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Die Gegenwart · 1869-07-01 · 13 (1.7.1869) · p. Seite 128

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
13 (1.7.1869)
Date
1869-07-01
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
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128 und der Tummelplatz der verschiedensten Ansichten über die Emanzipation der Juden war, so wie mit den pro und coiitra Debatten der verschiedenen Abgeordneten die UtilitätS» Periode, der er die Recht-period« folgen läßt. Nachdem die Emanzipation des deütfchen Volkes der Beginn des RechtsstaatrS, auch die Emanzipation seiner Konfessionen in sich Unterschiedes nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemarh Italien und nach und nach in Oesterreich, wo seit den letzten 2 Jahren vollkommene Gleichstellung der Konfes׳ sivuen herrscht, während in Schweden die staatsbürgerlichen CoiifesiionSunterschiede noch nicht ganz vernichtet sind, Norwegen in seiner konfessionellen Starrheit verblieb, die Lage der Juden in Norwegen, Rußland als keine erquickliche. die in Rumänien als eine sehr traurige bezeichnet werden kann. Mt dieser Zeichnung der Zustände in den verschiedensten Landern gelangt das Werk zum Abschlüße, das der Verfasser io geistreichster und bedeutende Geschichts« und Literaturkenntniß verrathender Weise zusammengestellt und zu einem der interessantesten gemacht, welches die jüdische Literatur ausweist. Ausführlicher Rechen'sch'aftSb^rlch't der 35 Mitglieder des ungar. isracl. EongreffeS. Herauögcgeben von dem Mitgliede Dr. Israel Hildesheimer. Erster Thril. Er« schienen in Prag bei Senders & Brandeis 1869, Geehrter Herr Redakteur! Die vom Hrn. vr. Hildesheimer unter genannten Titel bei Ihnen erscheinende und im ersten Theile bereits der Öffentlichkeit übergebene Parteischrift, wird, wie von allen GesinnungSge- »rossen, gewiß auch von Ew. Wohlgrb. mit der lebhaftesten Theilnahme begrüßt. Ew. Wohlgeb. werden daher gewiß die Spalten Ihres geschätzten, vielgelesenen Blattes folgenden Zeilen bereitwilligst öffnen, welche jener Schrift die gerechte Würdigung und wohlverdiente Aufmerksamkeit möglichst Vie- (er zuwenden möchten. Vorliegender Congrcßbericht der Fünfunddreißiger Partei verdient wie nur wenige Produkte unserer schreibseligcn Zeit in gar »nanchem Betracht mit vollstem Intcrcffe gelesen zu werden. Selbst der leichtlebigste Indifferentismus, der stimmtlichen bewegenden Fragen des zeitgenöffisch.׳,» JudenthumS achselzuckend ferne steht, muß sich hier von einer nicht ge« ringen Anzahl stylvoller und geistreicher Reden der Parteiführcr, als von rhetorischen Meisterwerken angezogen und gefesselt fühlen. Wer aber erst nur irgend noch Sinn und Empfänglichkeit für jüdische Interessen hat, — möge er welcher Partei innner «»gehören, — hat gewiß Ursache, den Herausgebern dieser Schrift die dankbarste Anerkennung zu zollen. Denn bei der gespanntesten Aufmerksamkeit und bei dem stetigsten Verfolgen der Eongreßverhandlungen — dieser zunächst für Ungarn, aber auch für die Zukunft der gesammten Juden« heit höchst bedeutungsvollen und gewichtigen Beratyungen und Entschließungen — war es dennoch rein un!nöglich, seinerzeit aus den zerstreuten, meist at sichtlich entstellenden Mittheilungcn der Journale sich ein zusammenhängendes Ganzes über den mehrmonatlichen Prozeß und die Produkte des EongreffeS zusammenzustellcn. Höchst willkonunen muß daher dieser Bericht sein, der uns ein treues, obwohl im Partei-Rahmen, dennoch nnparteiisch gezeichnetes Bild des ganzen EongreffeS bietet. Wir erhalten hier eine klare übersichtliche Geschichte des EongreffeS, von seinem Zusammentritte bis zur Auflösung. Vollends aber Derjenige, welcher mit Herz und Seele mit seinen religiösen Ansichten, Wünschen, Sorgen und Hoff« nnngen eben der Partei angehört, deren Vertreter im Eon» gresse hier über ihre parlamentarische Thätigkcit Rechenschaft oblegen, wird gewiß diese Blätter mit vollstem Genügen und mit der hohen Befriedigung lesen, welche die Ehren« rettung derPartei gewährt. Bon allen Partcischattirun« gen wurde diese liberale konservative Partei von allen Seiten *n das schiefste Licht und in den schwanken Dämmer der vScrllirenden Unselbstständigkeit hingestellt. Wie oft musste sie nicht von Lästerzungen und Schandpreffm die höhnendsteu Schmähungen ertragen, wie: ״Sie coquettire nach beide« Seiten hin," ,sietreibe mit beiden extremen Parteien gewissenlose- Spiel," ,Sie nehme bald den Arm der leichtgläubigen Alten, öafb Taffe sie denselben treulos, um mit den Neuen zu gehen." ,Sie wiffe selbst nicht, was sie wolle" u. s. w. — Diese und ähnliche Verdächtigungen gegen die gemäßigten Orthodoxen verstanden die Herren Ne« ologen mit gar tückisch feiner Berechnung und mit triumphierender Schadenfreude im Lager der Orthodoxie hervorzu* rufen und zu nähren, um so unter der noch immer gefürch« tetcn Minorität das gegenseitige Vertrauen zu untergraben und einen, die Gefährlichkeit-ihrer. Opposition bedeutend schwächenden Bruch herbeizuführen. Nicht selten ist ihnen das Diplomatcnstückchen auch.gesungen! Und leider ist dahcraufbeschworene MiStraüen׳gegeü"den liberalen Theil der Orthodoxie auch 'über den Raum und die Dauer des EongresseS hinaus unter die ängstlichenGlaubenStreuen gedrungen!— Diese fünstmddreißig Deputaten waren eS daher in der That ihrer eigenen, wie der Ehre ihrer ׳Partei schuldig, ,ihren Wählern, der Mit- und Nachwelt Rechenschaft abzulegen" und hiemit alle MiSverständnisse zu beseitigen. Und wahrlich, mit dem gehobenen Bewußtsein kräftigst geübter und opfer« reichster Pflichterfilüung, mit der Gewissheit allseitig folgender Anerkennung, getrost, ruhig, ja freudig konnten diese intelli« gcntcn GlaubenSmatadore diesen Bericht ihrer Congreßthätigkeit dem strengsten Kriterium der Oeffentlichkeit unter« breiten. Sobald wir diesen Bericht aufschlagen, sofort verfliegt vor dem Rauschen dieser Wahrheit athmenden Blätter all dasLügen-Gezücht von Verleumdungen und geringschätzigen Aburtheilungen, das im Schandpfuhle der Neologen auSgebrütet und nach allen Richtungen hin loSgelaffen wurde. — Schon aus dem ersten Theile dieses Rechenschaftsberichten »nuß es überzeugend klar werden, daß diese Partei wahrlich wüßte, was sie wollte, daß sie nach einem deutlichen, in festen Zügen vereinbarten Programme einem fest gesteckten Ziele zustrebte, daß sie auf dem festen Grunde selb st eigener Prinzipien und nicht auf einem an« derSher unterschobenen, in sich zerklüfteten Boden baute, daß sich durch ihre ganze Thätigkeit in- und außerhalb de- Eongreß - Saales ein, mit umsichtiger Gewissenhaftigkeit selbst gesponnener einheitlicher Faden zieht, daß ihr Thun und Lassen von Anfang bis zu Ende Einen Geist athmet und von Einer Tendenz bestimmt wurde. Bonder Tendenz nämlich, wie sie in der Kundgebung sich ausprägte, welche die dem Congresse vorangegangene Rabbinerversammlang gleich zu Anfang proclamirte. Jene Kundgebung sprach als Zielpunkt der Berathung aus: ״Jede irgend mögliche Versöhnung mit den verschiedenen reli« giöscn Richtungen huldigenden Brüdern in Ungarn und Siebenbürgen anzubahnen, so wie sich über die Mittel zu verständigen, wie bei Fe st Haltung und sorgfältiger Hebung der mündlichen und schriftlichen Lehre -חזרה שבכתב ושבעל ם־ nebst unwandelbarerBerbindlich« keit des darnach verfaßten ע 1 ו sש ו ל ת und der *?מנהגי ישר א für daS religLöse Leben dem vaterländischen Streben nach Eultur und Jugenderziehung in würdiger Weise Rech, n ung ju tragen und dieselbe besten - zn fördern sei." — Später, schon während der Rabbiner- Versammlung selbst, noch mehr im Congreffe, zeigte es sich, daß es den Meisten mit dieser Kundgebung ׳durchaus nicht ernst war. Nur.diese engere orthodoxe Partei, deren Prinzipien in vorliegendem Gericht zum Ausdruck kommen, stand nnd kämpfte für die ausgesprochene Tendenz mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Diese Tendenz war die Seele ihrer ganzen parlamentarischen Thätigkeit. — Wir sind mit den Herausgebern der Uiberzeugung, daß die Beschlüsse des ung. »sr. EongreffeS, so dieselbenin Wirk-

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