Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 13 (1.7.1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- Seite 127 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Beilage zur „gtflcnmrt" Nr. 13. Synagogen mitzuwirken, in so ^ern an.denselben.vM dem betreffenden Shnagogenvorstande die Einladung zur Mitwirkung ergeht. Diesem Paragraphe entspricht nicht der Au-druck »kirchlich/ nachdem in den Statuten von der Kirche Nichtgesprochen wird und zeigt wieder, wie. sehr man everschmäht, die nationale Seite de» Judenthmn» hrrvorzukehttn ünv, wie sehr man eliebt, da» jüdische Moment in die Ma-Ie de» Fremdartigen zu kleiden. Der Verein würde gewiß bei dm Israeliten wie bei dm Richtisraeliten nicht» an Werth verlieren, wenn da» Atribut „synagogal* beibehaltm worden wäre. Im Interesse de» Vereine», machm wir auf da» heutige denselben betteffende Inserat aufmerksam. ÄusvSrttges. Tacha». Die hiesige Gemeindevertretung hat am 12. v. M. der hiesigen mittellofm israelitischm Gemeinde ein Grundstück zur Erweiterung ihre» Friedhofe» geschmkt. Teplitz. Hier fand am 1b. v. M. im israelitischen Tempel die Trauung eine» Mädchen» au» Schönlinde, da» am 14. den Austritt au» der christkatholischen Kirche bei der LezirkShauptmannschaft in Rumburcngezeigt hat und zum Judenthume übergetreten ist, mit einem israelitischen Kaufmanne statt. Lresla». An der Stelle de» verstorbenen Herrn Dr. Celakovsky. Professor der flavischen Sprache an der hiefigm Universität wurde für diese Lehrkanzel Herr vr. Caro,-jedoch ohne Gehalt, well derselbe ein Jude ist, bestimmt. Paris. Der neue Oberrabbiner von Pari» macht gegenwärtig eine Rundreise in seinem Sprmgel; er begann sie mit der Gemeinde und dem Lager von Chalon»; in Lion, wurde der Herr Oberrabbiner mit größter Auszeichnung empfangen. — Herr Georg Hohem vr. der Medizin wurde zum patalogischm anatomischen Präparator an der medizinischen Fakultät in Pari» ernannt. N»»ey. An der Universität daselbst befindet sich al» Professor ein Israelit Herr Cahen noch nicht 24 Jahre alt, zählt aber unter seinen Schülern einm Zögling in einem Alter von mehr al» 40 Jahren, welcher den" Handelstand verließ, um die Rechte zu studiren. L-»da». Letzten Montag besuchten der Prinz und Prinzessin von Wale» und der Kronprinz von Dänemark da» Spital von Bartolomäu», wovon der Prinz von Wale» der Präsident ist. Er wurde von den Administratoren, worunter Sir Mose» Montefiore war, empfangen, mit welchem sich der Prinz, während seine» ganzen Bcsuche» unterhielt und dem er eine besondere Aufmerksamkeit schenkte. — Herr S. A. Hart von der königlichen Akademie und der Lieutnant Emanuel Montefiore hatten die Ehre von Sir Mose» Montefiore dem Prinzen und der Prinzessin von Wale» vorgestellt zu werden. — Auch der Herr Oberrabbiner vr. Adler besucht in Begleitung seine» Sohne» Vr. H e r r m a n Adler, die israelitischen Grmetudeu England». Holland. Herr Gabriel Pollak, einer der berühmtesten Hebräer unserer Zeit, ist in Amsterdam gestorben, rin beinahe unersetzlicher Verlust für die hebräischen Wissenschaften und da» Judenthum. Italic». Am 27. Mai starb Herr Samuel Bedar i da, Ritter de» St. MauritiuS-Orden» in der schönsten Blüthe seiner Jahre, allgemein bedauert und betrauert. . Klare»;. Herr Professor Luzzatto von Padua wurde zum Sekretär beim Ministerium de» Ackerbau-, der Industrie und de» Handel» ernannt. Sie»». Herr Cäsar Sa dun wurde zum königlichen außerordentlichen Eommissär der israelitischen Gemeinde von Siena ernannt. 3»»«». (Asien.) Ja Pokohama .befinden sich ungefähr 90 israelitische Familien, welche ein Stück Land, um einm Tempel zu bäum und ein andere- Stück al» Begräbvißplatz zu bmützm, gekauft habm. Damask»». (Tod eine» Helden.) In DamaSka» starb einer unserer würdigstm Glaubensgenossen Chacham Musa, Ben Chachem Behar Ieuda, berühmt durch seine besondere Theilnahme in der Angelegmheit de» Pater» Toms». Da er einer der wichtigsten Mitglieder der israelitischm Gemeinde von Dama»ku» war, so wurde er auf Befehl der türkischen Regierung eingezogen, welche mittelst der grausamsten Folter ihn zu zwingen hoffte, daß er tingestehen werde, daß die Juden in Dama-ku» dm Mord begangm hättm. Trotz der erlittmen Marter hatte er dennoch dm Muth, die Unschuld seiner Glaubm-gmoffen fest zu dehauptm. Endlich wurde er frelgelassen, konnte aber wegm der ausaestandenen Folter seine Gesundheit nicht wieder erlangen, derm nächsten Folgen seinen Tod nach sich zogm. Amerika. Die israelische Gemeinde zu New-Uork schenkte zur Erbauung de» israelitischen Tempel» in Madrid 500 Dollar» in Gold. Vom Lüchertische. Ein Jahrhundert der Judenemancipation und derm christliche Bertheidiger. Rückblick auf Literatur und Geschichte von Isidor Kaim. Leipzig. Albert Fritsch 1869. (Fortsetzung und Schluß) Die zweite, sogenannte UtilitätSperiode benützt der Verfasser vor Allem zur Besprechung der EmanzipationSliteratur,in welcher er unter Anderem Jacobsohn zu Kassel, Peter Beer und Jeitele» zu Prag. Salomo n und Fränkel in Dessau Erwähnung thut und die verschiedenm Edikte de» Großherzogthum Baden, de» Königreiche» Würtemberg, Bai er n (10. Juni 1813) namentlich Preußen nach der Niederlage von Jma (11. März 1812) hervorhebt, in welchen den Juden gleiche bürgerliche Rechte mit den Christen zugestanden wurdm. Weiter wird der große Eifer, der ohnehin gebildetm Jsraelitm in Preußen für da» neugewonnene Vaterland geschildert, der sich nammtlich in dem Freiheitskriege von 1813—1815, wo sie Gut und Blut opfertm, kund gab. Die Freiheit seine» Gewerbes setzte er der seine» Lande» nach, wofür der Verfasser al» Beweis die Gedenktafel in der Marienkirche zu Lübeck für die Juden anführt, welche dort im Kampfe gegen die Franzosen ihr Leben geopfert haben. Trotzdem wurden sie stiefmütterlich behandelt und die deutsche Bundesakte war es, von der man Besserung erwartete. Auf Grund de» Art. 16. derselben tauchte nun die Literatur für und wider die Emanzipation auf» neue und in großer Fülle und jme blasirte Epoche auf, welche den Grundsätzen der Humanität spottete. Hierauf schildert der Verfasser den Einfluß, den die Julirevolution auf diese stille Epoche machte, und rühmt da» kühne Auftreten de» Professor» Krug in Leipzig, der in seiner Schrift: „Verhältnis verschiedener Religionsparteien zum Staate und über die Emanzipation der Juden" (1828) die Gleichstellung der Juden mit den Katholiken befürwortete, geht auf Börne und R o t t e k über, von dmen rrsterer für die Freiheit im Allgemeinen kämpfte, letzterer hingegen, sonst freisinnig, allen Ernstes die Herrschaft de» Staate» über die Confeffionen vertheidigte, bis er auf Wolfgan g Menz el, Schott und Vieepräfident Hasse au» Leipzig zu sprechen kommt, der von der Ansicht au»- ging, der Staat müsse sich außerhalb der Religion stellm, weder Sabbathfeier noch Speiseverbote oder die Beschneiduug stünden dem StaatSzwecke entgegen. Der Verfasser bespricht nun die RegierungSzeit Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, den Einfluß den A l e $ a n t> e r ö. Humboldt auf die Gleichstellung der Konfessionen geübt, und schließt in einer lebhaften Schilderung de» vom Könige au» der Mitte der ProvmziaÜandtage zusammen berufenen Landtage», der mit den Generalpäaden Frankreich» von 1789 Aehmichkeit hatte,