleibt ein alter "* zurück der nicht« zu leben hat, so ist der Gemrindetag da, an den er sich wenden kann, und von wo er hülsreich unterstützt wird. Ferner bei Gelegenheiten, wo es sich handelt, da« Judenthum nach außen zu vettreten, bei einer Polemik gegen da- Judenthum ist e» der Gemrindeiag der für die betreffende Gemeinde oder für da« Judenthum überhaupt da« Wort ergreift. E« ist daher recht und billig, meint Referent, diese« hoffnungsvolle Unternehmen, diele segensreiche Idee, nach Kräften zu unterstützen. Die Constituirung erfolgt nach Einlauf der Gemeindebeiträge. welche in Summa auf 2000 Thlr. festgesetzt sind. E» gelangt nun ein Gesuch de« Hrn. Buber in Lemberg, wegen leihweisrr lkeberlaffung eine- Manuskripte» aus der Rappaportichen Bibliothek zur Erledigung. Darüber rntipinnt sich eine lange Debatte, welche mit einem BertagungSantrag de« Herr» Dr. Gitschin endet, welcher angenommen wird. Al« Sicherstellung leistet Herr Ruber eine Eantion von 200 fl. und Herr Pros. Dr. Kämpf einen Versicherungsschein v. 100 fl. Da« Gesuch der KnabenwaisenhauSkommifsion um einen Borschuß von V00 fl. nöthiger Baureparaturen halber gelangt zur Erledigung, wie der Antrag de« Hm. M. A. Wahl« wegen Dachreparatur in Nr. 2.117—5 welche Reperatureu von einer Eommiffion der Besichtigung unterzogen werden. Bezüglich de« Gesuches der Armenkommission um den im Präliminare aushaitendkn Betrage von 100 fl. und einen weiteren Vorschuß von 200 fl. zu Mikthziuscn erwähntHr. Wahle folgende«: Da« Institut de« Armenwcsen« hat «ine sehr große Elastizität indem man e« sehr auSdrhnen kann und oft muß. 800 fl. sind im Präliminare bestimmt worden, und kaum ein halbe» Jahr verstrichen und 700 fl. bereit« ronsumirl. Wa« wird man erst jetzt brauchen, wenn der Winter kommt, wo die Armnth eine Beisteuerung nothwendig hat? Der größte Andrang ist vou Seite der Fremden, Durchreisenden, die, nebstdem» daß jsie von der Armenkommiffiou betheilt werde» auch von Hau« zu Hau« die bereit» genug in Anspruch genommenen Eontribuenten ,belästigen. E« ist traurig, daß man diese schändliche Bettelei unterstützt, und deßwegen findet man bei uns wenig Arbeiter weil die Bettelei in Glarehandschuhr» getragen wird. Dr. Wiener: Wie kommt e«, daß die Kommission 700 fl. au»- gegeben hat, da sie doch nur dazu berechtigt ist, Gelder nach Verhältnis dcS Präliminar« zu verabfolge». Die Repräsentanz ist bier in Bei. legenheit, denn bewilligt sie dieForderung nicht, dann kann nicht« geleistet werden, findet da» Gegentheil statt» dann ist da« Prälickstnare um da« Doppelte überschritten. Diese Schwankungen werden durch den Anspruch de» Präses behoben, welcher erklärt, daß bi« jetzt dem Armcnwefen an Spenden x. noch gar nicht« anheimgefallen ist, nicht wie inlden Vorjahren, daher alle« aus der 2. G. Kassa bestritten werden mußte. Hr. Dr. Raudnitz bestätigt dirß durch de» Beweis, daß die früher» Präliminare immer ans gewisse Einnahmen dasirten, welch« für heuer ausgefallen sind. Dr. Ra ndnitz : ES ist eine alte Wahrheit, daß e» viel leichter zu kritisiren al« zu verbeffern ist. Möge doch Hr. Wahle einen Organi» sationsplan für da« Armenwesen vorlegen, in welchem dir Gemeinde verschont bliebe. Diese Frage der Armenwesenorganisation ist eine in ganz Europa noch ungelöste und insolange keine bessere da ist, scheint alle Mühe überslüffig zu sein. E» handelt sich nur darum, ob wir da« theilweisr hinauSgeworfene Geld noch weiter opfern, oder ob wir die Fremdenunterstützung in diesem Halbjahre beheben sollen? Ich bin gegen da« Letztere. Wahle: Ich habe seiner Zeit einen Organisationsplan eingebracht, der, ich weiß nicht aus welchem Grunde, gar nicht berücksichtiget wurde; derselbe lautet auf Eonstituirung einer Armenverwaltung. au« 4 Mitgliedern bestehend. Ferner sollte sich jede Synagoge 2 oder :i Armrnväter wählen, dir ihren Sprengel kennen und welche die Armenvertheilung vorzunehmen hätten. Vielleicht hätte dieser Antrag realisirt, ersprießlich« Folgen getragen. E« wird nach erfolgtem Schluß der Debatte abzestimmt nnd der Commission-antrag angenommen. Der Bericht der Commission in Angelegenheit de» Rabbinate« geht dahin, vorläufig keinen Rabbiner anzustellen, sondern sich an den Breslauer Seminardirektor Hrn. Frankl zu wenden, ob er dir Berufung nach Prag aunehme. E« unterliegt keinen Zweifel, meint Dr. Raudnitz, tdaß bei dieser Persönlichkeit alle dabei Jnteressirten für die Aqnistrion diese« Manne« einstehen werden, und ich beantrage da» Präsidium zu ermächtigen, bezüglich der nähern Bedingungen sich mit Hrn. Frankl in« Einvernehmen zu setzen. Nach Erledigung einiger Gesuche wird die Sitzung um 1 Uhr geschloffen. V Beiträge z« Den israelitischen KnltnSanSlagen. Der Staatsministerialerlaß vom 29. Juli 1861, wodurch die

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