Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 14 (15.7.1869)
- Date
- 1869-07-15
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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schmid 'als Honneur die Versammlung in einer ziemlich schwülstigen Red.', worauf sich die Versammelten von ihren Sitzen erhoben, vr. Adler auS Kassel einer der Synodenarrangeure, drückte die Besorgniß ans, daß sich dem Beginnen große Schwierigkeileu^nameutltch der falsche Konservatismus und JndifferentiSmuS aufthürmten. Auf' Antrag des vr. Goldschmid provisorischen Vorsitzenden wurde, die von einer Borversammlung ausgestellte Geschäftsordnung enbloc angenommen. Der Psycholog vr. LazaruS aus Berlin, wurde mit 50 von 77 Stimmen zum Vorsitzenden, Geiger (Frankfurt) und Ritter v. Wcrtheimer (Wien) wurden zu dessen Stellvertreter, Advokat Lehmann (Dresden), vr. Engel (Wien) Wertheim (Berlin), Honigmann (Breslau) zu Schriftführern ernannt. Professor LazaruS eröffnete die Sitzung mit Hinweis auf die Größe der Aufgabe, welche die Synode sich gestellt und führte was ihm nachgerühmt werden muß, mit Takt und Geschick den Vorsitz. Philipson besprach in seinem gewöhnlichen ZeitungSstil die Prinzipien des neuen Staats und der neuen Gesellschaft, der Einheit aller Menschen, der Gleichheit aller vor dem Gesetze, und suchte die Uebercinstimmung des Judenthums mit diesen Prinzipien zu begründen. Im Ganzen war diese Eingangsrede unnütz, und konnte man auch in dieser Rede erkennen, daß Philipsohn nicht zu den Rhethorikern unseres Jahrhunderts gehört. Rach Annahme Philipsohns Erklärung gelangte vr. HerxheimcrS Bericht der Unterrichtskommisiion zum Vorträge, der das Zusammenwirken kleinerer Gemeinden tüchtigere Bildung und bessere Stellung der Lehrer, namentlich aber auch die Herstellung eines kurzen ReligionslehrbucheS betraf, worauf vr. Geiger als Referent der Unterrichtskommission die von derselben gefaßten Punkte, betreffend die Errichtung und Pflege tüchtiger Religionsschulen für die Jugend beider Geschlechter, den höheru Religionsunterricht jüdischer Zöglinge an höheru Lehranstalten vorlegte, die ich hier, da sie nichts Neues bieten, anzufahren für überflüssig erachte. Der Antrag auf dreijährigen Thoracyklus, auf Abstellung des AufrufenS zur Thora so wie die Weglassung verfänglicher Stellen in derselben ist gefallen, dagegen wurde angenommen, daß sich der einjährige Thoracyklus auf das Morgen- und Abendgebet vertheile, das Gebetbuch (Sidur) eine Revision (Weglassung verschiedener Gebete) erfahre u. s. w. Im Ganzen und Großen wurde viel geredet, mitunter auch Stuß, viel citirt in homiletischer und nicht homiletischer Weise, viel dem Wein zugesprochen, in welchem bekanntlich die Wahrheit liegen soll, toastirt und sich gegenseitig vekomplimentirt. Die Versammlung selbst both dem ohngeachtct eine Gruppe der verschiedensten orientalischen Typen und so wie ein Mahler an diesen mitunter interessanten Köpfen Studien machen konnte, so wäre es den modernen Layatcrs ein Leichte« gewesen, die Reform sprudelnden Köpfe zu untersuchen, wie sie im Geiste anders denken, während sie mit dem Munde anders sprechen. Die wenigen geistlichen Vertreter aus-Böhmen zeichneten sich durch die dem Sokrates eigen gewesene Eigenschaft, durchs Schweigen aus, und den geistvollen Männern gegenüber, war cS den ersteren sehr mühsam ein rechtes Wort über die Lippen zu bringen. Der Gemeindetag, dem der hiesige Gememdevorstand Herr Kohncr präsidirte, nichts anderes als ein Ableger der Synode, sollte, was für Ihr Ocstcreich, speziell Böhmen etwas komisch klingen mag, die Gcsammtheit der deutschen Juden, ohne Rücksicht auf mehr oder weniger strenge konfessionelle Rich tung, zu gemeinsamen Zielpunkten möglichst einigen, also wahrscheinlich den norddeutschen und süddeutschen Bund verknüpfen helfen, vr. Geiger war ursprünglich für Verschmelzung des Gemcindetagcs mit der Synode, fein Antrag wurde jedoch mit Majorität abgelchnt. Der Gemeindetag war nichts Anderes als ein von den SynodearangeurS ausgeführter Eoup, wonach dieselben, mit dem Gemeindetage in wenn gerade nicht direktem Eontakt stehen können, und daS wenigstens erzielen, daß die Mitglieder des GcmeindetageS die von ihrer Gemeinde nicht das Mandat haben, die Synode beschicken, derselben beiwohnen und zu Hanse wenigstenerzählen können, was die modernen Gesetzgeber verlangen. So geschah eS, daß der Abgesandte Ihrer Vertretung Herr Feigl, der nebenbei gesagt, mit DemosteneS das gemein hat. was eben an diesem Redner des Alterthums als der emz>ge Fehler zrrbezeichnrn Mir, in die Falle ging, und sein Mandat, daS, wie ich Ihrem geschätzten Blatte entnahm, dahin ging nur dem Gemeindetage beizuwohnen, auch die Synode mit seiner Gegenwart beehrte und die Präsenzliste mit seinem Namen vcrgrößßerte. Der Herr Georg bringt zwar nicht das Verdienst nach Hause den Lindwurm gctödtct zu haben, den die Reformer irgendwo wittern, aber das Verdienst sich nicht versprochen zu haben; und daS ist auch ein Verdienst. Im Ganzen bot der Gemcindetag nichts Interessantes und lief das ganze Parlament, darauf hinaus, — Deutschlands Einigstit wo bist du hingerathen! — einen Bund aller israelitischen Gemeinden Deutschlands und Dentsch-Oestcreichs zu bilden. Der Bund soll in'S Leben treten, sobald eine Anzahl von I00 Gemeinden sich angeschlossen hat oder doch wenigstens circa 2000 Thaler (mit odcr ohne Agio?) Stcucrbciträgc gesichert sind» Ich dürfte auf die beiden jndischdeutfchen Parlamente noch zurückommen. Locales. Oeffentl. Sitzung der ist. Cult.-Gcm.«Verwaltung abgehaltcn am 4. Juli 186!). Beginn der Sitzung % 11 Uhr. Anwesend die Herren: S. K. Frankel. Dr Gitsckiin Lieben, vr. Pribram, Singer, vr. TedeSco, Pros., vr. Wessely, Vr. Wiener. D. Zappert. Es waren sonach abwesend die Herren: G. Feigcl, Fischt, OserS, vr. Randnitz, Schwab, G. Schitz» Ignatz Schlitz. M. A. Wable, Nachdem die Sitzung vom Präses eröffnet wirv, wird da« Sit» zungöproiokvll vom 13. Juni verlesen nnd genehmigt. 2s folgen nun einige prästdielle Miltheilnngen, unter denen sich da» Anerbieten dr» LandeSrabbiners von Mecklenburg aus die Oberrabbinerstelle zu Prag befindet lwird bis auf weiteres ad acta gelegt) und die Zuschrift der h. k.k. Statlhalterei, behufs Ernennung des Hrn. Dr. Wiener zum Mitgl. deü LandcSschnlralheS verlese». Bon sämmtl. Progra:i»nsp»nklen kann nur folgender zur Debatte gelangen, da theilS die Bollzahl von 12 Mitglieder nicht vorhanden ist, »Heils die Berichterstatter selbst abwesend sind. Dieser Punkt betrifft die Vorbereitungen zur ErgänzniigSwahlder Repräsentanz. Referent Dr. Trdcsco bemerkt, dasi die Wählerlisten nach den einzelnen Sleuerklassei^bereüSentworsen sind, undzur Einsicht der Wähler in Bezug auf die Reelamation aufgelegt werde», und stellt den Antrag, dieselbe einer Commission von 2 Mitgliedern zur Revision zu übergeben, (augenommen). Als Kominissionsmitglieder werden die Hrn. Frankl und Zappcrt gewählt. Rach Erledigung eines Gesuches de» Schächters Schack um einen Gehilseu während der UrankheitSdauer dr» H. Gitig wird die Sitzung um '/, 12 Uhr geschlossen. *** Zu dem iit der letzten Nuinmcr dieser Blätter re« producirtcn die Ernennung des jüdischen LaudcSschulratheS betreffenden Artikels, diene als Supplement folgendes an die Redaktion der „Neuen freien Presse,, ddato 7. Juli gerichtete Schreiben: der 8. 12 des Schulgesetzes lautet: In den Landesschulrath sind unter dem Vorsitze des Statthalters (Landes-Ehefs) odcr feines Stellvertreters Mitglieder der politischen LandcSstclle, Abgcorduelc des LandeSausschußeS Geistliche aller Eonfcssioncn und Fachmänner im »ehrwcscn zu berufen." Während .vir nun unter den ueuernannten Mitgliedern des LandcSfchulrathcS in den cinzclncu Provinzen mehrere katholische und evangelische Geistliche finden, begegnen wir keinem einzigen Geistlichen jüdischer Eonfcssion. Wol ist in den mcistcu Ländern, in denen die Ernennung für den LandcSschulrath bereits stattgcfundcn, die .Zahl der Juden zu gering, als daß diese auf die Berufung eines Geistlichen ihrer Eonfeffiou in den LandcSschulrath Anspruch zn machen berechtigt waren; in Rieder- und S bcröstcrreich Krain, Mähren und Schlesien aber steht die Ernennung der Mitglieder des Landesschulrathcnoch bevor uild man könnte sich daher noch immer der Hoffnung hingebcn, cs werde in den letztgenannten Provinzen seiner Zeit auch auf die Geistlichen jüdischer Eonfeffiou Bedacht gcuommen werden, jedoch die augenfällige Außerachtlassung derselben bei Ernennung der Mitglieder des LandeSschulratheS. für Pöhmen gestattet es nicht, dieser Hoffnung Raum zu geben. In diesem Lande