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Die Gegenwart · 1869-07-15 · 14 (15.7.1869) · p. Seite 138

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
14 (15.7.1869)
Date
1869-07-15
Page
Seite 138 (sequence 8)
Language
German
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wurden nämlich zwei katholische, ein evangelischer, -aber kein einziger jüdischer Geistliche in den Landesschulrath berufen, und doch ist die Zahl der Juden Böhmens (80.000) eine respektable, beinahe so groß, wie die der Protestanten und Rcformirtcn daselbst! (S# muß sich daher Jedem, der daS Schulgesetz vor» 25. Mai ^868 mit zu den -schönsten Er^ rungenschasten der Neuzeit zählt, die Frage aufdrängen: War den» von den fünfzig Rabbinern Böhmens, unter denen es mehrere nahmhafte Gelehrte Ooctores pliilosophiae gibt, kein einziger fähig oder würdig, in den LandeSschulrath berufen zu werden, daß die hohe Regierung um dem bezogenen Paragraph des neuen Schulgesetzes doch theilwcisc gerecht zu werden, anstatt zu den jüdischen Geistlichen Böhmen-, zu den dortigen Advokaten dieser Konfession zu greifen sich bcmüssigt sah? *.f* (tfiitc neue Euttuö-Bcrtrctung.) Zn einem Berichte der „Prager Zeitung" vom 8. d. M. über das Leichenbegängnis des verstorbenen Herrn Professor Blcyer, heißt cS unter Anderem auch: „Im Lcichc nz uge sa h man auch den Herrn Sekretär Tewel cs als Bert reter der E u l t us gc m ein de." Wir finden eö nicht gerechtfertigt, daß sich der Referent bei Schilderung eines so ernstes Akteeines unzcitigcn Scherzes bedient und gerade Herrn Tewclcs zur Zielscheibe der Ironie macht. *** Mittwoch den 8. d. M. wurden die Herren Seligmann Heller und Dr. Langfcldcr als Lehrer der Talmud- Thora-Schule vom Obmann oicscr Anstalt Herrn Professor Wessely halbjährig gekündigt und beziehen bis I. Jäner 1870 zusammen noch den Gehalt von 450 fl. — Bon den Schülern befindet sich alü Religuie diesedenkwürdigen Instituteein einziger.. *** (Stcrbesall)^Am 0. d. M. verschied Herr Simon Blcyer Professor der Stenographie nach langem Leiden im 41. Lebensjahre, Der Bcrstorbene, seines biedern und aufrichtigen EharakterS wegen in den weitesten Kreisen geachtet, hatte da- Berdicnst der Stenografie in Prag und Böhmen die weiteste Bcrbrcitnng verschafft und sic allen Ständen zugänglich gemacht zu haben. Bon seinen großartigen Leistungen auf diesem Gebiete der Gabel-bcrger'jchm Erfindung, zeugen vor Allem die ungeheuere Schülerzahl, die ihm die Kcnntniß der geflügelten Schrift danken, sodann die Ehrendiplome, die Anerkennungsschreiben der verschiedenen k. k. Ministerien, dctz Frager k. k. Lande-generalkommando nnd unzähliger Bereinc und Körperschaften. Al- Lehrer der Steuografic am hiesigen Polytechnikum, an dem k. k. Gymnasium auf der Nienstädt und Klcinscitc, an der deutschen und böhmischen Obcrrcalschulc, der Handelsakademie, der Josefstädter ttntcrrcalschulc (wo er durch eine Reihe von Jahren gratis Unterricht erthcilte) hat er sich sowol durch seine das Berständnis erleichternde Methode, und exakte Pflichterfüllung als auch durch sein bescheidenes und leutsccligcs Benehmen, die Liebe der Borgesctzten und Schüler im hohen Grade erworben, so daß auf diesem Felde der Knust durch Blcyer'S Tod eine empfindliche Lücke sich fühlbar machen dürfte. Als Direktor der Stenografen im h. böhmischen Landtage, Borstand des deutschen GabclSbcrger-Stenografcn-BcrcinS in Prag und Redakteur der Bcrcinszcitschrift für deutsche Stenografie loste er stets in anerkenncnSwcrther Weise seine ihm gewordene Aufgabe. Am 8. wurde er vom isr. Badehose aus, wo Sr. Ehrwürden Herr Dr. Stein an der Bahre des Berstorbcncn eine auf das Wirken desselben bezügliche sinnreiche Trauerrede gehalten, in der er zum Schlüße die Anwesenden ermahnte, der Hinterbliebenen trauernden Witwe und dreier unmündiger Kinder zu gedenken, unter zahlreicher Thcilnahmc der verschiedensten Stände, unter denen viele kaihvlischc Geistliche, die Lehrkörper der Gimnaflen, der frühere Bürgermeister Dr. Ritter v. Bcl-ky u. s. w. zu bemerken waren, dagegen der Borsitzcnde der isr. Eultus Gemeinde, dessen Stellvertreter und deren Gefolge durch ihre Abwesenheit glänzten, nach dem isr. Gottesacker in Wolschan überführt. Auswärtiges. Wir». Im abgelaufenen Jahre find hier 6471 Knaben nnd 6042 Mädchen in der Ehe dann _L250_ Knaben und— 6185 Mädchen außer der Ehe (mit Inbegriff des Findel- Hause-, daher in Summa 24.948 Kinder, nämlich 12,721 vom männlichen und 12.227 vom weiblichen Geschlechte geboren worden. Rach der Konfession gebären 23.142 zur katholischen, 4 zum griech-katholischen, 22 zur griechisch-orientalischen Religion, 555 zur evangelischen Kirche Augsburg, i*0 zur evangelischen Kirche Helvet. Konfession nnd 1135 zur m o s a i s ch cn Religion.— Der Statthalterei wurden soeben die offiziellen Ausweise über die im Jahre 1868 stattgefundene Bewegung der Bevölkerung in Trauungen, Geburten und Ableben vorgelcgt. Trauungen sind 5890 vorgenommen worden, darunter im Monat Jäner 262, im Februar 1309 (Fasching), im März 35 (Fasten), im April 203, im Mai 576, im Juni 453, im Juli 347, im August 600, im September 464, im Oktober 479, im November 1130 und im Dezember 30 (Advent.) Trauungen, wo beide Theile ledig waren, haben stattgefunden 4804, beide verwitwet 166, ein Witwer mit einer ledigen Braut 658, Witwen mit ledigen Männern 262. Nach der Konfession gehörten von den Brautleuten zur katholischen Kirche 5433, zur gr.-kath. 7, zur griech.-orient. Kirche 11, zur AugSb. Konfession 202, zur helvetischen 30, zur mosaischen Religion 217. Gemischte Ehen wurden 388 eingesegnet. Der jüngste Bräutigam war 18 Jahre, die jüngste Braut 15 Jahre; der älteste Bräutigam war 74 Jahre alt, die älteste Braut 69 Jahre — und noch heiratslustig! I Reschlh. Ein seltener Akt von Toleranz wird hier gemeldet: In Franzdorf (2 Meilen von Reschitza) heiratete dieser Tage ein P r o t e st a n t eine römisch-katholische Dame und eiu Jude fungirte als TrauungSzcuge. Die Ehe schloß der dortige römisch-katholische Pfarrer. Wels. Am 24. v. M. fand hier eine bisher nicht gesehene Feierlichkeit statt. Unter einem großen Menschenandrange wurde nämlich die erste jüdische Trauung vollzogen. Der Rabbiner hielt bei dieser Gelegenheit eine sehr ergreifende Ansprache und drückte schließlich seine Freude darüber auS, daß von Seite der Bevölkerung der als liberal aner« kannten Stadt Wels diesem TrauungSaktc eine so große Theilnahme geschenkt wurde. Bözöd-Nhfaln (Siebenbürgen) Es wurde seinerzeit erwähnt, daß hier mehrere zur Sabbathäer-Sekte gehörige Familien zum I n d e n t h u m e ü b e r g e t r e t e n sind. Dieser Tage erhielt nun der „P. L." ein Schreiben von dort, worin geklagt wird, daß diese Juden von der Behörde sehr stiefmütterlich behandelt werden; insbesondere soll jüngsthin vom ObcrkönigSrichter des Udvarhelyer Stuhles an den betreffenden Stuhlrichter eine Verordnung ddo. 12. Juni l. I. Zahl 551 ergangen sein, worin mit Bezug auf die Verordnung des Sicbenbürger kön. Kommissärs Herrn Grafen v. P e chy, refp. auf den Erlaß des k. ungar. Kultusministeriums ddo. 12. Mai l. I. Zahl 1318 den Betreffenden eröffnet wird, daß in Rücksicht auf die appro* bata constitutio und den G.- A. 53 ex 1868 der Uetz e r tr i t t v o m E hrist c n th um e z u m I u d e nth ume in Ungarn nicht g c st a t t c t sei! Der „P. L." stellt nun die Frage, wenn emit obiger Verordnung seine Richtigkeit hat, waS haben jene zum Judcnthum bereits vor einem Jahre übergctretencn Personen zu thun? .— werden sie gezwungen werden, sich taufen zu lassen'? Krakau, Die Bestattungsfeier der Ueberreste König Kasimirs des Großen wurde auch in der hiesigen isr. Gemeinde in würdiger Weise gefeiert. Abends fand eine Andacht in dem israelitischen Tempel bei dem die Aristokratie die Landtags- Abgeordneten, die verschiedenen Deputationen, sowie die christliche Damenwelt sehr zahlreich vertreten wa-

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