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Die Gegenwart · 1869-07-15 · 14 (15.7.1869) · p. Seite 133

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
14 (15.7.1869)
Date
1869-07-15
Page
Seite 133 (sequence 3)
Language
German
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einen für die jüdische Wissenschaft begeisterten Schulmann« in den LandeSschulrath bringen? kann er uns anstatt athe» istischer Theaterkritiker vom Geiste der jüdischen Religion beseelte Männer in einem spezifisch-jüdisch^. Institute anstellen? kann er unö ein ordentliches Waisenhaus crrichten^ wv^ die^ armm gedrückten Waffen weniger unter dem Korporalstocke, mehr unter dem pädagogischen Winke stehen? kann er uns ein Armenwesen schaffen würdig unserer Religion? kann ei^unS eine Selbftbesteuerung nach dem Muster Wien's, Brünn S u. s. w inS Leben rufen, damit man nicht der Laune jener ehrsüchtigen Männer unterliege, die nur blindlings besteuern, wenn nur ihr Ehrgeitz durch den Sitz in einer Commission befriedigt ist, der ein klägliches Bild eines Ehrenamtes bietet? kann er uns ein gerechte-, der Zeit und dem Willen der Gemeindeglieder entsprechendes Gemeindestatut abfassen? kann er uns von einer AmtSkanzlei befreien, die wie ein Bampyr an dem Körper der Gemeinde saugt? kann er eine moralische Jugend, kann er bessere Schulen schaffen? Wir bezweifeln dieß Alle-, weil wir der Meinung find, eine gute Gemeindevertretung ist ein gutersGemeindetag, der jede Woche zum Heile seiner Gemeinde tagt, und wo keine zum Heile derselben wirkende, vom Geiste des Judenthums beseelte Gemeindeverttetung, dort wirkt ebenso wenig ein Gemeindetag über die Marken des Baterlandes hinaus, wie eine Synode auf eine Gemeinde Einfluß'üben kann, der ein gottgefälliges uneigennütziges geistliches Oberhaupt fehlt- Darum wenden wir auch hier als Schlußworte die Worte jenes großen englischen Protektors an: „Weichet von hier, ihr seid nicht länger ein Parlament der Herr mag euch nicht mehr." B. Lücke aus -as Iudenthum unserer Zeit. von De. A. Rab rr Rabbiner und Prediger. Der auf progressive Verbesserung dringende Impuls unseres Jahrhunderts hatte^bereits mit dem Anbeginne deö- —selben die besten Köpfe innerhalb und außerhalb der jüdischeu Synagoge für die Berbeflernng des jüdischen Gottesdienstes in Bewegung gesetzt. Aber so sehr sie auch diese Aufgabe mit rastloser Thätigkeit in Schrift, Wort und Thal verfolgt haben, sahen sie sich dennoch in ihrem edlen Streben mit keinem günstigen Erfolge belohnt. Wir-nehmen daß Zttt und Umstände noch immer dagegen angekämpft, daß selbst im Iudenthnm die Gemüther im Allgemeinen noch nicht für Erneurungen empfänglich waren. Wenn aber in unseren Tagen, wo der Kultus-Reform die wärmste Theilnähme von allen Seiten her zugewendet wird, wo sie überall al« ein solches dringendes Bedürfnis anerkannt ist, daß sie selbst von den redlichen Anhängern des hergebrachten nicht mehr als bloße Forderung moderner Aufklärungssucht verschrieen wird, wo endlich der Kultus an den Rabbiner die eifrigsten Reformatoren gefunden hat, dennoch diese Reform noch immer nicht auS ihrem Entwicklungs-Zustande sicher gefördert zu werden vermochte, keinem der geschehenen Versuche bisher gelungen ist, irgend eine bedeutende Stimmenmehrheit, weit weniger noch alle Stimmen für sich zu gewinnen und daß, bis zu dieser Stunde, keine der beabsichtigten oder angetragenen Veränderungen im Stande war sich eine allgemeine Annahme zu verschaffen, so müssen wir unö gestehen, daß dem ganz besondere Umstände zu Grunde liegen müssen. Die allgemeine und natürliche Richtung der Geister in unseren Tagen ist der Zeitgeist und das erwirbt den größten Ruhm, daß etwas zeitgemäß sei! Die Aufgabe ist aber nicht bloS zu fördern, was die Zeit Gutes hat, eS ist vielmehr eben sowol Aufgabe, der Zeit entgegenzuwirken, wenn sie Fehlerhaftes hat. In Mitten dieses StrebenS, dem -Zeitgeiste zn folgen, wird aber nicht selten mit Gedanken und Gefühlen verkehrt, ohne daß das Innerste der Seele davon berührt wird, und es scheint daher waö unsere Zeit schafft, den Schaffenden selbst nur ein Äußerliches zu fein. Daß dieß auch auf viele unserer Reformatoren Anwendung hat, darüber geben uns sogar ihre literarischen Arbeiten wie deS Dr. A. M. Zeugniß, indem die Gesinnungen die darin vorwalten, von der Art sind, daß sie alles Eigenthümliche in Sitte, Ansicht und Bildung von Grund augerichtet ihm gegenüber, in der Hand das blitzende Dolchmesser. den Schützer ihrer Ehre. Nicht hier, rief sie finster; aber führ mich chinaus aus diesen Mauern und ich bin Dem. Was habe ich für Gewähr wenn Du frei bist'? fragte er. Meine Furcht, entgegnete sie, daß Du, wenn ich Dich täuschte, meinen Verfolgern mich in die Hände lieferst. Und wenn ich Dich hinausführe, wo willst Du Dich verbergen? Im Hause meines Großvaters bis Mitternacht. Dort finde ich Geld und Mittel zu unserer Flucht. Doch dort sucht man Dich zuerst, wendete er ein. Wenn ich fort bin, sagte sie sorglos, dann mag man inich suchen.. Mein Großvater wird sich beeilen mich aus der Stadt zu schaffen, denn auch er weiß, daß meine Verfolger zuerst sein Hauü durchspähen werden. Bruder Martin dachte, daß er nicht sonderlich viel ivagte, wenn er dem schönen Mädchen zur Flucht behilflich ivar. Erstens konnte er es so einrichten, daß auf ihn kein direkter Verdacht fiel, und zweitens war er iin Besitze manches Geheimniffes. daö ihr. schützte. Den Dienst im Kloster hatte er herzlich satt, und wenn die holde Genossin seiner Flucht ein gutes Stück Geld mitnehinen konnte, wie sie zu hoffen schien, dann kam ihm ein Abenteuer gerade recht, vorausgesetzt, daß sie früh genug ein i?and erreichte», roo sie vor der Verfolgung deS Paters Kiaeomo sich sicher fühlen konnte». Gut denn, sagte er nach kurzen lleberlegen, wie die Flucht aus dein Kloster an» besten gelingen möchte, ich wills auf Deine schönen Augen hin wagen. Aber das sage ich Dir zuvor, suche mich nicht zu täuschen, denn bei allen Höllenteufeln, ich schleppe Dich hierher zurück und in deS Paters Arme, wohin Du auch gingest und wär'S in Abrahams Schooß. Hör also zu. Ich habe zu dieser und allen Zellen, die mich interesfiren. zwei Schlüffel. waS einem > gelernten Schlosser gerade keine Schwierigkeit gemacht hat. Jetzt schließe ich Dich mit dem einen Schlüffel, den ich dann zur Priorin trage, gewisienhaft ein, lasse Dir aber den andern hier, damit Du, ivenn es dunkeb wird, von -innen mtfschließen kannst^ Jedenfalls bleibst Du so lange hier, bis man Dir Dein karges Mahl gebracht hat, damit man Dich noch sieht, wenn ich das Kloster verlassen habe. Auf diese Art trifft mich kein Verdacht und ich kann uin so nngenirter unsere weitere Flucht betreiben. Aus dem Kloster selbst kannst Du nur durch die Kapelle gelangen, die an der Straßenfront liegt und in die Du von dem Korridor, an dem sich diese Zelle befindet, bequem eintreten kannst. Vermuthlich ist die Lhür verschlosfe», doch werde ich Sorge tragen, daß du sie zur rechten Zeit offen findest. In der Kapelle, zu der ich gleichfalls eine«» Schlüffel habe, erwarte ich Dich und damit Gott befohlen! X Er gab ihr den Schlüffel zur Zelle und ging hinaus. Sie aber warf sich, als sie uoii* außen znschließe» hörte, auf die Knie und hob mit leuchtendem Blick die Arme nach oben und ries mit Inbrunst: Zurück zu Dir, Herr Zebaoth! So lag ne und betete lang zu dein Gott ihrer Väter. Durch das kleine Fenster unter der Decke schien die untergehende Sonne mit röthlicheu Strahl, bald aber sanken tief und tiefer die Schatte» herab und die Stuiide d-r Befreiung nahte. Sie war mit der Stirn aut den Rand des Bettes gefunken und überströnite es mit stürmenden Throne», während ihre Brust in krampfhaften Stöhnen sich hob und senkte. Sie dachte de» grenzenlosen Elends, daß sie mit ihrem lleberteitt auf das greife Haupt ihres Großvaters gehäuft hatte, ste dachte ihrer Elten», die Beide im Grabe -ruhten »nd seufzte: C, trauteste Mutter, herzliebster Vater, nicht lange inehr und wir werden nnS iviedersehen. wenn ich noch wieder würdig werden kann, in das Paradies einzngehen, wo Euere seligen Schatten wandeln. (Fortsetzung folgt.) 14*

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