Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 15 (1.8.1869)
- Date
- 1869-08-01
- Page
- Seite 150 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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15) - * Beitrag-Pflicht der anderwärts übersiedelndm Israeliten zu den KultuSauSlagen ihrer heimatlichen Kultusgemeinde geregelt wurde, ist neuestenvom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht aufgehoben und Nachstehende« angeordnet worden: Sobald ein Israelit, welcher den Wohnsitz in fei* ner bisherigen KultuSgemcinde aufgibt, dem Vorstände dieser letzteren vor Abschluß des Voranschlages für das nächstfolgende VerwaltnngSjahr schriftlich den Nachweis liefert, daß er zu der Kultusgemeinde oder Kultuögenosfenfchaft seineneuen Wohnorte« beitragspflichtig geworden ist, so erlischt für seine bisherige Kultusgemeinde das Recht, für das nächstfolgende VcrwaltungSjahr und für so lange, als er seinen Wohnsitz nicht wieder dahin zurückverlegt, von ihm KultuSbciträge auf dem durch §. 3 der kais. Verordnung vom 2t». April 1*54 normirtcn Wege eindringlich zu machen. *** Wir erhalten von hochgeehrter Seite folgende Berichtigung: Zu Nr. 14 Ihregeschätzten Blattes lese ich unter der Rubrik „locales," daß unter den präsidellen Mitteilungen in der öffentlichen Sitzung der ifr. CultuS-Gemeindc-Vcrwaltung auch das Anerbieten deö Landesrabbiners von Meklcnburg auf die Oberrabbinerstclle zu Prag sich lvfun« den habe. Ich kann Ihnen nach besten Wissen die Versicherung geben, daß ich von diesen Anerbieten des Landcsrab« btncrö von Meklcnburg heute zum ersten Male und zwar zu meiner eigensten Ueberraschung Etwas erfahren habe, Geuehmigen Sie die Versicherung vorzüglicher Hochachtung mit der ich mich bekenne als Ihren ergebenen Ür. Solomon Lohn Großhcrzogl. Mecklenburg Landrabbincr der Zeit Badegast in Marienbad. — Wir können uns zwar nicht den Grund erklären, warum die Herrn Politiker sich allgemein hielten, jede Namennenung und genauere OrtSbezeichnung vermieden, doch schien diese Mystifikation nicht grundlos gewesen zu sein und wir beruhigen Sr. Ehrwürden Herrn Landesrabbiner I)r. Lohn mit der uns von achtbarer Seite zugekommcn Mittheilung, daß jener Obcrrabbinats-kompetent, Herr Dr. Hamburger LandeSrabbincr von Mecklenburg Strelitz ist. *** Die öffentlichen Prüfungen an der hiesigen Josefstädtcr Haupt und Untcrrcalschulc finden am 2-, 3. und 4. dieses Monates statt. V* Die bisher an der Joscfstädtcr Haupt- und Unterrealschule blos alfabctisch cingercihte Bibliothek, welche vom ^Hcrrn 4Ä«stav L^e w ft Lehrer-an^eser Anstalt und Jugendschriftsteller nach den Wissenschaften ganz neu geordnet und katalogisirt wurde, zählt mehr alS 2800 Bände. Besonders stark sind die Fächer der Erziehung-- und Jugendschriften — letztere zählen aber 030 Bände — Fremde Sprachen, Philosophie, Geografie und (beschichte vertreten, *#* Bei der am 17. v. M. in der constituirenden Versammlung de« UnterstützungSvereineS für mittellose isr. UnivcrsitätShörcr vorgcnommcnen Wahl wurden dicHrn. 8tuck. zur. Bk. Kafka (Vorstand) stuck, zur. R. Epstein (Vorstandstcllvcrtreler und klassier) 8tuck. uu>ck. E. Stein (Sekretär), Ltuck. zur. I. Strausky und 8tuck. meck. 1'Iiii. I»r. E. Breycr in den definitiven Ausschuß, die Hrn 8tuck. zur. F. Schütz und B. Fricdlündcr meck. 8tu<l. als Ersatzmänner und die Hrn 8tuck. meck. H. Mcles, meck. 8tuck. Phil. Stern, 8t>uck. zur. Z. Löwy als Rcchnungsrrvisoren gewählt. *** Den 2f>. v. iVi. vollzog Hr. l»r. Wilhelm Klcmpcrcr Rabbiner und Prediger in Landsbcrg an der Warthe den TrauungSatt bei seiner eigenen Schwester, der Tochter des hirs. Lehrers und Sliftungsrabb. Hrn. Abr. Klcmpcrcr. Man hatte bei dieser geistvollen TrauungSrede, die wesentlich von den gehaltlosen GelegenheitSreden mancher bedeutend älteren Kanzclredncr durch Eleganz in d!cr Sprache und schönen Jdccngang abstach, Gelegenheit, in Hrn. I)r. Klcmpcrer einen gewandten Redner keimen zu lernen, der durch die verschiedensten Pointen auf Geist und Gcmüth zu wirken weiß.. *** Wie uns berichtet wird, hielt der Prediger Herr Dr. S. H. Sonncschcin früher in der hiesigen Neusynagoge uachmals in New-Aork, Samstag de» 24. v. M. in Proßnitz, Wo durch den Abgang deö dortigen Rabb. H. vr. Schmidt, der in Fünfhaus bei Wien als Prediger angestellt, der Rabbinerposten erledigt ist, eine Gastpredigt, die ihm die Anstellung von Seite der Gemeinde gesichert hätte, falls er nicht durch Verpflichtung gegenüber seiner Gemeinde in New- Jork mit dem Anerbieten in Collision gerathen wäre. -V Wie uus aus Marienbad berichtet wird, so hatfnch daselbst ein Comite zum Zwecke von Sammlungen milder Gaben für die nothleidenden Juden in Westtußland gebildet. Der Erfolg verspricht ein glänzender zu werden, indem am ersten Tage schon 300 Rubel das Ergebniß der Sammlung war. %* Der in Berlin erscheinende „Schriftwart- Zeitschrift für deutsche Stenografie und Schriftkunde bringt an alle stenograf. Vereine, Korporationen hebräischer Wissenschaft und Literatur, sowie an die Vertreter und Förderer der Wissenschaft im Allgemeinen und der hebräischen Wissenschaft im Besondern, einen Aufruf, in welchem angesucht wird, das Unternehmen der hebräischen Sprache ein stenografisches System zu schaffen, nach Kräften zu unterstützen. Ob viel, ob wenig, schließt der Aufruf, jede Beihilfe wird doch zur Erreichung des Zieles beitragen; die Redaktion des „Schriftwart " erklärt sich bereit, zu Händen des Entdeckers jenes System-, Beiträge in Empfang zu nehmen. Reuhaus, 22. Juli. Das aus Böhmen bestehende Bertheilungs - Komite der weiland Trebiekyschen Stiftungen in Neuhaus hat der armen jüdischen Witwe Flußmann ein Legat von 50 fl. zugewendet, das sie am 22. d. M. ausbezahlt erhielt, dagegen läßt der jüdische Kultus-Vorstand zwei, seit Jahren als sehr arme Leute bekannte auswärtige Juden die sich in Neuhaus aufhalten, wegen eines Kultusbeitrages von je 10 fl. seit 8 Tager exequircn! Ehre, dem Ehre gebührt. (Politik) Weißkircheu (Mähren) In der hiesigen EultuSgeiminde wurde Herr 1)r. M. Deutsch früher Rabbiner in Pilsen, zum Bczirksrabbiner ernannt. Wien. Der Vorstand der israelitischen KultuSgemcinde hat gegen die Entscheidung des Wiener Magistrats, „daß der Name des Knaben W. Eckstein auch ohne vorhergegangene Beschneidimg in 4>aS Geburtsprotokoll ist,* den Rekurs an die k. k. Statthaltcrei ergriffen. Als Motive werden geltend gemacht, daß die Kultusgemeinde ihre Autonomie in konfessionellen Fragen wahren und die heiligsten Institutionen des Judenthums schützen müsse. Die Beschneidung sei keine Cercmonie, sondern ein geheiligtes Gebot. Die Kultusgemeinde spricht auch ihre Befürchtung dahin aus, daß der Knabe, wenn er sich als Jude betrachtet, öfter Kämpfe zu bestehen haben wird, bei dem Besuche der Schule, des Tempels, bei der eventuellen Trauung u. s. w. daß Streitigkeiten zwischen den Seelsorgern und Rabbinern entstehen werden, durch welche der in jüdisch-religiösen Dingen bisher so selten gestörte Friede gefährdet erscheint. Der Vorstand hält auch die staatliche Einflußnahme bei dem Stande der heutigen Gesetzgebung auf die hier in Rede stehende Frage für unzulässig, gewiß aber nicht für opportun, und den Magistrat nicht für die kompetente Behörde zur Ertheilung so wichtiger und in das religiöse Leben so tief eingreifenden Aufträge. Paris. Die AkadcmieJrer Wissenschaften hat an den Herrn Doktor Hayem wegen seiner Werke eine ehrenvolle Einladung erlassen. — Das israelitische Elsaß und das französische Judenthum hat in dem Tode des Herrn M. N. C. Bloch, ehemals Mitglied des ConsistoriumS in Straßburg, einen großen Verlust zu beklagen. Er starb in einem Alter von achtzig Jahren. Der Courier des „NiedcrrheinS" berichtet über ihn, daß Frankreich ihm im Jahre 1811 die Einführung des Stärkemehls und des Traubenzuckers zu verdanken hat, in welchen Industriezweigen er eS sehr weit gebracht hat, namentlich gab er dem Anbau der Kar-H