Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 14 (15.7.1869)
- Date
- 1869-07-15
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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135 nicht absehen konnte*) Ich mnsste also einfach da? für mich so verjährte corpus delicti abdrncken lassen, um die ganze unerhörte Geschichte darstellen und erklären zn können. Dieses alte Stück noch einmal zu sehen, mag für Biele — und namentlich fflr-llnfdprfbiy-sehr schmerzlich gewesen^ sein, es hätte mir erspart und diesen erspart werden können, wenn der latente Erfolg jenes Artikels endlich auch auf jener Seite sich verloren hätte. Ich erwartete dieß lange Zeit, aber die unerhörten Unverschämtheiten der Wiener Presse bei Gelegenheit der ״Meistersinger"**) die sortge setzte freche Lügcnschnciderei über mich, und die wahrhaft zerstörenden Erfolge hiervon, haben mich endlich, da ich durch eine Frage hierüber veranlasst war, zu meinem rttcksichtSlosen Schritte bestimmt. Ich habe nun aber einem wirklich geistvollen Juden Alles an die Hand gegeben, dieser ganzen Frage eine große und gewiß segensreiche Wendung, sich selbst aber eine höchst bedeutende Stellung zu unserer wichtigsten Culturangelegcnhcit zu geben. Ich weiß, cs muß ein solcher da sein; wagt er nicht zu th un was seine Sache ist,***) so muß doch ichwjeder über alle Maßen traurig Recht haben, wenn ich das Iudenthum —namentlich aber daS moderne deutsche Judenthum — so bezeichne und so bezeichnen lasse, als daß von mir geschehen i st. Aber M u t h in u ß man haben, nicht bloß Frechheit,****) denn mir ist's Ernst um die Sache. — ״Sagst du mir nun, der ״Lohengrin habe die Juden versöhnt, so vernehme ich darin eigentlich nur, daß meine Broschüre als eine Ucbereilung angesehen und als solche mir verziehen wird. Damit ist mir nichts recht TröstlicheS gesagt, Gntmüthigkeit habe ich gerade auch von den Juden schon ungemein viel erfahren. Courage soll Einer haben,*****) dann will ich mich freuen!"- So spricht der Meister und — macht sich lächerlich! Denn wenn *<■. Wagner noch heute, nachdem ihm jeder auch nur halbwegs anständige Schriftsteller einen Fußtritt versetzte, noch imincr und immer auf den alten Unsinn — בכלב שב אל קיאו — zurückkehrt, so wird man unwillkührlich an das Wort des Dichters erinnert: ״Das sind die Weisen, Die durch Jrrthum zur Wahrheit reisen; Die bei dem Jrrthum verharren. Das sind die Narren." — Breslau, den 23. Juni. Adolf Lohnt. Prag 13. Juli (0.- K.) Wenn ich, geehrter Herr Redakteur, den geschätzten Vcfern dieses Blattes, eine unerquickliche Begebenheit mittheilc, so thue ich dieß im Interesse der Humanität und der Rechtlichkeit. Wie denselben bekannt sein dürfte, existirt hier ein Waisenhaus, der Zweck eines solchen findet sich in der ctymologischen Auseinandersetzung, welche nichts anderes bedentet, als ein Hans für Waisen, ein Asyl für verlassene Knaben, denen weder daö Auge eines Vaters entgegen blickt, noch ein fühlendes Herz einer zärtlichen Mutter schlägt. Anstatt aber diesen Vater- Mutter- oder gar Elternlosen *)(5. M. Orttl!1 ger hat vollkommen Recht, wenn er in seiner m diesen Blättern besprochenen geistvollen Broschüre gegen Wagner diesem — besonders in stplistischer Beziehung — die Bildung eines TerliancrS obsprichl. Welcher Stil! Welch rasendes Wortgcflechte! **) Diese Lüge ist ein Uni,-um in ihrer Art: Wagner datirte l"n Pamphlet vom Neujahr 186!» und die wahrhaft vernichtende Kritik der Meistersinger in der ״N. Fr. Presse-' vom ü. Mär, l. I. verfaßte «er berühmte Kunsthistoriker Prof vr. W. Lübke Ende Februar, also 2 Monate nach dem Erscheinen des Wagner'schen LibellSÜ! ***) Welch eine Frechheit! Fast die gcsammle jüdisch-europäische Presie, die bedeutendsten Kritiker man kann sagen jeder begabte Mensch überhaupt widerlegte da- W'iche Machwerk — und dennoch wagt r» dieser große Blechist ,» behaupten, daß man geschwiegen hätte!! — ****) Also doch auch Frechheit!'! — »**ף Bon der Feigheit Wagner» kann die Münchner chronique mndAleme manch' ergötzlich« Anekdote erzählen l jene fehlenden Elemente zu ersetzen, durch die sie ernährt, erzogen, gebildet und einen: Berufe entgegeugeführt werden sollen, leben die armen Kinder, trotz der sonst nicht schlechten Einrichtung des shustitutes. in einem iammernollen—Exil. - Denn cs genügt nicht, daß der Körper allein gepflegt wird. eS muß auch der Geist dieser Kern des KörvcrS geweckt werden. Wenn es aber vorkommt, daß die Knaben vom Erzieher in einer Weite gezüchtigt werden, daß die Voiitc auf der Straffe das Ja!nmergcschrci vernehmen und ent« rüstet, über die Ironie, zn der das WaisenhanS wird, sich in Worten der Erbitterung s?nft machen, so wird nicht der Geist geweckt, er wird abgestumpft, und gedrückt. In einer Zeit, wo die Volksvertreter, ans Abschaffung von Kettcn- und L eibcsstrascn hingewirkt haben, gehört die körpcr« liche Züchtigung zumal in einer übermäßigen Art, nicht in den Bereich der Erziehnngssystemc! Welche Resultate liefert eine solche Pädagogik, welchen Dank kann ein Institut erwarten, wo die Jugend in die Zwangsjacke grsteckk. sich eher in einem ArbeitSals in einem improvisirten Elternhause befindet. ES ist nur zu bedauern, daß Herr S. I. Kohn ein ebenso gebildeter, wie energischer und umsichtiger Mann, der sich so oft schon um diese verwahrloste Jugend gckümmert hat, als Mitglied der Eommissiou des Waisenhauses, in seinem Wirkungskreise von seinen Eollcgen verlassen wird und ist eS zu wünschen, daß man ihn etwas mehr an'S Tageslicht gelangen lasse. Im Interesse der H'.unanität, ich betone es, mache ich die Eominission ansmcrtsam, sich von den Zöglingen des Institutes und allen, welche zu demselben gehören, genau inforinircn zn lassen, welch: Be- Handlung sie genießen; daö richtige Eorrcktiv für gewisse Mängel zu finden und bei der Anfnahmc eines l'chrcrS von der barokkcn Bedingung abzugehen, derselbe müsse ledig sein. Denn eS liegt in der 'Natur der Dinge, daß ein lcdigcr junger Mann, der sich mit Allotria beschäftigt, nicht Herz und Kraft besitzen kann, Vater- und Mutterstelle zu vertreten. Die Eomnlission hingegen bedenke und führe sich eS zu Gemüthe, daß ihr Auge über fremdes Gut wache, das sie einst der nncrforschlichen Zukunft übergibt. In der düstersten Stimmung schließe ich diese Zeilen und bitte dieselben in die Oeffentlichkeit zu bringen. Tcplitz den 11. Jnli ltf<>!L(Ü.־ K.) Ein seltener Tranungsakt fand vor einigen Tagen im hiesigen israelitischen Tempel statt. Fräulein Maria Hollcschke aus Schönlindc war am 14. Mai d. I... nachdem sie dem interkonfessionellem Gesetze entsprechend, ihren Austritt aus der christkatolischcn Kirche bei der Bezirtshauptmannschaft in Nnmburg angcmcldct und den Unterricht in den Grundsätzcn der israelitischen Religion empfangen hatte, beim hiesigcn Kreisrabbincr Herrn Pick erschienen und hatte um Aufnahme in das Jndcnthum angcsncht. Ungeachtet der vom jüdischen RitnS vorgcschricbencn Verhaltungen und Gegen- Vorstellungen, erklärte sic, auf ihrcn Entschlüße beharren zu wollen, und wurde demzufolge in das Jndcnthnin ansgenommen. Diesem nur tut Kreise der nächsten Verwandten dcö Mädchens und in Gegenwart einiger israelitisch.r Zeugen vorgenommenen feierlichen Alte schloß sich am 15. Znni die öffentliche Trauung der Eonvcrtitin mit Herrn Karl Mannsselb einem in Tctschen wohnhaften Kanfinaane israelitischer Eonsession an. Die Eltern der Braut hatten ihre Einwilligung zum Ucbcrtrittc sowohl als auch zur Verehelichung ihrer Tochter gern crthcilt, und cö war eine rührende Scene, als der christliche Vater bei der nach' jüdisch.׳:׳ Sitte vor der Trauung erfolgenden Verschleierung der Braut ihr den üblichen AbschiedSknß gab. Die Trauung vollzog der Kreisrabbincr Pik in würdiger Weise und ich lasse dessen Anspräche an das Brautpaar (nach stenografischen Auszeichnungen) folgen: Im Namen dessen, der allmächtig ist, begrüße ich dich liebe« Brautpaar hier im Gotteshause. - -- -־ - <