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Die Gegenwart · 1869-08-01 · 15 (1.8.1869) · p. Seite 147

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
15 (1.8.1869)
Date
1869-08-01
Page
Seite 147 (sequence 7)
Language
German
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: V ' ' — 147 — -aß der Judenhaß aufgchört hat im Schoße des Volkes zu gähren, sondern einzig und allein in einzelnen verworfenen Menschen einzelnen Büchern. Broschüren und Zeitungen seine giftigen Blüthen treibt! Und zur Erhärtung unserer Behauptung wie auch zur Erheiterung meiner lieben Leser ^heilen eine HerzensrrgtrßungdrS^ inBerlm erscheinenden feudal - klerilalen Blattes der „Ze i d l er 's ch en Eorrespondenz" mit, die wir hiermit gleichzeitig den geehrten Gelehrten des „Kladderadatsch" besten.« empfohlen haben möchte; die soeben genannte Korrespondenz schreibt nämlich: „ES ist zwar unverschämt, aber nichtsdestoweniger von Interesse, wenn die moderne jüdische Presse von Neuem den Anlauf nimmt. Moses Mendelssohn einen unbedeutenden und zweideutigen (!! I) jüdischen Philosophen,*) als „deutschen SokrateS" in Eours zu setzen. Es kann dies offenbar nur in der Voraussetzung geschehen, daß der jetzigen Generation über gedachten Herrn nichts weiter bekannnt sei, als die betreffende allerdings sehr reichhaltige jüdische Rcclamenliteratur. Wir halten cs daher unsererseits umsomehr für unsere Pflicht, einige Beiträge zur Beleuchtung dieser neumodischen jüdischen Kanonisation zu liefern, als wir gern das Zugeständnis machen, daß Moses Mendelssohn immerhin der beste jüdische Philosoph der neuern Zeit ist und demgemäß ein fernerer Rückschluß nicht ohne Werth sein dürfte. Bekanntlich ist Mendelssohn daran gestorben, daß der Philosoph Jacobi seine philosophischen Zweideutigkeiten und insbesondere seine doppelte Garnitur in der Spinoza-Lesingschen Frage dem Publikum mitthcilte und eS liegen außerdem die unverwerflichsten und unwiederlcglichsten Zeugnisse vor, daß die „aufgeklärten Männer" aus dem Eude des 18. Jahrhunderts nur eine Zeit lang durch den philosophischen Jargon des Herrn Mendelssohn getäuscht worden sind. Schon in seinem ersten Zusammenstoß mit Lavatcr enthüllte sich der stolze Jude — (risum teneatis amici!) indem er sein'' jüdische Ilnveränderlichkeit und die natürliche Einigkeit der jüdischen Nation gegenüber dem christlichen Bekenntnis in sehr starker Sprache betonte. Nach seiner Darstellung ist das göttliche Gesetz ein Erbtheil der Gemeinde Jakob, alle übrigen Völker sind auf die sieben Hauptgebote der Noachiden angewiesen, welche, wie er sagt, ungefähr die wesentlichen Gesetze des RaturrcchtS in siL las-, fen^— —'Döch^ das nicht genug, eS wird noch besser kommen — WaS wir wohl auf dieses kunterbunte wirre Zeug erwidern sollen? Nun, wir widerholcn die Anfangsworte der „Zeidler'schen Korrespondenz:" „ZS ist zwar unverschämt, aber nichtsdestoweniger von Interesse." — Breslau, den 27. Juli 1869. Adolf Äohut. Sticke aus das Iudenlhum unserer Zeit. (Fortsetzung und Schluß.) Blöcken wir nun aus das, was uns in der Jetztzeit am nächsten Noth thut: so ist es eine moralisch-religiöse Einigung und Hebung, die dem Judcnthume nach so vielen Wirren und Kämpfen nothwcndig geworden. Die Kritik, deren Hauptelement die Kraft dcS Zersetzens ist, hat schon genug ihr Werk im Großen und Kleinen gethan. Die Verhältniffe haben sich bereits genugsam auseinandergeschlagen, um den alten Zustand je wieder sich condensiren zu lasten, jetzt ist eS an der Zeit, durch Erhöhung des innern moralischen Geistes, durch Belebung der geistigen Krakt des JudenthumS durch eine allseitige Einigung für das Prinzip des JudenthumS eine neue Aera zu beginnen, in die wir das Gerumpel des Haders nicht mit hinübertragen. Ein Jeder versteht uns wol so weit, daß wir hiermit nicht die prosaische Aus- *) „Sie sagen: r< muthet mich nicht anr" Und meinen: fir hätten'« abgethan. Goethe, arbeitung und Herausstellung einiger trockenen Morallehren meinen, deren hat das Judenthum längst genug; auch nicht die bis zur.Langweiligkeit sich immer wieder erneuernden kleinen gottesdienstlichen Reformen, wo aller Triumph sich auf einen abqesckafften Mut vereinigt. Sonderu-wir meine» das große Ganze, das einer Erstarkung und Belebung bedarf : darauf wollen wir Alle, denen das Judenthum am Herzen liegt, verweisen. Eine römische Sage erzählt, einst haben viele Jahrhunderte Körper und Geist gerungen, wer die Oberherrschaft haben solle in der Menschenwelt bis endlich der Geist gesiegt und fortan das Zepter geführt. Dieser Kampf scheint sich in unseren Tagen erneuert zu haben, wenn auch in feinerer Gestalt. Nicht die rohe Körpcrkraft, wohl aber das Materielle mit seinen Genüssen und Befriedigungen, mit seinen Bedürfnissen und Anstrengungen, hat den Kampf er- I öffnet gegen das Geistige und was in dessen Gebiet hinein, spielt, und sucht dieses mit aller Gewalt von seinem vorwiegenden Standpunkte zu verdrängen. Gerade im Judenthum äußert sich aber dieser Kamps auf eine bedeutsame und verderbliche Weise; denn durch die bürgerliche Gleichstellung durch die in Folge gänzlicher Emancipation eingetrctenc Sucht nach bürgerlicher Ehre und Bedeutsamkeit, durch die ebenfalls bewirkte Veränderung der kommerziellen und gewerblichen Verhältnisse der Juden, die einebesondere Anstrengung und Aufmerksamkeit zur Ausgleichung bedingen; anderseits durch das vielfache Aufgeben der, den sinnlichen Genuß umschränkenden jüdischen Gesetze, ist unter die neueren Juden die Materialität sehr hineingedrungen, verdrängte alle die höheren geistigen Jntetcssen, die mit jenen nicht geradezu in Verbindung standen, und bewirkte für die Religion eine Abspannung und Erschlaffung, die, schritte sic so vorwärts, die übelsten Folgen haben müsste. Man bedachte nicht, wie gefährlich eine Masse werden könnte, die religiöser Leitung baar religiöser Anregung beraubt oder entfremdet, nur den materiellen Bestrebungen nachginge! Es ist ein Jrrthum, wenn man annimmt, daß diese Kraftlosigkeit durch die Reibungen alter und neuer Parteien hcrvorgcrufcn. Hier und da mag dieß wohl so sein, tut Allgemeinen nicht. Denn einerseits haben Reibungen eher Intensität, als nichtige Erschlaffung zur Folge; anderseits finden diese Reibungen meist zwischen Einzelnen nur statt. Die alte Partei wie die der Neuern wetteifern aber in der ylbgeslniiipftheit für das Allgemeine" des JudenthumS- Wir haben hiermit den nächsten Zweck, das nächste Ziel im Judcnthume schon ausgesprochen. ES ist die innere Erträftignng und Einigung seiner Bekenner für die geistigen Momente desselben. Und um diesen Endzweck zn erreichen, muß die Masse die Gleichgiltigkeit abwrrfcn, die sie drückt, sich wieder beleben und begeistern für den höhcrn Inhalt ihrer Religion, die Streitigkeiten um einzelne I Formen fahren lassen, um nur die Wesenheit der Religion | zu wahren, sic muß das Judenthum nicht, in ihrer Gemeinde allein, seinen Sitz nicht in ihrer Synagoge allein annchmcn, sondern in einer großen geistigen Einheit; sic muß die Zeitfragen beachten und sic in ihrem Bezug zum Judcnthume stellen; sie muß sich immer vergegenwärtigen, daß das Ju« dcnthum einen tiefen innern Anthcil hat an den Fragen und Aufgaben der Menschheit und der Weltgeschichte, die zur Lösung gebracht werden müssen, sie muß die Bestimmung des JudenthumS begreifen lernen, sie in ihrer ganzen Fülle umfassen, sie muß diese alsdann auf ihr Leben und Wirken einwirkcn, cs nach ihr sich gestalten lassen! sic muß dann diese in ihre Persönlichkeit cindringcn und sie erfüllen lassen sic muß hinwieder um ihre Persönlichkeit der Allgemeinheit unterstellen und jene für diese wirken lassen, sie muß daher alle seine Institute mit Rath und Thal unterstützen, sie aufrecht erhalten oder begründen helfen und Andere für gleiches Streben zu gewinnen fudjen, mit solchen Gleichgesinnten muß sie in engsten Verband treten, um gemeinschaftlich für die religiös-moralische Hebung zu wirken, cs müssen Besprechungen und Vereinigungen darüber gehalten, Vorträge angehört und ein reges Leben überallhin und allseits angeregt und rege gehalten werden. Großes für Religion

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