Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-07-15 · 14 (15.7.1869) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
14 (15.7.1869)
Date
1869-07-15
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433975--336-4890677
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

132 konservativen Elemente wie: Hildesheimer, Hirsch, Frankl, Güdemann u. s. w. die nicht dem zerstörenden, sonderndem heilenden Prinrip huldigen, ohne Dogmen zu negiren, oder gesunde mit den stehenden Borschriften der Religion nicht kollidirende LZcrbesserungcn zu verketzern, so wäre eher Hoffnung auf die Einigung der religiösen Anschauungen im Iudenlhume und die Bttheiligung an der sogenannten Synode eine großartige gewesen, während sie nur einem Rumpfparlamente glich, in welches durch eine der Religion und des IudenthumS nicht würdige Agitation. Diverse Männer, zum größten Theile solche, nicht durch den Willen der Gemeinden denen sie angehören, sondern durch ihre eigene spontane Kraft gewählt, rekrutin wurden. Ohne etwa die geistige Seite jener Reformsüchtigen anzutasten, ohne ihnen die große Thätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Literatur abzusprcchen, ohne uns an des Dichters Worten zu halten: Alles was entsteht, ist wcrth, daß e« zu Grunde geht, müssen wir jener modernen Legislative ein wemevto zurufen, welches lautet: Euer Wille ist noch nicht ihr Witte. Eromwell und jeine Freunde, so weist die Geschichte des 17. Jahrhunderts nach, drangen im Parlamente auf die Rothwendigleit einer Reformation. Man machte eine Verordnung der Selbstverleugnung, wie man sie nannte, wodurch die ParlamentSgliedcr eine sehr kleine Zahl ausgenommen von allen Ehrenämtern ausgeschlossen wurden. Nur eine solche Verordnung der Selbstverleugnung schien in dieser Parlament ähnlichen Synode nicht gewesen zu sein und in der Luft die hängenden Gärten der ScmiramiS geschwebt zu haben, aus denen die Lorbecrkränze der Unsterblichkeit schon im Geiste der Reformer hcrvorwachscn sollten, und die Ostentation war eine große, die zum elektrischen Funken dienen sollte, um das Pulverfaß des alten Judenthums zu sprengen, damit die Splitter nach allen Richtungen der Windrose fliegen nnd neue Ordnung der ■ I Dinge, ein andere- Judenthum über Nacht geschaffen werden. Diese glühenden Splitter jedoch flogen in da- Gehirn der wenig berechnenden Faktoren, erhitzten daselbst die Phantasie, die ein wenig abgekühlt, einsehen dürfte, daß die Bewegung einiger Rabbiner noch nicht die Bewegung ^»t^^olkes bedeute- Man sei übrigenversichert, daß die bereitabgespielte Synode sammt ihren Bravofür die Theilnehmer an derselben nichtals Utopie, für die gesammte Judenheit eine Seifenblase war. die im Hotel de Pologne schon platzte, noch bevor die Ncologen Reformbeladen nach Hause gekehrt sind. Dieser so ruhmreichen Synode, in welcher sich wenigstendie Friedfertigkeit Gleichgesinnter dokumentirte, reiht sich der Gemein de tag als ein zweites Rumpfparlament an. Wie wir diesen auffaffen sollen, ob als eine politische Demonstration des jüdischen Deutschlands gegen das jüdische Oesterreich, ob aleine diätetische Heilanstalt für kranke Gemeinden oder als einen kommunalen Unsinn, bringt uns faktisch vor Allem der gefaßte Beschluß deö GemcindctageS: „Letzterer soll ein Bund aller i srac l. G e m rinde nDen tschland S und D eu t s ch ö st er reich S sein" in Verlegenheit und wir wollen vor Allem, ohne auf da- Resultat. daS sich für Böhmen in der Ernennung deö Hrn. Feig! Ablegaten der Präger jüdischen Gemeindevertretung, zum Almosenier für die nothleidendcn Juden in Wcstrußland gipfelt, zu blicken, prüfen, ob ein Gcmeindetag in Leipzig, im Stande ist, die derouten Verhältnisse unserer Gemeinde zu heilen, sie zu ordnen und die Gemeinde selbst zu einer lebensfähigen zu machen. Es werfen sich uns hiebei folgende Fragen auf: Kann der Gemeindetag in Leipzig uns Männer in die Vertretung schaffen, die Sinn, Herz und Gefühl für das Judenthum haben? kann er unjene Vordringlinge entfernen, die unsere jüdischen Institute, die der Lehre des Talmuds geweiht sind bis zur Demoralisation zerstört haben? kann er unreformistisch nnd die Speisen waren dnalistisch nnd sic sahen, daß sic gut waren. Der Heer Vorsitzende der Versammlung studirte Psy. chulogic und präsidirte musternnd meisterhaft mit der Präger Glocke, die der h. Georg hergebracht und hören Sc mal nnd scden Sc mal: Friede war ihr erst Geläute I Ich habe mich göttlich amüsirt und alS ich sah, daß mit der Stmodc nischt hcraus- -kommt.- besuchte chst -dcn Gemeindctag. In inclncm Entsetzen sehe ich einen großen Moffcr vor mir, bei dem ein Herr aus dem hundertthürmigcn Prag mit dem AnSpacken von Dingen beschäftigt ist, die wahrscheinlich für die nächste Messe gehören: Hören Ec mal nnd sehen Sc mal, der Pia» von dem neuen Waiscnhanse in Prag mit der Orangerie und den duftenden Gärten machte Sensation, daö Modell einer höher» Talmud-Thoraschule in Prag bezaubnkk, die jüdische Gcmeindebibliothck enlhusiaSmirte, und das Bild vom jüdischcu-Rathhanse entzückte so sehr, daß man beschloß, dasselbe für die..Gallerte in Dresden anuikaufcn. Re I ich muß Ihnen fagen, so waS ist in Leipzig noch'nicht gesehen worden, und bald darauf wurde dein Herrn von Prag hier ein „Ehrensitz" ohne Patent c »geräumt nnd der Auftrag crrhcilt, sammeln zu gehen. ES kommt nisäit über die sächsische Gcmüthlichkeit, und sollte ich cS erleben, daß hier im schönen Leipzig wieder einmal eine Synode stattsindcu sollte, werde ich mich den Leutchen vorstellr», daß ich der schöne Meier bin,, der der alte Unrefornüne geblieben ist. Zurück zu Dir, Herr Zebaoth! < Fortsetzung.) Bruder Martin ivar im Kloster erzogen und ausgewachsen und hatte mancherlei Funktionen, die seiner Sorge anheiinfielen, von eitlem alten Oheim' so zä sagen geerbt. Er war ein Faktotum n allen Handdicnsten und gewissermaßen unentbehrlich, cha cS so Bteles zu thun gab, waS man nicht AU und Jeden anvertraurn mochte. In seiner langjährigen Präzis war ihm nun manche Himmelsbraut begegnet, die dem Schleier der Unschuld, mit dem sie sich schmückte, nicht allzu viel Ehre machte; manche hatte er, da er ein recht stattlicher Mann war, selbst zu trösten gesucht und manch eine Andere sah durch seine Vermittelung und Protection sich in bcu Stands gesetzt, in Erwartung des himmlischen Bräutigams mit — einem irdischen in intimere Beziehungen zu treten. Wie viele aber und in wie vielen Verfasiungeu sie ihin auch erschienen waren, ein Wesen, wie diese Judith-Maria hatte er nimmer gesehen; keine andere war auch mir annähernd so schön, und noch, weniger sonst eine von so e^ccntrischen Launen. Freilich hatte der Pater Giacowo, der nicht nur im -Kloster Alles galt, sondern auch draußen als der schönste Priester der Residenz den Willen allmächtiger Damen lenkte, seine bewundernden Augen auf sie geworfen, nnd das inußte minder schönen lmd sicgcsgcwisicn Männern den Muth benehmen, für diese süße Rose Judas sehnsüchtige Wünsche zu hegen; aberivtltn sic ihn wirklich haßte, — und ihre blitzenden Augen schienen, cs in Flanunenzcichen zu bekennen und ihr stürmisch wogender Busen, desicn göttlich geschwungener Form selbst das Nonncngcwand nicht ganz beti sieghaften Zauber zu bergen vermochte, athmcte Haß mit jedem HcrzenSschlagc und- Bruder Martin sah sich nach den Worten der Verheißung die dunklen Augen wie Sonnen der Erfüllung daö entzückende Antlitz, wie eS mit diesem sinnberückendcn Reiz von allen Weibern der Welt nur der Jüdin gegeben ist, ersah die purpurnen Lippen noch einmal zu einem seligen Lächeln sich wölben und hörte noch einmal mit dem tiefen Ton, der in alle Nerven dringt, den Ruf, der diese.» Weibe und diesem Schicksal gegenüber an Alles, waS in ihm Mann war, zugleich gppellirte den Sircncürnf: Hast Dn Muth? Und uvci weiche Arme umschlangen ihn und er fühlte die schlanke, schwellend: Gestalt an sich geschmiegt und all sein Blut ivic ein Strom kochender Lust durch die Adern stürzen. Rette michl flüsterte sic, rette mich und ich bin Dein. Er wollte sie mit seine» Armen umfangen, doch schon war sie wie eine Schlange ihm wieder entschlüpft und stand hoch auf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.