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Die Gegenwart · 1869-08-01 · 15 (1.8.1869) · p. Seite 148

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
15 (1.8.1869)
Date
1869-08-01
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
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148 und Bürgerthum wird hieraus entspringen, viel de- Guten Verbindenden, Verbrüdernden, Erhaltenden und Schaffenden hieraus hervorgehen. Die Vorsteher und Aeltesten der Gemeinde haben nicht genug gethan, wenn sie die Gelder ihrer Gemeinden eingenommen und ausgegeben haben; nicht genug gethan, wenn sie ihre RcchtSfälle behandelt und dann und wann eine äußere Repräsentation abgegeben haben; nicht genug, wenn sie die Ordnung in der Synagoge aufrecht erhalten und spür« lich für einige Andacht ober Anstand sorgen; sondern sie müffen bedenken, daß sic einer religiösen geistigen Genossenschaft vorstehen, daß sie demnächst für die religiöse Erziehung der Jugend, für die religiöse Bildung der Erwachsenen arbeiten müssen, dnrch Beispiel und Institutionen durch belebendes Wort und belebende That; daß sie ihre Gemeinde für eine geistige BildnngSanstalt ansehen, in der das höhere Heil von einer steigenden geistigen Eultur und Blüthe abhängt; sie müssen also wachsam sein und rege, schaffen, was fehlt, bessern waS mangelhaft, erhalten, was gut ist, überall vorangehen, überall anspornen, sie inüssen keine trägen Verwalter sein, die keine Rechenschaft zu geben haben, sie müssen sich selbst für die nächst berufenen Träger deS Judenthums schätzen und sich als solche ihm rüstig untcrstcmmen und seinen Fall verhüten. Die Lehrer der Gcmeiitden, welchen Namen sie auch glücklichen Paar gegönnt sein, diesen Tag noch recht oft tit Freuden wiederkehren zu sehen! Marienbad den 28. 5>uli (0. K.) tragen, Rabbiner, Prediger Rcligion-lehrcr, oder ReligionS weiser, ihre größte Schmach wäre die Trägheit; ihr NichtSlhun, aus welchem Gründers entspringe, ist ihre Schande und des JudenthumS Verfall, von ihnen hängt sein sieben, seine Erhebung, seine Würde und Achtung ab. Sie müssen sich anörüsten mit des Wortes Beredsamkeit, mit der Gedanken Tiefe und Klarheit mit der Uiberzcugung Innigkeit, mit der Thatkraft Schärfe mit der Ausdauer Macht; Je müssen das Schwanken und Wiegen, das Hin- und Hertauineln des klügelnden Bedenkens, den Eigennutz lassen, die Persönlichkeit vergessen, und nur an das Judenthum denken; sich nicht in Förmlichkeiten j verfangen, durch den Kampf um Kleinigkeiten sich verkleinern, sondern in der Wahrheit der Religion leben und streiten, auf den höchsten Standpunkt sich stellen und die Gemeinden zu sich erheben. Sie müssen bescheiden, liebevoll und freundlich sein, aber anch ernst und streng und Achtung gebietend wo es sein muß, die Parteiungen lassen und nur das Judenthum wollen; in ihnen muß die Zeit und das Judenthum indcntificirt, zurechtgclegt und in die höhere Einheit aufgegangen sein; in ihnen muß alles Gute und Herrliche feinen Anhalt, seine llnterstützung, seinen Verfechter, seine lebendige Spitze haben, in ihnen muß die Religion eine sichimmermchr vollendende Wahrheit sein und als solche verkörpert in die Erscheinung treten, sie müssen ihre höhere Mission begriffen haben; sie inüssen das MiStraucn in Zutrauen, den Zweifel in Gewißheit, die Gleichgiltigkeit in Vicbc, das i Schwanken in Begeisterung verwandeln. Nur durch ein solches vereinte Streben kann das Judenthum aus seiner Erschlaffung geweckt und zu frischerem Leben befähigt werden, das sich in angemessenen Schöpfungen bethatigcn würde. Wie sehr die Präger KultusGemeinde krank ist, beweist, daß ihre Verhältnisse auch hier behandelt werden und ist man in ärztlichen Kreisen ganz rathloS darüber, daß für die Befferung des Prager Gemeindekörpers kein Kraut gewachsen ist. Man versucht zwar vorerst den kranken Unterleib za behandeln, was nützt dieß aber, wenn zumal der Oberleib ganz siech und krank ist? Es befindet sich hier gegenwärtig Hr.S. K. Frankl Mitglied Ihrer Kultus-Vertretung der wahrscheinlich zu seiner Erholung die Oberrabbinatsfrage an verschieb denen Orten in verschiedenen Kreisen ventilirt und seine Fühler nach allen hiesigen Brunnen auSstrcckt, aus denen er eine neue Kraft für Prag schöpfen will. Um jedoch seine Freude über die bevorstehende Ernennung dieser Kraft zu verhehlen und seine brüderliche Absicht zu beschönigen, bedient sich dieser als „höflicher Mann" bekannte Herr S. K. einer eigenen Politik um jedem, um die prager jüdische Bischofsstelle Lust verspürenden Kandidaten, den Apetit zu benehmen, der bekanntlich in einem Brunnenorte ein nicht gern gesehenes Symptom ist. So ereignete eS sich, daß mehrere hier anwesende Prager den Wnnsch äußerten, den hier als Badegast weilenden Landesrabbiner in Meklenburg-Schwerin Hrn Dr. Kohn, welcher von vielen Koryphäen warm empfohlen wurde, predigen zu hören, und Herrn Frankl interpellirten, ob er nicht geneigt wäre, der Predigt des Hrn Dr. Kohn beizuwohnen. Herr Frankl jedoch erwicderte die Einladung mit den Worten: „Nein! Prag wird keinen andern als Professor Kämpf zum Oberrabbincr ernennen. Herr Kohn (der, wie ich Ihnen versichere, keine blasse Idee hatte, sich, um das prager Oberrabbinat zu bewerben) möge diese Idee nach Prag zu kommen, gänzlich aufgeben." Man braucht sich wahrlich nicht den Kopf zu zerbrechen, woher der Wind bläst, wenn man nur weiß daß sonst Herr Frankl für Hrn. Prof. Kömpf nicht so sehr schwärmt und man genießt von Marienbad aus neuerdings ein Panorama auf die jüdischen Zustände in Prag. 8. 11. Hostiwitz 26. Juli 1867. (0.- K.) Gestern feierte Herr Josef Klinge r, Vater des Herrn Ab. K li n g e r in K ar o l i n c nt h a l und des Hrn. M.KI i ng e r in Kladno sein!>0 jährige? Vermählungsfest. Zwar wurde von den üblichen Formalitäten einer Hochzeit,Umgang genommen, aber doch ist diese seltene Feier im Ausdrucke des größten Danck-und Glücksgcfühlcs in sehr solenner und rührender Weise unter zahlreicher Thcilnahme von Söhnen, Töchtern und Enkeln, Schwieger-Söhnen,-Töchtern guten Freunden und Bekannten in der Kladnoer Mühle begangen worden. Die Musikkapelle des Kladnoer VrteranenvereinS war anwesend. AuS Prag, Rakonitz und Reichenberg sind mehrere Beglückwünschungstelegramme eingelaufen. Möge es diesem New-Aork, Juni 1869 (O.-.K.) Auch Amerika wird seine Synoden haben! Herr Dr. Wise hat den Anfang hiermit gemacht und alle reformsüchtigen Gemeinden zu einer Synode eingeladen. Da dieser Herr im westlichen Theile Amerikas (diesseits der Felsengebirge) einen bedeutenden Anhang hat. so wird es nicht fehlen, daß diese Synode zu Stande kommen und er daselbst als die Sonne scheinen wird. Auf dieser Synode wird der Zeitgeist" gepaart mit „Amerikanischem Humbug" eine wichtige Rolle spielen und ich freue mich schon darauf, welche freudige Sensation die Leistungen dieser Synode im alten Europa erregen wird. Mit welchem Neide werden alle die Reformer und Doktoranden auf die neue Welt sehen, wo man sehr wenig vom Talmud zu verstehen braucht, um sich als Rabbiner zu geberden und nichts vom alten Schulchan-Aruch zu wissen braucht, um einen neuen zu verfassen. Eine zweite Synode ist von den zwei hervorragenden radikalen Rabbinen Dr. Einhorn und Adler einbcrufen. Zu-dieser sind nur theologisch gebildete Rabbiner eingcladen, welche Prinzipien für die Reformer aufstellen sollen. Sie gestehen in Ihrem Aufrufe, daß die Reform bis jetzt prinzipienlos darauf losgewirthschaftet, fühlen jedoch, daß dieses für die Dauer nicht angeht, denn auch in Amerika hat der „Humbug" seine Gränzen. Aber eben weil sie nach etwas streben, waS sich mit ihrer bisherigen Handlungsweise nicht verträgt, so braucht eS keiner Prophetengabe, um Vorhersagen zu können, daß diese Synode nicht zu Stande kommen wird. Eine dritte Synode ist in Aussicht gestellt, doch wollen wir der Geschichte nicht vorgreifen, und deren Besprechung verschieben, bider Ausruf an- Tageslicht getreten. So wenig von allem Fortsetzung in der Brllage. .

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